Dürr zieht Kandidatur für FDP-Vorsitz zurück – und unterstützt Kubicki

Wolfgang Kubicki will für den Parteivorsitz der FDP kandidieren. Er werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen. Der derzeitige Vorsitzende Christian Dürr will beitragen und tritt selbst nicht mehr an. Er will Kubicki unterstützen. Kritik kommt von Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

IMAGO / Mike Schmidt
Wolfgang Kubicki und Christian Dürr, Aufnahme vom 31. Januar 2024

Der amtierende FDP-Vorsitzende Christian Dürr zieht seine geplante erneute Kandidatur für den Parteivorsitz beim Parteitag Ende Mai zurück und unterstützt Wolfgang Kubicki im Kampf um die Nachfolge.

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass die FDP wieder erfolgreich sein wird“, sagte Dürr am Ostersonntag der Bild. Die Voraussetzung sei eine geschlossene Formation. „Ich leiste meinen Beitrag dazu, unterstütze Wolfgang Kubicki und werde nicht antreten.“ Er wolle vor allem, dass das Land wieder nach vorne komme. „Dafür braucht es eine starke FDP mit klaren Positionen für Marktwirtschaft und Freiheit. Wolfgang hat das Zeug dazu, das zu schaffen.“

Der frühere Bundestagsvizepräsident und stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki hatte zuvor seine Kandidatur beim Parteitag Ende Mai als neuer Parteivorsitzender der Liberalen angekündigt. „Ich will eine Partei, die mit neuem Selbstbewusstsein die politischen Debatten in diesem Land anführt, statt ihnen hinterherzulaufen“, sagte Kubicki der Bild am Sonntag.

„Deutschland wartet nicht auf eine FDP, die sich in akademischen Diskussionen verzettelt, sondern auf eine, die dieses Land groß gemacht hat: klar im politischen Inhalt und ebenso klar in der Sprache. Für die Freiheit.“ Kubicki weiter: „Ich werde den Delegierten meiner Partei im Mai ein Angebot machen, bei dem sie sicher sein können: Ich werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen.“ Als Partner für den Neuanfang setzt Kubicki laut des Berichts der Bild am Sonntag auf den bayerischen FDP-Politiker Martin Hagen als Generalsekretär.

Beim Parteitag Ende Mai wollten ursprünglich auch der aktuelle Vorsitzende Christian Dürr und der nordrhein-westfälische Landeschef Henning Höne antreten. Nun hat Dürr seine Kandidatur zurückgezogen.

Kritik an der Ankündigung von FDP-Urgestein Kubicki, für den Parteivorsitz der Liberalen zu kandidieren, äußerte unterdessen FDP-Vize Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Wettbewerb könne einer Partei wie der FDP, die für Offenheit und das Leistungsprinzip stehe, nie schaden, sagte Strack-Zimmermann dem Tagesspiegel. „Doch jetzt ist nicht die Zeit für persönliche Eitelkeiten oder späte Selbstvergewisserung, nur weil dafür Raum entsteht.“

Die Europaabgeordnete kritisierte den Schritt des 74-Jährigen, der seine Kandidatur am Samstagabend mitgeteilt hatte. „Die FDP muss von einer neuen Generation in die Zukunft geführt werden, nicht nur von alten Schlachtrössern.“ Kubicki und sie selbst sollten ihre mediale Bekanntheit in den Dienst der Neuaufstellung der Partei stellen. „Aber gemeinsam mit der neuen Generation und nicht, indem wir ihr an der Spitze allein im Weg stehen.“

Strack-Zimmermann, die sich zwischenzeitlich als Teil einer Doppelspitze selbst ins Spiel gebracht hatte, unterstützt inzwischen den Landesvorsitzenden der FDP in Nordrhein-Westfalen, Henning Höne. „Er steht für ein klares marktwirtschaftliches wie gesellschaftspolitisches Profil und hat das Potenzial, das zu leisten, was in den vergangenen Monaten versäumt wurde und was auch das übrige Kandidatenfeld nicht überzeugend verkörpert: die Zusammenführung und Verteidigung des organisierten Liberalismus in seiner ganzen Breite“, sagte Strack-Zimmermann.

Kubicki erhält Unterstützung aus der CDU: Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen bezeichnete seinen langjährigen Weggefährten gegenüber Bild am Sonntag als „derzeit das Gesicht der FDP, einer, den die Leute sehen und sofort wissen, wofür er steht“.

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Kommentare ( 23 )

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Micci
9 Stunden her

Was für ein Pech für die FDP, dass ausgerechnet der bekannteste rechtsblinkende Linksabbieger für diese Glaubwürdigkeitsruine wieder Vertrauen aufbauen soll.

Erinnert an einen Wolf, der der Schafherde verspricht:
„Wählt mich, dann werde ich Veganer“!

Ich finde, die FDP erledigt in genau dem jetzigen Zustand eine überaus wichtige Aufgabe, die sie keinesfalls aufgeben sollte:

Ich schaue mir Umfrageergebnisse an, finde die FDP unter „Sonstige“ eingeordnet …
– und ein Lächeln huscht über mein Gesicht 😉

Waehler 21
6 Stunden her
Antworten an  Micci

Woraus besteht die FDP? Aus Menschen und ihren Interessen, wie bei jeder anderen Partei auch. Verbrannt hat sich die FDP durch ihre Konturlosigkeit , durch ihre Willfährigkeit und den unbedingten Willen im Dienstwagen zu sitzen.

