Energiemarkt: Emirate verlassen OPEC-Kartell

Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verlässt ein Stützpfeiler das OPEC-Kartell. Ein strategischer Erfolg für die USA, die ihrerseits ihren Exportanteil am Energiemarkt erheblich erhöhen.

picture alliance / Zoonar | Michael Turner

Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) verliert die OPEC+-Gruppe einen ihrer Stützpfeiler. VAE-Präsident Mohammed bin Zayed erklärte den Austritt seines Staates aus der von Saudi-Arabien dominierten Erdölfördergruppe zum 1. Mai 2026.

Ein schwerer Schlag für das Kartell: Bis zum Beginn der Lieferkrise von Hormus steuerten die VAE etwa 16 Prozent der gesamten OPEC-Fördermengen bei. Die Regierung erhofft sich von diesem Schritt den Ausbruch aus der straffen Mengenregulierung und einen Zugewinn an staatlicher Autonomie auf dem globalen Energiemarkt. Ziel sei es, so Zayed, die tägliche Fördermenge der staatlichen Ölfirma ADNOC von 3,4 Millionen auf 5 Millionen Barrel bis zum kommenden Jahr zu steigern.

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Der erste Schritt zur energiepolitischen Autonomie wurde bereits vollzogen: Mit der vollständigen Befüllung der Habshan-Fujairah-Pipeline wird eine tägliche Kapazität von bis zu 1,8 Millionen Barrel pro Tag in den Hafen Fujairah am Golf von Oman gepumpt. Die Emirate umgehen auf diese Weise zu einem Teil die Sperrung von Hormus und eröffnen sich den lang ersehnten strategischen Spielraum.

US-Präsident Donald Trump kommentierte den VAE-Austritt auf seiner Medienplattform Truth Social: „I think it’s great, it’s a good thing for getting the price of gas down, getting oil down, getting everything down. Mohammed is smart, he wants to go his own way.“ Trump hat es erkannt: Der VAE-Auszug reißt ein Loch in das OPEC-Kartell, das noch 48 Prozent der Weltölförderung kontrollierte. Nach Hormus bricht das Preissystem – endgültig.

Jedes Kartell ist inhärent instabil – dies gilt auch für das OPEC-Kartell, wie wir nun feststellen durften. Damit verblasst eine große Hoffnung der Proponenten der BRICS-Staaten. Sie hofften bis zuletzt darauf, dass eine tiefe Verschmelzung der Energieförderländer der OPEC mit dem BRICS-Konstrukt dem lahmen Prozess des Aufbaus einer supranationalen Gegenstruktur zur Nachkriegsordnung der globalen Ökonomie frischen Schwung verleihen könnte. Vor allen Dingen die Etablierung eines eigenen Währungssystems, ähnlich wie der Petrodollar, mit einem stetigen Strom aus Öl und Gas unterlegt, besäße das Potenzial, zu einem veritablen Konkurrenten des US-Dollar-Systems aufzusteigen.

Ganz gleich wie es sich um den Dissidenten VAE verhält: Noch immer dominiert der Petrodollar innerhalb des OPEC-Systems den Finanzstrom. Etwa 80 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens der Staatengruppe wird nach wie vor über den US-Dollar abgewickelt, lediglich 15 Prozent in chinesischem Yuan und 1 Prozent im russischen Rubel. Das US-Dollar-System, tausendfach abgeschrieben und für tot befunden, entfaltet gerade in diesen Wochen seine Netzwerkkraft und geopolitisch-strategische Bedeutung.

MIT VORSPRUNG ANLEGEN
Swaplines & Petrodollars | Tichys Börsenwecker am 30. April 2026
Zur Bekräftigung dieses geldpolitischen Netzwerks sicherte US-Finanzminister Scott Bessent den Emiraten als Austrittsprämie eine Dollar-Swap-Line in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar zu – eine Firewall gegen drohende US-Dollar-Knappheit am Euro-Dollar-Markt und gleichzeitig ein Schutz für das eigene Bankensystem. Man weiß ja nie, wann die Verlierer der machtpolitischen Scharade einen konzertierten Angriff auf den eigenen Kapitalmarkt organisieren.

Die Verlierer dieses Spiels sitzen wohl in der City of London – der alte koloniale Einfluss, gegenwärtig eher eine virtuelle Finanzmacht, wird von den Amerikanern in atemberaubendem Tempo abgewickelt. Mit der Erklärung der Swap-Line veröffentlichte die weltweit größte Hedgefonds-Gruppe Citadel (60 Milliarden USD AUM), dass sie sich als erster US-Fonds ins DIFC-Finanzsystem Dubais integrieren werde – ein klares Zeichen der amerikanischen Finanz-Offensive in der Golfregion. Citadel gewährt künftig den Staatsfonds ADIA und Mubadala sowie vermögenden Kunden der VAE den Zugang zum globalen Finanzmarkt mit eigenen strukturierten Produkten.

