Islamisten auf ukrainischer Seite

Putins tschetschenische Banden hat man im Westen auf dem Schirm – jedoch kaum jene Islamisten, die sich in der Ukraine seit dem Bürgerkrieg in Syrien eingenistet und für Kiew in der Ostukraine gekämpft haben. Angesichts ihres unbekannten Verbleibs ist Nancy Faesers Migrationspolitik ein Sicherheitsrisiko.

IMAGO / ZUMA Press
Der tschetschenische Kommandant des Sheikh Mansur Bataillons am 25. Juli 2015 in Mariupol. Das Schicksal vieler tschetschenischer Kämpfer und Dschihadisten in der Ukraine ist bis heute unklar.

Von ihnen sprechen alle – den Tschetschenen, die Wladimir Putin im Ukraine-Krieg einsetzt. Kürzlich folgte die nächste Nachricht: Russland will Söldner im Nahen Osten anwerben. Weitaus weniger bekannt ist, dass bereits vor Jahren Dschihadisten in der Ukraine im Einsatz waren und dort immer noch kämpfen – aber auf ukrainischer Seite. Klingt merkwürdig? Nein, es gibt einen direkten Konnex.

Bereits 2015 berichtete die New York Times von tschetschenischen Bataillonen, die gegen russische Einheiten kämpften. Die Ukrainer heißen sie willkommen im Konflikt in der Ostukraine. „Wir kämpfen gerne gegen die Russen“, sagte einer von ihnen gegenüber dem US-Blatt. „Wir kämpfen immer gegen die Russen.“ Besonders in der Gegend von Mariupol kommen sie zum Einsatz. Dort kämpfen sie gegen die pro-russischen Separatisten. Die Zeitung berichtet: „Die Armee, korrupt und unterfinanziert, war weitgehend wirkungslos. Daher begrüßen die Ukrainer die Unterstützung sogar von militanten Islamisten aus Tschetschenien.“

Seit Jahren kämpfen Tschetschenen für die Ukraine, den Westen juckt es nicht

Laut New York Times unterstehen die Tschetschenen einer rechtsextremen Miliz. Die Regierung gibt keine Auskunft darüber, wie viele Tschetschenen in der Ukraine kämpfen. Unter den Islamisten bilden Tschetschenen die Mehrheit, doch es gibt auch Usbeken, Balkaren und Krim-Tartaren. Das Besondere: Sie kämpfen ohne Sold.

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Dass der unter dem seit Katharina der Großen als „Neurussland“ firmierende Teil der heutigen Ukraine ein ursprünglich von muslimischen Steppenreitern des Krim-Khanats beherrschtes Territorium ist, hat der unter historischer Amnesie leidende Westen längst vergessen. Wie Andalusien gehört er zu jenem Teil des Dār al-Islām (Haus des Islam), der von Nicht-Muslimen erobert wurde und bis heute beherrscht wird. Islamische Fundamentalisten sehen darin einen Makel, den es zu tilgen gilt.

Es ist demnach fraglich, wie sehr sich Kiew einen Gefallen getan hat, die muslimischen Söldner gegen den gemeinsamen Feind kämpfen zu lassen. Französische Behörden warnten die ukrainischen Kollegen frühzeitig vor der Gefahr, die mit solchen Söldnern drohe. Viele Tschetschenen hatten vorher schon in Europa gelebt und waren als Extremisten aufgefallen.

Syrische Dschihadisten mitten in Kiew

Der tschetschenischen Vorhut folgten andere islamistische Kämpfer, die eines gemeinsam hatten: den russischen Feind. Die Entwicklung gipfelte im Jahr 2019, als mitten in Kiew der IS-Kämpfer Caesar Tokhosashvili festgenommen wurde. Tokhosashvili, gebürtiger Georgier, schloss sich 2015 dem Islamischen Staat (IS) an. Er hatte den Posten eines Kriegsministers inne und gehörte damit zur Elite des IS. Bekannt war er unter dem Kampfnamen Al-Bara al-Shishani – und galt als tot. Vermutlich lebte er bereits seit 2018 in der ukrainischen Stadt Bila Tserkva, nachdem er im August 2017 seinen Tod falsifiziert hatte.

In Bila Tserkva lebte er unbehelligt mit seiner Frau und drei Kindern, arbeitete als Taxifahrer ohne Lizenz und betrieb eine Bude auf dem Markt. Im ukrainischen Refugium plante „al-Shishani“ weitere Terrorattacken, warb neues Personal an und blieb im Kontakt mit Amniat, dem Geheimdienst des IS.

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Tokhosashvili ist nur ein Beispiel kaukasisch-muslimischer Kämpfer, die zuerst in Syrien kämpften – und anschließend Zuflucht in der Ukraine suchten. In vielen Fällen wurden jedoch Auswanderer aus dem Kaukasus in der Ukraine von Leuten wie Tokhosashvili angeworben, in Drittländern – etwa der Türkei – ausgerüstet und anschließend in Syrien eingesetzt.

