Michael Shellenberger: Klimabewegung hat religiösen Charakter angenommen

Shellenberger gehört zu den prominentesten Stimmen einer rationalen Umweltpolitik. Sein Buch „Apocalypse, Never“ stand auf der US-Bestsellerliste, als Journalist erreicht er ein Millionenpublikum. TE sprach mit ihm in Berlin über das Scheitern der deutschen Energiewende, menschenfeindliche Umweltideologie, die Vorteile der Kernkraft – und wohin die USA politisch treiben.

IMAGO/ZUMA Wire

Berlin. Die Umwelt- und Klimabewegung hat nach Meinung des amerikanischen Schriftstellers Michael Shellenberger religiöse Züge angenommen. Die grüne Bewegung habe den Glauben geschürt, dass man eine „hochenergetische Industriezivilisation mit erneuerbaren Energien aufrechterhalten kann“. Deutschland sei so „in die schlimmste Energiekrise seit 50 Jahren“ geraten, so Shellenberger im Gespräch mit dem Monatsmagazin Tichys Einblick.

Allerdings glaubt Shellenberger, dass mit Blick auf die Folgen die erneuerbaren Energien ihren Höhepunkt schon überschritten haben. „Der Wandel der öffentlichen Meinung ist außergewöhnlich. Ich denke, dass wir den Höhepunkt der erneuerbaren Energien erreicht haben und diese Erzeugungsarten zurückgehen werden“, so Shellenberger. „Die ausschließlich auf erneuerbare Energien ausgerichtete Klima­-Agenda steckt überall auf der Welt in der Krise: in Deutschland, in den USA, in Japan, Frankreich, Südkorea. Sie alle bewegen sich in Richtung Kernenergie, sogar in Deutschland, was die Stimmung in der Bevölkerung angeht. Meine Hoffnung ist, dass wir uns dem Ende der Erneuerbare­-Energien­-Manie nähern, die den Westen in den vergangenen 20 Jahren erfasst hat.“

Die Fokussierung auf die erneuerbaren Energien erklärt der Autor damit, dass der „Wunsch nach Religion eine tiefe Motivation für die grüne Bewegung darstellt. Wenn man nicht mehr an Gott glaubt und die traditionelle Religion ablehnt, konstruieren wir neue Religionen – neue säkulare Religionen – und versuchen, neue Moralvorstellungen zu schaffen, die oft auf sehr einfachen Annahmen beruhen und nicht die Art von Komplexität traditioneller Religionen haben. Die Idee der apokalyptischen Umweltbewegung lautet, dass die Gestaltung der Umwelt durch den Menschen eine Sünde ist.“

Die Natur nehme den Platz von Gott ein. „Das wurde von Friedrich Nietzsche ziemlich gut vorhergesagt. Er argumentierte, dass wir, wenn die Menschen aufhören, an Gott zu glauben, eine Phase des Nihilismus erleben würden, also eine Sinnkrise. Diesen Nihilismus sehen wir auch in der heutigen apokalyptischen Umweltbewegung.“


Das ganze Interview in Tichys Einblick 10-2022 >>>

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Kommentare ( 62 )

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62 Comments
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Wolfgang M
18 Tage her

Seit 1850, dem Ende der „kleinen Eiszeit“, befinden wir uns in einer Warmphase. Weil dieser Zeitraum mit der Industrialisierung zusammenfällt, geht man davon aus, dass das CO2 dafür die Verantwortung trägt. Sieht man sich die letzten 2500 Jahre an, so gab es in dieser Zeit 2 Wärmephasen und 2 Kältephasen: die römische Warmzeit, die Kaltzeit der Völkerwanderung, die mittelalterliche Warmzeit und die kleine Eiszeit. Jede dauerte etwa 600 Jahre. Jetzt sind wir wieder in einer Warmzeit, die wahrscheinlich genauso lange dauern wird. Die Pariser Ziele werden nicht erreicht werden. Man fragt sich, warum man an die Korrelation Warmzeit – Industrialisierung… Mehr

Last edited 18 Tage her by Wolfgang M
libelle
19 Tage her

Die hier im Fokus stehende Agenda der Klimabewegung ist nur eines der menschenverachtenden Ziele und Dogmen des linksgrünen Establishment. Die Realität ist weit schlimmer – ja allumfassend. Wieder und wieder, auch bei Lektüre dieses Beitrages und der Kommentare wird deutlich dass die Positionen der Grünen-Linken-woken-Bewegung einerseits, und der Konservativen andererseits unvereinbar sind. Grotesk ist dabei der Fakt, dass die woke Generation ihre Positionen nicht inhaltlich erklären muß und sich deshalb nicht einer inhaltlichen Diskussion stellt (nicht stellen muß, da sie über eine erdrückende Medienmacht/Monopol verfügt). Wie konnte es dazu kommen? Wir, die Konservativen tragen die Schuld. Wir hätten bei den… Mehr

Lesterkwelle
19 Tage her

Das Grundproblem war & ist der wahnhafte Glauben, das „Klima“ könne „gerettet“ werden und der Mensch ist der alleinige Verursacher dessen Wandels. Anstatt Billionen zur eh unmöglichen Beherrschung der Naturphänomene zu stecken, besteht der einzige Ausweg darin, sich anzupassen und vorzusorgen. Doch die gigantischen Profite wandern in die Taschen der interessierten Kreise, die den Irrsinn in eigenem Interesse permanent anheizen.

