Wie Horst Seehofer die Öffentlichkeit in der Corona-Politik manipuliert

Ein Mao-freundlicher Doktorand ist ein zentraler Corona-Berater von Horst Seehofer und einer der wichtigsten Autoren des bekannten Covid-Strategiepapiers des BMI. Wie kann das passieren? Jetzt kommen neue Hintergründe ans Licht.

picture alliance / Geisler-Fotopress
Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die Öffentlichkeit mehrfach dreist manipuliert. Jetzt geht es um eine mehr als fragwürdige Figur, die sein Panik-Papier mitformuliert hat. Welche Berater beruft der Innenminister mit unseren Steuergeldern?

Die Schwindel-Strategie von Horst Seehofer

Immer neue Schwindeleien von Horst Seehofer fliegen auf: Zuerst war es das Papier aus dem Innenministerium, das vor den Folgen der Pandemiepolitik gewarnt hat und das durch TE veröffentlicht wurde. Horst Seehofer gab sich unschuldig: obwohl das Papier durch alle Abteilungen des Innenministeriums lief und dem Staatssekretär vorgelegt wurde, behauptete er wahrheitswidrig: Es sei nur eine Privatmeinung.

Jetzt flog auf, dass die vom Innenministerium vorgelegte Analyse über die Gefährlichkeit von CoVid-19 manipuliert ist: Führende deutsche Forschungsinstitute manipulierten die Daten, bis ein Horrorszenario entstanden war, mit dem anschließend die Einschränkungen der Grundrechte gerechtfertigt wurde.

An diesem Wochenende wird bekannt, welche fragwürdigen Personen daran mitschrieben: Offensichtlich hat es Seehofer nicht gereicht, sogenannte „Forschungseinrichtungen“ wie das Institut der Deutschen Wirtschaft, das RWI und DIW zu verfälschten Darstellungen zu überreden – die Ergebnisse wurden noch mal von einem Mao-Anhänger überarbeitet und dramatisiert.

Wer Horst Seehofer berät

TE kämpft mit Ihrer Hilfe
Die Pressefreiheit muss vor Gericht verteidigt werden
Otto Kölbl ist 52 Jahre alt, studierte Germanistik, Anglistik und Geschichte, arbeitet an der Universität Lausanne als Doktorand und ist zudem als Sprachprüfer tätig. Die auf seiner Website angegebenen Forschungsschwerpunkte beziehen sich fast ausschließlich auf China. In Artikeln auf seinem Blog rainbowbuilders lobt er u.a. die eindrucksvollen Erfolge der chinesischen KP, und den „sozialen Fortschritt“ unter Mao Tse-tung. Außerdem würden wirtschaftliche und soziale Entwicklungen im Vergleich zeigen, „dass die Kombination von einem auf sozialen Fortschritt zentrierten Maoismus mit einer extrem langsamen Liberalisierung unter Deng Xiaoping geradezu optimal war“. In zahlreichen Beiträgen geht er auf Chinas Tibet-Politik ein, die er in Schutz nimmt. Am Anfang der Corona-Pandemie verfasste er ein Papier unter dem Mantra „Von Wuhan lernen“.

Kurzum: Otto Kölbl ist ein idealer Berater in Corona-Fragen für das Bundesinnenministerium. Im Internet bezeichnet er sich selbst als Mitglied der Covid-19 Task Force des Bundesinnenministeriums. Nach bereits Mitte letzten Jahres erfolgter Auskunft des BMI arbeitete er am bekannten, mittlerweile öffentlichen Papier „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“ mit, in dem am Anfang der Pandemie mit Horrorszenarien Stimmung für „repressive Maßnahmen“ gemacht wurde.

Wie die Welt am Sonntag nun öffentlich machte, war er nicht nur Teil des Gremiums, sondern einer der entscheidenden Autoren. Er soll der Verfasser des zentralen Absatzes „Worst case verdeutlichen!“ gewesen sein. Darin heißt es u.a. „Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden“. U.a. mit der historischen Formel „2019 = 1919 + 1929“ soll gezielt Angst verbreitet werden, denn nur durch Angst würden sich die Menschen an die Regeln halten.

