Wer steht hinter #ichbinhier?

Nach gezielter Zensur und dann Boykott-Aufrufen soll jetzt die vermeintlich harmlosere Schiene #ichbinhier gegen "Hass im Netz" punkten: eine organisierte Aktion, gezielt gegen Änderungen der Migrationspolitik.

Screenshots: Facebook ZDF heute, tagesschau
Auf Facebook: Tagesschau und heute im Visier netter Leute

Hass im Netz zu bekämpfen ist eine gute Sache. Besorgte Bürger haben sich dem Hashtag #ichbinhier  angeschlossen, um gemeinsam mit einer Flut vermeintlich freundlicher und sachlicher Kommentare Hass im Netz buchstäblich wegzuspülenDer nähere Blick auf #ichbinhier zeigt das eigentliche Ziel Aktivisten der Gruppe, das Vielen, die sich ihr in bester Absicht angeschlossen haben, nicht bekannt sein wird: Unerwünschte Kritik in der Sache, nicht der Form, soll  im Keim erstickt werden. Screenshots aus der Gruppe belegen, dass #ichbinhier vor allem die Seiten der großen Nachrichtenportale des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks im Visier hat, wenn sie über die „Flüchtlingspolitik“ der Bundesregierung berichten. Vor allem Berichte über Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des durch die Migrationskrise entstandenen Chaos sind Ziel der Aktionen und sollen die Reformen blockieren.

Keine Kontrolle der Handys von Flüchtlingen

Kontrollen der Handys von Flüchtlingen zur Feststellung der Identität? In den Augen der Aktivisten von #ichbinhier ein Eingriff in die Privatsphäre der Flüchtlinge. Dass der deutsche Steuerzahler ein Anrecht darauf hat, dass sein Steuergeld nur für jene aufgewendet wird, die auch ein Anrecht auf Asyl haben? Interessiert hier nicht. Peter Altmaier kündigt einen Abschieberekord für 2017 an? Schnell eine Aktion ins Leben rufen, die dagegenhält. Das ZDF berichtet über die Kritik der Menschenrechtsbeauftragten an Abschiebungen nach Afghanistan? Schnell hin und die Kritik durch eine Aktion verstärken. So wird #ichbinhier nicht nur zum Problem für alle jene Individuen, die im Internet tatsächlich oder angeblich „Hassrede“ verbreiten oder auch nur eine entgegengesetzte Meinung, sondern auch für die Nachrichtenportale von ARD, ZDF und Co. selbst, die zunehmend auch für die Moderation ihrer Kommentarleisten durch #ichbinhier-Mitglieder kritisiert werden.

Die Welt der sozialen Medien ist eine schnelle Aneinanderreihung von Trends. Was heute noch aktuell war, ist morgen schon nicht mehr cool. Es trifft die Mannequin-Challenge genauso wie die Bewerbungen zahlreicher Länder für den Platz 2 hinter den USA. Hashtags spielen bei dieser Trendsetzung eine große Rolle. Sie entscheiden darüber, was viral geht und was nicht, weil sie eine schnelle Zuordnung zu einem Thema ermöglichen und dadurch Verbindungen zwischen Menschen herstellen, die es vorher nicht gab und sie damit für die gemeinsame Sache mobilisieren können. Aber es geht nicht nur um Mobilisierung, sondern auch um das „Wir“. Um Gemeinschaftsgefühl, inflationär „Solidarität“ genannt. Nicht zuletzt im Angesicht der Trauer.

Zusammen waren „Wir“ Charlie oder einfach sick of this shit, haben für Orlando, Paris, Brüssel und zuletzt für Berlin gebetet. Hashtags haben jeweils für kurze Zeit zusammengeführt und ihr Verblassen durch den nächsten Trend wieder auseinandergerissen. Sie können Reaktion auf etwas sein. Wenn „Wir“ Opfern von Terrorismus gedenken, genauso wie „Wir“ uns über Donald Trump lustig machen. Hashtags können aber auch gezielt für eine Aktion entwickelt werden, um Personen mit gleicher Absicht zusammenzuführen und zu mobilisieren. Wichtig ist hier, dass es nicht zu gewollt, nicht von oben eingesetzt aussieht. Je „spontaner“ die Verwendung eines Hashtags wirkt, je subtiler seine Einführung selbst auftritt, desto höher die Aussicht auf erfolgreiche Etablierung.