So kann man sagen, ihr Personal ist die eigentliche Katastrophe. Wie bei anderen Partein auch, bis auf die Linken, bei denen auch die Zielsetzung „Büllerbüh“ schon eine Katastrophe ist.

kb
9 Stunden her

Wolfgang Pinnochio Kubicki. Vor der Kamera erzähle ich euch was notwendig ist und im Parlament stimme ich dagegen. Weder Kubicki noch Strack – Dingenskirchen werden gebraucht!

verblichene Rose
10 Stunden her

Machen die FDP-Leute das eigentlich ehrenamtlich, oder wird die FDP auch nach deren Misserfolgen weiterhin vom Staat alimentiert? Ich habe nämlich mal gehört, daß man tote Pferde nicht reiten kann…

hk-meyer
6 Stunden her
Antworten an  verblichene Rose

In Deutschland erhalten politische Parteien eine permanente staatliche Teilfinanzierung für ihre allgemeine Tätigkeit (§ 18 Parteiengesetz – PartG), wenn sie bei der jeweils letzten relevanten Wahl eine bestimmte Mindeststimmenhürde überschreitet: Bei der letzten Bundestagswahl oder Europawahl mindestens 0,5 % der gültigen Stimmen (für Listen).
Bei einer der letzten Landtagswahlen: mindestens 1 % der gültigen Stimmen (für Listen). usw., usf.
(Quelle: Grok)

Nibelung
13 Stunden her

Das letzte Aufgebot der Gelben und wer hat denn alles hingenommen und nur mal ein bißchen gemeckert der guten Ordung halber und die CDU hat den gleichen aus dem Rheinland, der immer dann zum Sprecher wird, wenn das schlechte Gewissen plagt und an seiner Krankheit nie stirbt, seine Partei aber schon. Im Grunde genommen ist er das letzte Aufgebot und wer seine Stimme dafür noch verschenkt hat nichts begriffen, denn die Scheintoten in allen Parteien sind immer noch in der Lage eine Koalition zu bilden und das einzige was hilft ist den Blauen zu absoluten Mehrheiten zu verhelfen und wenn… Mehr

Sonny
13 Stunden her

„derzeit das Gesicht der FDP, einer, den die Leute sehen und sofort wissen, wofür er steht“.
Gut reden kann der Wolfgang – klar.
Aber wenn es auf darauf ankommt, ist der liebe Wolfgang noch immer eingeknickt. Schon immer.
Nee. Wir bräuchten wirklich eine starke liberale Macht in Deutschland. Aber mit der fdp ist alles verbrannt worden, was es in Deutschland noch an Freiheit und Liberalität gab. Sie waren nur noch Mehrheitsbeschaffer für die linksgrünrotschwarze Kartellseuche. Und das braucht kein Mensch mehr.

Stuttgarterin
21 Stunden her

Bei aller Sympathie – trotzdem – für Kubicki: Er wird weiterhin anders abstimmen als reden. Freiheit, wo warst du all die Jahre? Vernunft, wo warst du? Liberalität, die sich nicht im Extremen verliert, wo warst du?

Konradin
21 Stunden her

Ein 74-jähriger Schwadroneur, der mit seinen Schwafeleien wirkt wie der Merz der FDP und der in den vergangenen 7, 8 Jahren jeden FDP-Schrott unter Lindner, Strack, Dürr & Co. mitgemacht hat. Seine Kandidatur wirkt wie eine Mischung aus Egozentrik und Verzweiflung, einer Suppe aus Eitelkeit und Selbstüberschätzung. Wenn Kubicki rechtsliberale und vernünftige Politik machen will, sollte er die nicht nur mehr scheintote sondern faktisch nicht mehr länger lebende FDP verlassen und sich mit vernünftigen freiheitlichen Positionen in der AfD engagieren. Die FDP steht für trans-progressive Klientelpolitik, die anschlussfähig an alles ist was Macht und Posten verspricht, vor allem aber auch… Mehr

Last edited 21 Stunden her by Konradin
Thomas Blobel
23 Stunden her

Hoffentlich findet keine Krawallschachtel den Weg in den Vorstand der Partei. Das wäre schlecht.

verblichene Rose
10 Stunden her
Antworten an  Thomas Blobel

Wieso? Außerhalb der Parlamente können die meinetwegen machen, was sie wollen. Hauptsache sie bleiben weg von den Fleischtrögen, die der normale Bürger andauernd aufzufüllen hat.

luxlimbus
23 Stunden her

An den „alten weißen Männern“ hängt es,
zu den „alten weißen Männern“ drängt es!

ludwig67
1 Tag her

Das nannte man früher Volkssturm bzw. „Letztes Aufgebot“. Kinder und Alte an die Front!

Wird die FDP dadurch mehr Aufmerksamkeit erhalten? Ja!
Wird sie für Gesprächsstoff sorgen? Ja!

Es gibt aber politisch nur einen Weg, nämlich die Öffnung zur AfD. Nur damit wird die Verkrustung des Parteiensystems aufgehoben. Blau/Gelb wäre in der Tag erfrischend. Macht Kubicki das? Unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen.

Das Problem: Der durch-wokisierte Funktionärskörper, ähnlich CDU, wird das verhindern.