Am deutschen Immobilienmarkt zeigen sich deutliche Risse. Real fallen die Preise in sämtlichen Marktsegmenten. Nur die dicht besiedelten urbanen Zentren halten die Preise noch hoch.
picture alliance/dpa | Elisa Schu
Ein Blick auf die reale Preisentwicklung enthüllt, was sich unter der durch Geldausweitung häufig verdeckten Oberfläche tatsächlich ereignet. Im zweiten Quartal 2026 lagen die Preise nach Maßgabe des Häuserpreisindex des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (GREIX) in den drei wichtigsten Marktsegmenten inflationsbereinigt klar unter dem Vorjahresniveau. Eigentumswohnungen verloren innerhalb eines Jahres real 2,1 Prozent an Wert, Einfamilienhäuser 0,7 Prozent und Mehrfamilienhäuser sogar 5,9 Prozent.
Dieses Bild ergibt sich, wenn man die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen Monate von 2,5 Prozent zugrunde legt, wohl wissend, dass die tatsächliche Teuerung, gemessen an der Ausweitung der Geldmenge, deutlich höher liegt. Aus dieser Erwägung ergibt sich, dass der Substanzverlust vor allem bei Mehrfamilienhäusern bereits im nominalen Bereich sichtbar geworden ist. Hier beträgt der Preisverlust bereits 3,5 Prozent.
Der deutsche Immobilienmarkt erlebte in den vergangenen Jahren eine regelrechte Achterbahnfahrt. Seit 2019 kannten die Immobilienpreise zunächst nur eine Richtung. Das Zusammenspiel aus extrem niedrigen Zinsen, der Reaktion auf die Covid-Lockdowns, expansiver Kreditvergabe und einer starken Nachfrage ließ den Immobilienmarkt einen Großteil der künstlich geschaffenen Kreditmenge absorbieren. Diese Entwicklung trieb die Preise über Jahre nach oben.
Zwischen 2020 und 2022 stieg der amtliche Häuserpreisindex für Wohnimmobilien durchschnittlich um 7,8 Prozent. Das Ende der Party kam im Jahr 2023. Am Anleihemarkt, dem Referenzmarkt für sämtliche Kreditmärkte, hatte sich die Zinswende vollzogen. Mit gestiegenen Kreditkosten und höheren Hypothekenzinsen brachen die Preise erstmals seit vielen Jahren spürbar ein.
Verliert die Immobilie ihren Ruf als Betongold, als sicherer Hafen im Fiat-Kreditgeldsystem? Wir können konstatieren: Die Zeit des billigen Geldes ist vorbei. Die hohen Staatsschulden lassen Investoren vor Engagements zurückschrecken. Notenbanken flüchten in Edelmetalle und Gold. Es ziehen dunkle Wolken für Häuslebauer und Hauseigentümer auf. Eine Wende am Immobilienmarkt wäre auch für Politik und Bankensektor ein Schreckensszenario.
Wirken eines Tages die demografischen Faktoren in Verbindung mit dem ökonomischen Absturz des Landes, dürften die Immobilienpreise sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich drastisch korrigieren. Haushalte verlieren Vermögenswerte, das Eigenkapital schmilzt, und die Banken werden bei der Kreditvergabe deutlich vorsichtiger. Kommt es darüber hinaus zu einer Insolvenzwelle, schrumpft das gesamte Kreditvolumen. Der kreditgetriebene Geldschöpfungsprozess des Fiat-Geldsystems gerät ins Stocken.
Sind Banken nicht mehr in der Lage, neue Kredite zu schaffen und Staatsanleihen zu erwerben, gerät das gesamte System unter Druck. Eine Immobilienkrise würde einen deflationären Sog auslösen, wie wir ihn seit Jahren in China beobachten können. Dort hatte die Kommunistische Partei den Immobilienmarkt zu einer Art keynesianischem Rettungsanker aufgebläht – zur Stabilisierung von Beschäftigung und Wachstum sowie als innenpolitisches Sedativum, um die strukturellen Schwächen der eigenen Wirtschaft zu überdecken.
Seit Jahren befindet sich der chinesische Immobilienmarkt in einem Deflationsprozess und entfaltet exakt die zuvor beschriebenen Mechanismen. Die politische Führung in Peking antwortet auf die Krisensymptome mit einer massiven Subventionierung des Exportsektors. Es ist die klassische Interventionsspirale: Die Folgen früherer Eingriffe werden mit neuen Eingriffen bekämpft – ein Muster, das Keynesianern nicht fremd sein dürfte.
Deflationäre Tendenzen am deutschen Immobilienmarkt würden allerdings kaum isoliert auftreten. Die Bevölkerung schrumpft in weiten Teilen Europas, während die Ökonomien der EU nach zwei Jahrzehnten der Degrowth-Politik zunehmend ausgezehrt erscheinen. Es spricht daher vieles dafür, dass die politische Antwort in einer massiven Ausweitung der Geld- und Kreditmenge bestehen wird. Über Hilfsprogramme, Bankenrettungen und eine immer weiter steigende Staatsnachfrage dürfte die Politik versuchen, ein System zu stabilisieren, dessen Risse von Jahr zu Jahr deutlicher hervortreten.
Die Inflation, die einer solchen Politik auf dem Fuße folgt, könnte schließlich die nächste Euro-Krise einleiten.






Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Degrowth is your friend. If the mad cow disease is with you. Neubau rechnet sich nicht mehr. Die Bau- und die Energie- und die Arbeitskosten gehen durch die Decke. Durch den Heiz- und Sanierungszwang. Durch den ach so gerechten Mindestlohn. Durch die irre Energiepolitik. Durch die Nordstreamsprengung. Durch das Atomaus. Durch den Krieg in der Ukraine. Durch 21 Sanktionspakete der EU Durch 2 Kriege im Persischen Golf. Durch die Krise der Staatsfinanzen. Bestandsimmobilien werden zu Armutsfallen. Manche Kinder schlagen bereits das Erbe ihrer Eltern aus,. weil die Folgekosten des Elternhauses sie ruinieren. Gebrauchte Immobilien gerade in dünner besiedelten Regionen werden… Mehr
Immobilienbesitzer die großen Profiteure der unkontrollierten Einwanderung, jammern jetzt schon mal prophylaktisch.
Immobilien werden seit Jahren politisch und entfernen sich vom Markt.
Mietpreisbremse, Bauvorschriften, mögliche Enteignungen, Heizungsgesetz, Energieklasse, mögliche Zwangsangaben, Zinsen, notwendiges Eigenkapital , usw wirken sich direkt auf Preise aus.
Warum soll sich ein Anleger mit einer netto Rendite von 3/4% zufrieden geben, wenn er auf 7% bei Aktien rechnen kann?
In den 70/80er Jahren hat man gesehen was hohe Zinsen und Inflation bedeuten. Immopreise gingen seitwärts. Inflationsbereinigt ging es abwärts. Dazu noch das Risiko am Arbeitsmarkt.
Und damit ist der vielfach beklagte fehlende Neubau vor allem eins: Eine völlig gerechtfertigte Reaktion des Marktes auf die Aussichten für die Immobilienpreise. Ein sicherer Hafen sind Immobilien nie gewesen, sondern eine Anlageklasse, die schon immer drastischen Preisveränderungen und zahlreichen Unwägbarkeiten ausgesetzt war. Das Gerede vom „Betongold“ ist unsinniges Maklergeschwätz.
Ein massiv unterschätztes Problem ist obendrauf noch das Wegsterben der Boomer, welche einen Großteil der Immobilien halten. In den letzten Lebensjahren, so hat man es in Reformen beschlossen, soll der Raub zur Abgeltung von Pflege und ähnlichem intensiviert werden. Alles Vermögen muss verkonsumiert sein, darunter auch das immobile Eigentum. Dies wird einen enormen Anteil an Eigentum auf den Markt werfen, der abgestoßen werden muss. Nun kennen wir ja auch die meisten Häuser. Diese sind mittlerweile völlig zerlebt, sanierungsbedürftig und in vielen Fällen – dies lässt sich politisch leicht ändern – den politischen Klimaregulierungen gewachsen, müssen mitunter also zwangssaniert werden. Es… Mehr
„ Alles Vermögen muss verkonsumiert sein, darunter auch das immobile Eigentum. „
und das ist richtig so. Weshalb soll die Bevölkerung heute das Vermögen der Generation Erben finanzieren? Einer Generation, die den heutigen Rentnern die Butter auf dem Brot neidet, gegen die sogenannte „Mütterrente“ von 0,5 Rentenpunkten rebelliert und für sich die vollen Erziehungszeiten kassiert?
Neuvermietungen liegen weit über den bisherigen Preisen ( + 15% eher mehr ) Neubaupreise gehen auch stark nach oben und ein Normalverdiener kann kein Eigenheim/Wohnung finanzieren ohne Zuwendung von Außen . Erbe oder Lottogewinn.
Einfach aus dem Erwerbsleben aussteigen und den Staat drum kümmern lassen. Ironie.
1985 den Quadratmeter für 28 DM = 14€ gekauft.
Jetzt liegt der Preis bei gut 100 € = 200 DM
mal 934 Quadratmeter + Haus drauf.
Was interessieren da -3%>
Die Käufer und Häuslebauer, die Altparteien wählen, haben selbst schuld, nicht mehr bezahlen zu können.
100€ sind nach amtlicher Inflation knapp 87DM. Real eher 63DM.
Tatsächlich sind die Immobilienpreisen seit 2015 massiv angestiegen und die Verkaufsangebote sind selbst auf dem Land inzwischen völlig überteuert. Es findet also lediglich eine Korrektur dieser Überteuerung statt.
Verena Hubertz … heute schon das Merkel- oder Bas-Gesicht von morgen und genauso erfolgreich beim Wohnungsbau wie die Amtsvorgänger.
Ansonsten: „Der kreditgetriebene Geldschöpfungsprozess des Fiat-Geldsystems gerät ins Stocken.“ Ja … und irgendwann springt es wieder an, meinetwegen mit anderen Preis, Zins und Kreditwerten. Weil sonst verreckt das ganze System.
Und wer kauft die günstigen Immobilien? Fragen Sie in ihrer nationalen Blackrock-Filiale (Bundeskanzleramt) nach. Auch Macron ist ein Günstling der Finanzindustrie. Eine alte (Binsen)weisheit lautet: In der Politik geschieht nichts durch Zufall. Selten wurde das so klar sichtbar wie in der heutigen Zeit. Und das in allen Bereichen. Es wird Zeit, dass diese Räuberbande abgewählt wird. Es wird jedoch auch danach noch Jahre dauern, deren Netze zu zerschlagen und ihnen ihre Spinnenfinger zu brechen.