Gesteuerte Aktivität statt spontaner Aktion

Vielleicht ist das der Grund, weshalb #ichbinhier die Gemüter zuletzt stark erhitzt hat: denn es wirkt vor allem für Außenstehende doch recht künstlich. #ichbinhier ist eben kein cooler Trend, dem sich Viele in ganz Deutschland oder auf der Welt spontan anschlössen, sondern vielmehr ein künstliches Produkt einer exklusiven Gruppe: organisiert von Gleichgesinnten, die angeben, mit dem Hashtag für einen respektvollen und sachlichen Dialog in den Kommentarspalten des Netzes zu werben. Es soll cool aussehen und doch spüren Andere instinktiv das Unnatürliche: daher kann auch nicht verwundern, dass die Gruppe seit ihrer Gründung im Dezember 2016 keinen massenhaften Zulauf hatte.

Woher kommt dieses Gefühl? Lässt es sich belegen? Was ist die Absicht dahinter? Handelt es sich wirklich nur um einen losen Zusammenschluss von Gutwilligen, die das Netz vom Hass befreien wollen wie nach außen propagiert oder stecken dahinter konzertierte Aktionen mit dem Ziel, unliebsame Meinungen zu bekämpfen?

Da #ichbinhier-Gründer Hannes Ley in Interviews zu Protokoll gab, man wüsste intern, dass es Maulwürfe in der Gruppe gäbe, dürfte ihn nicht überraschen, dass uns inzwischen zahlreiche Screenshots vorliegen, die belegen, wie es hinter den Kulissen der geschlossenen Facebook-Gruppe aussieht. So viel vorab: Wie man sich nach außen gibt, ist man im eigenen Safe-Space nicht wirklich. Aber von Anfang an:

Der Start in den Tag beginnt in der Gruppe von #ichbinhier zumindest in der Anmutung erst einmal romantisch. Jeden Morgen entzündet ein Moderator ein „Lagerfeuer“. Dieses „brennt“ nach eigenen Angaben 24 Stunden. Ein „Lagerfeuer“ ist ein Thread, in dem Links gesammelt werden, die in den Augen der User besonders viel „Hassrede“ enthalten.

Davon unabhängig werden „Aktionen“ organisiert. Weil #ichbinhier nach Angaben von Gründer Hannes Ley unter 20.000 Mitgliedern nur über mehrere Hundert Aktive verfügt, muss immer wieder von Admin- und Moderatorenseite nachgeholfen werden, damit die Mitglieder der Gruppe auch auf den Links landen, welche die Gruppenführung als wichtig einstuft.

Es wundert nicht, dass bei den geposteten Artikeln in der Gruppe viele die Themen „Flüchtlingskrise“ und Migrantenkriminalität behandeln. Unter solchen Postings sind erfahrungsgemäß auch immer besonders viel derbe Kommentare, die nicht selten die Grenzen des guten Geschmacks oder der guten Kinderstube überschreiten. Das Interessante daran ist, wie man dem aus der Gruppe heraus begegnet: es geht mitnichten nur darum, für einen maßvollen Ton und respektvollen Dialog zu werben. Es geht um Meinung und noch viel mehr um gezielte „Counterspeech“, wie das neudeutsch in der Gruppe genannt wird. Ziel ist es nicht nur, oder vorrangig, für eine friedvolle, sachliche Auseinandersetzung zu werben, sondern vor allem gegen kritische Posts zu Einwanderung und Migranten zu Felde zu ziehen.

