Auf der UN-Klimakonferenz COP 27 werden zentrale Fragen ignoriert

Die Weltklimakonferenz 2022 in Sharm El Sheik geht in die Verlängerung – und die Medien geben ihr und der Klimaerwärmung tagtäglich Raum. Doch allzu oft werden wichtige Aspekte verschwiegen. Vor allem eine zentrale Frage.

IMAGO / photothek
Außenministerin Annalena Baerbock, Grüne, und ihre Staatssekretärin Jennifer Lee Morgan in Sharm El Sheik, 18.11.2022

Die 27. jährliche UN-Klimakonferenz, offizieller Name „Conference of the Parties“ (COP 27) der UN-Klimarahmenkonvention, geht in die Verlängerung. Denn konkrete Ergebnisse gibt es bisher kaum. Strittig ist vor allem der Ausgleich für klimabedingte Schäden („Loss and Damage“). Kurz: die westlichen Industriestaaten sollen an die Staaten des globalen Südens zahlen. Nur ist unklar, wann der dafür angedachte Fonds geschaffen werden und wie viel Geld von wem einfließen soll – und vor allem die Rolle jener offiziell nicht zu den industrialisierten Staaten zählenden Länder wie China oder Saudi-Arabien, die davon profitieren wollen, auch wenn sie tatsächlich nicht nur gar nicht unbedingt weniger wohlhabend sind als manche westliche Staaten, sondern auch für einen bedeutenden Anteil am CO2-Ausstoß verantwortlich sind.

Über diese Fragen und die Antworten der UN-Staaten wurde und wird sicher auch am Wochenende noch ausführlich berichtet.

Weniger wird dagegen in den Medien eine andere, eigentlich naheliegende Frage thematisiert. Sie scheint tabu zu sein, nämlich: Warum kommen mehr als 40.000 Teilnehmer nach Sharm El Sheik?

In den Medien wird in der Regel der Eindruck erweckt, 40.000 Diplomaten träfen sich im ägyptischen Badeort am Roten Meer, um über die Klimaerwärmung zu diskutieren. Aber ein großer Teil der Teilnehmer sind NGO-Vertreter ohne jedes politische Mandat – und außerdem weiß jeder, der es wissen will: Die meisten der dort vertretenen Regierungen gönnen auch den Familien und Freunden der Regierenden eine Reise zur großen Party am Badeort Sharm El Sheik. Pünktlich zu Konferenzbeginn sind Preise für Hotelzimmer rasant gestiegen, die ägyptische Tourismus-Branche macht einen großen Reibach. Wenn ein Hotelzimmer laut jammernden NGO-Vertretern rund 500 Dollar pro Nacht kostet und die Hoteliers auch mal „plötzlich zusätzlich bis zu 600 Euro mehr“ verlangen, kann man das Ausmaß der Gesamtkosten einigermaßen erahnen. Für die vergangene COP 26 in Glasgow war von Gesamtkosten von mehreren Hundert Millionen Euro die Rede. Aber das möchte kaum ein Journalist thematisieren, um nicht den ganzen Mega-Event im Polizeistaat Ägypten zu delegitimieren.

Dass sich in Ägypten vor Ort Klimaextremisten auf Straßen festgeklebt hätten, ist bislang nicht bekannt geworden. Der für seine Repressionsmethoden notorische Staat Ägypten hat schon im Vorhinein durch entsprechende Behandlung von Demonstranten deutlich gemacht, dass Klebe-Aktionen wie in Deutschlands Hauptstadt nicht toleriert werden.

So geht’s nicht: Energiewende am Beispiel des Elektro-Auto-Umstiegs in der EU

Der EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton ist offensichtlich im Gegensatz zum polit-medialen Milieu in Deutschland der Realität verpflichtet. In einem Interview mit Politico thematisiert er die Probleme und Nachteile, von deutschen Medien jenseits der Fachpresse nicht zur Kenntnis genommen. 

