Solms: Viele wissen nicht mehr, worauf unser Wohlstand basiert

Hermann Otto Solms war Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion und Alterspräsident des 19. Deutschen Bundestages. Zum neuen Bundestag kandidierte er nicht mehr. Mit Tichys Einblick sprach er über das Eigentum und den Zustand der Marktwirtschaft.

IMAGO / photothek

Berlin. Die Mehrheit für eine Enteignung von Wohnungsbauunternehmen in Berlin und die Fokussierung auf Klimapolitik sind für den FDP-Politiker Hermann Otto Solms Alarmzeichen dafür, dass viele gar nicht mehr wissen, worauf Deutschlands Wohlstand basiert. Das gelte besonders für junge Leute, sagte Solms im Gespräch mit der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift Tichys Einblick. „Im Rahmen der vielen Problemkreise, die sich entwickelt haben, haben wir vergessen, auf unser eigenes Land zu gucken und unsere Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Wir sind dahingehend träge und bequem geworden. Unsere Kinder wachsen im Wohlstand auf und sehen leider nicht mehr, wodurch dieser Wohlstand geschaffen wurde“, so der langjährige Bundestagsabgeordnete. „Aus dieser Selbstlähmung müssen wir wieder raus.“

Die Fokussierung der öffentlichen Debatte auf das Klima hält Solms für falsch. „Der Klimawandel ist ein drängendes Problem, aber die Diskussion über die Leistungsfähigkeit des Landes muss ebenfalls geführt werden. Diese Leistungsfähigkeit ist schließlich Teil der Lösung. Ohne wirtschaftliche Leistungsfähigkeit keine Lösung der Probleme, die aus dem Klimawandel resultieren.“ Man brauche jetzt eine „Entfesselung der Kräfte“ und keine Enteignung von Unternehmen, die Wohnraum schaffen. „Menschen, die durch ihre Arbeit Vermögen und Eigentum aufgebaut haben, sollen enteignet werden. Wer glaubt, man kriegt den Staat in den Griff, um dann das Privateigentum zu verstaatlichen und zu kontrollieren, ist auf einem Irrweg“, erklärt Solms. „So wie es eben das Politbüro der DDR war. Da saßen ein paar alte Männer, die nicht mit der Zeit gehen konnten und wollten und nur damit beschäftigt waren, ihre Macht zu erhalten und das Volk nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen.“


Das ganze Interview in Heft 12-2021 von Tichys Einblick >>>

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Kommentare ( 18 )

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18 Comments
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drnikon
2 Jahre her

Da ist er wieder. Der Kalauer in Dauerschleife. Der Klimawandel ist ein drängendes Problem. Hust. Nun denn. Wenn es kalt wird, dann sicherlich und auch Dank deutscher Energiewendenachhaltigkeit. Sie verstehen. Also beten wir, dass der ewige Klimawandel uns warme Zeiten beschert. Nun. Der Glaube fällt mir schwer, denke ich an das solare Minimum.

Innere Unruhe
2 Jahre her

WEnn die Kinder vergessen, woher der Familienbesitz stammt, haben die Eltern etwas falsch gemacht.
An den heutigen Zuständen sind nicht die jungen Leute schuld, sondern jene, die sie geformt haben.

drnikon
2 Jahre her
Antworten an  Innere Unruhe

Meine Rede. Selbst schuld, wenn Eltern ihren Nachwuchs von staatlich alimentierten grünen Lehrern erziehen lassen. Darunter leidet auch die Rente der Eltern.

Peter Gramm
2 Jahre her

Sehr geehrter Herr Solms. Es gibt sehr viele Leute die sehr wohl wissen woher der Wohlstand kommt. Leider ist dies in ihren (Politikerkreisen) in Vergessenheit geraten. Da sitzen viele Leute herum die gar nicht wissen wie Geld verdient werden muß. Aus dem Grunde verteilen sie es auch ganz fix und großzügig. Ist ja nicht ihres. Beispiele für solche Lebenskünstler erspare ich mir. Sie dürften Ihnen bekannt sein.

Iso
2 Jahre her

Die Unzuverlässigkeit der Regierungen erklärt auch den Erfolg der Kryptowährungen. Wo nichts mehr funktioniert, und die Bürger über die Inflation enteignet werden, flüchten sie in andere Währunsmechanismen, die sich dem Zugriff gesetzloser Regierungen entziegen. Da macht es auch nichts, wenn Kryptos in China oder der Türkei verboten werden.

Thorsten
2 Jahre her

Das wird schon in den nächsten Jahren ein Thema werden. Die kommende Regierung wird Deutschland schon endgültig an die Wand fahren.
Dazu reicht schon den Kurs den Merkel durch ihre Amtshandlungen voreingestellt hat, beizubehalten.
„Eisberg Ahoi“ möchte ich es nennen …

Last edited 2 Jahre her by Thorsten
kb
2 Jahre her

Irgendwie scheint die FDP das auch nicht mehr zu wissen. Ich sage nur Atomausstieg! Soweit ich weiß hat die FDP nicht dagegen gestimmt. Und man hört auch nix hinsichtlich eines Widereinstiegs. Nur so als Beispiel.

Jatoh
2 Jahre her

Heute sind es Leute im mittleren Alter, die im Kapitalismus nicht mit der Zeit gehen können und wollen und nur damit beschäftigt sind, ihre Macht zu erhalten und das Volk nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen.
Sie teilen in Geimpfte und Ungeimpfte, in Klimawandler und Klimaleugner, schlechthin in Gute und Böse und herrschen!

Biskaborn
2 Jahre her

Hat Herr Solms das schon mit seiner aktuellen Parteiführung besprochen? Die ist gerade dabei den Wohlstand Deutschlands zu verspielen!

Hadrian17
2 Jahre her

FJS: „Leistungseinkommen vor Übertragungseinkommen“ …

oder noch prägnanter:

Ohne Leistungseinkommen kein Übertragungseinkommen …

oder noch einfacher für die Kindergartenbesatzung:

Ohne Geld von „Aussen“, generiert durch die Wirtschaft und ihren erfolgreichen Export von Waren und Dienstleistungen kein Geld für „Innen“: keine staatlichen Gehälter, keine Sozialausgaben, keine Renten, keine Parlamentarierdiäten, keine Lehrer- und Verwaltungsbeamtengehälter, keine Infrastruktur … und schon gar keinen „Klimaschutz“ … .

So schwer ist das doch nicht zu verstehen … .

Schwabenwilli
2 Jahre her

Wer Wohlstand als Normalität ansieht hat eben nie in Armut gelebt. Woher aber sollen unsere Kinder und Jugendlichen diese Erfahrung gesammelt haben?

Dr. Friedrich Walter
2 Jahre her
Antworten an  Schwabenwilli

Da die jüngeren Menschen nur den Wohlstand als „Normalität“ kennen, wird eben heute die „Abwesenheit von Luxus“ als „Armut“ definiert. Irgendwie bekommt man es schon hin, daß sich viele arm und benachteiligt fühlen. Wie soll man denn sonst die „Gesellschaft“ spalten?