Gesamtschule in Kleve: Wegdrehen für den Ramadan

Ramadan an einer Gesamtschule in Kleve. Nicht muslimische Kinder sollen ihr Pausenbrot nur noch heimlich mit abgewandtem Blick essen. Eltern sprechen von Ausgrenzung. Ganz offensichtlich ist da was in Kleve passiert – und zwar genau das, was es angeblich nicht gibt.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Dwi Anoraganingrum/Geisler-Fotop
Symbolbild

Die Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve präsentiert sich auf ihrer Website selbstbewusst und sich an den Zeitgeist anbiedernd als „Schule mit Courage“ und „Schule der Vielfalt“. Große, hohle und leere Worte aus dem woken Textbaukasten, die heute im deutschen Schulbetrieb zum Pflichtinventar gehören. Der Alltag hinter diesen Parolen sieht bisweilen aber erstaunlich anders aus.

Seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan sorgt dort eine Regel für Streit. Kinder, die in der Pause essen, sollen sich dabei wegdrehen. Denn, ihre fastenden muslimischen Mitschüler könnten sich daran stören.

Der Vorfall wurde durch Eltern öffentlich gemacht. Die Mutter einer Schülerin schilderte gegenüber der Bild-Zeitung, was ihre Tochter und deren Freundin erlebt hätten. Auch der Focus berichtete mittlerweile über den mehr als nur verstörenden Vorfall. Muslimische Mitschüler hätten ihnen gesagt: „Wir haben Ramadan, du musst jetzt fasten und dein Brot in die Tonne werfen!“ Als die Mädchen sich an einen Lehrer wandten, habe dieser ihnen geraten, sich beim Essen wegzudrehen.

Andere Eltern berichten zudem von Ausgrenzung und Mobbing. Schüler mit Migrationshintergrund sollen demnach „Würg- und Kotzgeräusche“ gemacht haben, wenn andere Kinder ihr Pausenbrot aßen. Eine Mutter schildert, ihre Tochter habe unter Tränen berichtet, sie fühle sich im Klassenverband ausgegrenzt und diskriminiert. Besonders in den Pausen werde sie mit der Begründung ausgeschlossen, sie sei „deutsch“.

Die Schule selbst weist den Vorwurf einer Einschränkung selbstverständlich zurück. Alles sei nur ein Missverständnis. In einer Antwort auf eine Elternbeschwerde heißt es, Essen und Trinken in den Pausen sei weiterhin vollkommen in Ordnung. Gleichzeitig habe es jedoch Fälle gegeben, in denen nicht fastende Kinder mit ihrem Essen ihre fastenden Mitschüler provoziert hätten. Deshalb sei besprochen worden, dass Kinder sich möglichst weder beim Essen noch beim Nichtessen beobachten sollten. Die „Regel“, sich wegzudrehen, gelte demnach für alle.

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat den Vorgang inzwischen aufgegriffen. Auf Anfrage bestätigte sie, dass der Sachverhalt geprüft wird. Grundsätzlich gelte angeblich, dass Schülerinnen und Schüler nicht in ihrem persönlichen Verhalten eingeschränkt werden dürften. Versuche von Schülern, Mitschülern religiöse Vorschriften aufzuerlegen, würden an Schulen konsequent verfolgt. Die Behörde steht nach eigenen Angaben im Austausch mit der Schulleitung.

Der Fall aus Kleve zeigt ein Problem, das längst über eine einzelne Schule hinausweist. In einer pluralen Gesellschaft treffen unterschiedliche religiöse Praktiken und Lebensweisen aufeinander. Ganz besonders an Schulen. Vor allem dann, wenn deutsche Kinder in der Minderheit sind. Denn dann ist die entscheidende Frage nicht mehr, fasten oder nicht fasten, sondern, ob staatliche Schulen anfangen, falsche Toleranz so weit zu treiben, dass sie fremde religiöse Regeln faktisch allen anderen aufzwingt.

Wenn Kinder ihr Pausenbrot künftig nur noch heimlich mit abgewandtem Blick essen dürfen, dann ist das weniger eine pädagogische Lösung, sondern ein Symbol der Unterwerfung.

Gerade eine „Schule mit Courage“ müsste das eigentlich wissen.

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Kommentare ( 5 )

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c.beilharz
1 Stunde her

Wenn die Kohle alle ist hört es mit auf.

Dt. Tom Schimpff
1 Stunde her

Einfach unfassbar, was im D.-schland 2026 passiert. Übrigens vorliegend in einem CDU-geführten Bundeland.

Glücklich können sich die Eltern schätzen, die den finanziellen Backround besitzen, ihre Kinder auf Privatschulen zu schicken.

moselbaer
1 Stunde her

Ein „Symbol der Unterwerfung“. Und genau das ist politisch gewollt. Grün ist nicht umsonst auch die Farbe des Propheten…

Rosalinde
1 Stunde her

Der Rassenhass in Action. Denn die, für die das zutrifft die also ausgegrenzt werden sollen, sind keine Araber oder Türken. Auf den ersten Blick hat das mit Rassismus gegen Weiße nichts zu tun, auf den zweiten Blick schon.

eifelerjong
1 Stunde her

Meines Wissens bedeutet „Courage“ Mut, die Fähigkeit, trotz Angst oder Widerständen entschlossen und aufrecht zu handeln.
Was an dieser Schule praktiziert wird, ist das genaue Gegenteil:
Unterwürfigkeit.