Beim Umstieg vom Verbrenner auf Elektroautos würden rund „600.000 Arbeitsplätze vernichtet“, sagte Breton. „Wir sprechen nicht nur von den großen Autoherstellern – die werden das sicher schaffen –, sondern wir sprechen vom gesamten Ökosystem und der Stromerzeugung.“

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Breton sieht grundlegende Schwierigkeiten. Um all die nötigen Elektroautos zu produzieren, die herkömmliche Fahrzeuge ersetzen sollen, „brauchen wir bis 2030 etwa 15-mal mehr Lithium, viermal mehr Kobalt, viermal mehr Graphit, dreimal mehr Nickel“, sagte Breton. „Wir werden also einen enormen Rohstoffverbrauch haben, und das müssen wir alles überprüfen.“ Auch sei der Strom für all diese Autos gar nicht vorhanden: „Wenn wir wollen, dass alle Autos elektrisch sind, brauchen wir 150 Gigawatt mehr Stromerzeugung pro Jahr – das bedeutet 20 bis 25 Prozent mehr Strom, als wir heute in Europa produzieren“, so Breton weiter. „Also müssen wir die Stromproduktion massiv steigern. Aber es muss auch kohlenstofffreier Strom sein – wenn wir es mit Kohle oder Gas machen, macht es keinen Sinn.“

Ein weiterer Problempunkt ist die Infrastruktur. Breton: „Bis 2030 wollen wir 30 Millionen Elektrofahrzeuge auf Europas Straßen. Das heißt, wir brauchen rund sieben Millionen Ladestationen. Aber heute haben wir nur 350.000, davon 70 Prozent in nur drei Ländern – Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.“

Elektrofahrzeuge sind wegen der Batterien etwa 40 Prozent schwerer als herkömmliche Autos, sagte Breton. Deshalb würden sie deutlich mehr Partikel von Bremsen und Reifen ausstoßen als Autos mit Verbrennungsmotoren. Der berüchtigte Feinstaub steigt also durch den „klimafreundlichen“ Umstieg auf Elektrofahrzeuge.

Bis 2050 braucht Europa sogar doppelt so viel Strom. Auch bei massivem Ausbau der erneuerbaren Energien müssen wir die Atomkraft ausbauen, um zuverlässige Energieversorgung für Industrie und Haushalte zu garantieren.

Wir müssen 60 Milliarden Euro jährlich für erneuerbare Energien investieren, dazu 45 Milliarden für den Stromtransport und 20 Milliarden für Atomkraft. Ohne Atomkraft ist eine Null-Emission nicht zu erreichen. 

Breton äußerte sich auch zur Problematik eines europäischen Alleingangs: Auch wenn 450 Millionen Menschen in der EU komplett auf Elektroautos umsteigen, würde „der Rest der Welt, also sieben Milliarden Menschen“ noch „viele Jahrzehnte Fahrzeuge mit Verbrenner fahren“. Breton verwies insbesondere auf Afrika, wo viele Länder kaum stabile Stromnetze haben und weit davon entfernt seien, genug Strom zu produzieren, um umsteigen zu können.

Die EU dürfe diese Märkte nicht aufgeben, nur weil sie den Ausstieg aus Verbrennungsmotoren im Inland beschlossen habe, forderte Breton. EU-Verbrennungsmotoren würden in vielen Fällen sauberer sein als Motoren von anderen Herstellern. Daher sollten Autohersteller ihre Verbrenner weiterhin in die ganze Welt exportieren: „Ich ermutige EU-Unternehmen, die das wünschen, weiterhin Verbrennungsmotoren zu produzieren.“ Das gilt insbesondere für Asien und für Afrika mit seiner stark wachsenden Bevölkerung.

Weiteres Tabu: Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt, besonders in Afrika

Ein weiteres Tabu auf der COP und vor allem im allgegenwärtigen Klima-Medien-Hype: Für die Klimaerwärmung und den CO2-Ausstoß der Zukunft wird ganz wesentlich die Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt, besonders in Afrika verantwortlich sein. Rund 1,4 Milliarden Menschen leben nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung derzeit in Afrika. Bis 2050 wird die Bevölkerungszahl dort demnach auf rund 2,5 Milliarden steigen. Bis Ende des Jahrhunderts werden etwa dreimal so viele Menschen in Afrika leben wie heute, knapp 4,3 Milliarden – etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung. Dort wird sich die Bevölkerungszahl bis 2050 verdoppeln. Dann leben allein in Nigeria 450 Millionen Menschen, etwa so viel wie in der gesamten EU heute.