Daher findet sich kein Kommentar unter der #ichbinhier-Flagge in den Kommentarleisten der großen Nachrichtenseiten, der sich kritisch aber sachlich des Migrationsthemas annimmt. #ichbinhier-Kommentare sind der argumentativen Struktur der Pro-Refugee-Fraktion zuzuordnen. Neben dem eigentlichen Kommentieren wird den Usern darüber hinaus aufgetragen, die betreffenden #ichbinhier-Kommentare, die bereits von anderen Usern unter den Artikeln gepostet wurden, zu liken. Dadurch werden die Kommentare von #ichbinhier in den jeweiligen Kommentarspalten gezielt nach oben gepusht und erscheinen durch hunderte Likes an erster Stelle vor den anderen Kommentaren. Statt losem, spontanen Eingreifen Einzelner im Einsatz für den respektvollen Dialog, konzertierte Aktionen, die in den Debattenverlauf eingreifen, die Debattenstruktur künstlich verändern und so den Eindruck erwecken sollen, dass es mehr Pro- als Contra-Kommentare gibt. Hannes Ley, Gründer der Gruppe, spricht in diesem Zusammenhang in Interviews von einem anderen „Bild“, dass man mit möglichst vielen „Nicht-Hatern“ schaffen will und damit wird klar, worum es eigentlich geht: Um die Erschaffung einer alternativen Realität nach eigenen Wunschvorstellungen:

„Die richtigen Hater kriegst du nicht umgestimmt. Die hetzen, wiegeln auf, gießen Öl ins Feuer. Das sind immer wieder dieselben Leute, die auch immer wieder dasselbe schreiben. Teilweise auch mit Fake-Profilen ohne Gesicht oder mit Panzern oder dem Eisernen Kreuz als Profilfoto. An die ranzukommen, schafft man nicht. Und generell gilt: Wenn du 100.000 Hater hast, brauchst du das Doppelte oder Dreifache an Nicht-Hatern, um ein anderes Bild zu schaffen. Aber tatsächlich erzählen viele unserer Gruppenmitglieder, dass sie Diskussionen mit Leuten haben oder überhaupt mal ins Gespräch kommen.“

Wer ist Hannes Ley? Denn das Ganze ist dann doch ein wenig zu professionell, um es für eine private Aktion zu halten. So ist es auch nicht. Hannes Ley ist Geschäftsführer der Firma The Main, die Strategieberatung für digitales Marketing anbietet. Man könnte also vermuten, der Mann versteht etwas vom Fach. Jedenfalls ist Hannes Ley quasi Profi darin, Dinge wie spontane, coole Netztrends aussehen zu lassen, ohne dass es sich tatsächlich darum handelt.

Darüber hinaus hat Ley gute Kontakte zu Anderen, die auch irgendwas mit Strategie und Online-Marketing zu tun haben. Zum Beispiels zu Gerald Hensel, mit dem er zusammen im Vorstand der Account Planning Group (APG), dem Verband der Marken- und Kommunikationsstrategen in Agenturen und Unternehmen sitzt und der bei Scholz&Friends bis vor kurzem die Stelle des Executive Strategy Directors besetzte, bis er mit seiner Hashtag-Aktion #keingeldfürrechts zum Werbe-Boykott für Seiten wie die Achse des Guten aufrief. Gerald Hensel findet #ichbinhier auf Twitter „mega“.

Querverbindungen zwischen Führungsspitze von #ichbinhier und anderen Stellen lassen sich ausmachen, die schon einmal im Zusammenhang mit dem virtuellen „Kampf gegen Rechts“ und „Hate-Speech“in Erscheinung getreten sind. Die mit Steuermitteln finanzierte Amadeu Antonio Stiftung findet #ichbinhier ebenfalls klasse und wirbt unter dem Namen ihres Projektes „Debate Dehate“ für die Gruppe um Hannes Ley.

Auch ehemaligen Mitarbeitern der Stiftung gefällt #ichbinhier aufgrund der Nähe zu eigenen Aktionen offensichtlich so gut, dass man sich gleich in leitende Funktion bei der Hashtaggruppe begeben und eine Moderatorenstelle übernommen hat: neben Hannes Ley und anderen ruft auch die ehemalige Mitarbeiterin der Amadeuc Antonio Stiftung Cornelia Heyken bei #ichbinhier zu sogenannten „Aktionen“ auf. Wenn es mit gezielten Versuchen der Zensur nicht ausreichend klappt, dann eben über einen vorgeblichen Kampf für den sachlichen Dialog.

