Für CSU-Chef Markus Söder sind die Ergebnisse der Stichwahlen in Bayern kein Ruhmesblatt. Besonders das Ergebnis in Augsburg tut ihm „echt weh“: Dort muss die CSU-Oberbürgermeisterin ihren Posten an die SPD abgeben. Die Zeiten sind vorbei, in denen die CSU einen Besenstiel aufstellen konnte und trotzdem gewann.
picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
Am 8. März 2026 fand in Bayern der Hauptwahlgang zur Kommunalwahl statt. Die CSU kam hier bei den Gemeinderats-, Kreistags- und Stadtratswahlen auf 32,5 Prozent. Es ist ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis seit rund siebzig Jahren. Die Grünen kamen auf 13,6. Den dritten Platz teilten sich mit fast identischen Ergebnissen SPD (12,3 Prozent), AfD (12,2 Prozent) und Freie Wähler FW (12,1 Prozent). TE hat darüber berichtet.
Nun standen am 22. März rund 300 Stichwahlen an. Darunter in 17 kreisfreien Städten und 29 Landkreisen. CSU und SPD mussten herbe Niederlagen einstecken. Lachender Dritter sind vor allem die FW, durchaus auch die Grünen.
Da man die Ergebnisse nicht systemisch nach Parteien bzw. nach Siegen und Niederlagen sortieren kann, sei nachfolgend gegliedert nach OB-Wahlen und Landratswahlen und hier wiederum nach Größenordnung der Kommunen.
OB-Wahlen
Das wohl spektakulärste Ergebnis gab es bei der OB-Stichwahl in der früheren SPD-Hochburg München. Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD), seit 2014 im Amt, erlebte mit 43,6 Prozent (am 8. März: 35,6 Prozent) eine krachende Niederlage gegen Dominik Krause (Grüne; 56,4 Prozent; am 8. März: 29,5 Prozent). Der 35-jährige Krause sicherte den Grünen damit erstmals den Münchner OB-Posten.
Seinen Absturz hat Reiter selbst inszeniert. Kurz vor der Wahl vom 8. März wurde bekannt, dass Reiter seit Ende 2021 ohne Genehmigung durch den Stadtrat pro Jahr 20.000 Euro Vergütung für seinen Posten als Verwaltungsbeirat beim FC Bayern München bezog. Vier Tage vor der Wahl dann zitierte Reiter im Stadtrat in Anspielung auf den Schlager „Kellnerin a Bier“ des Liedermachers Fredl Fesl aus dem Jahr 1976 einen allseits geächteten Begriff, um deutlich zu machen, dass er den Aktenberg kaum noch überschaue. Reiter sagte, Orientierung im Aktenwust suchend: „Sowosamma-Neger“. Reiter dann zerknirscht am Wahlabend des 8. März: „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Das hat das Ergebnis deutlich beeinflusst.“ Am 22. März nun die krachende Niederlage, wiewohl sogar der drittplatzierte CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner Reiters Wiederwahl empfohlen hatte.
Die Stichwahl in Bayerns zweitgrößer Stadt Nürnberg indes ist für die CSU gut ausgegangen. CSU-Oberbürgermeister Marcus König hat den OB-Sessel mit 55,5 Prozent gegen SPD-Herausforderer Nasser Ahmed (44,5 Prozent) verteidigt. In einer weiteren Großstadt Bayerns, in Erlangen, konnte die CSU einen Machtwechsel herbeiführen. Der CSU-Herausforderer Jörg Volleth errang 51,4 Prozent der Stimmen, der bisherige Amtsinhaber Florian Janik (SPD) 48,6 Prozent.
Nicht erfolgreich war die CSU in Bayerns drittgrößer und viertgrößer Stadt. In Augsburg muss OB Eva Weber (CSU, 43,4 Prozent) ihr OB-Büro für Florian Freund (SPD, 56,6 Prozent) räumen. In Regensburg schlug SPD-Mann Thomas Burger (53,2 Prozent) die CSU-Bewerberin Astrid Freudenstein (46,8 Prozent) aus dem Feld. Freudenstein kam in der ersten Runde auf 37,5 Prozent. Der neue Wahlgewinner Burger auf lediglich 19,1 Prozent.
Zwischenfazit in den acht bayerischen Großstädten: Die CSU stellt drei OBs (Nürnberg, Erlangen und seit 2025 Ingolstadt), die SPD ebenfalls drei OBs (Augsburg, Regensburg, Fürth), die Grünen stellen zwei OBs (München und seit 2025 Würzburg).
Aber auch unterhalb der Großstadtdimension gab es interessante Ergebnisse. In vormaligen SPD-Hochburgen wie Aschaffenburg, Hof und Weiden gewannen CSU-Bewerber. In Bayreuth, Rosenheim (erstmals seit 65 Jahren) und Schweinfurt konnte sich die SPD durchsetzen. Erstmals stellen die FW zwei Oberbürgermeister: in Kempten und Amberg. Neuburg an der Donau hat nun einen grünen OB. In der Stichwahl setzte sich dort Gerhard Schoder mit 58,8 Prozent gegen den CSU-Bewerber Matthias Enghuber (41,2 Prozent) durch. Bis dahin war Martin Heilig in Würzburg der einzige grüne Oberbürgermeister Bayerns.
