Auf Kosten der Familie: Die geplante Abschaffung der Ehegatten‑Mitversicherung

Mit dem Angriff auf die beitragsfreie Familienmitversicherung legt die Bundesregierung die Axt an den nächsten Pfeiler der Familie. Wer Kinder, Pflege und Sorgearbeit leistet, soll künftig nicht entlastet, sondern abkassiert werden. Von Sylvia Pantel

picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Nachdem die Familienministerin bereits die Abschaffung des Ehegattensplittings ins Gespräch brachte, droht nun ein weiterer Angriff auf die Familie. Die Bundesregierung erwägt, ein zentrales familienpolitisches Element unserer Sozialstaatsordnung zu beseitigen, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehe‑ und Lebenspartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Damit wird nicht nur ein technischer Versicherungsschritt reformiert: Es handelt sich um ein starkes Signal gegen Familie, gegen Sorgearbeit und gegen die Lebensmodelle von Millionen Menschen in Deutschland.

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Wo bisher Partner ohne eigenes Einkommen oder mit geringem Verdienst beitragsfrei über den Hauptversicherten mit abgesichert werden, soll künftig ein Mindestbeitrag von rund 225 Euro im Monat fällig werden. Damit würde die jährliche Belastung für einen Familienhaushalt um etwa 2.700 Euro steigen.

Für viele Familien wäre das nicht einfach eine Nebenkostenerhöhung, sondern ein existenzieller Einschnitt, besonders für Alleinverdiener‑Haushalte, für Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen, für Patchwork‑Familien und für Paare, die sich gemeinsam für mehr Zeit für Kinder und Pflege entscheiden.

Die unentgeltliche Familien‑ und Erziehungsarbeit wird somit weiter erschwert und erhält noch weniger Anerkennung.

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Stattdessen werden Familien, die sich selbst um die Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder die Begleitung von Partnern kümmern, finanziell abgestraft.

Die Begründung der Regierung lautet, dass die gesetzliche Krankenversicherung schrumpfe und die Familienmitversicherung Arbeitsanreize verzerre. Hierbei wird vollkommen ausgeblendet, dass Familienarbeit unersetzbar ist. Sie bedeutet echte Arbeit, keinen „Subventionseffekt“ für Ehepartner, der abgebaut werden muss.

Diese Sichtweise zeigt, dass die Regierung nichts verstanden hat und auch nicht vorhat, etwas gegen den demografischen Winter zu tun.

Während die Diskussion über die Abschaffung der Familienmitversicherung laut geführt wird, bleibt indes die Ausgabenpolitik der Regierungsparteien weitgehend unangetastet.

Die gesetzliche Krankenversicherung wird damit weiter zur verdeckten Nebensteuer für bestimmte gesellschaftliche Gruppen, insbesondere für Familien mit kleinen Kindern und für Menschen mit niedrigem Einkommen.

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Die Abschaffung der Familienmitversicherung ist zugleich ein demografiepolitischer Blindflug. Deutschland ringt mit einem dramatischen Geburtenrückgang, die Geburtenrate liegt seit Jahren deutlich unter dem Niveau der Generationserneuerung. In diesem Kontext will die Politik Familien mit Kindern nicht entlasten, sondern einer neuen Versicherungsbeitragspflicht aussetzen. Wer Geburten und Familienkontinuität fördern will, muss die Rahmenbedingungen für Familien erleichtern, Ausbildung, Betreuung und Wohnraum entlasten und nicht bewusst eine der wichtigsten familienbezogenen Leistungen abschaffen.

Die Union hatte im Koalitionsvertrag betont, Familien „in den Mittelpunkt“ stellen zu wollen, ein Versprechen, das nach der Wahl nichts mehr gilt – wie so viele Ankündigungen der Regierung Merz. Doch die geplante Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern steht in eklatantem Widerspruch zu diesem Anspruch. Gerade eine christlich inspirierte Partei, die sich auf Werte wie Ehe, Familie und Verantwortung für die Schwachen beruft, sollte sich gegen familienfeindliche Politik einsetzen, und diese nicht auch noch selbst implementieren.

Wer Familien finanziell den Boden unter den Füßen wegreißt, für den ist Familienpolitik lediglich ein Lippenbekenntnis. Wer so agiert, verliert die Glaubwürdigkeit gegenüber den Menschen, die sich auf diese Politik verlassen.

Die beitragsfreie Familienmitversicherung ist kein überholter Luxus, sondern ein Ausdruck dessen, dass eine Familie als Solidargemeinschaft begriffen wird. Nicht nur als Summe einzelner Erwerbstätiger, sondern als Ganzes, in dem bezahlbare und unbezahlte Arbeit zusammengehören.

