Philosoph Precht findet Widerstand der Ukrainer „falsch und unvernünftig“

Für den Talkshow-Philosophen Richard David Precht ist der Widerstand der Ukrainer gegen den russischen Überfall schlicht „falsch und unvernünftig“ – eine beschämende Haltung, die die Opfer verhöhnt. Wer die Freiheit aber nicht schätzt, dem fehlt auch der Sinn für ihre Verteidigung.

IMAGO / Future Image

„Wer sich freiwillig unterwirft, der ist zu Recht ein Sklave.“ Diese Worte stammen von Sokrates, einem der großen Väter der antiken griechischen Philosophie vor fast 2500 Jahren. Damals wie heute fallen einem sogleich mehrere Gründe ein, sich nicht zu unterwerfen. Da ist zuallererst die eigene Würde, die man auf dem Weg zum Sklaven automatisch verliert. Da ist die Hingabe für einen anderen, geliebten Menschen, für den auch der Verzicht auf das eigene Leben zur Bewahrung des anderen in Kauf genommen wird.

Auch die Heimat kann so wertvoll sein, dass man zu ihrer Verteidigung die eigene Existenz zur Disposition stellt. Ehre,Treue, Rettung eines Freundes aus höchster Not, den Schwachen schützen vor dem übermächtigen Feind – das alles sind Werte, deren Bewahrung sogar über die Bedeutung des „Ich als Person“ hinausgehen können. In der langen Geschichte der Menschheit wurden solche Gefühle sowohl schamlos ausgenutzt, wie sie ebenso den Grund für ewige Ehrung und Dankbarkeit lieferten.
Doch schon immer gab es Wesen, die in nichts außer der Erfüllung hedonistischer Ziele – oft sagt man auch Selbstverwirklichung dazu – den Sinn ihrer Existenz sehen.
Das eigene Wohlergehen, die narzisstische Selbstbeglückung bis hin zum „Götzentum des Ich“ füllen ihr Leben aus.

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Einer davon ist der moderne Dichter und Philosoph unserer Tage Richard David Precht. Der immer wieder gern in den verschiedenen Talkshows gesehene Plauderer kritisierte jetzt den Aufruf des Präsidenten der Ukraine Selinskyj an seine Mitbürger, den russischen Angreifern Widerstand zu leisten, als falsch. Wenn bei einem Krieg, wie jetzt in der Ukraine, der Sieg des Aggressors von vornherein feststehe, müsse sich der Angegriffene in sein Schicksal fügen. Eine wenig ehrenvolle Haltung. Aber ich bin mir sicher, dass Precht die Zustimmung eines beträchtlichen Teils seiner Zuschauer gefunden hat. Dies gilt ganz besonders für die wohlstandsverwöhnten anakademisierten Schichten, die ihr sicheres Auskommen nicht selten im öffentlichen Dienst oder dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit Ewigkeitsgarantie haben.

Nicht die weltberühmte Aufforderung des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy: Jeder solle sich fragen, was er für sein Land tun könne, und nicht darauf warten, was das Land für den Einzelnen zu tun habe. Ein Grundsatz, den man als bestimmend für die amerikanische Gesellschaft bezeichnen kann. Ganz anders ist es in Deutschland. Hier rangiert die Erwartungshaltung an den Staat, als eine Art sorgender Übervater, vor allen anderen Definitionen des Lebensglücks. So angenehm der Verzicht auf Eigenständigkeit auch sein mag, so ist er doch immer auch ein Akt der Unterwerfung und der Selbstaufgabe gegenüber der Obrigkeit.

Schon in seinen frühen Schriften über das Wesen totalitärer Diktaturen beschrieb Jürger Habermas die Sehnsucht des Menschen nach Führung als wesentliche Ursache für die Akzeptanz derartiger Regierungsformen. „Wer Andere unterwirft, gibt demjenigen immer auch die zur Aufrechterhaltung der Dominanz notwendige Aufmerksamkeit und Geborgenheit, die der Staat zu liefern hat. Ein Idealzustand, für den man gern auf die Freiheit verzichtet, ja – man vermisst sie auch gar nicht!“

Ganz anders die Menschen in der Ukraine. Aus den bitteren Erfahrungen, insbesondere im 20. Jahrhundert immer wieder erlebter Unterdrückung und Unfreiheit durch Russland, ist der Wert der Freiheit dort nahezu jedem bewusst. Man weiß, wie bitter das Brot der Diktatur schmeckt. Dieses erweckt auch die Bereitschaft zum Widerstand – koste es, was es wolle.

