Neue Zoll-Strafaktion Trumps im Grönland-Streit: EU will geeint antworten

Nächste Ekalation im Konflikt um Grönland: US-Präsident Donald Trump droht acht europäischen Staaten mit massiven Strafzöllen, solange Dänemark die arktische Insel nicht an die USA verkauft. Der Beginn der Strafaktion: in 13 Tagen.

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Ab dem 1. Februar 2026 sollen Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland zehn Prozent Zusatzzölle auf alle Exporte in die Vereinigten Staaten zahlen. Und ab dem 1. Juni soll der Satz auf 25 Prozent steigen – „bis ein Deal für den kompletten und totalen Kauf Grönlands“ erreicht sei, wie Trump in einem ausführlichen Post auf Truth Social ankündigte.

Der US-Präsident begründet den Schritt mit strategischen Sicherheitsinteressen: Grönland sei entscheidend, um chinesische und russische Ambitionen in der Arktis abzuwehren. Er warf den betroffenen Ländern vor, mit unbekannten Absichten Truppen auf die Insel entsandt zu haben – eine „sehr gefährliche Situation“ für den Weltfrieden.

Tatsächlich hatten in den vergangenen Tagen auf Bitte Dänemarks Soldaten aus mehreren europäischen NATO-Staaten, darunter auch 13 Bundeswehr-Angehörige, Grönland erreicht. Angebliches Ziel der Aktion: Die Sicherheitslage zu prüfen und eine mögliche langfristige Präsenz zu evaluieren.

Die erste Reaktion der Europäische Union auf die neue Strafzoll-Aktion aus dem Weißen Haus: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa warnten in identischen Statements auf X vor einer „gefährlichen Abwärtsspirale“. Zölle würden die transatlantischen Beziehungen massiv untergraben und beide Seiten ärmer machen. „Europa steht in voller Solidarität mit Dänemark und dem Volk Grönlands“, betonten sie. „Wir werden geeint und koordiniert vorgehen und unsere Souveränität wahren.“ Für den heutigen Sonntag wurde eine Krisensitzung der EU-Botschafter in Brüssel einberufen, um mögliche Gegenmaßnahmen zu beraten.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas ergänzte: China und Russland hätten wohl „einen Riesenspaß“ an der Spaltung der NATO-Verbündeten.

In den von Trumps neuer Zoll-Drohung betroffenen Nationen wird mit Empörung reagiert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte die Drohung „inakzeptabel“ und versicherte: „Keinerlei Einschüchterung oder Drohung wird uns beeinflussen – weder in der Ukraine, noch in Grönland, noch sonstwo.“

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Ankündigung als „komplett falsch“ und betonte, die Souveränität Grönlands liege allein bei Dänemark und den Grönländern.

In Berlin nahm die Bundesregierung die Ankündigung „zur Kenntnis“ und kündigte enge Abstimmung mit den Partnern an. „Gemeinsam werden wir zur gegebenen Zeit über geeignete Reaktionen entscheiden“, erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius.

Auf Grönland selbst sorgte die europäische Reaktion angeblich für eine positive Reaktion, berichtet n-tv. Die Ministerin für mineralische Ressourcen, Naaja Nathanielsen, schrieb auf LinkedIn: „Ich bin erstaunt über die ersten Reaktionen der anvisierten Länder. Ich bin dankbar und hoffnungsvoll, dass Diplomatie und Partnerschaft obsiegen werden.“

Tausende Menschen hatten am Samstag in Nuuk und Kopenhagen gegen Trumps Pläne demonstriert und Plakate mit der Aufschrift „Grönland ist nicht zu verkaufen“ gezeigt.

Neuer Straf-Zoll gefährdet auch beschlossenes Handelsabkommen

Die neue Zoll-Drohung gefährdet auch das bereits beschlossene Handelsabkommen der EU mit den Vereinigten Staaten. Erst im vergangenen Jahr hatten sich EU und USA nach zähen Verhandlungen auf einen Deal geeinigt, der US-Zölle auf die meisten europäischen Produkte bei 15 Prozent deckelt, während Zölle auf US-Industriegüter fallen sollen.

Das EU-Parlament muss dem noch zustimmen, doch nach Trumps neuem Schritt scheint das unwahrscheinlich. EVP-Chef Manfred Weber erklärte, eine Zustimmung sei „zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich“.

Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssten ausgesetzt werden. Auch die Fraktionen der Sozialdemokraten und Renew lehnen den Deal nun ab.

Wirtschaftsexperten warnen nun vor schweren Folgen, besonders für Deutschland. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sprach von weiteren „enormen Kosten“ für eine bereits belastete Branche. Höhere Zölle könnten Preise für Pharmazeutika, Flugzeugteile und Autos in die Höhe treiben und die ohnehin schwächelnde Konjunktur weiter belasten.

Der Grönland-Konflikt, den Trump seit seiner ersten Amtszeit verfolgt, hat sich damit zu einer handfesten transatlantischen Krise entwickelt – und die Entsendung von 13 Bundeswehr-Soldaten in die Arktis könnte nun so richtig teuer werden.

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Kommentare ( 152 )

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Rosalinde
1 Monat her

Zeiten ändern sich. Auch die USA sind ein exportorientierter Staat. Allerdings weniger Industrieerzeugnisse sondern mehr Informationserzeugnisse, wie Filme, Software.

Last edited 1 Monat her by Rosalinde
Privat
1 Monat her

Russland ist der Meinung – die Europäer sind erbärmliche wie prinzipienlose Kreaturen.
Besser kann Russland es nicht beschreiben.

Anti Left
1 Monat her

Is klar, sieht man allerorten😂

Kalmus
1 Monat her

Er traut den Europäern nicht mehr zu, die Insel zu sichern. Und er traut andern zu, das Gleiche zu tun, was er wöanders tut: Einfach einmarschieren und übernehmen. Nichts ist unmöglich. Dem will er zuvorkommen. So schlecht nicht.

Last edited 1 Monat her by Kalmus
verifizierer
1 Monat her
Antworten an  Kalmus

Europa besteht aus 47 Staaten und Russland ist mit seinem Anteil das größte Land in Europa.
Eine gemeinsame militärische Führung „europäischer“ Streitkräfte existiert gar nicht.
Der miltärische Oberbefehlshaber aller NATOstreitkräfte ist immer der amerikanische Präsident. Martin Rutte ist lediglich der Sprecher der NATO.
Seit jahrzehnten sichern bereits die USA Grönland militärisch gegenüber den Weltmächten Russland und China.
Die Zollaktionen der USA betreffen nicht „Europa“, sondern lediglich 8 Länder in Europa.

Moses
1 Monat her

Das ist eine verständliche, bedrohliche Entscheidung von Trump. Das ist einfach, aber leider genauso einfach, wie in Iran viele Zehntausende auf die Straße zu bringen. Es sind viele gekommen, auch weil dieser bedrohliche Schwätzer ihnen Hilfe im Kampf gegen diese faschistische Variante des Islam versprochen hat. Nun, der Schwätzer, der angeblich Mitleid mit den getöteten Menschen hat, hat es sich dann anders überlegt und beobachtet nun ruhig, wie in Iran mit den Protestierenden abgerechnet wird.
Der Schwätzer ist daran gewöhnt, die Kurden haben das bereits längst deutlich zu spüren bekommen.

xweertz
1 Monat her
Antworten an  Moses

Und hätte er eingegriffen im Iran, wären Sie doch einer der Ersten gewesen, der Ihn verurteilt hätte, und nach dem Völkerrecht gerufen hätte. Immer so, wie es gerade passt. Ihnen fehlt bestimmt auch Nicolas Maduro? Und wer sagt uns, dass er es nicht noch tut, in Bezug auf den Iran.

Moses
1 Monat her
Antworten an  xweertz

Können Sie mir bitte erklären, aufgrund welcher gedanklichen Verrenkungen Sie zu dieser für mich seltsamen Schlussfolgerung über meine möglichen Ansichten zu einer würdigeren Entwicklung der Ereignisse gekommen sind?

xweertz
1 Monat her
Antworten an  Moses

Wie oder was Trump macht, es ist doch in Augen seiner Gegner immer falsch, und wird kritisiert, dass meine ich. Iran, Venezuela & Gaza. Was machen eigentlich die anderen Schwätzer, Merz, Macron & Starmer, außer ihre eigenen Länder zugrunde richten?

