6 Gründe, warum die Postbank verkauft wird

Verdi-Gewerkschaftler demonstrieren gegen Postbank-Abspaltung: Lieber bei der Deutschen Bank bleiben?

1. Warum hat die Deutsche Bank die Postbank gekauft?

Lange galt die 3-6-3-Regel bei Banken: Für´s Geld auf dem Postbank-Sparbuch 3 % Zinsen zahlen; das Geld für 6 Prozent an einen Unternehmer oder Häusle-Bauer verleihen, von der Marke von 3 Prozent gut leben und um 3 Uhr auf dem Golfplatz antreten. Leider ist diese Regel kaputt, weil es für’s Sparbuch Null Zinsen gibt, aber auch der Kredit nichts mehr einbringt und die Bankenregulierung durchgreift. Mit dem Verkauf der Postbank reagiert die Deutsche Bank auf beide Faktoren.




Wegen der Null-Zinspolitik der EZB ist diese Marge eben auch Null. Damit ist die Postbank für die Deutsche Bank uninteressant geworden. Sie braucht die Postbank als Geldquelle nicht mehr. Sie reagiert auf die Zinspolitik der EZB – und auf die Politik: Die Regulierung fordert kleinere Banken. „Too big too fail“, weil die Pleite von Großbanken volkswirtschaftliche Verwüstungen auslösen könnten, müssen sie vom Staat gestützt werden: Diese Erfahrung der Finanzkrise soll sich nicht wiederholen. Große Banken sollen schrumpfen, damit sie bei einer Krise nicht mehr so groß sind – denn dann muss sie der Staat retten. Das bringt übrigens Bares: Die Hinterlegungspflichten für kleinere Banken sind niedriger. Durch die Entflechtung kann die Deutsche Bank ihre „Leverage Ratio“ wieder erhöhen.

2. Sinkt die Sicherheit für Postbank-Kunden?

Die Deutsche Bank durfte aus Sicherheitsgründen nicht auf die Sparbuch-Milliarden der Postbank zurückgreifen, damit  die Sparer  der Postbank nicht von den Risiken der Deutschen Bank mithaften. Diese Regel wurde eingeführt, damit zwischen riskantem Investment-Banking und bravem Sparbuch-Banking unterschieden werden. Für die Deutsche Bank war der Kauf durch die veränderte Regulierung ein schlechter Deal. Sie musste das Kapital der Postbank zu 100 % in der Bilanz ausweisen – aber durfte auf die Liquidität nicht zugreifen. Wenn sich jetzt Politiker über den Verkauf der Postbank aufregen, vergessen sie: Die Deutsche Bank macht genau das, was viele wollten: Sie wird kleiner und spezialisiert sich auf riskantere Geschäfte, will den deutschen Unternehmen global folgen – und die einfachen, risikolosen Geschäfte mit dem Kleinsparer sollen die Sparkassen machen, oder andere, darauf spezialisierte Banken. Die Bankenlandschaft verändert sich. Die HSBC zieht sich aus 15 kleineren Märkten zurück, weil bei wenig Geschäft der Regulierungsaufwand zu hoch wird. Die UBS aus Zürich verzichtet aus ähnlichen Gründen auf die Investmentbank. Banken entflechten und spezialisieren sich.

3. Was hat die Deutsche Bank sonst von der Postbank?

Lange war die Hoffnung, dass die Postbank-Kunden Produkte der DB kaufen könnten: also für ihre Spargroschen einen Fonds. Aber dieses „Cross-Sellling“ hat nie funktioniert. Postbank-Kunden kaufen nur ganz einfach Produkte. Alles andere würde sowieso einen hohen Beratungsaufwand (Beratung, Protokoll, Haftung) erfordern. Für simple Produkte aber braucht man keine Deutsche-Bank-Spezialisten. Das kann die Sparkasse nebenan auch und die Postbank ganz alleine.