Stephans Spitzen:
Lob der Nation
Dieses, dem Menschen freilich unterschiedlich eigene Bewusstsein, führte in der Geschichte immer wieder zu Widerstand und Auflehnung einzelner oder ganzer Gruppen. Es gibt eben doch höhere Güter als das banale „Ich“ und dessen manisch-egoistische Befriedigung. Der Bogen spannt sich hier von den Sklavenaufständen der Antike über die Rebellionen des Mittelalters bis hin zum heldenhaften Widerstand gegen die beiden großen verbrecherischen Ideologien des Kommunismus und des Nationalsozialismus. Vielen war der Kampf gegen diese Todfeinde der Freiheit sogar den Verlust des eigenen Lebens wert.

Nichts wäre den sich links gebenden Priester-Figuren unserer bunten TV- und Theken-Schickeria fremder als solches Handeln. Prechts Äußerungen stehen für eine Gesinnung, die in schäbiger Weise die Opfer der sowjetischen Gulag-Lager und den Orten der Vernichtung im sogenannten Dritten Reich dem Gespött der Herabwürdigung preisgibt. Das gilt dann auch für die Männer des 20. Juli 1944, die hingerichteten Helden der Volkserhebungen 1953 in der DDR und drei Jahre später in Ungarn, sowie für die Opfer an der Berliner Mauer und die vielen Tausende, die die besten Jahre ihres Lebens in den Zuchthäusern der SED verbringen mussten.

Das Schicksal möge uns Deutsche vor Herausforderungen und Notlagen bewahren, die den Kampf für die Freiheit und gegen ihre Feinde notwendig machen. Die Helden der Ukraine von heute könnten dann Vorbilder sein. Diese Menschen sind bereit, für den Erhalt der Freiheit sogar ihr Leben zu geben. Für die Prechts unserer Tage ist eine solche Haltung wohlmeinend naiv, in der Mehrheit aber schlicht dumm.

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Kommentare ( 178 )

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Babylon
1 Monat her

Mein Held in der Geschichte ist nach wie vor Graf Stauffenberg, der Hitler 1944 mit einer Bombe beseitigen wollte, unglücklicherweise ist dieses Vorhaben gescheitert. Stauffenberg wollte allerdings einen Krieg beenden und ihn nicht mit falschem und pseudoheroischen Gehabe bis zum bitteren Ende fortsetzen, wie es leider gekommen ist mit millionenhohen Opferzahlen im letzten Kriegsjahr 1944/45.

Hannibal Murkle
1 Monat her
Antworten an  Babylon

Ich hoffe, Selensky kommt friedlich zur Einsicht, man sollte sich besser einigen und den Krieg beenden. Es muss keine Kapitulation sein – Neutralität, Referenden im Osten, Referendum auf der Krim respektieren.

Last edited 1 Monat her by Hannibal Murkle
Evero
1 Monat her
Antworten an  Babylon

Das Attentat gegen Hitler war ein kalkulierter Widerstand. Wenn es gelungen wäre, hätte es das vorzeitige Ende des Zweiten Weltkrieges bedeuten können.
Aber die Verlängerung des Krieges in der Ukraine wird niemals als Ergebnis haben, dass die Ukraine als Sieger daraus hervorgeht. Es kann aber bedeuten, dass wir einen Krieg bekommen, der sich auf ganz Europa ausdehnt und dann sehr schnell nuklear geführt werden wird.
Unsere Regierungsmarionetten handeln hier unverantwortlich. Nicht meine Regierung!

Last edited 1 Monat her by Evero
Hannibal Murkle
1 Monat her
Antworten an  Evero

„Nicht meine Regierung!“

Das gilt erst recht für jeden, der Eskalation will – ob in Deutschland, Polen oder woanders.

