Volkswagens Kollaps scheint unaufhaltsam

Ganz gleich, welche Maßnahmen die Konzernführung auch ergreift: Die Krise des Volkswagen-Konzerns verschärft sich weiter. Auch im dritten Quartal meldeten die Wolfsburger Katastrophenzahlen.

IMAGO / Rene Traut

Weit und breit ist keine Wende in Sicht. Auch für das dritte Quartal meldete der Volkswagen-Konzern zu Wochenbeginn einen massiven Absatzverlust. Besonders dramatisch fiel der Einbruch auf dem chinesischen Markt aus, wieder einmal, möchte man sagen. Nach jahrelanger Dominanz in Fernost hat es den Anschein, als sei Volkswagen chancenlos und ein Comeback ausgeschlossen. Von Januar bis September dieses Jahres verloren die Wolfsburger in China etwa 30,2 Prozent ihres Absatzes im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Für das gesamte dritte Quartal stand weltweit ein Absatzminus von 14,3 Prozent zu Buche. Der Volkswagen-Konzern scheint sich in seine Bestandteile aufzulösen. Es ist fraglich, ob kurzfristige Liquiditätsspritzen durch den geplanten Verkauf der Mehrheitsbeteiligung am Schiffsmotorenbauer Everllence, der Volkswagen rund 7,4 Milliarden Euro einbringen soll, oder die Verkäufe von Immobilien aus dem eigenen Portfolio Linderung verschaffen können.

In mehreren großen Weltregionen musste der Vorstand Verluste melden. In China betrug das Minus im dritten Quartal 38,5 Prozent. In Nordamerika schrumpfte der Absatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,8 Prozent. Westeuropa hielt sich mit einem Minus von 2,8 Prozent vergleichsweise stabil. Bei den vollelektrischen Fahrzeugen lag das globale Minus von Volkswagen bei 4,7 Prozent.

VW-Vertriebschef redet Absatzkatastrophe in China schön

Allerdings gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: In Europa stiegen die Auslieferungen von Elektroautos im dritten Quartal um etwa 20 Prozent. E-Autos des VW-Konzerns für die Europäer – ist das die Zukunft? In Brüssel scheint man auf diesen Heimateffekt zu setzen. Erste Schritte zum Schutz der heimischen Hersteller deuten sich an. Nach der Verständigung mit China auf eine Begrenzung der Hybridauto-Exporte in die EU und der Diskussion über einen schnellen Eingriffsmechanismus der EU gegen unfaire Handelspraktiken könnte Brüssel reagieren, sollte es zu offenem Preisdumping oder Manipulationen durch chinesische Exportsubventionen kommen.

Griff ins Leere
Automobilkrise: Deutschland und Frankreich flüchten sich in Protektionismus und Scheinreformen
Ob Protektionismus die deutschen Automobilkonzerne allerdings fit für den Weltmarkt macht, ist stark zu bezweifeln. Intensiver Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt, das Ende des Regulierungswahnsinns, Steuersenkungen und eine Rückkehr zu einer vernünftigen Energiepolitik wären die notwendigen verschreibungspflichtigen Pillen, die der Wirtschaft verabreicht werden müssten, um wieder auf die Beine zu kommen.

VW-Vertriebschef Martin Sander bezeichnete die chinesische Katastrophe als „branchenweite Herausforderung“. Dies war wohl der Euphemismus des Jahres. Zugleich verwies er auf knapp 150.000 Bestellungen für die neue Electric Urban Car Family. Die Debatte um eine Abkehr vom Verbrenner-Aus in Europa scheint damit vom Tisch. Sie wollen mit dem Kopf durch die Wand – und diese Wand wird von den E-Giganten Tesla, BYD und Geely dominiert.

Deutsche Autoindustrie schrumpft – weltweit größte Autohersteller legen zu

Volkswagens Katastrophenquartal beschreibt den Zustand der deutschen Automobilindustrie – und der Industrie im Allgemeinen. Nach der Ankündigung massiver Stellenstreichungen und möglicher Stilllegungen von vier Produktionsstätten, kündigte auch BMW die Streichung von Arbeitsplätzen an. Rund 8.000 Stellen sollen in den kommenden Jahren zunächst einmal wegfallen – der Kostendruck ist einfach zu groß. Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im Abverkauf, doch in Berlin scheint dies niemanden mehr zu bewegen.

