Der Welt-Energie-Krieg: Auch Putins Ölhafen brennt

Iranische Raffinerien und die Ölförder-Anlagen in Katar wurden von Raketen schwer beschädigt: Heute Nacht trafen ukrainische Drohnen die russische Energieregion im Oblast St. Petersburg – der Ostsee-Hafen Ust-Luga steht in Flammen, ein Ausfall von 40 Prozent der russischen Öl-Produktion sei die Folge.

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Zum zweiten Mal in Folge nahmen ukrainischer Streitkräfte zentrale Einrichtungen der Öl- und Gasindustrie ins Visier. Das ist nicht nur eine Serie gezielter Militärschläge, sondern ein neues Kapitel im globalen Energiekrieg – mit weitreichenden Folgen für Weltmarkt und internationale Versorgungssicherheit.

Besonders dramatisch ist die Lage im strategisch bedeutenden Ostseehafen Ust-Luga, einem der wichtigsten Exportknotenpunkte für russisches Rohöl und Erdgas: In sozialen Netzwerken verbreitete Videos zeigen meterhohe Flammen, die über den Industrieanlagen aufstiegen. Bereits in der Nacht zuvor war das Industriegebiet Ziel eines massiven ukrainischen Angriffs gewesen. Die Anlage, betrieben von einem der größten russischen Flüssiggasproduzenten, gilt als Schlüsselstelle für den Export von LNG und Ölprodukten in internationale Märkte.

Parallel dazu kam es auch in der Stadt Kirishi zu Angriffen: Dort befindet sich eine der größten Raffinerien Russlands, die einen erheblichen Anteil an der nationalen Ölverarbeitung ausmacht. Der Gouverneur der Region bestätigte Schäden in einer Industriezone, vermied jedoch eine direkte Nennung der betroffenen Raffinerie. Offizielle Angaben sprechen von mehr als 20 abgeschossenen Drohnen. Berichte von Anwohnern deuten darauf hin, dass die Anlage selbst getroffen wurde.

Die wiederholten Angriffe haben auch unmittelbare Auswirkungen auf die zivile Infrastruktur: Der Flugverkehr am Flughafen Pulkowo in St. Petersburg musste erneut vorübergehend eingestellt werden. Dies zeigt, wie nah die Kampfhandlungen inzwischen an bedeutende urbane Zentren in Russland herangerückt sind.

Bemerkenswert ist die Reichweite der ukrainischen Drohnen: Sowohl Ust-Luga als auch Kirishi liegen mehrere hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Dass die Kampf-Drohnen diese Distanzen überwinden, belegt die technologische Weiterentwicklung dieses Waffensystems.

Zwei Nachtangriffe in Folge

Bereits am 25. März bestätigte das ukrainische Militär einen erfolgreichen Angriff auf die Anlagen in Ust-Luga, bei dem erheblicher Schaden an einem wichtigen Energieterminal entstanden sein soll. Auch die Raffinerie in Kirishi war in der Vergangenheit wiederholt Ziel solcher Operationen. Nach einem Angriff im Oktober 2025 musste dort ein zentraler Verarbeitungskomplex zeitweise stillgelegt werden.

Diese gezielten Schläge sind Teil einer umfassenderen Strategie: Die Ukraine versucht, Russlands Energieinfrastruktur systematisch zu schwächen – und damit eine der wichtigsten Einnahmequellen Moskaus zu treffen. Öl- und Gasexporte bilden das finanzielle Rückgrat des russischen Staatshaushalts und sind entscheidend für die Fortführung des Krieges.

Laut einem aktuellen Bericht der News-Agentur Reuters seien nun 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten derzeit außer Betrieb. Neben Drohnenangriffen tragen auch beschädigte Pipelines und festgesetzte Tanker zu dieser massiven Störung bei. Besonders betroffen sind große Exporthäfen wie Primorsk und eben Ust-Luga, wo Verladungen zeitweise vollständig ausgesetzt wurden. Auch der Schwarzmeerhafen Noworossijsk arbeitet nur eingeschränkt.

Energie-Krise in Europa – ein Kollateralschaden

Zusätzlich werden noch immer wichtige Pipelineverbindungen nach Europa – insbesondere über die Druschba-Leitung Richtung Ungarn und Slowakei – von der Ukraine blockiert. Die Kombination aus militärischen Angriffen und infrastrukturellen Schäden könnte eine Versorgungslücke schaffen, die den globalen Energiemarkt noch zusätzlich zum Nahost-Krieg unter Druck setzt.

Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran hat die Ölpreise bereits über die Marke von 100 Dollar pro Barrel getrieben. Die gleichzeitige Schwächung russischer Lieferkapazitäten verschärft die Situation nun zusätzlich.

Die Eskalation zeigt, dass der Krieg längst nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld entschieden wird – sondern zunehmend auch über Energieflüsse, wirtschaftliche Stabilität und globale Abhängigkeiten. In diesem neuen Welt-Energie-Krieg ist die Gefährdung des Wohlstands in Europa ein in Kauf genommener Kollateralschaden.

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Kommentare ( 100 )

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H. Priess
23 Tage her

Meine Annahme, die ich weiter unten geschrieben habe, hat sich bewahrheitet. In Report 24 ist zu lesen, daß die Drohnen über Polen und den baltischen Staaten geflogen sind. Der Angriff erfolge also unter Mithilfe dieser Natoländer und wie die Russen darauf reagieren werden wird sich zeigen. Wenn 40% der Erdöllieferungen, was ich bezweifle, betroffen sind wird das auf den Weltmarkt spürbar sein. Wenn das wirklich 40% seine sollen müßten sich die Tanker in der Ostsee aufreihen wie eine Perlenschnur was aber nicht zu sehen ist. Der beschlagnahmte Tanker liegt immer noch vor Saßnitz/Rügen und der gerade von Schweden festgesetzte Tanker,… Mehr

doktorcharlyspechtgesicht
23 Tage her

Es läuft doch immer gleich: Achtungserfolge für die Ukrainer – hier natürlich über NATO-Luftraum und mit NATO-Unterstützung und dann Adaptierung der russischen Strategie. Es ist ein Abnutzungskrieg. Klar hat Russland jetzt den Scherben, ist aber wirtschaftlich in der Lage, die Anlagen wieder flott zu machen. Wir erinnern uns an die Versenkung der MOSKWA, den Anschlag auf die Krim-Brücke, die Drohnenaktion gegen die strategischen Bomber. Nichts davon hat auf dem Schlachtfeld Auswirkungen gehabt. Die Wagners haben derweil Bachmut eingenommen. Die Suchois haben derweil Freifallbomben mit Gleitfügeln angepasst bekommen. Die großen Produktionsanlagen für die Gerans wurden derweil hochgezogen. Russland produziert Rüstungsgüter einfach… Mehr

Retlapsneklow
23 Tage her

Zum gar nicht guten Zustand der US-Truppen im Iran-Krieg sagt die New York Times etwas. „Iran’s Attacks Force U.S. Troops to Work Remotely“. Viele US-Stützpunkte in der Gegend sind unbrauchbar, die Militärs wohnen in Hotels, sie können von dort aus nicht operieren. Kein Wunder, sehnt Trump eine Pause zwecks Nachschub herbei.

Die ganze Geschichte: https://www.nytimes.com/2026/03/25/us/politics/iran-us-bases.html

BKF
23 Tage her

Die Ukraine versucht, Russlands Energieinfrastruktur systematisch zu schwächen – und damit eine der wichtigsten Einnahmequellen Moskaus zu treffen.“ Vorallem paßt das wunderbar zur aktuellen globalen Energiestrategie der USA.

Egge940
23 Tage her

Sie sind wirklich kurz davor zu verstehen, dass die fossilen Rohstoffe das Problem sind.

Michael M.
23 Tage her
Antworten an  Egge940

Und Sie werden es definitiv niemals verstehen ‼️

Last edited 23 Tage her by Michael M.
Manfred_Hbg
23 Tage her

Zitat: „Zusätzlich werden noch immer wichtige Pipelineverbindungen nach Europa – insbesondere über die Druschba-Leitung Richtung Ungarn und Slowakei – von der Ukraine blockiert.“ > Ähm, sagt und behauptet in diesen Fall bitte genau: WER?? Doch wohl nicht etwa Orban? Und wer sonst noch? – Aha, danke! Orban’s (Wahl-)Gezetere wegen der von Putin-Russland beschädigten Druschba-Leitung ist ziemlich durchschaubar. Und wenn man dann laut den ungarischen Medien am hören ist, dass es diesmal mit einen Wahlsieg für Orban’s Fidez (leider) ziemlich schlecht aussehen soll, dann erklärt hier Orban’s Gezetere gegen die Ukraine einiges. Und das hinzu auch, nachdem Orban zwei angebotene alternative… Mehr

