Die Bahn legt ihren Güterverkehr wegen Stromknappheit lahm

Wegen Unterversorgung war die Bahn am Mittwoch gezwungen, Güterzüge stillzulegen. Die Verbände beschweren sich bei der Bundesnetzagentur. Grund für die Ausfälle: zu wenig Strom in den Bahnnetzen.

IMAGO / STAR-MEDIA
Was es heißt, wenn der Güterverkehr ruht, konnte man 2007 beim Streik der Lokführer sehen.

Das gab’s wohl so noch nie: kein Strom mehr für Züge. Am Mittwochmorgen war der Strom im Bahnnetz so knapp, dass die Bahn ihre Güterzüge stehen lassen musste.

Das Zeitalter der Dampflokomotiven, in dem die Züge bei jedem Wetter und unter allen Umständen liefen, ist bekanntlich vorbei, die meisten Züge werden mit elektrischen Lokomotiven gezogen. Die benötigen Strom. Der war früher ausreichend und preisgünstig vorhanden, jetzt nicht mehr.

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Am Mittwoch überraschte die DB Energie mit der eiligen Meldung an die Bahn, dass Wartungsarbeiten in verschiedenen Kraftwerken und ein anschließender Kraftwerksausfall zu einer Unterversorgung des Stromnetzes führten. Daraufhin blieb der Bahn nichts anderes als Lastabwurf übrig, also Züge stehen zu lassen. Schwierige Entscheidung.

Jetzt macht es sich schlecht, dem Regionalverkehr mit seinen S-Bahnen noch mehr Verspätungen und Ausfälle zuzumuten oder gar die schicken ICEs stehen zu lassen. Die Bahn gibt schließlich Millionen an Werbung für ihr grünes Image aus. ICEs vor Windrädern vermittelt dem eher einfach gestrickten Grünen, dass sich Windräder drehen und daraufhin der ICE rollt.

Betreiber im Güterverkehr sauer: Sind nicht Wurmfortsatz der Eisenbahnbranche

Dann lieber Güterzüge stehen lassen. Das merkt niemand so recht, eine leistungsstarke Lok mit ihrem Stromhunger entfällt als heftiger Stromverbraucher und rettet die Netzstabilität.

Richtig sauer sind deswegen die Betreiber der Güterbahnen. Die wurden von dem Stillstand vollkommen überrascht und mussten zusehen, wie ihre wertvollen Frachten auf Abstellgleisen schmorten. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen will die Bundesnetzagentur einschalten, wenn sich herausstellen sollte, dass nur Güterzüge angehalten wurden.

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»Sollte die DB pauschal den Güterverkehr angehalten haben, wäre das ein absolutes Novum«, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbandes. »Der Güterverkehr ist nicht der Wurmfortsatz der Eisenbahnbranche, er ist systemrelevant für die Industrienation und die Versorgung der Bevölkerung. Große Teile unserer Verkehre haben heutzutage ähnliche Pünktlichkeitsanforderungen wie der Personenverkehr. Unsere industriellen Kunden haben keinerlei Verständnis für mehrstündige Verspätungen.« Er will die Bundesnetzagentur einschalten, um den Vorfall aufzuarbeiten und eine Wiederholung definitiv zu verhindern.

Die Betreiber der Schienengüterverkehre stören sich bereits seit Langem daran, dass kaum noch Platz auf den Schienen ist. Die sind so vollgestopft wie der Kölner Ring im Berufsverkehr. Mehr geht nicht, nur sieht man das nicht so deutlich, denn die Züge müssen längere Abstände einhalten. Das hindert umweltbewegte Politik wieder nicht, mehr Güter auf die Schiene zu fordern.

Schon vorher gab es Probleme bei der Verfügbarkeit des Schienennetzes – jetzt kommen Stromprobleme hinzu

Doch gerade im kombinierten Verkehr zerstören schon länger Probleme mit Verfügbarkeit des Schienennetzes die mühsam geplanten Umläufe der Züge und Personalplanungen, teils mit wochenlangen Folgewirkungen. Wenn jetzt noch Probleme mit der Stromversorgung der Lokomotiven dazukommen, »werden sich die Kunden abwenden und die Ladung auf die Straße gehen«, weiß Westenberger.

