Die CDU ist auf dem Weg zur Verbotspartei

Der Linkskurs der CDU hält an. Die Partei hat sich als konservative Kraft abgemeldet und gibt linken Verbotsphantasien nach. Nur beim Verbot der Vollverschleierung gibt man sich progressiv – doch da wird die SPD der CDU im Weg stehen.

picture alliance / dts-Agentur | -

Im deutschen Parteiensystem hat sich eine Supernova abgespielt, und allmählich merken es alle. Die Linke, das ist – auch historisch betrachtet – vor allem die SPD mit ihren Ausfaltungen (von USPD bis zu den Grünen), ist implodiert, als Gerhard Schröder sie mit den Realitäten konfrontierte. Seitdem sind linke Vorstellungen im Grunde auf dem Rückzug. Schröder setzte Reformen durch, die in einem marktwirtschaftlichen System unausweichlich sind, die SPD und die deutsche Linke widerstanden der Versuchung, das zu ihrer Politik zu machen.

Die Linke ist also implodiert und zu einem Weißen Zwerg geworden, der um sich herum ein Schwarzes Loch besitzt. Und in dieses Schwarze Loch wird nun immer mehr die CDU hineingezogen, vor allem weil sie ihm nicht widersteht, weil sie eigentlich nie eine rechte Partei war, sondern immer auch bei Linken halbwegs beliebt, wohlgelitten sein wollte. Das ist kein Parteienkampf, davon haben die Nachkriegsdeutschen wenig Ahnung.

Und so geht auch die CDU den Weg alles Fleischlichen und verliert sich vorerst in Verbotsphantasien, um zu retten, was zu retten ist, vom alten bundesrepublikanischen System. Auf dem Stuttgarter Parteitag hagelte es Verbote – darunter ein Alkoholverbot für die Delegierten, bis sie ihre Arbeit getan haben. Friedrich Merz bat vorab darum, den „Ausschank“ zu unterlassen. Flachmänner blieben wohl erlaubt. Auch die Zuckersteuer, ein Antrag des Landesverbands Schleswig-Holstein, scheiterte knapp. Gemeint war ein starker Anreiz gegen süße Limonaden.

Wüst: Umgang ermöglichen durch Verbote

Aber vor allem geht es nun um das Social-Media-Verbot für Jugendliche, das sich angeblich zunehmender Beliebtheit im Volke erfreut. An dieser Stelle bräuchte es einmal mutige Führung entlang von Grundprinzipien – doch die CDU neigt sich dem totalitären Konsens, der Kinder der Obhut des Staates anvertrauen will. Wo ist da noch der Unterschied zur „Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit“ oder zum Bund deutscher Mädel? Von „Freiheit statt Sozialismus“, einem alten Mantra der Partei, bleibt nicht mehr viel, meinen auch Anhänger.

Laut Hendrik Wüst geht es darum, „Jugendlichen einen sicheren Umgang damit zu ermöglichen“, also mit sozialen Medien. Das ist ein neuer Korkenzieher des Newspeak: Ein sicherer Umgang ist für Wüst offenbar gar kein Umgang.

Ein weiteres Element, das den Linkswaschgang der CDU anzeigt, ist das Voranschreiten der Frauenquote, die von der Frauenunion immer noch als „wir müssen Frauen mehr unterstützen“ verkauft wird. Am Ende wird es auch in der CDU wieder um Quoten gehen, und die sind nun einmal antidemokratisch. Aber was kümmert das eine Partei, die der zufallsgesteuerten Abschaffung zahlreicher Direktmandate im Bundestag zugestimmt hat?

Raus aus dem ideologischen Mustopf? Ohne die CDU

Selbstverzwergung der politischen Rechten
Die CDU und ihr CSU-Anhang – mit der Wetterfahne als Chef – gehören folglich zu den Abbauern der Demokratie in Deutschland, wie ohnehin aus vielem hervorgeht, was die beiden Parteien tun. Die antidemokratische Brandmauer scheint vorerst in Stein gemeißelt, obwohl sogar die Grünen sie bisweilen zu Fall bringen. Und auch die Union ist im EU-Parlament gar nicht so streng: Die Realitäten gebieten es. Und so gibt es nur einen Weg für die „Reform“ des deutschen politischen oder auch Parteiensystems: Hingabe an die Realitäten, hinaus aus dem ideologischen Mustopf. Die CDU scheint dazu nicht bereit. Im Gegenteil, sie folgt dem Sog des Schwarzen Lochs, das die politische Linke errichtet hat oder zu dem sie geworden ist.