Kassandra
19 Tage her
Antworten an  Lesterkwelle

Unser Blick wird immer nur auf die „Nachteile“ des durch die Jahrtausende beständigen Wandels des Klimas gerichtet.
Was sind denn die Vorteile, wenn es in unserer Region wärmer wird? Und wie ist das bei den anderen Klimazonen, die es ja auf dem Erdball erwiesenermaßen gibt?
Dass „wir“ als Menschen in diesen „Wandel“ überhaupt eingreifen könnten, halte ich für Aussagen des Größenwahns.
Herr Pascht – wenn uns hier „das Gas abgedreht“ wird, werden nicht nur hier sondern infolge überall auf der Welt weniger Menschen übrig bleiben.

Renz
19 Tage her
Antworten an  Kassandra

Ich persönlich habe seit 1990 immer gesagt: Falls es einen Klimawandel gibt, dann freu ich mich auf die ersten Krokodile und Hippos im Rhein bei Kölle. Ich kann eine oberitalienische Klimazone kaum mehr erwarten. Wäre es doch chon so wie am Po oder in der Toscana. Venedig….Dann könnte man komplett auf die Grünen Dummschwätzer verzichten. Es wäre passiert und rün blamiert. Klimawandel ja bitte
Damit wir uns richtig verstehen – Ich will keine neue Eiszeit!

Kassandra
19 Tage her
Antworten an  Renz

Aber war es nicht schon immer so: entweder, der Mensch hat gelernt sich an seine Umgebung anzupassen – oder er musst weichen.
Solche, die denken, sie könnten in die Umweltbedingungen verändernd eingreifen und sie nach Belieben gestalten – das walte Gott!
Was für ein Schindluder wird da auf höchsten Ebenen mit uns getrieben.
Vielleicht kann man einmal darüber berichten, was Afrikaner, Russen oder Chinesen über so was denken – und was für Schlüsse in solchen Ländern gezogen werden.

Alfonso
19 Tage her

„Michael Shellenberger: Klimabewegung hat religiösen Charakter angenommen“ Die GRÜNEN und die Klimabewegung ersetzen Wissen mit Glauben. Damit ist die Klimabewegung logischer Weise eine Religion, denn auch dort steht Glauben statt Wissen an erster Stelle. Mit dem Glauben der Menschen kann man sehr leicht sehr viel Geld verdienen. Auch die Angst wird hier als Instrument eingesetzt. Mit der Hilfe dieser beiden Instrumenten (Glauben u. Angst) sind die christlichen Religionskonzerne ja auch so reich geworden. Das gleiche passiert jetzt mit dem Religionskonzern der Klimabewegung. Menschen brauchen wohl etwas Religiöses, etwas, was man ohne Nachzudenken einfach glauben will. Die christlichen Religionskonzerne der Katholen… Mehr

Last edited 19 Tage her by Alfonso
Teiresias
19 Tage her

Interessant, daß diese Erkenntnis mittlerweile in der Mitte der Wissenschaft anzukommen scheint.

Selbstdenkende Bürger wissen das seit Jahren.

powerage
20 Tage her

Ich würde mal behaupten, dass die Anzahl der Klimabewegten weitaus geringer ist, als uns medial versucht wird einzutrichtern. Diese radikale Sekte ist mit dem ersten Blackout erledigt und mit ihnen hoffentlich auch die Grünen. Ähnlich wie bei den älteren Grünen wie Claudia Roth (Zahnarzt) oder aktuell Robert Habeck (Apotheker) stammen sie aus der gehobenen Schicht, die sich nie Gedanken um Geld machen mussten und dadurch offensichtlich in eine Sinnkrise gestürzt sind. Erschwerend kommt noch dazu, dass sie durch ihre Eltern ein unerschütterliches Selbstbewusstsein eingetrichtert bekamen, dass sie trotz offensichtlicher Dummheit ihre Klappe groß aufreissen und überhaupt nicht daran denken, ihr… Mehr

Bad Sponzer
20 Tage her

Wäre ja nicht schlimm, wenn diese Leute einfach normal bleiben würden. aber es ist heute so, wie bei den Katholiken im Mittelalter. Religiöse Grüne Eiferer und Missionare ziehen durchs Land und beginnen mit der Grünen Inquisition. Es sind die gleichen Irren, die im Mittelalter Hexen verbrannt haben, die sich heute auf der Strasse festkleben, im Fernsehen den Pöbel aufhetzen oder Andersdeckende als Ketzer (Rechtsradikale Nazis) an den Pranger stellen. Im Mittelalter hat Martin Luther mit der Reformation gegen diesen Irrsinn gekämpft. Heute ist es die AfD, die gegen diesen Irrsinn kämpft. Damals war es Guthenbergs Drucktechnik und Luthers Bibelübersetzung, die… Mehr

mediainfo
20 Tage her

Das finde ich seit langer Zeit bemerkbar, dass das Thema „Klimaschutz“ und „wie wir diese Welt zugrunderichten“ etc., für viele in diesem Komplex Tätigen, mit Schuld, Sühne, Vergebung und Erlösung zu tun hat.