Nibelung
1 Monat her

Man kann sich des Eindrucks nicht mehr verschließen, daß einer in den USA die Rolle in der Mimik und Auftreten. den Handlungen alten Despoten gleicht, beim Duce angefangen, hin zum Komiker Chaplin und der verköperte brilliant das Böse und nun kann man rätselraten, was noch kommt und ist genauso wenig vorherzusagen wie damals, was allerdings im Chaos endete.

verifizierer
1 Monat her
Antworten an  Nibelung

Das ist einer dieser faktenfreien Kommentare die lediglich beleglos heulen:
Der ist aber doof :-).

Rosalinde
1 Monat her
Antworten an  Nibelung

In der Endzeit-Trilogie des Alten Testament reissst der Antichrist die Welt ins Armageddon wobei 90% der Weltbevölkerung ausgelöscht werden. Die Frage wer der Antichrist ist wird sich dann zeigen. Und dieses passiert in der Endzeit, also in unserer Zeit.

November Man
1 Monat her

Die Bundeswehr zieht ihre Soldaten wieder aus Grönland ab. Das Erkundungsteam der Bundeswehr soll schon heute wieder aus Grönland abziehen. Die 15 Soldaten werden die Arktisinsel mit einem Zivilflugzeug in Richtung Kopenhagen verlassen. Warum die ein Zivilflugzeug nutzen müssen und keine Bundeswehrmaschine nutzen können liegt auf der Hand. Der Abzug ist die geeinte Antwort der EU-Staaten die sich nicht erpressen lassen.

verblichene Rose
1 Monat her
Antworten an  November Man

Gibt es eigentlich noch die sog. Butterfahrten?
Ich meine, wie wollen die Soldaten sonst von Kopenhagen wieder zurück nach Hause kommen?

Zum alten Fritz
1 Monat her

Herr Trump hat noch gar nicht angekündigt Rheinland-Pfalz zu absorbieren. Schließlich muss er ja den Austritt aus der NATO einkalkulieren. Und den größten Militärstützpunkt außerhalb der USA sollte dann schon „gesichert“ werden. 😉

verblichene Rose
1 Monat her
Antworten an  Zum alten Fritz

Kann er haben. Aber nur, wenn er Berlin und NRW auch nimmt.

Haba Orwell
1 Monat her
Antworten an  verblichene Rose

Vermutlich wäre NRW als Rjejnskaja Oblast besser dran. Berlin kann gerne die Türkei nehmen. Kriegt auch Polen etwas?

verblichene Rose
1 Monat her
Antworten an  Haba Orwell

Seit Glasnost haben die Polen deutlich mehr bekommen, als ihnen zustand. Naja, dafür benehmen die sich wenigstens „deutscher“, als man es sich hier vereinzelt wünscht.
Und Berlin ist längst von ausländischen „Kräften“ übernommen worden. Deshalb kann es ja auch weg.

Kassandra
1 Monat her

Der „derbleckt“ sie gerade alle. Urteilen Sie also nicht vorschnell! . Für welche, im süddeutschen Sprachraum nicht heimisch: „Eine „amtliche“ Definition des Wortes „derblecken“ – der Altbayer spricht es „dablecka“ aus – lieferte der „Förderverein Bairische Sprache und Dialekt“. Danach lässt sich „derblecken“ am ehesten mit „mehr oder weniger scherzhaft verspotten“ ins Hochdeutsche übersetzen.[1] Die Bezeichnung leitet sich vermutlich ab von „die Zähne blecken“, also jemandem die (blitzenden) Zähne zeigen. Fälschlicherweise wird derblecken auf das kritische Spiegel-Vorhalten gegenüber Personen des öffentlichen Lebens reduziert. Tatsächlich kann jede Person, unabhängig von ihrer Bedeutung im öffentlichen Leben, derbleckt werden. Die Reduzierung des Derbleckens auf Personen… Mehr

Last edited 1 Monat her by Kassandra
verifizierer
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Man stelle sich mal vor, Trump würde morgen einfach mal so in einem kleinen Nebensatz rein verbal Ansprüche auf den Südpol stellen. Die Mainstreamjournaille würde noch mehr durchdrehen und sich überschlagen :-).