#NichtMeinKrieg

Zinnober
1 Monat her
Antworten an  Babylon

Hätte Stauffenberg in der Hoch-Zeit der Wehrmachterfolge (1939/40) das Attentat durchgeführt, wäre er wirklich ein Held gewesen. Das es erst so spät und dazu noch unglücklich ausgeführt wurde ist eine Tragödie.

Neusachse
1 Monat her
Antworten an  Babylon

Stauffenberg war erst ein „Held“, als die Lage Deutschlands unabwendbar geworden war. Bis dahin war er Hitler treu zu Diensten. Er war auch ein Narzisst und hat nach Ansehen, Macht und Einfluss gestrebt. Wenn er wirklich das Schicksal Deutschlands als erste Priorität gehabt hätte, hätte der einäugige und dreifingerige, kriegsversehrte Graf dafür gesorgt, dass der Despot sicher durch den Anschlag umkommt. Dafür hätte er sich aber opfern müssen. Dazu war er dann doch nicht bereit. Ich habe trotzdem großen Respekt vor diesem Versuch, den Despoten zu beseitigen. Dennoch wissen wir heute: Selbst wenn das Vorhaben gelungen wäre, hätten die Alliierten,… Mehr

Volver
25 Tage her

Kennen Sie aus Brechts Kalendergeschichten ‚Maßnahmen gegen die Gewalt‘? Es gibt nicht nur das Mittel des Zurückhauens. Es gilt die Feststellung der eigenen Möglichkeiten und es geht um das zu erreichende Ziel. Durchhalten bis zum letzten Mann kann das ja wohl nicht sein gegenüber einer Atommacht. Wollen sie ein Massada für die Ukraine? Geht es in ihren Vorstellungen um Heldentum, auch um selbstmörderisches, oder um Frieden? Was wäre, wenn die Ukraine schon vor dem Krieg in die politische Neutralität eingewilligt hätte? Auch Österreich, Finnland, Schweden und die Schweiz sind es. Neutrale Staaten. Warum verunglimpfen sie Precht für seine realpolitische Meinung,… Mehr

Alrik
27 Tage her

Recht hat er, der Precht.
Wenn die Russen in Deutschland einmarschieren wird ein Großteil der Deutschen natürlich sofort aufgeben und sich vom Russen regieren lassen, vor allem wenn es Posten & Pöstchen von den Besatzern gibt.

Wolfgang M
27 Tage her

Ich weiß nicht, welchen Zustand sich Precht schlussendlich für die Ukraine wünscht. Soll sich die Ukraine unterwerfen, große Gebiete an Russland abgeben und eine russische Marionettenregierung akzeptieren?

Alrik
27 Tage her
Antworten an  Wolfgang M

also wir Deutschen würde das sofort akzeptieren, auch wenn der Russe in Deutschland einmarschiert.

Freigeistiger
1 Monat her

Selten so einen Käse gelesen. Der Kampf gegen einen übermächtigen Gegner ist alsolut sinnlos und hat nur unnötiges Leid und Blutvergießen zur Folge. Deswegen wurden viele Kriege erst gar nicht geführt oder bei Schlachten gab die unterliegende Seite auf, um die Zahl der Toten und Verletzten zu begrenzen.
Precht hat in diesem Fall recht.

Last edited 1 Monat her by Freigeistiger
Neusachse
1 Monat her
Antworten an  Freigeistiger

Hallo Herr Freigeist. Da bin ich ganz ihrer Meinung! Leider haben wir heute politische Führer, die beim ersten Schuss die Hosen bis oben voll hätten, aber lieber unzählige Menschen „verantwortungsvoll“ in den Tod treiben, als von ihren Maßstäben abzurücken. Precht hat vollkommen recht. Der Vergleich, den Georg Gafron hier mit dem Sowjetreich aufstellt ist völlig weltfremd. Gafron stellt Bezüge her, die überhaupt nicht existieren. Es ist einem politischen Journalisten nicht würdig die Interessen eines Landes wie Russland mit Charakterzügen eines Menschen gleichzusetzen. Vielmehr zeigt es, dass Journalisten von heute entweder irrtümlich oder ganz bewusst dem Konsumenten ein „Gefühl“ vermitteln wollen,… Mehr

Last edited 1 Monat her by Neusachse
Private Constructor
1 Monat her
Antworten an  Freigeistiger

Die Verteidigung ist das Recht jeder Person und jedes Soldaten und nur im ehrenhaften Widerstand liegt das Recht auf Wiedererlangung der eigenen Souveränität selbst bei einer Niederlage. Es wird der Standpunkt und die Ernsthaftigkeit des bestrittenen Anliegens dokumentiert.
Der Verteidiger kann bei seiner Verteidigung bis zu seiner vollständigen Vernichtung gehen, wenn ihm die Freiheit wichtiger ist. Es ist sein Recht und so war es immer.

