Wort des Jahres: „Jamaika-Aus“ gegen „Vollholler“

Den Kommentar von TE-Leser Roxanne dürfen und wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Sie lernen, wozu Holunder taugt.

© John MacDougall/AFP/Getty Images

„Jamaika-Aus“, so lautet das hochaktuell tiefschürfende, volkspädagogisch motivierte Wort des Jahres 2017 in Deutschland, ausgewählt von der wie üblich politisch hochkorrekt und bedeutungsschwanger herumschwurbelnden Gesellschaft für deutsche Sprache.

Wie wohltuend und erfrischend nimmt sich demgegenüber das österreichische Pendant aus. Nach der bereits herrlich selbstironischen „Bundespräsidentenstichwahl-Wiederholungsverschiebung“ im Vorjahr ist diesmal der „Vollholler“, zu verstehen als a ganz großer Blödsinn, das österreichische Wort des Jahres, mit dem freilich vor allem der generelle Zustand der Politik hierzulande höchst zutreffend gekennzeichnet sein dürfte. Zu dem sattsam vertrauten „Vollhorst“ als gleichsam individuell-persönlicher Komponente des galoppierenden Dumpf- und Schwachsinns gesellt sich der „Vollholler“ als allgemein passende Zustandsbeschreibung der Politik in unserem Lande: Denkbar größter Blödsinn, so unsinnig wie der überflüssige Holunder. (dessen Blüten allerdings attraktiven Sirup ergeben.)

Jüngstes Beispiel die jetzt von einem veritablen Bundesparteitag der SPD als überhaupt niemandem mehr auffallende contradictio in adjectu gebilligte Aufnahme „ergebnisoffener Gespräche“ mit der Union, aus denen dann, nach etwaiger Billigung durch den Parteivorstand, doch schon Sondierungsgespräche, und, nach möglicher Bejahung durch einen eigens dazu abzuhaltenden Sonderparteitag, auch noch, man glaubt es kaum, tatsächlich Koalitionsverhandlungen entstehen mögen. Wer schützt uns vor solch` hochgradig desäquilibrierten, aus verqueren Erwägungen staatspolitischer Verantwortung oder parteipolitischer Hasenfüßigeit die Hose nur noch mit der Kneifzange sich anziehenden Politikern?

Sinnloser als eine solcherart darniederliegende, aber auch noch als irgendwie verantwortungsbewusst medial verkaufte Politik der alternativlosen Schwachsinnigkeit scheint nur noch das Nachdenken darüber zu sein.

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