Wirtschaftskrise nimmt weiter Fahrt auf
Und jetzt BMW: 8.000 Stellen fallen weg
Im ersten Halbjahr stand bei der Pkw-Produktion in Deutschland ein Minus von 3 Prozent zu Buche. Mit 2,109 Millionen produzierten Fahrzeugen lag die Fertigung zudem 15 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2019. Auch beim Umsatz geraten die deutschen Hersteller ins Hintertreffen: Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz verzeichneten im ersten Halbjahr weltweit einen Umsatzrückgang von 2,9 Prozent auf 284 Milliarden Euro. Während die 19 größten Autokonzerne der Welt ihren kumulierten Umsatz um 3,6 Prozent steigern konnten, schrumpfte das deutsche Geschäft im dritten Jahr in Folge.

Auch die Industrieproduktion insgesamt bleibt schwach. Im April lag sie real 2,1 Prozent unter dem Vorjahresmonat, im März hatte das Minus sogar 3,4 Prozent betragen. Die jüngsten Monatsdaten zeigen damit, wie schwer sich der Industriestandort Deutschland weiterhin tut, eine nachhaltige Erholung zu erreichen.

Merz hat seine Chance zur Deregulierung des Marktes vertan

Auch Friedrich Merz’ Militär-Keynesianismus, teuer bezahlt vom deutschen Steuerzahler über höhere Abgaben und Inflation, wird kein industrielles Äquivalent zur zerbröselten zivilen Produktion herbeizaubern können. Das deutet sich bereits jetzt an – der nächste Fehlschlag des längst gescheiterten Bundeskanzlers, der seltsamerweise nie im Ansatz eine Abkehr von der herrschenden politischen Ideologie andeutet.

Haushaltsdebatte im Bundestag
Merz hat jeden Bezug zur Realität verloren
Merz hatte nun über 16 Monate Zeit, die Rückkehr zur Kernkraft zu organisieren und den Energiemarkt so weit zu deregulieren, dass heimische Energieträger wieder erschlossen werden können – von Steinkohle bis hin zu Öl- und Gasvorkommen in Nord- und Ostsee. Es wären wichtige Signale gewesen, dass die Regierung den zerstörerischen klimapolitischen Kurs verlassen und das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen will.

Investoren und Märkte goutieren eine solche Deregulierung in der Regel. Deutschland könnte dann wieder als Premiumstandort für europäische Industrieproduktion wahrgenommen werden. Es müsste seinen Degrowth-Kurs verlassen, sich von den Regulierungen der vergangenen Jahrzehnte befreien und zu marktwirtschaftlicher Vernunft zurückfinden. Markt vor Staat – so lautete die Devise, um sich von einem Abstiegskandidaten der G20 wieder zu einem dynamischen Aufsteiger zu verwandeln.

Hinter allem steht allerdings eine bittere Erkenntnis: Auch Friedrich Merz glaubt, als ostentativer Klimakämpfer beim politischen Publikum punkten zu können. Er irrt dabei so gewaltig, dass er gemeinsam mit seinen Koalitionspartnern an dieser Ideologie scheitern und zugleich der deutschen Wirtschaft schwerste Schäden zufügen wird.



Anzeige


 

Unterstützung
oder €

Kommentare ( 16 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

16 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Juergen Waldmann
28 Minuten her

Der Aufbau des VW Konzerns in Fallersleben ( heute Wolfsburg ) , wurde mit den 1933 eingezogenen Streikgeldern der Gewerkschaften 1938 finanziert . Es sind auch die Gewerkschaften , die heute Stundenlöhne und Abfindungen in nie geahnte Höhen getrieben haben . Auf dem Weltmarkt zahlt der Käufer daher die Spitzenpreise je VW PKW . Nicht nur Merkel und Betriebsleitung haben den einst gesunden Konzern in eine Schieflage gebracht , auch die IGM . Der VW Konzern wurde mit Hilfe der Gewerkschften groß und heute klein !

bkkopp
36 Minuten her

Nach der Boston Consulting Analyse vom Juni 2026 hat die europäische Autoindustrie strukturelle Überkapazitäten von mindestens 5 Mio. Fahrzeugen, es könnten auch 5.5 Mio sein. Das wären bei einer durchschnittlichen Größe ca. 20 (22 ?)Fabriken/Standorte. Für die deutschen Hersteller werden Überkapazitäten von etwas über 2 Mio. Fahrzeuge genannt, ohne dass die Standorte genauer benannt sind. Es wird jedenfalls mehrere Jahre brauchen um den unvermeidlichen Rückbau in Deutschland und Europa zu verarbeiten, weshalb kurzatmige Analysen pro Quartal, oder auch einem ganzen Jahr nicht unbedingt beleuchten, ob eine Firma zumindest auf dem richtigen Weg ist. Es ist naheliegend, dass jede Geschäftsleitung auch… Mehr