Dass die Ukraine potenzielle islamische Terroristen in der Vergangenheit kaum durchleuchtet hat, hängt nicht nur mit der Hilfe gegen die Russen zusammen: Islamischer Terrorismus ist für Kiew kaum eine Bedrohung, der Geheimdienst hat sich nicht darauf spezialisiert. Weil die Ukraine Aufmarschplatz und Rückzugsort ist, ist auch nicht mit islamischem Terror zu rechnen. Insbesondere vor der Einführung biometrischer Pässe waren ukrainische Pässe einfach zu beschaffen – oder wurden zu Spottpreisen von Krim-Einwohnern nach 2014 verscherbelt.

Wo sind die Islamisten jetzt?

Nach dem Fall des IS verschwanden zehntausende IS-Kämpfer aus Syrien – niemand kann ihre Spur konkret nachverfolgen. Doch eines der Auffangbecken dürfte die Ukraine sein. Ähnlich der historischen „Rattenlinie“ gelangten viele Islamisten nach Osteuropa und konnten dort untertauchen. Die Ukraine mit ihren schwachen Institutionen und korrupten Behörden war ein lohnendes Ziel. Im andauernden Krieg in der Ostukraine war das auch deswegen möglich, da die Ukraine Freiwilligenbataillone anwarb. Auch finanziell bot sich die Ukraine als dschihadistischer Umschlagplatz an.

"Alle Pässe werden kontrolliert"
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Bisher gibt es nur vereinzelte Meldungen über Tschetschenen, die sich aus Europa freiwillig melden, um auf ukrainischer Seite gegen die Russen zu kämpfen – es überwiegt bisher der Eindruck, es handele sich um eine rein russische Angelegenheit. In Wirklichkeit handelt es sich aber nur um die Spitze des Eisbergs. Denn auch in Syrien selbst regen sich die Islamisten neuerlich, die den Krieg aufseiten der Ukraine anfeuern, und auf eine Schwächung des russischen Bären hoffen – um bald wieder zuzuschlagen. Die prekäre Situation Syriens, das in eine Hungersnot zu schlittern droht, tut ihr Übriges.

Was das für Deutschland bedeutet, das mit Innenministerin Nancy Faeser der Überzeugung ist, die Grenzen für Unbekannte öffnen zu können, ist offensichtlich. Denn was aus den Islamisten geworden ist, die bis vor wenigen Monaten gegen die russische Seite kämpften, ist nicht eindeutig geklärt. Anders als Russland greift die Ukraine seit Jahren auf dieses Werkzeug zurück – mit kaum quantifizierbaren Folgen.

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Kommentare ( 23 )

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Alrik
1 Monat her

Die Krimtataren wurden mehrmals von den Russen von der Krim deportiert. Von der Anektion der Krim durch Russland sind die meisten auch nicht begeistert gewesen, und Proteste wurden von Russland schnell und gewaltsam unterdrückt.
Die Tschetschenen wurden mehrmals von den Russen erobert, und momenten herrscht Kadyrow der mit Gegner in Tschetschenien nicht zimperlich umgeht.
Die brauchen keinen fundametalistischen Islam als Motivation, um gegen Russen zu kämpfen, da reicht Rache völlig aus.

Kassandra
1 Monat her

Dass es beispielsweise in Schweden des Öfteren kräftig rummst, kommt hier bei uns gar nicht in die Öffentlichkeit: https://twitter.com/jreichelt/status/1515228351023267843?cxt=HHwWhoC-hYiKlocqAAAA
Aber auch über solche Vorfälle bei uns sind die Medien bereinigt – zumal auch in den Pressemeldungen der Polizei solches seit Jahren nicht mehr weiter gegeben wird. Außer es kommt ganz dicke – wie bei der Krawallnacht in Stuttgart.
Auch interessant die Frage, wem die Milliardengelder für die Ukraine aus dem Westen zufließen und wer die gespendeten Waffen letztendlich in Händen halten wird.
Wie erstaunt wird man tun, wenn diese am Ende auf uns selbst gerichtet werden?

Last edited 1 Monat her by Kassandra
Chris Groll
1 Monat her

Hallo Herr Gallina, danke für diesen einmal anderen Artikel über die Ukraine.
Sehr aufschlußreich und erhellend.

Urbanus
1 Monat her

Wie stehen eigentlich die Aktienkurse der Waffenindustrie? Big Pharma hatten wir schon. Eine Goldgräberstimmung.

Urbanus
1 Monat her

Es sieht danach aus, dass dieser Krieg sehr lange dauern wird. Der Verlierer steht schon jetzt fest: Europa. USA ist fein raus und ist weit, weit weg.