Last edited 23 Tage her by Manfred_Hbg
Waldschrat
24 Tage her

Offenbar können wir uns das doch alles leisten. Wir bezahlen doch Selenskij dafür und hofieren ihn dafür, dass er unsere Energiebasis kaputt macht. Mit Nordstream 2 begann der Spuk. Aktuell setzt sich das fort. Die weitere Energiebasis im Golf haben andere Akteure auf dem Zerstörungsschirm.
Anstatt jede finanzielle und militärische Hilfe für dieses korrupte Regime einzustellen und dami den Krieg nicht weiter zu befördern, applaudieren wir noch und freuen uns über unseren Niedergang. Irrenanstalt, in der das Personal die Oberirren sind.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
24 Tage her

Super! Herzlichen Glückwunsch an die Ukraine. Genau so geht das. Bis es die Russen kapieren und das Volk sich endlich gegen seinen Diktator auflehnt.

Kassandra
23 Tage her

@Ceterum censeo Berolinem esse delendam: Verstehen Sie doch: die EU, vielleicht ganz Europa bis zum Ural wird auf Dauer ohne Energie „untergehen“. Denn auch die Russen treffen Energieinfrastruktur in der Ukraine – während wir hier uns selbst „sabotieren“ und aus Arabien wie den USA auch nicht ausreichend zu bezahlbaren Preisen geliefert werden wird. Und die Russen dort, wo sie in Afrika ihr Uran herbekamen, nicht mehr gelitten sind. . „Ricarda Lang will die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland kappen. Es gehe nicht „um eine Verschnaufpause, was europäische Souveränität angeht“, sagte die Grünen-Co-Parteichefin. „Es geht um einen kompletten ökonomischen Bruch mit Wladimir Putin.… Mehr

November Man
24 Tage her

Man versteht die Russen manchmal nicht. Sie lassen sich ständig von den Ukrainer piesacken anstatt mal einen Knopf an die Sache ran zumachen. Die Russen hätten die Möglichkeit gegen die korrupte Regierung der Ukraine einen Enthauptungsschlag durchzuführen und innerhalb kürzester Zeit die Ukraine komplett zu übernehmen. Man fragt sich, warum wollen die Russen das partout nicht.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
24 Tage her
Antworten an  November Man

Glauben Sie mir, wenn die könnten, hätten sie diesen „Enthauptungsschlag“ schon längst durchgeführt. Oder glauben Sie, dass sich der kleinwüchsige Schläger aus den St. Petersburger Hinterhöfen freiwillig an der Ukraine die Zähne ausbeißt? Garantiert nicht. Dieses Drittweltland von Chinas Gnaden pfeift längst aus dem letzten Loch und hat nicht mehr zu bieten.

Dass viele Leserbriefschreiber hier das Versagen ihrer heißgeliebten Russen ganz doof finden, ist bekannt.

Michael Palusch
23 Tage her

„Glauben Sie mir, wenn die könnten, hätten sie diesen „Enthauptungsschlag“ schon längst durchgeführt.“
Naja. Der Präsidentenpalast in Kiew und all die anderen prächtigen Gebäude in denen sich die „Unterstützer“ der Ukraine regelmäßig die Klinke in die Hand geben, wurden von den Russen bisher verschont. So naiv zu meinen, die Russen könnten diese nicht zu jeden beliebigen Zeitpunkt zerstören, können Sie doch nun wirklich nicht sein?!

Memphrite
24 Tage her

Es war nicht die Ukraine oder die ukrainischen Streitkräfte, sondern die USA/ NATO. Um Drohnen über diese Entfernung fliegen (und die Planung dafür z.B. Kartographieren des elektro.-mag-Spektrums) zu lassen benötigt man Echtzeit-Satelliten Aufklärung. Das kann nur die USA liefern. Russland kämpft hier nicht gegen die Ukraine, sondern gegen eine Koalition von über 40 Staaten, darunter die USA. Ohne die Waffenlieferungen, Satelietenaufklärung und vor allem fast über 500 mrd. Dollar Unterstützung, wäre der Krieg schon 2022 zu ende gewesen. Bitte nicht von den Bildern täuschen lassen. Tanks anzugreifen und diese brennen zu lassen erzeugt immer spektakuläre Bilder aber der Schaden an… Mehr