SPD und CDU wollen gegen „Vereinsamung“ vorgehen

Union und SPD wollen bei einer Neuauflage der Großen Koalition "Vereinsamung" in der Gesellschaft bekämpfen.

© Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

„Familie, Gesundheit, Wohnen – es ist die Aufgabe vieler Ministerien, dem Trend zur Vereinsamung entgegenzuwirken“, sagte die CDU-Politikerin und Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

„Wir wollen nicht in die Lebensführung der Menschen eingreifen“, so beruhigt sie schon einmal vorbeugend Bürger wie mich, die sich sofort besorgt fragen, wie der Staat ihnen Geselligkeit verschaffen will. Mir jedenfalls fiel spontan Ronald Reagans Ausspruch ein: „Die zehn furchterregendsten Wörter der englischen Sprache sind: ‚Hi, ich komme von der Regierung, um Ihnen zu helfen!'“

„Aber wir spüren das Bedürfnis nach mehr sozialem Kontakt“, fügt Widmann-Mauz hinzu, die seit 2009 für die CDU parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium ist und derzeit sogar für einen Ministerposten gehandelt wird. Das Netz familiärer Bindungen sei nicht mehr so engmaschig wie früher, man lebe in weiter Entfernung zueinander und verbringe immer mehr Zeit im Internet, so der beunruhigende Befund von Widmann-Mauz. „Politiker müssen die Bedingungen dafür schaffen, dass das, was Gemeinschaft und Zusammenhalt in einer Gesellschaft ausmacht, nicht verloren geht.“ Ein Ansatz könne in der Stärkung von Mehrgenerationenhäusern liegen.

Habt ihr keine anderen Sorgen?

Zugegeben: Einsamkeit ist schlimm, für den, der davon betroffen ist. Aber ist es die Aufgabe der Politiker, Einsamkeit zu bekämpfen? Da wird von der „Stärkung von Mehrgenerationenhäusern“ geredet, wenn viele Menschen froh wären, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden. Da wird beklagt, dass die Leute zu viel Zeit im Internet verbringen und dadurch einsam würden. Dabei verhilft das Internet Menschen, die an ihr Haus gebunden sind, zu wichtigen sozialen Kontakten und sie wären ohne das Internet viel einsamer. Und wenn sie in einsamen Landstrichen Deutschlands leben, würden sie es wohl eher begrüßen, wenn die Politik ihr schon vor Jahren gegebenes Versprechen endlich wahrmachen würde, dass man deutschlandweit eine gute und schnelle Internetverbindung hat.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Peter Altmaier bald auf die Idee kommt, die Merkelsche Politik der Grenzöffnung mit dem ihm eigenen Enthusiasmus als Wundermittel gegen die Vereinsamung vieler Deutscher zu lobpreisen. Und die SPD sollte sich vielleicht eher Gedanken machen, wie sie ihrem eben noch frenetisch gefeierten 100%-Schulz hilft, das Problem der Einsamkeit zu bewältigen, nachdem er gleich drei Ziele verfehlt hat: Er wollte Bundeskanzler werden – das hat nicht geklappt. Er wollte Außenminister werden – auch das hat nicht geklappt. Und er wollte SPD-Chef werden – das hat auch nur für ein Jahr geklappt. Vielleicht verhilft ihm die Große Koalition nun wenigstens zu einem Platz in einem „Mehrgenerationenhaus“, damit er nicht völlig vereinsamt.

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Kommentare ( 66 )

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Ich bin über einen Bericht des US-Besuches einiger Abgeordneter unter Leitung dieser unsäglichen Frau Widmann – Maus oder so. gestolpert. Wie die „Dame“ da Deutschland blamierte hat sogar den Generalkonsul vom Stuhl gehauen, dass er das unmögliche Verhalten dieser Staatstouristen dem Botschafter stecken mußte. Typisch deutsche Großmannsallüren.

Ich kann die Häme, die aus dem Beitrag und den meisten Kommentaren spricht, nicht nachvollziehen. Der letzte Amoklauf in Florida sowie zahlreiche zuvor sind für mich Ausdruck einer Gesellschaft, in der die Menschen durch Mobilitätsdruck, durch Heterogenisierung der Gesellschaft, durch mediale Verdummung u.a.m. in Einsamkeit getrieben werden. Die Probleme haben wir größtenteils auch schon. Nur noch nicht die Waffen.

Die Antifa besucht die Leute doch gerne. Wer sich also einsam fühlt hebt nur ein Schild hoch.

„SPD und CDU wollen gegen „Vereinsamung“ vorgehen“ – In eigener Sache?

Ersetzt doch erstmal Doppelverdiener durch Einzelverdiener, Kitas durch Mütter, Pflegeheime durch Angehörige. Intakte klassische Familien sind Grundvorraussetzung für Geselligkeit.

Als CDU-Soze hätte ich auch erhebliche Angst vor der Vereinsamung:
Stellen Sie sich vor, Sie werden davon getroffen, mit dem Ergebnis, daß Sie nur noch südlich von 5% der Wählerstimmen bekommen. Das ist dann Vereinsamung und sicherlich aus deren Sicht noch unsozial, weil man dann (unverdientermassen) von den Geldtöpfen der Selbstbedienung getrennt wird. Aber wer als Parteisoldat kein Rückgrat besitzt (Altmaier, Kauder, und die Mehrheit der Partei) und die Wähler schädigt… — nein, kein Mitleid!

Ich lache mich schlapp! Ja, aus meinem Elternhaus kenne ich auch noch einen sehr regen Umgang mit der Verwandschaft – deren Eltern, Geschwister usw. In unserer Generation ließ das – jedenfalls von der Intensität her – nach. Man führte sein eigenes Leben. Und wer lebt, hat soziale Kontakte, aus denen sich auch Beziehungen ergeben oder Freundschaften. Begann übrigens schon in der Schule. Meine erste feste Freundin lernte ich in der Disco kennen, deren Besuch beidseitig einem Zufall gedankt war. Als die Beziehung zu Ende war, ging ich gelegentlich in die Disco und schleppte dort ab oder wurde auch abgeschleppt. Gleiches… Mehr

Reine populitische „Ankündigungspolitik“ während der rosa Elefant immer größer wird im Land.

Was ist das denn wieder für eine Posse.. zwangsverordnete Geselligkeit… das „Brainstorming“ unserer Politschranzen (sorry) treibt wirklich immer seltsamere Blüten! Aber, zumindest wir hier, merken die Absicht und sind verstimmt – oder so ähnlich…

Vorschlag zur Güte: Liebe vielleicht zukünftige Regierung! Hört endlich auf, immer mehr in unser Privatleben eingreifen zu wollen! Macht einfach Eure Arbeit vernünftig! Gute Voraussetzungen für das öffentliche Leben schaffen! Dann klappt das auch, mit unserem Privatleben! Zur Zeit erlebe ich, dass fast alles, was Ihr macht (oder auch nicht) der Zukunft dieses Landes eher schaden wird. Was für ein Land ist das, in dem immer weniger Menschen in der Lage sind, von Ihrer eigener Hände Arbeit ein anständiges Leben führen zu können, wo Familienplanung zum Wirtschaftsrisiko wird? Hört auf, regulierend in alles eingreifen zu wollen! Kostenlose Kitas, kostenloser Nahverkehr,… Mehr

Ich denke da eher an Schäubles Jungborn-Gedanken (von wegen Inzucht): Da sollen deutsche Mädchen mit den invasieten „Schätzchen“ verkuppelt werden.

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