Dorn
38 Minuten her

Seit damals in der Diesel gate Affäre der arrogante Satz aus der Chefetage von VW:„ To big too fail! “ gefallen ist wünsche ich diesem Konzern den Untergang um das der Lauf der Dinge beweist das es ein zu Groß oder zu Wichtig nicht gibt. Man sollte auch nicht vergessen das es VW war die die Türen bei Merkel eingerannt haben und den Hifnarren zu geben in Bezug zu E-Mobilität. Waren die größten Befürworter und Lobbyisten…weil sie in ihrer Arroganz gedacht haben man nehme Rücksicht auf sie und ihre überteuerten Kisten werden weiter mit politischer Sonderbehandlung unters Volk gebracht. Der… Mehr

ralf12
58 Minuten her

„Electric Urban Car Family“ also elektrisch Kleinwagen wie Polo & Co für unter 25.000,-€. Dafür liegen also 150.000 Bestellungen vor. Bestellungen in Asien oder weltweit? Die Jubelpresse schreibt etwas von geplanten 20% Marktanteil in Europa. Dann werden die also Emden und Zwickau nicht dicht machen oder geht es hier nur um Standorte in Asien? Ich seh hier nicht mehr durch, werde meinen 10 Jahr alten Golf weiterfahren bis er auseinander fällt. Danach? Auf keinen Fall solch rollender Elektroschrott. Wird dann wohl ein Chinese (die bauen auch hervorragende Verbrenner) werden. Letztendlich ist das zweitrangig. Wichtiger ist die Frage, wie lange wir… Mehr

Heptamer
1 Stunde her

Wie soll Deutschland zu wirtschaftspolitischer Vernunft zurückkehren, wenn es in der Politik sowohl an Intelligenz als auch an Ideologiefreiheit mangelt? Mit diesen Figuren und einem Merz an der Spitze ist das nicht möglich. Er läuft der Klimasekte und der Facharbeitermigrationslüge hinterher oder auch voraus. Dazu noch lupenreine SPD-Sozialismuspolitik und freudiges Abnicken der Ukraine-Wünsche. Säbelrasseln inklusive. Und die Firmenpleiten gehen weiter.

Privat
1 Stunde her

Die -alte Merkel- hat dem damaligen -VW Chef Diess aus Österreich- den verrückten Elektromist eingeredet und der hat es dann begeistert sehr massiv umgesetzt- ohne Rücksicht auf Verluste.
Zu Belohnung erhält der heutige -Rentner Diess von VW- eine jährliche Rente in Millionenhöhe bezahlt. Von Schadenersatz ist bei VW keine Rede.
Bei solchen Verträgen muss sich jeder an den Kopf fassen über soviel Blödheit.

Michael Loehr
1 Stunde her

Volkswagen ist genau so attraktiv wie Merkel. Das sagt alles.

Ohanse
1 Stunde her

„Branchenweite Herausforderung“. Anschnallen, es geht auch bei BMW und Mercedes noch weiter abwärts.

Privat
28 Minuten her
Antworten an  Ohanse

Es sei denen mit allen Konsequenzen gegönnt.
Auch für mich der letzte Kauf eines BMW Fahrzeuges.

Heinrichg
1 Stunde her

Ich fahre einen VW California, ein schönes gut durchdachtes Auto. Alles andere bei VW ist Murks. Die Reparatur eines Fehlers musste ich ein paar Wochen nach Kauf des Neuwagens selbst bezahlen. Für einen Ölwechsel wurden mir fast 500Euro abgenommen. Von Beginn an ging immer wieder die Motorkontrollampe an. In der Werkstatt glaubte das niemand und ich sollte das Auslesen eines Fehlers selbst bezahlen. Beschwerden an VW blieben erfolglos. Anstatt einer Antwort bekam ich die Aufforderung erst einmal einen Eigentumsnachweis zu liefern. Bei dem Allradfahrzeug wurde eine sinnvolle Höherlegung abgelehnt. Das musste eine freie Werkstatt übernehmen. Mit dem Bordwerkzeug liess sich… Mehr

CaTo23
37 Minuten her
Antworten an  Heinrichg

Nicht zu vergessen, der Abgasskandal. Da meinte ja VW seine Kunden im großen Stil betrügen zu müssen und seither hat sich in Deutschland eine sehr autofeindliche Stimmung breit gemacht.

Mankovsky
1 Stunde her

Mit noch immer 70% für die Unseredemokratie-Blockpartei, was soll sich da ändern?