Die Menschen dort werden Fleisch essen wollen, sie werden Verbrenner-Autos und Mopeds fahren, sie brauchen Strom und Kleidung. Das wird zu einem gigantischen CO2-Ausstoß führen. Welchen Plan haben die Klimaretter dafür? Offenbar nur den, dieses wesentliche Problem der Zukunft totzuschweigen.

Wirtschaftliche Entwicklung ist wichtiger als die Energiewende

Trotz des unbestreitbaren Klimawandels sterben prozentual immer weniger Menschen bei Naturkatastrophen. Die Zahl der Todesopfer weltweit hat sich, so eine Studie von 2016, seit einem Jahrhundert kaum verändert, obwohl sich die Weltbevölkerung seitdem mehr als vervierfacht hat. „Das Risiko für einen einzelnen Menschen, wegen eines Wetterextrems zu sterben, betrug in den 1920er-Jahren laut UN-Daten 1:1000, heute liegt es bei 1:400.000. Das Risiko hat sich um 99,75 Prozent reduziert, trotz globaler Erwärmung“, schreibt die Welt. Mit besseren Warnsystemen und moderner Infrastruktur gelang es, mit den Wetterunbillen umzugehen.

In Bangladesch kamen in starken Stürmen regelmäßig Zehntausende ums Leben, in einem Sturm 1970 gar eine halbe Million. Dem Zyklon „Amphan“ fielen 2020 nur noch 128 Menschen zum Opfer.

Und: In den vergangenen Jahrzehnten stiegen die Welt-Ernteerträge pro Person stark an. Die Entwicklung der Landwirtschaft hängt aber vor allem an der technologischen Ausrüstung und den Anbaumethoden, der Klimawandel spiele eine untergeordnete Rolle, heißt es bei der Welternährungsorganisation.

Führt die Energiewende also dazu, die Entwicklung der Weltwirtschaft zu bremsen, könnte dies für Hunger und menschliche Katastrophen sorgen, die womöglich die negativen Folgen der Klimaerwärmung überwiegen. Die Globalisierung und die Digitalisierung hat viele Menschen in der Dritten Welt aus Hunger und Armut befreit.

Doch auch diese Erkenntnis, die danach ruft, eine vernünftige Bilanz zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Klimaschutz zu suchen, wird auf der COP ebenso wie die große Frage der voranschreitenden Überbevölkerung marginalisiert.

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Kommentare ( 38 )

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38 Comments
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Haeretiker
17 Tage her

„Führt die Energiewende also dazu, die Entwicklung der Weltwirtschaft zu bremsen, könnte dies für Hunger und menschliche Katastrophen sorgen,…“
und in der Folge zu einer Reduzierung der Weltbevölkerung führen.
Ist möglicherweise das das Ziel?

Thorben-Friedrich Dohms
17 Tage her

Das 1,5°-Ziel muss nicht mehr beerdigt werden. Das CO2-Restbudget laut IPCC beträgt pro Kopf der Menschheit samt aller noch nicht geborenen Kinder zum 19.11.2022 nicht einmal 37 Tonnen. Das reicht bei gleichbleibenden Emissionen noch für 7 Jahre und 2 Monate. Die Emissionen steigen aber weiter an und es wäre schon ein Erfolg, wenn der Peak 2023 erreicht wäre und die Emissionen dann stabil blieben. Aber selbst dann ist das Restbudget Anfang 2030 erschöpft. Ich glaube nicht, dass die EU-Politiker vor Ort so dumm sind, dass sie nicht längstens verstanden haben, dass sie mit dem 1,5°-Ziel einen toten Gaul reiten. Aber… Mehr

Last edited 17 Tage her by Thorben-Friedrich Dohms
Leroy
17 Tage her

Noch mal: Es gibt keine Erd-Durchschnittstemperatur. Es gibt einen Mittelwert der gemeldeten Werte der Wetterstationen. Mein Vorschlag: Stellt mehr Wetterstationen am Nord- und Südpol auf und wir haben die Ziele der Klima-Irren erfüllt.