Es wird deutlich: #ichbinhier ist alles andere als ein lockerer zivilgesellschaftlicher Treffpunkt von Privaten, die sich untereinander nicht kennen und einfach nur durch die Setzung eines Hashtags für den sachlichen, respektvollen Dialog werben wollen. Zumindest nicht, wenn um jene geht, die dort als Steuerungsgruppe aktiv die Fäden ziehen. Hier sitzen Profis wie Hannes Ley und Cornelia Heyken, die genau wissen, was sie tun. Die nicht nur über den ideologischen Überbau verfügen, sondern auch über das richtige berufliche Grundgerüst. Unterstützt wird das Knowhow durch ein breites Netzwerk. Querverbindungen zu anderen Online-Strategen mit derselben „Mission“ und Medienleuten, die das ganze Projekt wie Dunja Hayali direkt durch Werbung auf ihren Social-Media-Plattformen oder durch Interviews und Berichte aktiv nach vorne pushen. Wie erklärt es sich sonst, dass dutzende Medien zu einem Zeitpunkt, als dem ganzen Projekt der Rohrkrepierer drohte, wohlwollend in die Berichterstattung gingen?

Vom Stern über das Online-Magazin der Süddeutschen Jetzt bis hin zu Vice, KSta, Meedia und etlichen anderen – sie alle berichteten schon über die neue Kampagne gegen „Hass im Netz“, bevor diese überhaupt irgendetwas erreicht hatte. Ein Lehrstück des deutschen Aktivismus-Journalismus, dessen Journalisten Relevanz und Notwendigkeit von Berichterstattung nach eigener politischer Überzeugung bewerten.

Klar ist: #ichbinhier reiht sich ein bei anderen Initiativen gegen das „Böse von Rechts“: Trends lassen sich künstlich schwer bis gar nicht etablieren. Natürliche Strömungen und Diskussionsverläufe im Internet sind kaum zu beeinflussen und noch schwerer umzulenken. Der freiheitsliebende Mensch spürt so etwas und setzt sich gegen die künstlichen Eingriffe zur Wehr. Vielleicht ist der Deutsche doch nicht so obrigkeitshörig wie oft gesagt. Die verwendete Sprache wirkt in weiten Teilen stereotyp, sektenhaft. Hinter der betulichen Aufforderung nach offener Diskussion wirkt ein stringenter Faden, der andere Meinungen zum Verschwinden bringen soll.

Sexismus hinter der Fassade der Freundlichkeit

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt #ichbinhier als künstliches Produkt von Medienstrategen welche die Mitglieder immer wieder ermahnen müssen, das Außenbild der Gruppe als nur an Sachlichkeit und Respekt in den Kommentarspalten interessierte nicht durch eigens Verhalten zu stören. Neben dieser Regel existieren noch weitere, die diesen Eindruck stärken sollen. So soll #ichbinhier stets auf Artikel beschränkt bleiben.  Auseinandersetzungen sollen einzig in den Kommentarspalten der Nachrichtenseiten stattfinden und nicht auf Profilen von Einzelpersonen fortgeführt werden. Daraus erklärt sich beispielsweise auch, weshalb mein Facebook-Profil von verbalen Auseinandersetzungen nach Veröffentlichung meines Artikels weitgehend verschont blieb und der Kampf nahezu ausnahmslos in der Kommentarspalte auf der Tichys Einblick-Seite auf Facebook geführt wurde, was – wirft man einen erneuten Blick in die Gruppe – den „Oberen“ von #ichbinhier nicht unbedingt leicht fiel. Kommentarverläufe innerhalb der Gruppe legen offen, dass mein Profil sehr wohl ausgiebig begutachtet wurde und Sachlichkeit und Respekt nur dann eine Rolle spielen, wenn es um die Außenwirkung geht. Auch hier gilt die Absicht, ein Bild zu erzeugen. Mit der Realität innerhalb der Gruppe hat das nicht viel zu tun, wenn man sich anschaut, wie ich gruppenintern von Mitgliedern der Gruppe am gleichen Tag nach Veröffentlichung meines Artikels sexistisch beleidigt wurde und man mir etwa empfahl, in den Eskortservice zu wechseln. Freundlichkeit ist nur Fassade. Dahinter geht es zur sexistischen Sache. Und wer die Gruppe kritisiert, wird in Sektenmanier verfolgt.

