Bahnfahren predigen und selber fliegen

Nachfragen beim Umweltministerium ergaben, dass allein von Januar bis Juli Minister, Staatssekretäre, Beamte und Angestellte 1.740 mal zwischen Bonn und Berlin geflogen sind.

imago images / Jürgen Heinrich

So wird das nichts mit der Rettung der Welt. Ausgerechnet Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums steigen immer häufiger in das Flugzeug. Dienstreisen werden immer weniger mit der Bahn, dafür mit dem Flugzeug erledigt. Ganz außen vor ist das Fahrrad. Rund fünf Stunden dauert eine Zugfahrt von Berlin nach Bonn. Die Ministerialen des Bundesumweltministeriums sind zwar angehalten, dass umweltfreundliche Verkehrsmittel vorzuziehen. Dennoch steigen sie immer häufiger ins Flugzeug als in den ICE.

Das ergab eine Recherche des RND. Die Nachfragen beim Umweltministerium ergaben, dass allein von Januar bis Juli Minister, Staatssekretäre, Beamte und Angestellte 1.740 mal zwischen Bonn und Berlin geflogen sind. »Damit flogen die Mitarbeiter des Umweltressorts hochgerechnet häufiger von Standort zu Standort als noch im vergangenen Jahr. Zwischen den Dienststätten Bonn und Berlin kam es im Jahr 2018 nach Angaben des Ministeriums „zu ungefähr 2755 Flügen“.

Insgesamt schädigen also die Umweltschützer des Bundesumweltministeriums das Klima mit knapp 3.200 dienstlichen Flugreisen pro Jahr. Der Bevölkerung erklären sie zwar, dass CO2 angeblich schädlich ist, das Klima zerstört und uns alle umbringen wird, wenn, ja wenn wir nicht aufhören zu fliegen, man bemüht sich redlich, Begriffe wie „Flugscham“, die sich ausbreite, in Umlauf zu bringen.

Die Welt im Flug retten
Katharina Schulze beim Eis essen in Kalifornien
Kräftig mit am Untergang der Welt arbeiten gleichermaßen die Mitarbeiter des grün-schwarz regierten Baden-Württembergs. Auch die steigen immer häufiger ins Flugzeug. 120,5 Millionen Flugkilometer kamen im vergangenen Jahr zusammen, im Jahre 2016 waren es noch weniger als 100 Millionen km. Das bestätigten Umwelt- und Finanzministerium in Stuttgart, wie die Heilbronner Stimme und der Mannheimer Morgen berichteten. Am meisten fliegen übrigens Mitarbeiter der Hochschulen, die sonst ebenso Untergang und Verzicht predigen.

Der obergrüne Umweltminister Franz Untersteller: »Es ist offensichtlich, dass wir als Landesverwaltung im großen Bereich der flugbedingten Emissionen mehr tun müssen. Wenn die Zahl der geflogenen Kilometer weiter ansteigt, kann uns das nicht egal sein.« Die CDU forderte übrigens gerade ein schärferes Vorgehen gegen Dienstflüge: mehr Bahn und öfter mal Videokonferenzen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze allen voran will sich bekanntlich mal ehrlich machen. Allerdings nur beim Klimaschutz durch andere. Sie will die Welt retten, in dem sie die Flugreisen teurer machen will. Ehrlich sein würde allerdings heißen, dem Steuerzahler mitzuteilen, dass er noch mehr zur Kasse gebeten wird. Denn die stattlichen staatlichen Reisen bezahlt eben er.

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