Ernüchterung bei Querdenken: “Wir sind zu wenige”

Am Samstag wurde auf der Nürnberger Demo deutlich: Querdenker sind nicht zufrieden, was den Erfolg ihrer Proteste betrifft. Sie wollen nun ihre Strategie ändern.

picture alliance/dpa

Führende Köpfe von Querdenken sind enttäuscht, was die Kundgebungen der vergangenen Monate angeht. “Wir sind zu wenige – wir kriegen aktuell nicht genug Menschen auf die Straße”, sagte der Anwalt Markus Haintz auf einer Demo in Nürnberg, wie auf Livestream-Aufnahmen zu sehen ist. Es seien mehr Polizisten als Demonstranten auf der Versammlungsfläche auf dem Volksfestplatz. Gleichwohl bedeute das nicht, dass man die Flinte ins Korn werfe, sagte der Anwalt. Die Bewegung müsse ihre Strategie ändern.

Haintz hat offenbar Kampagnen in den sozialen Medien im Sinn. Etwa erwähnte er eine Blumenaktion bei einer Demo in Weimar, bei der Menschen weiße Blumen vor Gerichte in ganz Deutschland gelegt hatten und im Anschluss Fotos davon in den sozialen Medien verbreiteten (TE berichtete). Nach 14 Monaten mache es keinen Sinn, die Leute mit Informationen wie Intensivbettenzahlen überzeugen zu wollen. Man müsse Emotionen erzeugen. “Wenn ihr uns die Bilder aus Bergamo zeigt, müssen wir andere Bilder zeigen”, sagte der Anwalt.

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Ein weiterer Redner sagte, nach einem Jahr sei “die Luft raus”. Heute werde man die angemeldeten 3.500 Teilnehmer nicht erreichen. Für ihn sei das ein Indiz, dass eine gewisse “Demomüdigkeit” einziehe. Auch der Widerstand der Behörden sei massiv: Der Staat habe in den vergangenen Woche alle Umzüge und die meisten Demos verboten. Man habe sich in Nürnberg durch zwei Instanzen klagen müssen, damit die Versammlung überhaupt stattfinde. “Die Polizei hat sich auf unsere Strategie eingestellt”, meinte er. Er werde sich deshalb in den nächsten Wochen in sein privates Umfeld zurückziehen und dort Leute überzeugen. “Habe deine Meinung und stehe dazu”, forderte er die Teilnehmer auf, es ihm nachzutun.

Ein Sprecher der Polizei ging auf TE-Anfrage von 1.200 Teilnehmern aus. Die Lage sei “sehr ruhig”, sagte der Mann zum frühen Abend. Es habe keine größeren Ordnungsstörungen gegeben. Eine Gegendemonstration mit 300 Teilnehmern sei ebenfalls friedlich verlaufen.

In diesem Jahr konnten Maßnahmen-Kritiker meist nur wenige Bürger auf die Straßen bringen. Eine Ausnahme bildeten die Demos in Kassel und Stuttgart mit fünfstelligen Teilnehmerzahlen. Bei einer Kundgebung in Berlin hatte die Polizei Ende April entschieden durchgegriffen. Im Tiergarten kam es zu teils tumultartigen Szenen. Ein Teilnehmer bezeichnete das Vorgehen der Polizei als “absolut unverhältnismäßig” (TE berichtete). In Nürnberg kündigten Michael Ballweg und Markus Haintz Großdemos von Querdenken am 1. und 29. August in Berlin an.

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