Geezer
1 Monat her

Einige scheinen nicht zu wissen wo Grönland überhaupt liegt und dass es nicht zu Europa gehört. Grönland ist autonom und kann nach einem Referendum seine Unabhängigkeit beschließen. Dann müssten die Dänen dort ihre Koffer packen und die Nato hat dort nichts mehr zu suchen. Die EU, wozu Grönland nicht gehört, hat anscheinend erst mitbekommen, als Trump von den Ressourcen dort redete, dass es dort so etwas überhaupt gibt. Jetzt versucht man in Grönland Einfluss und koloniale Gelüste zu reklamieren. Dabei haben die Dänen die Inuit diskriminiert und sogar versucht die Population zu begrenzen, indem man den Frauen ohne ihr Wissen… Mehr

GermanMichel
1 Monat her
Antworten an  Geezer

Wo liegen die Krim, Taiwan, Gibraltar, die Falkland Inseln?

Wenn Dänemark auf dieser Basis Grönland abgeben soll, muss es noch einige andere Übertragungen geben, wenn „männlich“ gedacht wird (gleiche Kriterien für alle).

Wenn hingehen tribal, weiblich, angelsächsisch gedacht wird, spielt diese Art Logik natürlich keine Rolle, es geht rein opportunistisch nur noch darum „was nützt uns?“, „was schadet den anderen?“.

alter weisser Mann
1 Monat her
Antworten an  Geezer

Hat Grönland denn vor, seine Unabhängigkeit und dann den Beitritt zu den USA zu beschließen? Davon wurde bislang nichts gehört.

verifizierer
1 Monat her
Antworten an  alter weisser Mann

Von der Dänin hört man etwas in den Medien, aber nichts von den Grönländern selbst.

alter weisser Mann
1 Monat her
Antworten an  verifizierer

Kann doch für freie Medien nicht sooo schwer sein, das zu eruieren ….

Chrisamar
1 Monat her
Antworten an  verifizierer

„I love America“
Der Link führt zu einer Dokumentation über das Leben des arktischen Volks auf Grönland. Diese Dokumentation ist bereits 3 Jahre alt. Die Selbstmordrate des arktischen Volks, gilt als die höchste weltweit.
https://youtu.be/LJzmFINLL6g?si=6d9yQPScuEVr3p_B

Bernd Bueter
1 Monat her
Antworten an  alter weisser Mann

Reine Preisfrage. 56.000 Einwohner x 1 Millionen Dollar „Kopfgeld“ = ein Schnäppchen

Geezer
1 Monat her
Antworten an  alter weisser Mann

Wie ich schon geschrieben hatte kann Grönland jederzeit ein Referendum zur Unabhängigkeit initiieren, das wurde im Autonomievertrag so festgehalten. Dabei geht es also nicht um einen Beitritt zur USA, sondern um die Unabhängigkeit. Was sich dann daraus ergibt ist eine andere Sache, weil Grönland ohne Fremdfinanzierung kaum existieren kann.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Geezer

„Greenland’s Prime Minister Jens-Frederik Nielsen:
“We now have a geopolitical crisis. If we have to choose between the USA and Denmark here and now, we choose Denmark. We choose NATO. We choose the Kingdom of Denmark. We choose the EU” https://x.com/visegrad24/status/2011462863001452733
Was die Frage aufwirft – kann er das alleine entscheiden?
Tja. Man wird sehen, ob die Grönländer das tatsächlich so wollen – und ob er Mandat hat. Mette Frederiksen sieht jedenfalls danach aus, als sei der deal ein teurer gewesen.
Auf wiki findet man über Nielsen mehr als Badmintonspieler als als PM: https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Frederik_Nielsen

Haba Orwell
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

> Man wird sehen, ob die Grönländer das tatsächlich so wollen

Ich zitierte hier bereits Artikel mit Umfragen, laut den die meisten Grönländer gar nicht in die USA wollen. Was will Trumpigster machen – ein Referendum verweigern? In Neurussland gab es aber welche.

alter weisser Mann
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Im Moment hat er ein Mandat, seit April 2025, also regulär noch 3 Jahre und so wie ich das verstehe ist seine Partei eher prodänisch und sieht die Unabhängigkeit eher in fernerer Zukunft … also war das kürzlich noch mehrheitsfähig.