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Wenn sich jetzt noch Probleme mit der Stromversorgung der Züge ausweiten, sehen Experten schwarz. Der Schienengüterverkehr müsse verlässlich sein und vertrage keine weiteren Strapazen seitens der Infrastrukturbetreiber, so Westenberger.

Er fordert, dass die DB »so oder so eine schnelle Regulierung der bei den Betroffenen entstandenen Schäden gewährleisten« muss. Aus der mit abgehalfterten Politikern besetzten DB-Bahnspitze wird die Order kommen, beim nächsten Strommangel dafür zu sorgen, dass dies nicht an die Öffentlichkeit gerät.

Eigentlich soll die DB Energie als Betreiber der Bahnstromnetze dafür sorgen, dass immer genügend Strom in den Oberleitungen vorhanden ist. Schon in der Vergangenheit konnte es mal allzu knapp mit dem Strom in den Oberleitungen werden, konnte schon mal ein Güterzug stehen bleiben.

Wenn es Probleme in den Oberleitungen gibt, muss ein Güterzug schon mal stehen bleiben

Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe: Wenn ein ICE den Hauptbahnhof verlässt, zieht er so viel Strom aus dem Netz wie eine Kleinstadt. Ein 13-teiliger ICE-4 zieht schonmal 11.550 kW aus dem Netz, so viel wie eine kleine Gemeinde mit 5000 Einwohnern.

Diese Leistung muss in genau dem Augenblick zur Verfügung stehen, in dem sich der bis zu 800, 900 Tonnen schwere Zug in Bewegung setzt. Fahren gleich mehrere Züge aus einem Hauptbahnhof, muss auch diese Leistung vorhanden sein. Das Bahnstromnetz muss mit erheblichen Leistungsschwankungen fertig werden, wenn die Loks nur noch rollen. Mitunter speisen die Fahrmotoren auch ein wenig Energie zurück ins Bahnnetz, wenn der Zug rollt.

Eine bewundernswerte Leistung von Ingenieuren und Technikern, allen 20.000 Personenzügen, die täglich in Deutschland verkehren, die notwendige Energie zur Verfügung zu stellen, damit die Bahnen sich überhaupt bewegen können. Denn gerade die Steuerung der energieintensiven Anfahrts- und Beschleunigungsprozesse auf allen Schienen, mit Höchstgeschwindigkeit fahrende ICEs mit entsprechend riesigem Stromverbrauch verlangen mehr Rechenfähigkeit als sich das die gewöhnliche Grüne vorstellen vermag. Dabei können die Loks teilweise noch die C-Dur-Tonleiter hinauf und hinunter singen.

Preisgünstiger Strom aus Kern- und Kohleenergie ist weggefallen

Den Strom für die Bahn liefert ein eigenes Bahnstromnetz, das anders als das normale Netz mit einer Frequenz von 16,7 Hz anstelle der üblichen 50 Hz arbeitet.

Den Strom liefern teilweise eigene Kraftwerke der Bahn sowie eigene, an große Kraftwerke angekoppelte Bahnstromgeneratoren wie zum Beispiel am Großkraftwerk Mannheim. Bisher lieferten Kohle- und Kernkraftwerke, an denen meist ein eigener Generator für den Bahnstrom hing, den meisten Strom für die Züge.

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Doch dieser Verbrauch sackt seit Jahren drastisch ab; diese stabilen und preisgünstigen Energiequellen fallen auch bei der Bahn weg. Denn die will »grün« werden. Windräder sollen an ihre Stelle treten. Stolz ist die Marketingabteilung der Bahn auf ihre Wasserkraftwerke, die scheinbar umweltfreundlich Strom für die Züge liefern. Doch liefern sie oftmals solch homöopathisch kleine Mengen, dass deren Leistung kaum für zwei, drei ICEs reicht.

Derzeit wird mehr Erdgas als Energiequelle für Bahnstromkraftwerke genutzt. Doch das ist teuer, zu teuer. Deshalb überlegt die Bahn, wieder vermehrt dieselangetriebene Loks einzusetzen. Die sind billiger.