Auch die Unfähigkeit, sich von diesen Dingen zu distanzieren, und andere Meinungen als gleichberechtigt wahrzunehmen, spricht aus spricht aus meiner Sicht dafür, dass es sich beim Komplex „Klimaschutz“ um eine Art religiöses Glaubenssystem handelt.

Last edited 20 Tage her by mediainfo
Alexis de Tocqueville
20 Tage her

Der große Nietzsche war ein scharfer Religionskritiker, insbesondere des Christentums. Was eher wenige Leute wissen, ist, dass er selbst Christ war und zeitlebens blieb. Er wollte seine Religion retten, als er sie in Grund und Boden verdammte. Da gehe ich nicht mehr mit ihm konform, ich sehe keinen Grund dafür. Könnte ich mit ihm diskutieren, würde ich ihm seine eigenen Worte um die Ohren hauen. Es wird Zeit, dass der Mensch lernt, ohne Religion auszukommen. Ich z.B. habe mir Nietzsches Lob der Hellenen zum Vorbild genommen und mich den Alten Göttern zugewandt. Die müssen nicht existieren und ich muss auch… Mehr

Ordoliberal
20 Tage her

Dass Nietzsche Christ geblieben ist, halte ich für ein Gerücht. Dass er das Christentum aber nicht in Bausch und Bogen verdammte, ist auch richtig. Für Nietzsche hatte sich ein Glaube ausschließlich durch die Vitalität, Resilienz und Kreativität zu beweisen, die er im Glaubenden erzeugte. Machte ein Glaube schwach und unfruchtbar, so war er falsch. Seine Kritik an der Moderne war eine Kritik an der Vermassung und der damit einhergehenden „Sklavenmoral“ des „Herdenmenschen“, die auf die Beseitigung der Individualität, des Schicksals, des Risikos, des Leids und des Zweifels ausgerichtet ist. Liest man heute „Die fröhliche Wissenschaft“ erschrickt man angesichts Nietzsches Hellsichtigkeit.… Mehr

Waldorf
19 Tage her
Antworten an  Ordoliberal

Exakt das ist das politische Angebot der Klima-Kirche: Sklavenmoral und Herdenmenschen. Freiheiten die dem „Standardmenschen“ bleiben sollen, weil sie den Mächtigen nichts kosten oder nehmen, sind subjektiv, wie zb erfundene Geschlechterrollen. Solange alle neuen Fluiden-Transmenschen mit einem Fahrrad und einer Sparbirne zufrieden sind, sich bestenfalls über ihre Pronomen streiten, kann politische Macht in Ruhe ausgeübt werden. „Du wirst nichts besitzen und damit zufrieden sein“ mag ein zutreffendes Zitat sein oder nicht, aber die Richtung ist sicher „zeitgeistig“. Die machtlose Klimaherde wird nichts besitzen und darüber noch froh darüber sein, dem Klima gut zu dienen. Kein Erzschuft der Literatur hätte es… Mehr

Waldorf
19 Tage her

ich gebe zu bedenken, dass auch heute viele nichts mit Quantenphsyik anzufangen wissen. Schon in der Antike waren nur wenige zum Sokrates oder Euklid geboren, geeignet, befähigt Und die Komplexität der Erkenntnisse hat über die Jahthunderte noch um diverse Faktoren zugenommen. Selbst ultraintelligente Menschen haben heute keine realistische Chance mehr, auf allen bekannten Gebieten, alles erarbeitete Wissen in sich zu vereinen, ein Universalgelehrter zu werden. Damit war vermutlich schon im 19. Jahrhundert finito. Es erscheint daher verlockend aber riskant zu sagen, was „wir“ heute noch brauchen oder nicht mehr, weil man dies oder das heute habe, wisse, könne – wen… Mehr

Chris Groll
20 Tage her

“Wenn Menschen gottlos werden, dann sind die Regierungen ratlos, Lügen grenzenlos, Schulden zahllos, Besprechungen ergebnislos; dann ist die Aufklärung hirnlos, sind Politiker charakterlos, Christen gebetlos, Kirchen kraftlos, Völker friedlos, Sitten zügellos, Mode schamlos, Verbrechen maßlos, Konferenzen endlos, Aussichten trostlos”
Antoine de Saint-Exupery