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Wer dieses Prinzip aufgibt, ersetzt Familiensolidarität durch eine rein individualisierte Versicherungslogik und schickt damit ein klares Signal: Familie, Pflege und Kinderbetreuung zählen nicht als gleichwertige Leistung, solange sie nicht im Rahmen des Arbeitsmarktes erbracht und vergütet werden.

Wer Reformen wirklich will, beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: mit einer klaren Trennung von Versicherungs‑ und Steuerleistungen, mit einer entlastenden Strukturpolitik für Familien und mit einer Anerkennung unbezahlter Care‑Arbeit. Wer hingegen millionenfach Familien, die ohnehin unter finanziellem Druck stehen, mit zusätzlichen 2.700 Euro pro Jahr belasten möchte und daneben strukturelle Fehlfinanzierungen unangetastet lässt, treibt nicht Solidarität voran, sondern verteilt die Lasten unfair auf Familien, schafft neue soziale Spaltungen und blockiert diejenigen, die sich für Kinder entscheiden wollen.

In Zeiten sinkender Geburtenraten, prekärer Arbeitsmodelle und steigender Lebenskosten kann sich eine verantwortungsvolle Politik nicht mit dem Abbau eines zentralen familienpolitischen Bausteins brüsten. Wer Familien tatsächlich unterstützen will, muss jetzt das Gegenteil tun, nämlich die Familienmitversicherung stabilisieren, Sorgearbeit und ihren Wert für die Gesellschaft sichtbar machen und die strukturellen Fehlsteuerungen in der Gesundheits‑ und Sozialpolitik mutig angehen.

Die aktuelle Politik setzt die Zukunft unseres Landes weiter aufs Spiel, da sie die Familie nicht wertschätzt und damit den wichtigsten und grundlegendsten Baustein der Gesellschaft schwächt.

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Kommentare ( 115 )

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115 Comments
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peter sponsel
7 Tage her

Vergessen Sie alle gesetzliche Zusagen oder irgendwelche Parteiprogramme.
Ich darf dazu eine bekannte Politikerin zitieren: „Und ich freue mich darauf“.

..

Juergen Schmidt
8 Tage her

Im Grundgesetz steht »Die Familie steht unter besonderem Schutz des Staates«. Allein deswegen schon ist der vorgeschlagene, existenzbedrohende Raubüberfall auf die deutschen Familien verfassungswidrig und damit rechtswidrig. Die Maßnahme ist nichts als ein rotzfrecher Vernichtungsangriff auf die Familien – denn Millionen wissen heute schon nicht mehr, wie sie mit ihrem Geld das Monatsende erreichen sollen. Da bedeutet eine geplante monatliche Mehrbelastung von 200 oder 300 Euro der finale Blattschuss. Das weiß Frau Prien auch genau. Angesichts dieser Ungeheuerlichkeiten muss man sich einige Dinge fragen: Was ist die Partei CDU eigentlich für ein toxischer Schrotthaufen geworden, dass solche Vorschläge aus ihren… Mehr

Last edited 8 Tage her by Juergen Schmidt
Freige Richter
10 Tage her

FAMILIEN-Ministerium? Abschaffung des Ehegattensplittings inkl. der Familienzerstörung, Abschaffung der beitragsfreien Familienmitversicherung in der Krankenkasse. Historisch durch Frau von der Leyen: Abschaffung des Blindengelds. So sieht die soziale Kompetenz im FAMILIEN-Ministerium aus. Erbärmlich….

Dr_Dolittle
10 Tage her

Wer ist nochmal für Familiensplitting? Und wird deswegen als N*z* beschimpft? Der Bürger hat die Wahl: möchte er lieber für die freundlichen Gäste aus aller Welt arbeiten oder für die eigenen Familienmitglieder?

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
9 Tage her
Antworten an  Dr_Dolittle

Das Problem ist, dass der von Ihnen angesprochene Bürger den Zusammenhang nicht erkennt. Wenn Sie versuchen, ihm die Zusammenhänge zu erklären, wird er Sie mit verständnislosem Blick aus leeren Augen anschauen und sich dann schulterzuckend abwenden.

Last edited 9 Tage her by Ceterum censeo Berolinem esse delendam
Konservativer2
10 Tage her

Wenn ich sehe, wohin mein Geld versickert, könnte ich kotzen. Das geht weit über das Gesundheitswesen hinaus. Einsparen kann der Staat nicht, Steuerzahlende Kartoffeln wie mich abschöpfen jedoch schon. Ich habe es hier so satt.