Dagegen lieferten beispielsweise die alten Blöcke des Kohlekraftwerkes Datteln ebenfalls Bahnstrom, preisgünstig, zuverlässig. Doch die wurden stillgelegt; der neue, moderne Kraftwerksblock Datteln 4 kann die beachtliche elektrische Leistung von 413 MW für die Bahn erzeugen. Doch Grüne und Umwelt-NGOs veranstalten gegen dieses Kraftwerk den gleichen Budenzauber wie gegen alle Kohlekraftwerke und Tagebaue. Ziel: stilllegen.

Eine Umwelt-NGO hat aktiv am Strommangel mitgewirkt

Die Umwelt-NGO BUND klagt gegen Datteln 4, hat zuletzt im vergangenen Sommer recht bekommen. Die seinerzeit erteilte Betriebsgenehmigung sei nicht rechtens, meinten die Richter.

Dass sie damit auch die hochgelobten Züge treffen, ist ihnen bisher vermutlich entgangen. So werden künftig vermehrt Züge stehen bleiben müssen, weil nicht ausreichend Strom vorhanden ist.

Gut wenigstens, dass jetzt im Sommer die Weichen nicht geheizt werden müssen. Bei Eis und Schnee sorgen meist elektrische Weichenheizungen dafür, dass die Weichen funktionieren. Eine einzige Heizung benötigt etwa so viel Strom wie ein Haushalt in einem Jahr.

Habeck muss entscheiden: zwischen frieren in der Wohnung oder Züge blockieren, wenn weder Strom für Loks noch für Weichen da ist.

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Kommentare ( 148 )

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Deutscher
2 Monate her

Daran ist doch wieder nur der deutsche Bürger schuld! Warum tut er nicht, was man ihm sagt? Hätten wir alle den Verzicht geübt, den Gauck & Co seit Wochen predigen (wenn auch nicht selber praktizieren), wäre das bestimmt nicht passiert!

Da hat eben wieder ein Bürger zu wenig seine Elektroheizung auf 15° runtergedreht und schon liegt der Güterverkehr lahm! Nichts als Ärger mit dem Volk! Wird Zeit, dass sich die Regierung ein neues schafft!

Last edited 2 Monate her by Deutscher
R.Baehr
2 Monate her

Die Sonne scheint jetzt jeden Tag 12 Stunden und die haben keinen Strom?? Was machen die eigentlich wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht? Dachte immer lt. Werbung fährt die Bahn nur noch mit grünem Strom und jetzt ist keiner da, na so was.

Ingolf Paercher
2 Monate her

Achso. Also, das von Interregio- Kunden fernzuhalten ist mißlungen. Ich stand am Hbf Augsburg und starrte auf einen Güterzug an meinem Gleis, als um 19:05 die Durchsage kam, er würde um 19:05 von einem anderen Gleis starten. OK, ich hab derzeit mit ein paar Knochenbrüchen zu tun, so runterzuhoppeln, durh den Tunnel zu hetzen und woanders wieder hochzukrabbeln war nicht so spaßig. Im Zug kams mir dann komisch vor – yep, ich fuhr in die falsche Richtung. Die hatten zwei Interregios zusammengehängt und in Augsburg wieder getrennt – ich saß prompt im falschen Teil. Hat mich gut zwei Stunden gekostet,… Mehr

R.Baehr
2 Monate her
Antworten an  Ingolf Paercher

Dieses koppeln kommt mir bekannt vor, wenn du nicht aufpasst, in Neusiedl am See genau das selbe, ein Zug, zwei Ziele. Der vordere fährt nach Ungarn, der hintere nach Eisenstadt, ersichtlich allerdings nur für Profis, das nennt man Rationalisierung auf Kosten der Kunden natürlich. Und Fahrscheinautomaten, für die du eine 1/2 jährliche Ausbildung brauchst, unglaublich.