Contra Merkl
1 Monat her
Antworten an  Urbanus

Der Krieg dauert schon lange, man kann entsprechende Videodokumentationen dazu finden. Das erklärt auch wo das Geld zum Teil abgeblieben ist.
Jetzt läuft das größer mit mehr Opfern, mehr Waffen.
Mit mehr medialer Aufmerksamkeit. Das schaukelt sich auf wie ein Mülltonnenbrand vor einem gedämmten Haus bei starkem Wind. Statt der Feuerwehr schickt man mehr Waffen ? Mehr Geld. Was soll dann das Zeil sein ? Alles plattmachen ? Wenn Deutschland
schwere Waffen liefert hängen wir wieder mit drin.
Wer da mit macht, kann nur verlieren.

Thorsten
24 Tage her
Antworten an  Urbanus

Die USA könnte auch eines Tages von den Europäern als der Buhmann und Auslöser des Konfliktes benannt werden.
Spätestens wenn die „Rechnungen“ kommen werden die deutschen Politiker nochmals nachdenken müssen.

Teide
1 Monat her

Da weiß man ja warum die Ukraine gegenüber Deutschland so auftritt wie sie auftreten. Wenn wir nicht machen was die wollen, oder nicht schnell genug, schicken die uns ihre Freunde vorbei.
Denen liefern wir jetzt auch noch das Schießzeug der Bundeswehr.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Teide

Bedenkt man den Bückling in Katar und die offenen Türen für solche, die hier nach Belieben ein- aber gerne auch für Urlaub wieder ausreisen, von Alimentierung, die man leicht als „Tribut“ verstehen kann, könnte man erkennen, dass Orban schon vor Jahren nicht Unrecht hatte, als er eine „Invasion“ andeutete.

Guter Heinrich
1 Monat her

Für Deutschland machen diese islamistischen Kämpfer meiner Meinung nach keinen großen Unterschied. Jedenfalls keinen größeren, als für eine kleine, eingepferchte Schafherde die Frage, ob sie den Pferch mit zehn oder mit fünfzehn Wölfen teilt. Wesentlicher scheint mir die Frage der ethischen Bewertung. Die heilige Ukraine heißt seit 2015 tschetschenische Bataillone im Kampf gegen überwiegend von Russen bewohnte Zivilgebiete willkommen. Der böse Putin wirft jetzt tschetschenische Banden in den Häuserkampf, unter anderem gegen Angehörige des ultrarechten Asowbataillons. Mit welcher Ethik lässt sich hier eine klare Trennlinie zwischen „schwarz“ und „weiß“ ziehen? Diese Frage hat höchste praktische Bedeutung. Denn der Konflikt in… Mehr

Endstadium0815
1 Monat her

Und wir sollen frieren, hungern und verzichten, damit diese Verbrecher, auf beiden Seiten, ihr Ego ausleben können? Auch diese beiden Klitschko Deppen gehen mir gehörig auf die Nüsse. Mir tut die Zivilbevölkerung wirklich sehr leid, aber sie sollten endlich verstehen, das sie für korrupte Egomanen ihr Leben lassen. Baerbock will noch mehr Waffen liefern? Diese Frau kommt nicht aus dem Völkerrecht, sondern aus dem Völkerverbechen.

Tomtargi
26 Tage her
Antworten an  Endstadium0815

Genau. Wir sollen hungern, frieren und verzichten (und das dankbar und begeistert bejubeln), damit geisteskranke, parasitäre Verbrecher auf unsere Kosten leben können wie die Maden im Speck. Welches andere Ziel hätte Politik je gehabt?

DW
1 Monat her

Ist doch schön. Nancy freut sich einen Ast. Noch mehr goldene Mitglieder der „Friedensreligion“ kommen, um uns zu bereichern.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  DW

Islam heißt „Unterwerfung“. Und sie haben den Auftrag, alle Welt der Umma zuzuordnen.
Wo die Interpretation „Friedensreligion“ herkommt – wer kann das schon wissen?

Tomtargi
26 Tage her
Antworten an  Kassandra

Taqqiyya. In der Frühzeit, als er noch keine Macht hatte und die Füße stillhalten mußte, hat Mohammed ein paar pseudotolerante Suren halluziniert, die seitdem von seinen Apologeten und U-Booten tatsachenwidrig als Toleranzbeweis mißbraucht werden. Dazu muß man wissen, daß die Suren nicht chronologisch, sondern nach Länge geordnet sind, neuere aber ältere „überschreiben“. Selbstverständlich ist auch dieses Grundwissen außerhalb informierter Kreise nicht bekannt und würde bei der kognitiv mittlerweile pathologtisch unterkompetenten Mehrheit auch keinerlei Erkenntnisgewinne oder gar Verhaltensänderung zeitigen.

Teiresias
1 Monat her

Radikale Islamisten mit den modernsten schultergestützten Boden-Luft-Raketen der Welt – und dazu offene Grenzen. Genau das hat uns gefehlt!

Thorsten
24 Tage her
Antworten an  Teiresias

Genau dass sind doch die strategischen Planungen von CIA und Pentagon. Ein „Afghanistan 2.0“ für Russland.
Könnte es aber auch noch für Europa werden, wenn die Waffen über unsere „offenen Grenzen“ bis nach Deutschland und Frankreich einsickern.