Peterson82
10 Tage her

Ich gönne dem Staat nicht den Dreck unter den Fingernägeln, weil er schlichtweg nicht mit Geld haushalten kann. Und dieses billige Mittel ist für den Staat einfach zu erreichen.
Trotzdem finde ich es gerecht. Ein Ehepartner ist kein unmündiges Kind. Auch als Single muss der Beitragssatz bezahlt werden. Warum sollte also ein Erwachsener, nur weil er in einer Familie ist, bevorteilt sein? Ist in anderen Ländern ja auch anders gelößt. Und nein, ich möchte nicht das abkassiert wird. Man könnte auch Krankenversicherungsbeiträge einfach soweit herabsetzen, dass eben jeder weniger bezahlt, aber dafür jeder auch einzahlt.

Philokteta
10 Tage her
Antworten an  Peterson82

„Man könnte auch Krankenversicherungsbeiträge einfach soweit herabsetzen, dass eben jeder weniger bezahlt, aber dafür jeder auch einzahlt.“
Und was wäre damit gewonnen? Wäre womöglich ein Nullsummenspiel.

Freige Richter
10 Tage her
Antworten an  Peterson82

In dieses Thema sollten Sie sich nochmal einlesen.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
9 Tage her
Antworten an  Peterson82

…sagt einer, der sich die Kaufprämien für seine Elektroautos liebend gerne aus den Subventionskassen des Staates (heißt übersetzt: von seinen steuerzahlenden Mitbürgern) auf sein Konto schaufeln ließ. Was man halt so unter „Gerechtigkeit“ versteht, wenn man persönlich vom einen profitiert und vom anderen nicht.

EditorialGhost
11 Tage her

Die geplante Abschaffung der kostenlosen Familienmitversicherung und die Einführung eines zusätzlichen Mindestbeitrags von 225 Euro treffen Familien, die sich bewusst für einen anderen Lebensentwurf entschieden haben. Wir haben uns dafür entschieden, unserem Kind in den ersten Lebensjahren nahe zu sein und es aktiv zu unterstützen. Wegen fehlender passender Teilzeitstellen und Betreuungsangebote ist für meine Partnerin eine Rückkehr ins Berufsleben derzeit nicht realistisch. Ich zahle seit mehreren Jahren den Höchstbeitrag, inklusive Arbeitgeberanteil sind das über 1000 Euro im Monat. Wir nehmen kaum Leistungen in Anspruch. Sollte das Gesetz so kommen, ist die Konsequenz für uns klar: Wir würden uns eher für… Mehr

Raul Gutmann
11 Tage her

Das Credo der menschenfeindlichen Sozialisten lautet seit geraumer Zeiten: Kinder in den Hort, Frauen an die Werkbank.
In bürgerlichen Zeiten waren Männer noch stolz darauf, daß es ihre Frau es nicht nötig habe, arbeiten zu gehen.
Die Frau kümmerte sich um den Haushalt, was insbes. mit Kinder und deren Schulbetreuung auch ein „Fulltimejob“ war.
Dafür konnten jene Kinder sicher sein, ihre Mutter jederzeit zu Hause anzutreffen, mithin keine „Schlüsselkinder“ zu sein.
Lang, lang ist es her. Der Fortschritt ist eine Schimäre.

Rosalinde
11 Tage her

Von mir aus könnte die beitragsfreie KV der Ehefrau gestrichen werden, denn in der PKV mit deren viel höheren Beiträgen hat es das noch nie gegeben.
Trotzdem bin ich dagegen, weil ich weiß dass der Grund dieses plötzlichen Vorhabens die Masseneinwanderung von zu 85% nicht arbeitenden Leuten ist. Die Wartezimmer in den Krankenhäusern sprechen dazu eine deutliche Sprache.

Last edited 11 Tage her by Rosalinde
Joe4
11 Tage her
Antworten an  Rosalinde

Und die Beamten (= 2/3 der Privatversicherten?? Die sind beihilfeberechtigt, zahlen also entsprechend niedrige Beiträge. Mitversicherte Familienangehörige kosten zwar extra, dafür erhalten Beamte aber großzügige Zuschläge.

peter sponsel
11 Tage her

Damit mit Wegfall der Ehegatten-Mitversicherung die Akzeptanz beim Bürger steigt, könnte die Politik einen Teil der hieraus resultierenden Mehreinnahmen für politisch vorteilhaft erscheinende Vergünstigungen verwenden.
Wie wäre es mit einer Benzin-/Dieselpreissubvention ?
Natürlich temporär begrenzt – so lange, bis der Wähler vergessen hat

Joe4
11 Tage her
Antworten an  peter sponsel

Was hat das mit dem Gesundheitssystem zu tun?

peter sponsel
10 Tage her
Antworten an  Joe4

Nichts – aber so macht Politik die Kröte attraktiv.