Last edited 2 Monate her by R.Baehr
TschuessDeutschland
2 Monate her

In den Supermärkten sind jetzt Raps- und Sonnenblumenöl rationiert bzw. aus.
Tschuess Deutschland

Deutscher
2 Monate her
Antworten an  TschuessDeutschland

Stellen Sie sich doch bitte nicht so an! Man kann Salat auch mit Wasser anmachen, so wie man das Müsli auch mit Wasser statt Milch machen kann. Man muß sich auch kein Steak anbraten, stattdessen einfach mal ein wenig Rohkost! Mal ein bischen Verzicht kann für uns konsumverwöhnte Babyboomer nur gut sein. Betrachten Sie es als gottgegebenen Fastenauftrag. Und, wo wir grad dabei sind: Die Heizung abschalten, jetzt ist ja schon März! Man kann ja ne Jacke mehr tragen – und ab und zu ne Kniebeuge machen, wenn´s kalt wird! Der Russe hat uns wieder mal in den Krieg gezwungen,… Mehr

Last edited 2 Monate her by Deutscher
bfwied
2 Monate her

Herrlich! Die grüne Idiotie der Berufslosen, Kinder und Jugendlichen führt den gläubigen Dumpfbacken nun vor, was sie ist. Was D bräuchte, ist eine Revolution der bei Verstand Gebliebenen gegen die Kindergartensandkastenmöchtegernpolitiker. Mit dem Drehen an ein paar Stellschrauben, wie Habeck das tut, ist es niemals getan. 27 % der ca. 12.000 PJ (2020) an Primärenergie stammen aus Gas, das zu 55 % (2020, 21) aus Russland strömt. Diese ca. 3.400 PJ an Energie aus Gas können nicht aus Arabien, USA etc. importiert werden, denn es fehlen Schiffe, Anlandestationen, Pipelines etc., und es ist sehr viel teurer. Die „Erneuerbaren“ sind für… Mehr

UrsBerger
2 Monate her

Wenn das Management der DB Energie nicht in der Lage war Ihrem Auftrag zu erfüllen und auch in der verantwortlichen Politik nicht entsprechend interveniert hat dann ist das eben so. Die Unternehmen in Deutschland haben während des Merkelismus alles stillschweigend hingenommen. Das hier in Deutschland vernunftbegründete Entscheidungen mit einer sinnvollen und vor allem nachhaltig zu realisierenden Vorgehensweise angegangen werden ist aussichtslos. Dazu wurde zuviel vergeigt und dazu fehlt fähiges politisches und Managementpersonal. Aber die Steuern kann man ja wieder erhöhen meint der Grünling Nouripour oder wie der heißt…

Dr_Dolittle
2 Monate her

Ich habe versucht ein Bahnticket für einen PÜNKTLICHEN Zug mit Atomstrom (immerhin auch grün) anstelle eines auf freier Strecke bei Windstille haltenden zu bekommen. Der Mensch am Schalter schaute mich verständnislos an.

Cethegus
2 Monate her

Räder müssen stillstehen für den Klimasieg!

Valorant
2 Monate her

Noch gibt es alte Bergmänner die auch neu ausbilden könnten, selbst wenn das niemandem wohl recht scheint, aber wir werden wieder Kohle gewinnen müssen in der unserer Heimat. Dieser Wirtschaftswahn, alles einkaufen zu können und den Dreck mal schön woanders zu lassen ist am Ende. Das hat Grüne in dem Maße geschaffen das wir Deutschen so tun als würden wir keinen Dreck produzieren, weil das ja in anderen Ländern passiert die wir dann dafür massregeln.

Bei aller Idiotie man wird sich irgendwann wieder der Realität zuwenden, es gibt keinen Weg daran vorbei.

Jerry
2 Monate her
Antworten an  Valorant

Grundsätzlich stimmt das, aber haben Sie den Eindruck unser politisches Führungspersonal kommt in der Realität klar?

Jerry
2 Monate her

Wie jetzt? Ich dachte vermeintlich dumme „Hamsterkäufer“ sind schuld, dass die Regale leer sind? Deshalb hat man im ÖRR wohl auch „vergessen“, diese kleine Nebensächligkeit zu erwähnen…