Für die Flut an Kommentaren unter meinem Artikel hatte Gründer Ley eigens eine „Sonderaktion“ ausgerufen, die Tichys Einblick neue Leser bescherte.

Wer hätte gedacht, dass der Aufruf von Hannes Ley durch seine Veröffentlichung selbst zum besten Beleg für das fragwürdige Spiel von #ichbinhier geraten würde.

Es geht nicht nur oder vorrangig gegen „Hass“, sondern auch gegen sachliche einwanderungskritische Posts. Dabei handelt es sich nicht um spontane Meinungsäußerungen, wie man sie vor Erscheinen des Hashtags überall lesen konnte, sondern um konzertierte Aktionen, die zumeist von der Führungsriege der Gruppe ausgehen. Wichtig dabei ist, herauszustellen, dass ich #ichbinhier nicht nur Leute mit anderer Meinung, sondern auch seine eigenen User „erzieht“, in dem sie gezielt auf Artikel losgelassen und im „richtigen“ Verhalten angelernt werden. CDU-, FDP- oder gar AfD-Wähler findet man nur selten in der Gruppe. Eine AfD-Sympathisantin hat die Gruppe nach massiven verbalen Angriffen freiwillig verlassen. Parteiunabhängiger und vor allem gesinnungsunabhängiger Diskurs und Kampf um Sachlichkeit sieht anders aus.

Vielleicht merkt Ley an dieser Stelle selbst, dass ihm das Ganze langsam entgleitet und sich eine Übermacht auch unter den Usern erkennen lässt, die nur wenig Toleranz im Umgang mit anderen Meinungen zeigt. Ley hat durchaus Recht, wenn er im Interview davon spricht, dass man an gewisse „verbohrte“ Leute nicht mehr herankommt, dass „Hass“, der sich an mancher Stelle im Netz entlädt, mitunter erschreckend ist. Nicht nur für Ley, sondern auch für andere, die daraus aber nicht den Schluss ziehen, organisiert Diskussionen im Internet zu steuern und durch eine Flut von Gegenkommentaren zum Verstummen zu bringen.

Diskussion und Debatte ist etwas anderes

Die Frage ist und bleibt: Lässt sich „Hass“ durch konzertierte Gegenaktionen bekämpfen oder erzeugt das wieder nur „Gegenhass“? Provoziert es nicht eher zusätzlich, den eigenen Kommentar mit einer Art „Gütesiegel“ zu verzieren, das nichts anderes aussagen will, als: ‚Achtung! Es folgt ein Kommentar der guten Seite‘? Ist das nicht letztlich Symptombekämpfung, die mehr der eigenen moralischen Überhöhung und dem eigenen guten Gefühl dient als der Sache selbst? Was sind denn die eigentlichen Gründe für „Hass“? Ist dieses erziehen, steuern wollen im Sinne der political correctness nicht selbst einer der Gründe? Wer selbst keinen Zentimeter bereit ist, von seiner eigenen Meinung abzurücken, Fakten, welche die eigenen Ansichten mitunter entkräften, zu respektieren, der kann dies umgekehrt auch nicht von jenen erwarten, denen er mit jeder Äußerung zeigt, dass er sie ohnehin nicht für voll nimmt und seine Meinung die einzig Wahre ist. „Hass“ bekämpft man so jedenfalls nicht. Man schürt ihn eher. Für den sachlichen Dialog braucht es keine Hashtags, sondern einfach nur Argumente in der Sache, gegenseitiges Zuhören und keine immer gleichen Satzbausteine. Kurz: eine Öffentlichkeit, die sich mit Realitäten befasst, statt mit Bildern, die erzeugt werden sollen.

