Grimm gegen Symbolpolitik beim Kündigungsschutz

Der Kündigungsschutz ist in Deutschland ein vermintes Gelände. Die Wirtschaftsweise Grimm bringt jetzt das dänische Modell in die Diskussion ein. Moritz Schularick, der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft ein weitergehendes Modell. Die Linke zieht aber Insolvenzen und Abwanderung von Firmen jeder noch so kleiner Lockerung vor.

picture alliance / dts-Agentur | -

Veronika Grimm spricht sich für weniger Kündigungsschutz aus. Allerdings nur unter klaren Voraussetzungen. Ihr gilt das dänische Flexicurity-Modell als Vorbild. Ein generelles Lockern des Kündigungsschutzes nach dem dänischen Modell wäre, so Grimm, „sehr sinnvoll“. Aber eben nur dann, wenn man das gesamte Paket übernimmt und sich nicht nur die Rosinen herauspickt.

Denn in Dänemark wird die größere Kündigungsfreiheit für Unternehmen durch stärkere soziale Absicherung in der Arbeitslosigkeit, sowie eine sehr aktive Arbeitsmarktpolitik mit intensiver Vermittlung und Weiterbildung ausgeglichen. Würde nur die Lockerung importiert, wäre das Ergebnis nach Einschätzung von Grimm nur mehr Unsicherheit und Abstiegsängste. Der erwünschte Effekt, mehr Einstellungen und mehr Dynamik am Arbeitsmarkt, würden dann ausbleiben.

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Grimm plädiert deshalb für eine Lockerung, aber nur, wenn die Absicherung in Übergangsphasen verbessert, die Qualifizierung konsequent ausgebaut und Vermittlungsprozesse deutlich effizienter würden. Erst dann, so ihre Bewertung, wäre der Schritt „sozial und ökonomisch vertretbar“ – und könnte die Innovationsdynamik deutlich ankurbeln.

Die Idee von Moritz Schularick, dem Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), den Kündigungsschutz nur für Top-Verdiener zu lockern, hält sie für nicht zielführend.

Moritz Schularick stellt eine politisch hochgesicherte Komfortzone, den de facto Kündigungsschutz im öffentlichen Dienst und den Kündigungsschutz für Einkommen über 100.000 Euro, offen zur Diskussion. Er fragt, warum muss es diese Vorzugsbehandlung geben? Einen Schutz, den er selbst als „paternalistisch“ beschreibt. Ein Schutzgedanke, der seiner Aussage nach wahrscheinlich schon Ende des 20. Jahrhunderts abgelaufen war.

Schularicks Begründung ist stringent. Der strenge Kündigungsschutz sei Standortnachteil und trage nach seiner Beobachtung dazu bei, dass Unternehmen Forschung und Entwicklung nach China auslagern. Eigentlich müsse Forschung und Entwicklung hier stattfinden, „weil“, so Schularick, „wir die schlauen Köpfe haben“. Deutschland sei aber zu teuer und zu unbeweglich.

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Wenn ein Unternehmen eine Gruppe von Entwicklern für ein Projekt über Jahre, nachdem das Projekt beendet wurde, weiter beschäftigen muss, dann würde es das Projekt gar nicht erst beginnen. Schularick nennt die Institutionen zu starr und zu wenig flexibel. Sie würden der Schnelllebigkeit und den Wandlungsprozessen der heutigen Zeit nicht mehr entsprechen. Deutsche Firmen wären deshalb am Weltmarkt oft nicht mehr konkurrenzfähig. Wer die nötige Flexibilität verweigert, bekomme nicht Stabilität, sondern Stillstand.

Der Kündigungsschutz ist in Deutschland so etwas wie eine heilige Kuh, die nicht angetastet werden darf. Auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart, und natürlich auch schon vorher, gab es heftige Diskussionen zu arbeitsrechtlichen Vorschlägen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) forderte Ende des vergangenen Jahres einen flexibleren Kündigungsschutz. Schutz für die Schwachen, aber im Hochlohnbereich auch schnellerer Personalabbau, um zügiger reagieren und restrukturieren zu können.

Die politischen Reaktionen zeigen, wie schnell Diskussionen über den Kündigungsschutz zu einem Glaubenskrieg werden. Grüne und Linke lehnen Schularicks Vorschlag kategorisch ab. Janine Wissler von der Die Linke warnt vor einem Einstieg in eine schleichende Aufweichung zentraler Arbeitnehmerrechte. Beschäftigte bräuchten Planbarkeit und Sicherheit, auch hochqualifizierte Fachkräfte.