Robert Tiel
17 Tage her

Eine weitere, fehlende Frage lautet:
Was haben die Maßnahmen bisher gebracht und was haben sie gekostet…?!

Siggi
17 Tage her

Europa verabschiedet sich gerade aus der wirtschaftlichen Weltgemeinschaft. Diese ideologische Überhöhung bar jeder Vernunft, ist kaum noch zu ertragen.

Protestwaehler
17 Tage her

Oh man, die MSM verbreiten schon wieder gleichgeschaltete FakeNews: „Bundesamt für Katastrophenhilfe rechnet mit Stromausfällen im Winter In manchen Regionen könnte für kurze Zeit der Strom abgeschaltet werden, um das Netz zu schützen, sagt BBK-Chef Ralph Tiesler. Ab Januar steige das Risiko für Blackouts. Wegen der angespannten Lage bei der Energieversorgung wird es nach Einschätzung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in den kommenden Monaten zu Stromausfällen in Deutschland kommen, die über das bisherige Maß hinausgehen. „Wir müssen davon ausgehen, dass es im Winter Blackouts geben wird“, sagte BBK-Chef Ralph Tiesler der Welt am Sonntag.“ Hahaha… progressive Energiewende hahaha….… Mehr

Last edited 17 Tage her by Protestwaehler
alter weisser Mann
17 Tage her

Baerbock: „Wir werden keinen Vorschlägen zustimmen, die das 1,5-Grad-Ziel zurückdrehen. … Wenn andere hier den 1,5 Grad Pfad beerdigen wollen, dann sagen wir klar: Da machen wir nicht mit.“
Tot ist der 1,5 Grad Pfad eh schon, das kann das „wir“ hoch und runter hüpfen, ob mit oder ohne Gerät.
Dann gibt es eben im Zweifel kein Abschlusspapier für die Tonne.

Siggi
17 Tage her
Antworten an  alter weisser Mann

Als ob ihre Aussagen auch nur einen jucken. Jeder weiß, dass die Dame neben ihr die Feder führt, die Feder von Greenpeace, einer Geldmaschine mit ökologischem Geschäftsmodell.

Juergen P. Schneider
17 Tage her

Das Hochamt der Klimareligion ist in erster Linie eine große Sause für die Klimabewegten und die Klima-Panik-Profiteure. Es geht dabei ohnehin nur um hehre Absichtserklärungen, man braucht sich nur einmal mit dem Pariser Klimaabkommen zu beschäftigen, viel heiße Luft und wenig Konkretes. Die große Mehrheit der Menschen sowohl in der westlichen Welt als auch in den unterentwickelten Länder und den aufstrebenden Wirtschaftsmächten der Zukunft scheint dieser ganze Zirkus nicht zu interessieren. Die öffentliche Wirkung und angebliche Bedeutung dieser großen Weltrettungsparty verdankt sie in erster Linie der wie gleichgeschaltet wirkenden Aufmerksamkeit des links-grünen Medienkomplexes. Konservative Medien berichten zwar auch, aber dort… Mehr

Freige Richter
17 Tage her

Zentrale Fragen des Klimaschutzes wurden ignoriert? Dafür wurden zentrale Fragen eines weltweiten Gulags (Digitaler Impfausweis/Identität) behandelt, siehe Abschlusserklärung. Das WEF kommentierte die Erklärung wie folgt: Zuvor sagte das WEF, dass „die digitale Identität bestimmt, auf welche Produkte, Dienstleistungen und Informationen wir zugreifen können – oder umgekehrt, was uns verschlossen bleibt.“ Unfassbar.

Hannibal Murkle
18 Tage her

@“Die Menschen dort werden Fleisch essen wollen, sie werden Verbrenner-Autos und Mopeds fahren, sie brauchen Strom und Kleidung. Das wird zu einem gigantischen CO2-Ausstoß führen. Welchen Plan haben die Klimaretter dafür?“

Weltrettende:innen würden sagen – kein Fleisch mehr essen. Dass die meisten Leute Fleisch essen wollen, aber kein Interesse an CO2-Panik haben – kümmert die nicht.