„Sie sind ein alter weißer Mann“

Woher kommt die Verachtung für den alten weißen Mann, fragt die junge olivfarbene Frau mit massenhaftem Migrations-Hintergrund.

Es gibt da diesen einen exzellenten, kleinen aber feinen französischen Film. Er heißt: „Sie sind ein schöner Mann.“ Darin geht es um den französischen Bauern Aymé mit Halbglatze. Sein Äußeres erinnert eher an das eines Hobbits als an das eines französischen Bauern. Nun gut. Besagter Landwirt fühlt sich nach dem Unfalltod seiner Frau schnell einsam. Alles wächst ihm über den Kopf. Er sucht eine neue Frau und beschließt, dafür die Hilfe einer Partnervermittlungsagentur in Anspruch zu nehmen. Die rumänischen Damen, die ihm vorgestellt werden, können nicht viel auf Französisch sagen, außer sich kurz vorzustellen – mit diesem einen Satz: „Sie sind ein schöner Mann.“

Der Bauer weiß nun mal, wie er aussieht. Dass er zwar viele Qualitäten besitzt, aber nicht über die eines schönes Aussehens verfügt. Mit jedem neuen Kontakt, jedem neuen Gespräch, jeder wiederholten Floskel „Sie sind ein schöner Mann“, nimmt sein Unmut darüber zu. Schließlich trifft er auf Elena. Als er ihren begonnen Satz „Sie sind…“ entnervt mit „Ja, ich weiss, ich bin ein schöner Mann“ unterbricht, erwidert Elena: „Wie? Schön?! Huah, nein…“ Das ist dann auch die Dame, die ihn schlussendlich nach Frankreich begleiten darf.

Was möchte ich mit dieser blumenreichen Einführung vermitteln?

Immer wieder reagieren vorwiegend Männer um die 30 auf meine Beiträge in den sozialen Netzwerken mit „Sie sind ein trauriger alter weißer Mann“ oder „die Meinung eines alten weißen Mannes.“ Sie können sich meine Verwunderung vorstellen.

Bei einem griechischen Vater, einem türkischen Stiefvater, einem großen Pulk an nordafrikanischen, muslimischen Verwandten und der Tatsache, dass ich eine junge Frau bin, kann ich mir doch kein größeres Kompliment vorstellen.

„Sie sind ein alter weißer Mann“

Überhaupt tun sich solche Barden gehobener Schubladenreinsteckkunst erfreulich oft dadurch hervor, dass sie andere Meinungen als die ihnen genehme gerne mit besonders niederem Vokabular zu etikettieren versuchen. Dass sie dabei schon bei der einfachen Tatsache überfordert sind, dass es sich bei der Autorin um eine Frau mit massig Migrationshintergrund handelt, lässt ihnen dabei wohl ein paar Abstempel-Sicherungen durchbrennen. Oben ist unten. Weiblich ist männlich. Jung ist alt. „Sie sind ein alter weißer Mann“. Ähnlich vorgetragen mit aller nur aufzubringenden physischen und verbalen Abneigung – so wie Bettina Gauss bei 01:30:50 „Ich verachte das“ (bezogen auf die Meinung von Richard Sulik bei Maischberger).

Soll das eine Abwertung sein, gar eine Beleidigung? Nehmen wir mal jemanden aus meiner griechischen Verwandtschaft. Da kann man noch genau so beleidigen, dass keine Fragen mehr offen bleiben. Wenn sie mal einen Griechen richtig auf die Palme gebracht haben, so schwer ist das nicht, und wenn er dann mal losgelassen ist: da wächst kein Gras mehr. Vielleicht härtet einen diese Schule ab.

Manche Personen, die ihre eigene Bedeutungsleere an jedem zweiten Tag daran aufhängen müssen, wie sie gerade von jemandem, von dem sie eigentlich so überhaupt nichts halten, wieder mal genannt worden sind, würden sich vermutlich eine ganze Woche in Fötushaltung leise vor sich hin wimmernd, verstört ins Bett legen.

Da müssen sich die Feuilletonisten, Redakteure und Zensuristas ganz warm anziehen. „Lügenpresse“ nimmt sich dagegen als reinste Poesie aus. Sind sie darauf vorbereitet? Die Messlatte an schlimmen Beleidigungen und einem Wettbewerb der Schimpfwörter wird sich auf der einen Seite Limbo-artig weiter absenken. Eben auch bedingt durch den Wortschatz, den wir Zuwanderer importieren. Auf der anderen Seite wird er von der für alle Menschen mehr als offensichtlich einseitig ausgerichteten Army of Maas weiter eingeengt werden. Das Blöde daran ist nur das: Die Zuwanderer lesen nicht die Süddeutsche Zeitung und auch nicht die taz.

Woher kommt die Verachtung für den alten weißen Mann?

Woher kommt die Verachtung für den alten weißen Mann? Traumatische Erlebnisse auf dem Spielplatz (Rennen und Toben verboten)? Mit einem nörgelnden Nachbarn, der wütend mit dem Besenstiel an die Decke klopfte, während man gerade so richtig schön in vollem Bonanza-Galopp ein paar Indianer durch die Wohnung jagte? Hat der alte weiße Mann zu Weihnachten etwa nicht die Geschenke gebracht, die man sich gewünscht hat? Der weiße alte Mann ist einfach die omnipotente Schuldabladestelle.

Ist es am Ende gar Sozialneid darüber, dass oftmals jene die Wahrheit ohne Filter benennen können, die den Einheitsmampf hinter sich gelassen haben? Das muss man doch irgendwie schön knusprig entwerten können.

So kam das Label des „Alten weißen Mannes“ in die Welt. Waldorf und Statler lassen grüßen.

Selig sind die unter uns, die mit „altem weißen Mann“ geadelt werden

So böse ist der weiße Mann gar nicht. Immerhin sind Wohlstand und Freiheit zum allergrößten Teil sein Produkt. Wir müssen erst mal noch länger schauen, bis wir sehen, ob Gender und Feminismus eine bessere Welt erzeugen, bei allen Fehlern der Alten. Die Sub-Sahara-Männer jedenfalls haben es nicht geschafft, die Araber auch nicht, und China? Schafft es gerade mithilfe vom Westen ausrangierter, alter weißer Männer uns hier in Europa den Rang abzulaufen.

Wissen Sie, es lebt sich sehr gut so, als alter weißer Mann im Körper einer jungen, olivfarbenen Frau mit einem Gros an Familie, das besser Arabisch spricht als Deutsch. Gelegentlich rempelt der alte weiße Mann in mir von innen an die äußere Schale Haut. Dann kratz ich mich und denke vor mich hin: „Hast gut rempeln, Liebelein. Besser, dass Du alt, weiß und weise bist, als jung, weiß und mit geriatrischen Vorurteilen geschlagen.“

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