Verlust des Vertrauens:
Manipulation der Wissenschaft durch das Bundesinnenministerium (BMI)
Der Vorgang der Berufung dieser Person ist so unglaublich, dass die Universität Lausanne die E-Mail eines Staatssekretär zu Kölbls Berufung laut WaS zunächst für „nicht glaubhaft“ hielt und die E-Mail bestätigt haben wollte. Man wollte Kölbl außerdem verbieten, seine Universitäts-Mailadresse zu verwenden.

Die Verwunderung ist verständlich. Kölbl ist ein relativ unbekannter Doktorand mit höchst fragwürdigen Ansichten zum chinesischen Regime. Wie er in einen solchen Beraterstab gekommen ist und an einer Analyse mitwirken kann, die an einem entscheidenden Wendepunkt potentiell großen Einfluss hatte, ist schleierhaft. In der gleichen Weise, wie er Maos Politik auf seinem Blog verteidigt, entwickelt das Papier eine Rechtfertigung für die Corona-Politik: Maßnahmen, die zwar demokratisch und rechtsstaatlich fragwürdig sind, müssen dennoch getroffen werden, weil sie von notweniger Effizienz sind. Ob diese Argumentationserfahrung die gewünschte Kompetenz war, die hier eingebracht werden sollte?

Kaum Kritik an Horst Seehofer

Diese Vorgänge um Horst Seehofer hätten in einem Land, in dem noch ein Rest politischer Anstand herrscht, längst den Rücktritt des Schwindel-Ministers zwingend gemacht. Nicht in Deutschland. Hier hängen sich die Journalisten der Bundespressekonferenz wie im Fall des Corona-Papiers an seine Rockschösse und übernehmen komplett unkritisch Seehofers Darstellung.

Seit wann war Corona wem bekannt?
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Auch die Veröffentlichung seiner Manipulationen von Forschungsinstituten war kaum eine Zeile wert; das ZDF berichtete kurz mit 10-tägiger Verspätung. Offensichtlich folgen die Medien bereitwillig seinem Kurs und stützen ihn, so lange er sich konform zu Merkel verhält.

Andere Erkenntnisse dagegen werden sofort kritisiert und zerschossen, wie die aktuelle Studie über die Ursprünge der Pandemie zeigen. Die Ergebnisse einer einjährigen Untersuchung von Prof. Wiesendanger an der Uni Hamburg zum Corona-Ursprung wird zur Stunde noch verrissen, weil sie unwissenschaftlich sein soll. „Toxisch“, „unwürdig“, „krude“ und „fragwürdig“ heißt es dazu. Wenn die Ergebnisse eines Nanowissenschaftlers, der Mitglied der Leopoldina ist und als Physiknobelpreisträger gehandelt wurde, von der Presse in wenigen Federstrichen zu verschwörungstheoretischem Unsinn erklärt werden können – was ist dann vor diesem Hintergrund mit der Lockdown-Strategie der Bundesregierung?


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Kommentare ( 98 )

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Th. Nehrenheim
7 Monate her

Kölbl ist doch vollkommen fachfremd! Er ist Germanist. Seine Tätigkeit in Lausanne ist gem. unil.ch Leiter des Prüfzentrums des Goethe-Instituts in Lausanne zu sein. Da darf man vermuten, dass er in Germanistik promoviert. Allerdings erst mit 52 Jahren … Auch dieser Umstand lässt zusätzliche Zweifel aufkommen. Was ist das für ein zirkus? Ich meine damit die Bundesregierung, die Ministerium und die gesamte politische Führung? Lassen die sich jetzt von jedem beraten, der genug Selbstvertrauen hat, irgendwelchen Unfug auf’s Panier zu heben und der hinreichend irre, aber hippe Vorstellungen (gemäß dem Tenor „böser weißer Mann“, „CO2 ist eine Gefahr“, „wir sind… Mehr