Und das wird sich wohl auch beim einzig sinnvollen Verbotsvorschlag so ereignen, der es auf diesem Parteitag schaffte. Das Verbot der Vollverschleierung, das auch die CDU nur da haben will, wo es nicht um „Interaktion“ geht (so Bild), wird die SPD nicht so leicht akzeptieren – jedenfalls nicht ohne öffentlichen Druck, der in der Sache nicht zu erwarten ist.

Nun warnen aber immerhin einige Medien, von denen man das nicht unbedingt erwartet hätte, vor der „autoritären Gefahr“ durch ein Social-Media-Verbot für Jugendliche (so ein Kommentar in Bild) oder vor den Schwierigkeiten der Umsetzung (ein weiterer auf ntv). Es ist kein Wunder. Journalisten sehen die Gefahr durch ein Ende der Anonymität im Netz: Informanten und Whistleblower werden entmutigt, wo nicht gefährdet.

Deutschland in der Nachhut beim Schleierverbot

Das Verbot der Vollverschleierung ist übrigens ein europäischer, wenn nicht weltweiter Trend. In Europa haben allein neun Länder ein solches Verbot der Gesichtsverschleierung beschlossen oder sind – wie Portugal und Italien – gerade dabei. In Portugal fiel der Parlamentsbeschluss im letzten Jahr. Frankreich und Belgien haben das Verbot seit 2011, es folgten Österreich, Dänemark, Bulgarien und die Schweiz. In den Niederlanden gibt es ein Verbot in Behörden, Schulen und dem öffentlichen Nahverkehr. Auch in Spanien, Großbritannien und Schweden setzen sich Konservative und Rechtsparteien längst für ein Verbot ein. Deutschland wird da schon fast zur Nachhut. Daneben haben auch Tunesien und Marokko, Kasachstan und Tadschikistan sowie Sri Lanka ein Verschleierungsverbot.

Am Ende wird es an der Kalifats-SPD liegen, ob solch ein Verbot kommt oder nicht. Denn die SPD-Frauen-Vorsitzende Carmen Wegge meinte zum SPD-nahen Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), es sei „wichtig, dass Frauen selbstbestimmt und frei leben können, ohne sie dabei aber zu bevormunden oder unter Druck zu setzen“, berichtet Domradio. Deshalb soll es also Vollverschleierung und ein Leben im Sehschlitz in deutschen Fußgängerzonen geben. Die Vermummung im öffentlichen Raum scheint der SPD egal zu sein. Es ist das Diktat des Weißen Zwergs im Schwarzen Loch. Der extremismuspolitische Sprecher der SPD, Helge Lindh, rät der CDU, doch lieber gegen die „Diskriminierung von Frauen mit ganz normalem Kopftuch im Alltag und am Arbeitsplatz“ vorzugehen. Dazu wird es – im Zeichen der Ramadan-Dattel – wohl kommen.

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Kommentare ( 14 )

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MartinKienzle
1 Tag her

Der Untergang der BRD-Partei CDU/CSU nimmt keineswegs wunder, da sie verweiblicht wurde (https://www.welt.de/politik/deutschland/article253990912/Frauen-machen-die-Politik-besser-Merz-wirbt-fuer-mehr-Frauen-in-der-CDU.html —- https://taz.de/Neue-CDU-Parteivize/!6156514/) – und jedwede Organisation, die Frauen Einfluss gewährt, zwangsläufig den Weg des Vergehens beschreitet, das der deutsche Philosoph Hegel im 19. Jahrhundert Folgendermaßen formulierte: „Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie handeln nicht nach den Anforderungen der Allgemeinheit, sondern nach zufälliger Neigung und Meinung.“

A rose is a rose...
2 Tage her

Es ist immer wieder faszinierend, wie man in den Regierungsparteien permanent auf Nebenschauplätzen unterwegs oder mit untergeordneten Themen beschäftigt ist, statt endlich einmal eine große Linie zu ziehen.
Die Themen könnte in D praktisch jeder normal Denkende an den Fingern einer Hand aufzählen. Und wenn man sie endlich im Sinne des dt.Volkes (darf man das Wort eigentlich überhaupt noch benutzen?) angehen würde, hätte sich so manches, was hier auf dem Parteitag laut und lang, aber leider ohne wirkliches Ergebnis, diskutiert wurde, gleich mit geklärt

Ohanse
2 Tage her

Wenn die SPD ihm den Kopf tätschelt, freut er sich. Dafür tut der kleine Friedrich alles.