Landratswahlen
Vor der aktuellen Kommunalwahl stellte die CSU 53 der 71 bayerischen Landräte. Nun sind es nur noch 40. Die Freien Wähler haben die Zahl ihrer Landräte insgesamt verdoppelt: von 14 auf 28. Darin enthalten sind auch Bewerber, die für regionale Freie-Wähler-Gruppen ins Rennen gegangen waren. Zwei Landräte stellt die SPD: in Roth und in Schweinfurt. Eine Landrätin stellen die Grünen in Landberg am Lech. Dort setzte sich die Grüne Daniela Groß in der Stichwahl mit 61,5 Prozent gegen Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU, 38,5 Prozent) durch.
Besonders markant sind die FW-Erfolge in jenen Landkreisen, in denen die FW ihre Landräte nicht nur halten konnten, sondern der CSU einige Posten abnahmen. In insgesamt 15 Landkreisen war das der Fall, umgekehrt konnte die CSU die FW nur in einem einzigen Kreis ablösen: in Freising.
Weitere Beispiele: Im Landkreis Ansbach gab es bislang ausschließlich CSU-Amtsinhaber. Nun verlor CSU-Amtsinhaber Jürgen Ludwig (22 Prozent) das Amt an FW-Herausforderer Marco Meier (78 Prozent). Ferner gewannen FW-Kandidaten die Stichwahlen in den Landkreisen Kelheim, Donau-Ries und Berchtesgadener Land, teilweise – wie in Kelheim – gegen langjährige Amtsinhaber. Martin Koppmann (FW) gewann die Stichwahl um das Amt des Landrates im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mit 79,0 Prozent gegen den langjährigen CSU-Landrat Michael Fahmüller.
Folgen für die CSU/FW-Koalition
Für CSU-Chef Markus Söder sind all diese Ergebnisse kein Ruhmesblatt. Er hat auch bis zum Tag nach der Wahl, 12 Uhr, gebraucht, um sich zu äußern: „Insgesamt sind wir deutlich stärker als die Freien Wähler“. Oha, da werden – untypisch Söder – mittlerweile aber recht kleine Brötchen gebacken. Und ein Ergebnis tut Söder „echt weh“: das Ergebnis in Augsburg. Naja, mit viel Wokeness der bisherigen Amtsinhaberin Weber war es doch nicht getan.
Bayerns FW-Koalitionspartner und FW-Bundesvorsitzender Hubert Aiwanger freilich kann ein wenig durchatmen. Nach dem Desaster der FW bei der Bundestagswahl 2025 mit 1,5 Prozent Zweitstimmen und dem Flop bei den Landtagswahlen ebenfalls am 22. März 2026 in Rheinland-Pfalz mit 4,2 Prozent (und dem damit verbundenen Auszug aus dem Landtag) lässt er nun seine Muskeln wieder in Bayern spiegeln. Er sieht die Ergebnisse der Kommunalwahl in Bayern als „traumhaft“ an und als eine „Steilvorlage für die nächste Landtagswahl“. Die findet im Herbst 2028 statt. Bis dahin wird Aiwanger für Söder ein unbequemerer Partner sein.
Söder wird sich den Kopf zerbrechen und fragen müssen, ob seine Kommunalleute vor Ort immer die richtigen und altgediente die aussichtsreichsten sind. Im Kreis Kelheim holte der FW-Herausforderer Christian Nerb Zweidrittel der Stimmen gegen den CSU-Amtsinhaber Martin Neumeyer. In Ansbach verlor Landrat Jürgen Ludwig (CSU) die Stichwahl. Sein 33-jähriger Gegenkandidat Marco Meier (FW) kam auf 78,4 Prozent. Amtsinhaber Ludwig erhielt 21,6 Prozent. In Rottal-Inn erhielt der CSU-Amtsinhaber Michael Fahmüller miserable 21 Prozent und musste sich seinem FW-Herausforderer Martin Koppmann (79 Prozent) geschlagen geben.
Ähnlich klar ist das Ergebnis in Miesbach. Dazu schreibt Don Alphono auf X sarkastisch: „Nachdem bei uns in Miesbach der letzte grünliche CSU-Landrat dem Volk ein grosses Asyllager aufgezwungen hat und damit durch die Talkshows tingelte, haben die Freien Wähler der CSU eine hineinbetoniert, und wie. Mei Liaba.“
Konkret: Franz Schnitzenbauer (CSU) kam als Landratskandidat auf 22 Prozent, FW-Konkurrent Jens Zangenfein auf 78 Prozent. CSU-Mann Schnitzenbauer musste wohl ausbaden, was der bisherige CSU-Landrat Olaf von Löwis ihm als Bleigürtel auf seinen Tauchgang mitgegeben hatte: sein unbedingtes Bemühen, die Bevölkerung bzw. die Gemeinden für Flüchtlingslager zu gewinnen.
Mit anderen Worten: Die Zeiten sind vorbei, in denen die CSU einen Besenstiel aufstellen konnte und trotzdem gewann.




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