Last edited 7 Monate her by Th. Nehrenheim
Theos Meinungsfreiheit
7 Monate her

Und jetzt dachte ich, wie kommen solche akademischen Köpfe und brillianten Analytiker bei Burckardt Müller-Ulrich (Indubio Folge 105 auf Ach.Gut) auf soviel Hintergrundinformationenen bezüglich dieses Herrn K. aus Lausanne? Jetzt schließen sich für mich auch die Kreise und es ergibt sich ein Gesamtbild, da ich eher seit über einem Jahr meinen gesunden Menschenverstand und meine anerzogene Reflektierfähigkeit genutzt habe, um zu denselben Schlussfolgerungen zugelangen, die durch diese Enthüllungen klar werden: The Big Picture. Ein Marxistisch-Maoistisch geprägter Doktorand, vermutlich mit hohen Stipendien (vielleicht Studienstiftung des Deutschen Volkes, DAAD oder Herrmann Böll Stiftung) und mit einem offensichtlich lukrativen Job beim SPD-Maas Auswärtigen… Mehr

Protestwaehler
7 Monate her

Warte mal, der Erfüllungsgehilfe und Bettvorleger von „Erika“ hat einen Hardcore-Kommunisten als Chefberater… ja nee, passt schon 😉

Waehler 21
7 Monate her

Und der Öffentliche Rundfunk schweigt!

Protestwaehler
7 Monate her
Antworten an  Waehler 21

Da arbeiten doch ebenfalls ausschließlich Kommunisten und Sympathisanten dieser roten Brut.

Ronaldo
7 Monate her

Nach dem Schock gestern, musste ich heute diesen Artikel noch einmal lesen und muss ihn auch nochmals kommentieren. Wenn ich auch vorher nur noch einen Schuss „Restvertrauen“ in diesen Staat hatte, ist dieser jetzt endgültig zerstört. Wie kann man nur so einen Kandidaten für dieses Expertengremium berufen? Er hat offensichtlich weder formal noch praktisch für dieses Thema Kompetenz. Wenn man sich die Angaben des Lebenslaufs anschaut, dann hat er eigentlich für nichts formal oder praktisch Kompetenz. Mit 26 Jahren ein Studium an der UNIL angefangen und weitere 26 Jahre später immer noch „Doktorand“ an der UNIL. Und in der ganzen… Mehr

199 Luftballon
7 Monate her

Drehhofer der Herscher des Unrechts, Gruß aus Österreich.

Alexis de Tocqueville
7 Monate her

Wenn ich vor zehn Jahren gesagt hab, die Politiker sind alle korrupt, die bauen einen Staat im Staate, dann war ich bloß ein Verschwörungstheoretiker.
Gut, das ist heute nicht anders. Aber meine einsame Verschwörungstheoretiker-Ecke muss langsam wegen Überfüllung geschlossen werden.

FZW
7 Monate her

@Severiener: keine Angst – da stehen noch genügend in den Startlöchern!

bkkopp
7 Monate her

Kompliment für die gelungene Recherche. Seehofer ist und bleibt ein “ dankbares “ Thema, weil er auch gestern wieder beim Brunnerwirt gelogen/beschönigt hat dass sich die Balken der Kulisse gebogen haben müssen. Warum aber den letzten Absatz ? Die Wiesendanger-Studie ist und bleibt in hohem Masse fragwürdig. Wenn man sie, ohne jede eigene Sachkenntnis für “ den neuesten Stand der Erkenntnis “ hält, die von anderen, auch ohne eigene Sachkenntnis, niedergebügelt werden soll, dann strickt man doch auch nur eine Erzählung, nur vielleicht mit umgekehrtem Vorzeichen.

Waehler 21
7 Monate her

Weg mit dem Kündigungsschutz für Politiker!

Kaltverformer
7 Monate her
Antworten an  Waehler 21

In einer funktionierenden Demokratie gibt es die Kündigung in Form eines Rücktrittes.
In einer funktionierenden Demokratie wäre der Großteil des aktuell aktiven politischen Spitzenpersonals bereits auf Kreisebene, spätestens auf Landesebene aussortiert worden.
Nur in diesem okkupierten Parteienstaat, der demnächst wohl in DDR 2.0 umbenannt werden muss (damit es auch die weniger hellen Kerzen auf der Torte verstehen), wird Demokratie nur mehr für das tumbe Stimmvieh als Simulation auf Laufen gehalten.

Waehler 21
7 Monate her
Antworten an  Kaltverformer

Für willen und meinungslose Abgeordnete bezahlen wir tausend Millionen €! ( eine Milliarde! Für’s abnicken?) Mich erinnert das Parlament nicht an die DDR, sondern an Nordkorea!