Bernhardino
2 Tage her

Schröders „Reformen“ waren der Anfang vom Ende der BRD. Dadurch konnten Hedgefonds die BRD-Industrie, vor allem den Mittelstand, filetieren, das Staatsbürgerrecht wurde seiner Abstammung entledigt, die Minijobs zerstörten den Arbeitsmarkt und sichern Rentenarmut heute, die Aufhebung der Trennung von Investment- und Geschäftsbanken ermöglichte die Finanzkrise 2008 usw.. Schröder in Kombination mit diesem Fischer war DIE Katastrophe für die BRD. Der angebliche „Wirtschaftsaufschwung“ war ein Strohfeuer und die Grundlage für das Desaster heut.

Nachhaltiger Energie und Klimawandler
2 Tage her

Dieser SchMerz. Da hilft auch kein Aspirin mehr! Vielleicht braucht es eine weitere Impfung. VdL weiss da sicher ein gutes Mittel von Pfizer & Co.

Reinhard Schroeter
2 Tage her

In der grössten ungarischen Tageszeitung Magyar Nemzet/Ungarische Nation ist gerade heute ein Meinungsbeitrag abgedruckt , in der die Autorin ihre Sicht auf (West)-Europa schildert, nach der das Leben eben da, inzwischen auch ohne Kommunismus immer unerträglicher wird. Zumindest, was Buntschland betrifft hat sie leider Recht. Das Regime der Blockparteien kommt so gut wie jeden Tag mit neuen Verbotsphantasien um die Ecke. Jetzt ist es die Meinungsfreiheit im Internet, die unter einem fadenscheinigen Kinderschutz ausgehebelt werden soll. Gestern wurde unter Strafe gestellt, einen Mann als Mann zu bezeichnen , nur weil der sich einbildet eine Frau zu sein. Sie schauen in… Mehr

Nibelung
2 Tage her

Bald muß man anders formulieren und dann deren Zustand wie folgt beschreiben, damit es wohlmeinend klingt. Sie sind aber ein tüchtiger und angenehmer Schwerennöter, der uns voller Elan um die Ecke fährt und was können wir doch froh sein, solche erfahrenen und vorausschauenden Menschen an der Spitze zu haben und wenn`s wirklich kracht stehen wir zur Seite und sehen zu, denn Hilfe macht schmutzige Hände und die muß man nicht dreckig machen, es reicht schon aus, wenn das andere erledigen. Mit diesem Grundtenor versehen, werden sie dann allerdings auch nicht weiterkommen und so bleibt es abzuwarten, wie die breite Masse… Mehr

Klaus D
2 Tage her

Der Linkskurs der CDU hält an….an die spitze der mitte! Wer die mitte inne hat gewinnt die wahlen im sinne bekommt die meisten stimmen und stellt den kanzler. Ist die CDU vieleicht doch nur eine kanzlerpartei! Bis heute ausgehend von 1949 hat die CDU 52 jahre den kanzler gestellt und die SPD 24 jahre. Und man kann auch bei der SPD sagen „Der Rechtskurs der SPD hält an“ der an die spitze der mitte. Und das es um diese mitte geht sehen wir ja daran das alle parteien mehr oder weniger um diese buhlen – die stellen ja auch die… Mehr

Freige Richter
2 Tage her

Die Vulkangruppe darf auch nur noch Bekennerschreiben verfassen, die mit einem Klarnamen versehen sind, inklusive Impressium.

jwe
2 Tage her

Die CDU zeigt, welch Geistes Kind sie ist. Es gibt noch eine andere Verbotspartei, nämlich die Grünen. Da die CDU auch durch und durch grün geworden ist, passt es. Zwei sich annähernde zukünftige Koalitionspartner, seelenverwandt!.