Benny_T
1 Monat her
Antworten an  Private Constructor

Natürlich ist es sein Recht, aber wie Precht eben sagt: es ist unvernünftig. Das Ziel sollte nicht sein, sich in einem „ehrenhaften“ Kampf bis zur letzten Mann und Maus zu massakrieren. Ehre ist nur ein schwachsinniges Konstrukt, dass immerzu genutzt wurde, Menschen gegen ihren Willen zu irgendetwas zu bringen, dass sie besser nicht hätten tun sollen. Es wäre viel erfolgsversprechender zu kapitulieren, und so Putin in der Welt als das darzustellen, was er ja scheinbar in der Welt sein soll. Sanktionieren und trockenlegen kann man ihn dann immer noch. So richtig ernst scheint es der Westen mit den Sanktionen aber… Mehr

Unterthan
1 Monat her

Ich bin in etwa im gleichen Alter wie Herr Precht. Seit unserer Jugend während des Kalten Krieges setzte sich immer mehr die Position „lieber rot als tot“ und „stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ durch. Als ich mich gegen die Wehrdienstverweigerung entschied, hatte ich erheblichen Gegenwind im Freundes- und Kommilitonenkreis. Noch im Januar 2022 hätte man schon für den Besitz eines Militärhubschrauberspielzeugs Shitstorms geerntet. Das ist die Ausgangslage von Herrn Precht aus deutscher Sicht. Stellen Sie sich vor, Deutschland würde angegriffen und alle Männer zwischen 18 und 60 müssten sich bewaffnen. Wie erfolgreich wäre wohl dieser Widerstand?… Mehr

humerd
1 Monat her

„Das Schicksal möge uns Deutsche vor Herausforderungen und Notlagen bewahren, die den Kampf für die Freiheit und gegen ihre Feinde notwendig machen.“ Weder Generation Helikopter Papis & Mamis, noch Generation Wattebäuschchen, Schneeflöckchen könnten die Freiheit verteidigen. Sie wissen nicht einmal, was Freiheit bedeutet. Die Generation Boomer könnte es vielleicht noch, kommt auf den Zeitpunkt der Erforderlichkeit an, aber wieso sollten sie ihr Leben für junge Menschen aufgeben, die ihnen wutverzerrt „how dare you?“ entgegen schleudern, sie als sexistisch, rassistisch, homohob oder was auch immer beschimpfen, grad wie es gerade passt? Meine Kinder haben mit den Enkeln dieses „woke“ Europa verlassen… Mehr

FranzMurnau
1 Monat her

Brecht hat doch völlig recht. Die Ukraine hätte den Krieg schon längst verloren, würde sie nicht vom Westen künstlich am Leben gehalten. Die Ukraine wird vom Westen als Stellvertreterkombattant missbraucht. Jedes Land hat zwar das Recht sich auch dann selbst zu verteidigen, wenn es aussichtslos erscheint. Es gibt aber keine Pflicht für den Westen diesen aussichtslosen Krieg zu unterstützen und damit Tod und Zerstörung zu vergrößern.

Last edited 1 Monat her by FranzMurnau
Insight
1 Monat her
Antworten an  FranzMurnau

Volle Zustimmung… und es gilt wie immer bei solchen Konflikten, zwischen Volk und Regierung zu differenzieren. Das Volk will Frieden, die, die an der Macht sind, bereichern sich weiter.

