Eralps Büro schickte eine autorisierte Fassung eines Interviews mit dem SPIEGEL an das Magazin zurück. Darin enthalten: Interne Kommentare, die offenbaren, dass sich Eralp vor Terrorsympathisanten fürchtet – vor dem Milieu, von dem sie sich hat wählen lassen und mit dem die Linke bestens vernetzt ist.
picture alliance/dpa | Britta Pedersen
Weit reicht offenkundig die Macht extremistischer und krimineller Kreise mittlerweile in Berlin. Soweit, dass sogar die Linken-Kandidatin Elif Eralp Angst vor islamistischen Anhängern hat. Die islamistische Revolution frisst jetzt ihre Kinder.
Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Doch offenbar fürchtet sie selbst das Milieu, zu dem Teile ihrer Partei enge Kontakte pflegen. „Ich kann mich und meine Familie nicht für den SPIEGEL in Gefahr bringen“, heißt es in einem Kommentar der Politikerin, der versehentlich an den SPIEGEL geschickt wurde.
Das Magazin hatte am Montagvormittag ein Interview mit Eralp geführt und ihr den Text als Word-Dokument zukommen lassen, das sie bearbeiten und autorisieren sollte. Doch Eralps Büro schickte offenbar aus Versehen das gesamte Dokument mit ihren Anmerkungen zurück, von denen einige sichtlich lediglich intern addressiert waren. Entfernt werden sollte unter anderem die Frage nach dem propalästinensischen Aktivisten Ibrahim Ibrahim und Eralps bestätigende Antwort. Der Spiegel hatte ihn als Terrorsympathisanten bezeichnet, der den Hamas-Anführer Yahya Sinwar als „Märtyrerhelden“ gefeiert habe und zudem auf einer Wahlparty der Neuköllner Linken aufgetaucht sei.
Der Spiegel veröffentlichte nun in seiner neuen Titelgeschichte die internen Notizen und begründet dies mit dem öffentlichen Interesse: Eralp würde als Regierende Bürgermeisterin auch den sicherheitspolitischen Kurs Berlins mitbestimmen, da sei es natürlich wichtig zu wissen, ob und vor wem sie Angst habe. Der Spiegel: „Das Dokument legt offen, wie es wirklich um die innere Sicherheit in Deutschlands Hauptstadt bestellt ist.“
„Es gibt ein PROBLEM“, heißt es in den Anmerkungen Eralps. Sie schreibt, sie und ihr Mann hätten Angst vor diesen Leuten und wollten keine konkreten Namen nennen. Sie beruft sich auf einen früheren Rat des Landeskriminalamts, bei Äußerungen über organisierte Kriminalität keine Einzelpersonen zu nennen. Nun gehe es um Menschen mit Kontakten zur Hamas. Eralp stellt sogar in den Raum, das Interview zurückzuziehen. Sie sei seit Monaten täglich Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt, so ihr Sprecher. Sicherheitsbehörden hätten ihr geraten, solche politischen Probleme nicht an einzelnen Personen festzumachen.
Ibrahim wird als führende Figur eines „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“ eingestuft, das der Berliner Verfassungsschutz als „extremistisch“ einordnet. Zugleich gilt es als Dachorganisation für die Anhänger der Hamas hierzulande. Doch Hinweise auf Ibrahims Beteiligung an gewalttätigen Aktionen oder Anschlagsplanungen in Deutschland gebe es nach Angaben aus Sicherheitskreisen nicht, so der SPIEGEL ausdrücklich. Ibrahim selbst weist den Vorwurf, Terrorismus zu unterstützen, zurück und erklärt, Antisemitismus und Rassismus abzulehnen.
Laut SPIEGEL reichen die Verbindungen zur Linken über einzelne Begegnungen hinaus. Auf der legendär gewordenen Neuköllner Wahlparty der Linken am 20. September ließ sich Ibrahim mit dem Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak und der Abgeordneten Vanessa Emde fotografieren. Koçak sprach später von einer zufälligen Begegnung. Bereits im Juni 2025 hatten Koçak und Ibrahim nacheinander auf einer propalästinensischen Demonstration gesprochen. Auch damals habe Koçak erklärt, Ibrahim nicht zu kennen. Im Wahlkampf unterstützte Ibrahim außerdem Ahmed Abed, den Linkenbewerber für das Neuköllner Bezirksbürgermeisteramt.
Der SPIEGEL nennt das „Internationalistische Bündnis Berlin“, zu dem neben dem „Nationalkomitee“ auch die „Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität der Linken“, zu der der Bezirksverband Neukölln und eine Parteiorganisation aus Wedding gehören. Die Landesarbeitsgemeinschaft verbreitete Erklärungen Ibrahims und versicherte ihm „volle Solidarität“.
Der Extremismusforscher Hendrik Hansen sieht in der Landesarbeitsgemeinschaft eine Verbindung von Antisemitismus, Polizeifeindlichkeit und extremistischer Ideologie. Er hält sie für einen Fall für den Verfassungsschutz. Wie stark der Palästinaflügel wirkt, zeigt für den SPIEGEL auch ein Streit von 2024: Damals zogen der frühere Kultursenator Klaus Lederer und Elke Breitenbach ihren verwässerten Antisemitismusantrag zurück und verließen kurz darauf die Partei.
An Clan-Kriminalität und Schutzgelderpressung hat sich Berlin offenbar gewöhnt. Türkisch-kurdische Banden feuern regelmäßig Schüsse auf Geschäfte ab, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Sogar der linkentreue SPIEGEL kommt zum Schlss: „Berlin, so viel lässt sich sagen, ist auch die Hauptstadt des Verbrechens.“
Wie weit reicht der Einfluss der Kriminalität auch ins Rote Rathaus?
Der SPIEGEL zitiert schließlich eine weitere interne Bemerkung Eralps aus dem Word-Dokument: „Was mache ich jetzt? Ich hätte dieses Interview niemals zusagen dürfen.“ Vielleicht hätte sie niemals antreten dürfen.


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