4. Wer bekommt die Postbank?

Die Deutsche Bank will die Postbank Stück für Stück verkaufen. Ab Herbst 2016 soll daher die Postbank in einem eigenen Börsengang an die Börse gebracht werden; in der 2. Jahreshälfte beginnt der Einstieg zum Ausstieg. Sie wäre dann sofort unter den größten 100 deutschen Aktiengesellschaften, vielleicht sogar unter den 30 Riesen, die im Dax zusammengefasst sind. Es könnte kein schlechter Deal für die Deutsche Bank werden: Je nach Börsenverfassung kann sie daran erheblich verdienen. Auch andere europäische Banken interessieren sich zwar für die Postbank – die BNP aus Paris oder Bank Santander. Aber auch für sie gilt: Mit der Postbank zusammen wären sie zu riesig – die Bank-Kontrolleure aber wollen Banken verschlanken. Deswegen ist die Postbank-Aktie die wahrscheinlichste Lösung. Vielleicht für Aktionäre kein schlechter Deal: Immerhin hat die Deutsche Bank die Postbank kräftig modernisiert und ca. 1 Milliarde in den alten Bonner Beamtenladen investiert.

Es ist übrigens ziemlich oberflächlich, wenn Analysten und Journalisten immer davon schwärmen, welche Vorteile eine neue europäische Großbank mit sich brächte. Dabei geht verloren: Die Regulierung erzwingt faktisch kleinere Banken auf getrennten Märkten. DIE große europäische Bank wird es nicht mehr geben können. Die sonst so beschworene Integration der Finanzmärkte ist Geschichte. Das muß übrigens nicht schlecht sein. Warum soll Größe per se toll sein? Eine Vielzahl kleinerer Systeme dürfte stabiler sein.

4.  Ändert sich was für die Postbank-Kunden?

Für die Postbank-Kunden ändert sich nichts. Den Übergang zur Deutschen hat kein Postbank-Kunde gemerkt. Die sind nach wie vor in den Filialen der Post. Banken-Regulierung wurde verschärft. Auch ein neuer Eigentümer muss sich daran halten. Möglicherweise wird die Postbank sogar wettbewerbsfähiger und kann ihre Kosten senken – das wider kommt ihrer Aktie und damit der Deutschen Bank zu Gute. Denn unter dem Dach der Deutschen Bank galten besonders teure Regeln, die die Sicherheit erhöhen sollten. Diese Regeln fallen weg, wenn die Postbank selbständig wird.

5. Sind die Arbeitsplätze bei der Postbank sicher?

Nein. Banken schrumpfen. Neue Konkurrenten kommen aus dem Internet; heute gibt es jedes einfachere Geschäft (Versicherung, Geldüberweisung, Anlage)  auch übers Internet – meist billiger, oft besser. Noch zögern viele Menschen, weil sie lieber mit einem Berater sprechen. Aber das wird sich ändern. Banken schrumpfen. Damit auch die Zahl der Arbeitsplätze in den Banken.

6. Was hat die Deutsche Bank davon?

Eine Baustelle weniger, auf der sie nichts bauen kann und Geld für ihre globale Expansion. Der Wettbewerb ist hart. Sparkassen und Volksbanken beherrschen zusammen  2/3 des Marktes. Die Deutsche Bank müsste also, um zu wachsen, mit der Postbank in die Schlacht mit den Sparkassen ziehen. Keine gute Idee. Also weg damit und spezialisieren auf Wohlhabende und Investmentbanking – und das weltweit. Dort fährt die Deutsche Bank schon seit 7 Quartalen wieder satte Gewinne ein und gewinnt Marktanteile. Dieser operative Erfolg wird nicht sichtbar, weil zahlreiche Prozesse und Schadensersatzverfahren die Erfolge überdecken. Sie braucht Geld für die Sünden aus der Ackermann-Ära. Der Kurs der Aktie ist sehr niedrig. Wenn da nicht was passiert, steigen die Geldgeber aus. Jain und Fitschen müssen jetzt Erfolge liefern, sonst sind sie selbst geliefert.

Eine kürzere Fassung ist auch in Bild am Sonntag erschienen.




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