Dr. Friedrich Walter
1 Monat her

Schon Mark Twain sagte: „Die größten Feinde der Freiheit sind zufriedene Sklaven“. Wenn man dann noch einige von ihnen zu Obersklaven und Aufsehern ernennt, ihnen ein paar Privilegien und eine Peitsche gibt, hat man Ruhe. Leider trifft das heute auch auf einen großen Teil der Politiker zu, die privilegiert am Gängelband der Wirtschaft leben. Das Volk besteht für sie nur noch aus Untersklaven, die zu gehorchen haben.

Wolfgang Schuckmann
1 Monat her

Das beste Mittel gegen Kriegslüsternheit ist…..der Krieg. Deshalb, nur keine Angst, die kommt von selber, die Angst. Am besten mit Hurra ins Gras beißen, für die Interessen der Kriegsgewinnler. Deshalb Herr Gafron, wir Beide sind prädestiniert für den Entsatz aller Helden und was weiß ich noch alles . Verzagen Sie nicht, mit mir an ihrer Seite werden Sie zum Heroen der Freiheit. Bei der momentanen Gemengelage ist es sehr gefährlich den Kopf zu weit aus dem Schützengraben zu strecken. Deshalb werden wir zwei erstmal warten bis sich die Lage etwas beruhigt hat. Anschließend können wir ja immer noch siegen. Ihr… Mehr

Johann Thiel
1 Monat her

Was Precht da redet ist natürlich Unsinn, denn so einfach ist eine Lösung nicht. Sicher kann man denken, für den Durchschnittsukrainer ändert sich nicht viel, es wird lediglich ein korruptes Regime gegen ein anders ausgetauscht. Aber man muss bedenken das Putins „militärische Spezialoperation“ auf eine Säuberungswelle in der Ukraine hinausläuft die jeden treffen kann. Insbesondere die derzeitigen Machtstrukturen, die sich natürlich mit allen Mitteln wehren und nicht scheuen die Zivilbevölkerung zu Kombattanten zu machen. Was die Ukrainer nun tun wollen, müssen sie letztendlich selbst entscheiden. Sie selbst haben entscheidend dazu beigetragen sich in diese Lage zu bringen und sind von… Mehr

moorwald
1 Monat her
Antworten an  Johann Thiel

Vielen Dank! „moralisches Wohlgefühl…“ ich nenne es geborgtes Heldentum auf Kosten der unglücklichen Ukrainer.
Und es ist ein Stellvertreterkrieg des Westens – allen voran der USA – gegen Rußland.

Johann Thiel
1 Monat her
Antworten an  moorwald

Es überrascht zwar nicht, das von westlicher Seite die üblichen unterschiedlichen Maßstäbe in diesem Konflikt angelegt werden, was aber wirklich befremdlich wirkt, ist wie emotionsgeladen sonst eher besonnene und geübte politische Beobachter auf die Lage blicken. Selbst wenn man konstatiert, dass scheinbar nichts unterhalb eines Angriffskrieges solche Empörung auslösen kann, bleibt doch immer noch der Krieg als solcher, der, wenn vom Westen begonnen, kaum zu solch emotionalen Aufwallungen führt, denkt man an die Bombadierungen im Zuge des „Arabischen Frühlings“ und die damit verbundenen Regimewechsel. Denke hier greift bei so manchem Beobachter eher ein psychologischer Effekt der typischerweise bei Putin wie… Mehr

moorwald
1 Monat her
Antworten an  Johann Thiel

Ja, neben den verschiedenen Maßstäben war es wohl die Illusion, Krieg als Mittel der Politik sei undenkbar geworden.
Dahinter steht letztlich das kosmopolitische Konzept, schon das Gerede von der „Weltgemeinschaft“ belegt das.
Man braucht kein Kriegsfreund zu sein, aber der augenblickliche Krieg ist geradezu ein klassischer Fall eines politisch begründeten.
Noch dazu war er vorhersehbar.
Auch Clausewitz meinte schon, jeder Krieg habe seine Wurzel in der Politik.
Die Entrüstung unserer westlichen Zeitgenossen rührt wohl nicht zuletzt daher, daß man sich der eigenen moralischen Vortrefflichkeit am besten vor dem Hintergrund des absoluten Bösen versichert.

Johann Thiel
1 Monat her
Antworten an  moorwald

Volle Zustimmung. Der letzte Absatz Ihrer Antwort bringt es elegant auf den Punkt.