Wir erleben eine Neuordnung der globalen Energiemärkte im Zeitraffer. Und es ist nicht auszuschließen, dass im Hintergrund die USA, Russland und China ihre Aktivitäten strategisch koordinieren. Die Verfahrensweise der USA ist simpel: Im Falle Venezuelas treten amerikanische Förderkonzerne in die Vakanzen ein, erhöhen das Fördervolumen und etablieren eine neue Wertschöpfungskette: Förderung in Venezuela, Transport in den Golf von Amerika nach Texas, wo die Raffinierung der Öle stattfindet, um dann an die energiehungrigen Standorte Europas und Asiens exportiert zu werden.

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Während der vergangenen Wochen steigerte der amerikanische Energiesektor sein Exportvolumen von Erdöl und Flüssiggas massiv. Ein gutes Geschäft und Ausweis der neuen machtpolitischen Realität. Die Ölproduktion der USA stieg um 1,8 Millionen Barrel täglich auf 13,4 Millionen; ein Plus von etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die exportierte Rohölmenge erhöhte sich um 2,1 Millionen Barrel am Tag auf 6,2 Millionen.

Auch im Bereich der LNG-Exporte verzeichnen die US-Firmen Zugewinne von etwa 25 Prozent auf 90 Milliarden Kubikmeter jährlich. Das ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz – Architekt des deutschen Wirtschafts- und Schuldendesssters – die Chuzpe besitzt, den Amerikanern Strategielosigkeit im Iran vorzuwerfen – ist vor dem Hintergrund der Faktenlage wohl in der Kategorie Satire einzuordnen.

Und während die Europäer mit ihrem Schicksal hadern, sich sämtlicher energiepolitischer Optionen beraubt zu haben, schielen die USA bereits zum wichtigsten Handelsweg des maritimen Welthandels: der Straße von Malakka.

Dort werden 40 Prozent des globalen Seeverkehrs durchgeschleust, 80 Prozent der chinesischen Ölimporte passieren diesen Flaschenhals. Das Abkommen, das Donald Trump erst vor wenigen Tagen mit Indonesiens Regierung abgeschlossen hat, sieht erste Schritte einer militärischen Präsenz und gemeinsame Mautpläne vor. Wir treten ein in das Zeitalter der Rohstoffdominanz. Vor unseren Augen wird der globale Energiemarkt neu vermessen – mit den USA als dem vorerst dominanten Akteur.

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Kommentare ( 4 )

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Teiresias
6 Minuten her

Die Konkurrenz bombardieren funktioniert – kurzfristig.
Die US-Mafia wird auf kurz oder lang die Welt gegen sich haben.
Der Rest der Welt wird nicht dauerhaft unter der US-Barbarei leben wollen.
Die Methoden von Sabotage über Terror bis hin zum offenen Krieg werden sich gegen die USA wenden.
Sie haben die Büchse der Pandora geöffnet.
Die Welt wird furchtbar darunter zu leiden haben.
Das wird sich rächen.

BeastofBurden
36 Minuten her

Das Abkommen, das Donald Trump erst vor wenigen Tagen mit Indonesiens Regierung abgeschlossen hat, sieht erste Schritte einer militärischen Präsenz und gemeinsame Mautpläne vor.

Sicher? Ich kann auf die Schnelle nichts darüber finden. Lediglich diesen Artikel, wonach Indonesien eine Maut „angedacht“ aber inzwischen zurückgezogen hat.

https://foreignpolicy.com/2026/04/29/indonesia-malacca-strait-toll-shipping-trade/

Haba Orwell
39 Minuten her

> Auch im Bereich der LNG-Exporte verzeichnen die US-Firmen Zugewinne von etwa 25 Prozent auf 90 Milliarden Kubikmeter jährlich. Das ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz – Architekt des deutschen Wirtschafts- und Schuldendesssters – die Chuzpe besitzt, den Amerikanern Strategielosigkeit im Iran vorzuwerfen – ist vor dem Hintergrund der Faktenlage wohl in der Kategorie Satire einzuordnen. Den Iran nicht, aber Westeuropa konnten die Amis besiegen: >>>Das „Große Schachspiel“: Wie die USA Europa und Asien in den Krieg führen<<< > „… Durch die Zerstörung von Nord Stream und den erzwungenen Umstieg auf teures US-LNG (Flüssigerdgas) wurde Europa in eine totale Abhängigkeit von Washington… Mehr

Haba Orwell
43 Minuten her

> Das US-Dollar-System, tausendfach abgeschrieben und für tot befunden, entfaltet gerade in diesen Wochen seine Netzwerkkraft und geopolitisch-strategische Bedeutung.

Das klingt wie Bejubelung – wenn die USA dadurch eigene Inflation exportieren können, warum sollte irgend jemand außerhalb der USA es bejubeln?