Die unorganisierten Einzelnen wissen und fühlen, dass sich Menschen nicht zur „richtigen Meinung“ erziehen lassen und das Internet nicht kontrollieren lässt. Nach gezielter Zensur und dann mit Boykott-Aufrufen wird auch die vermeintlich harmlosere Schiene #ichbinhier nicht greifen. Am Ende erweisen sich Meinungsfreiheit und eigenständiges Denken als stärker.

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Kommentare ( 7 )

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Gute Recherche, die mal im Kontext der linken Milieus aufzeigt, wer mit wem so vernetzt ist und unter welchem Claim da Meinung gesetzt und manipuliert werden soll. Normalerweise geschieht das nur durch linke Netzwerke bsi ins Denunziative, oft staatlich abgefüttert. Andere Hintergründe und Kontexte werden meist taktisch vernebelt. Als wenn es nicht schon genügend medail professionelle Techniken gäbe, kritische Haltungen mit den erwünschten Einordnungen und Stereotypen zu versehen: Manipulative Headlines, einseitige Bildsprache, Rabulistik in der Bildunterschrift, Teaser mit grobem Spin, perfide Verdrehungen und infame Verkürzungen im Inhalt. Daß es da noch Bedarf an weiteren manipulativen Eingriffen durch solche Milieus bedürfen… Mehr

Lernen Sie bitte erst mal Ihr Handwerk. Ein Journalist schreibt über die Dinge von denen er Ahnung hat oder er recherchiert. Für Sie wäre es ein gute Anfang zu lernen, was die Meinungsfreiheit ausmacht, wie sie geschützt wird und was Zensur ist.
Der zweite Schritt sollte ein Schreib- und Rhetorikkurs sein, da Sie offensichtlich Menschen manipulieren möchten. Dann sollte die Rhetorik sitzen und die Argumentation wenigstens oberflächlich schlüssig sein.

Klingt nach einer Aktion die es Wert ist unterstützt zu werden. Danke. Nachdem bislang die Konservativen bei jedem Thema irgendwie Merkel oder den Flüchlingen die Schuld geben ist es gut das sich auch linke wieder etwas organisieren. Nur dieses ständige Gejammer wenn jemand anderer Meinung ist grade hier auf der Seite nervt schon ziemlich 🙂

Obwohl mich die teilweise richtig extremen Hass- Schrottkommentare in den Social Medias zum Kontern veranlassen, käme mir nicht in den Sinn, mich unter das Label eines „ichbinhier“ Tags zu stellen.
Ich möchte mich nicht einer politischen Richtung verpflichten, sondern jederzeit nach allen Seiten austeilen können, zumal, BEIDE Seiten das Netz mit Bullendung zumüllen.

Und, ist jetzt das „liberal-konservative“ Meinungsmagazin bereit, das Plattform zu werden für AfD-Enthusiasten, Trump-Fans, Breitbart-Märchen-Liebhabern und andere unterdrückte und diskriminierte Geisteskreise, die sich unverstanden und unwohl fühlen in der Gegenwart des Geistes Europäischer Werte und Union?

Es wäre zu begrüßen, wenn diese ‚Verteidigung der Meinungsfreiheit‘ wirklich zum ‚eigenständiges Denken‘ führte. Es steht zu befürchten, dass das nicht erfolgt.

Doch haben wir. Der große alte Mann des deutschen Journalismus, Hans Joachim Friederichs, pflegte über solche Art von „Medien“ Vertretern: „Journalistische Strichungen“ zu sagen. Und zu seiner Zeit gab es die Untiefen des von ihnen geliebten …-Gesinnungsjournalismus noch gar nicht.

Das wird man sicher nicht erfahren. Aber es werden zig Millionen sein. Früher verdeckt per Abos oder Anzeigen, seitdem es den Ex-Journalisten und jetzigen Aktivisten in den vernetzten Zersetzungstruppen nur noch ums Anzeigen von denunzierten Andersdenkenden geht, wird der Geldfluss zur Gekados.