Andreas Audretsch (Grüne) weist besonders die Idee zurück, den Kündigungsschutz auch im öffentlichen Dienst zu lockern, und nennt dabei ausdrücklich Erzieher, Sozialarbeiter und Busfahrerinnen. Der Wirtschaftsstandort werde nicht stärker, wenn dort der Kündigungsschutz ausgehöhlt würde. Wichtiger wären echte Reformen, damit die Lohnnebenkosten sinken, davon würden alle profitieren.

Das ist schön gesagt. Leider sind es aber ja gerade die Vorschläge der Linken, der Grünen, der SPD und auch der CDU/CSU, die die Lohnnebenkosten in die Höhe treiben, die Kosten für Energie verteuern und den Unternehmen durch immer mehr und immer unsinnigere Auflagen die Luft zum Atmen nehmen. Der dramatische Anstieg der Insolvenzen und der Betriebsverlagerungen in weniger unternehmerfeindliche Länder spricht hier eine deutliche Sprache.

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Kommentare ( 8 )

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Hektor
1 Stunde her

Kennt man doch, Regulierung des Arbeismarkt, Neiddebatten, damals bei Schröder, Harzreformen, Rentenreformen, getroffen hat es stets die kleinen und mittleren Einkommen, 2008 oh wunder war wieder genug Geld da um die Banken zu retten.
Jetzt das gleiche, die größten Staatseinnahmen, bei gleichzeitiger höchster Kreditaufnahmen aller Zeiten,
Das Geld wird durch eine sinnlose Energiewende, Migrationspolitik und Verschenken von Unsummen ins Ausland verheizt.
Ist der Deutsche souveräne Bürger einfach nur dumm oder will er das genauso, rational lässt sich das ganze nicht mehr erklären?

Last edited 1 Stunde her by Hektor
A-Tom
1 Stunde her

Die nutzlose Staatsbedienstete Grimm – Typ Pharao/Mitraträger, die in ihrem Leben noch nie etwas Produktives geschweige denn etwas Wertvolles hergestellt hat, für das andere bereit waren, etwas zu bezahlen, die sich im Umfeld der Politik in alle möglichen und ebenso nutzlosen Gremien tummelt und für deren Pension der Steuerzahler letzlich aufkommen muss, hat wieder einen neuen Vorschlag. So so! Es stinkt gewaltig, wenn aus der Feudalkaste der Durchzufütternden immer neue Vorschläge kommen, wie diejenigen, die noch verbleiben sind, um den Laden am Laufen zu halten, weiter gegängelt werden können. Was hat denn die Dame bisher bewirkt, z.B. in ihrer Funktion… Mehr

ErwinLoewe
2 Stunden her

Frau Grimm fordert ständig Ausgaben- und Leistungskürzungen im System der Gesetzlichen Rentenversicherung, Pflegeversicherung und der Krankenversicherung.
Frau Grimm fordert nie Kürzungen im Versorgungssystem des Beamtentums: Pensionen, Pflege, Gesundheit. Weshalb? Weil Frau Grimm als beamtete Professorin davon profitiert?

Hieronymus Bosch
2 Stunden her

Die Wirtschaftsweisen sind selbst gut bezahlte Beamte! Wer von denen hat schon einmal in der freien Wirtschaft gearbeitet? Übet diese Typen kann ich nur lauthals lachen!

Punti
2 Stunden her

Was die politischen Reaktionen zeigen, ist das eine. Der Unfug, den Schularick von sich gibt, ist etwas ganz anderes, nämlich dümmliche Propaganda, die gezielt auf Dummenfang geht. Kein Projekt muss ausfallen, weil Unternehmen befürchten müssen, das Projektteam nach Projektende endlos weiterbeschäftigen zu müssen. Für solche Fälle kennt das Arbeitsrecht die sachgrundbedingte Befristung, die im Übrigen auch ganz tüchtig in Anspruch genommen wird,nicht zuletzt von der Lffentlichen Hand. Der Umstand wäre mit ein wenig Rechercheaufwand auch durchaus zu ermitteln gewesen, wenn man denn nur gewollt hätte. Die Energiepreise sinken übrigens auch nicht, wenn der Kündigungsschutz gelockert wird.

Hieronymus Bosch
2 Stunden her

Schularick behauptet gleichzeitig, die Babyboomer hätten zu wenig Kinder bekommen und seien dadurch schuld an der Schieflage im Sozialsystem! Klar, wir Alten leben auf Kosten der Jungen! Ich fühle mich durch solche dummen Aussagen diskriminiert!

Autour
2 Stunden her

Ach die Quotengrimm… tja was will man von Quotent… schon erwarten…
… das Vermitteln muss effizienter werden … ich lach mich tot… hirn und sinnlose Phrasen von einer die als erste von ihrer Forderung profitieren sollte und sich eine ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit suchen sollte…

Kuno.2
2 Stunden her

Das funktioniert nur dann wenn der betroffene Personenkreis auch keine Arbeitslosenversicherung mehr zahlen muss.