SPD-Rezepte im „Kampf gegen Rechts“

Bei Anne Will ging es um "Chemnitz und die Folgen". Vielleicht aus Mitleid mit der in Umfragen abgestraften SPD, lud Anne Will gleich zwei Sozialdemokraten ein, die ihre Rezepte im "Kampf gegen Rechts" zum Besten gaben.

© Steffens Pool/Getty Images
A general view of a high-speed ICE train of German state rail carrier Deutsche Bahn on the newly-completed stretch between Munich and Berlin on December 8, 2017 in Berlin main station

Wolfgang Thierse, der SPD-Mann mit dem Karl-Marx-Bart, analysierte bei Anne Will ganz marxistisch, was die Menschen in Ostdeutschland wirklich bewegt, nämlich ökonomische Fragen, soziale Ungleichheit.

Rezept 1: Einfach über andere Themen reden

Er glaubt, dass die Menschen Angst vor den weitreichenden Veränderungen haben, die die Welt gerade aufgrund von Globalisierung und Digitalisierung durchmacht. „Flüchtlinge” seien nur der greifbarste Teil dieser Veränderung. Aber das „Narrativ der Rechten“ sei aufgegangen, so klagt Thierse, die Debatte drehe sich zu stark um „Flüchtlinge” und Migration. Davon solle künftig einfach weniger gesprochen werden. Der SPD-Politiker hält es für wichtiger, stattdessen über „Pflege, Rente und sichere Arbeitsplätze“ zu sprechen. Aber macht die SPD nicht genau das seit Jahren?

Rezept 2: In den Dönerladen gehen, um die Menschen kennen zu lernen

Petra Köpping (ebenfalls SPD), Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, die bei Anne Will ebenfalls eingeladen war, hat da eine andere Idee: „Früher gab es die Kneipe an der Ecke, heute gibt’s da drei Dönerläden“, sagt sie „Die Antwort muss sein, zu den Dönerläden zu gehen und die Menschen kennen zu lernen.“

Rezept 3: Berlin hat verstanden: Chemnitz braucht eine Fernbahnanbindung

Sachsens Vizeregierungschef Martin Dulig (SPD) äußert sich heute in der WELT. Er hat eine im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechende Idee. Auch er meint, wir würden zu viel über „Flüchtlinge” reden. Es gebe wichtigere Themen, um die sich die Politik kümmern müsse.  „Dafür braucht es Ideen und Konzepte für Bildung, Arbeit, Mobilität, Digitalisierung – Themen, die wirklich den Alltag der Menschen bestimmen. Aber über diese Themen streiten wir derzeit leider gar nicht. Wir reden nur über Flüchtlinge“,  so der SPD-Mann. Auf die Frage, was die Politik stattdessen ganz konkret tun müsse, hat er auch eine Antwort: „Chemnitz ist die drittgrößte ostdeutsche Stadt und hat noch immer keine Fernbahnanbindung. Das ist unmöglich. … Chemnitz erwartet jetzt das Signal: Berlin hat verstanden.“

Laut aktuellen Umfragen liegt die SPD in Sachsen zwischen 9% und 11% der Stimmen.

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Kommentare ( 133 )

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Pflege, Rente und sichere Arbeitsplätze scheinen mittlerweile unmittelbar mit dem Faktor Immigration gekoppelt zu sein. Statt neuer Pflegekräfte (wie es mal gehypt wurde) importieren wir weiterhin en masse Sozialhilfeempfänger, die auch in den wenigsten Fällen in der Lage sein dürften, das schon lange zu überarbeitende Rentensystem zu stützen – ganz im Gegenteil, denn wenn nichts eingezahlt wird, kommt am Ende auch nichts raus. Punkt. Und ’sichere Arbeitsplätze‘? Ich lach mich tot. Insbesondere prekäre Arbeitsplätze sind bedroht. Dann wird auch noch der zuletzt in der Hierarchie anstehende Kloputzer mit ein paar Tricks am Mindestlohn vorbeigeschleust. Wie wär’s mit ein paar unbezahlten… Mehr

Nur eine Zwischenfrage; verkehrt auf der Fernbahnanbindung auch der Schulzzug?

Ich fasse das SPD Programm kurz zusammen:
Wer früher stirbt, ist kürzer arm.
Mann, sind wir sozial!

Die SPD hat in Sachsen zwischen 9% und 11%. Doch noch so viel?

Das kann ich auch nicht verstehen! Ich dachte, die Versager wären schon unter 5 %. Los, Gabriel und Stegner, da geht noch was!

Mir kommt es so vor, als sei dieser ominöse „Kampf gegen Rechts“ eine Abkürzung:
„Aus Illegalität Legalität“ machen, will Merkel, so dass es dabei genaugenommen um einen „Kampf gegen Rechtsstaatlichkeit“ geht.

Ob die Sozis wissen aus welchen Brunnen sie geschöpft haben. Die Arroganz und Geschichtsvergessenheit dieser “ Gutmenschen “ ist schon frappierend.
Im Laufe von 120 Jahren geht so manches verloren von dem man lieber heute nichts wissen will. Siehe hier: https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/irrlehren-vom-neuen-menschen-fuehrten-zu-den-totalitarismen/

Günther von Lojewski oder Curd Jürgens? Beiden hätte W. Thierse besser zugehört, wenn beide auf unterschiedliche Weise vorbrachten: Aus gehabtem Schaden nichts gelernt… Es ist schon kindlich und naiv, wenn Thierse glaubt, dass einfach ein anderes Thema zu wählen, irgendein Problem lösen könnte. Insbesondere das Problem Migration wird sich von der Thierse-Strategie (Rezept 1) nicht beeindrucken lassen. Dieses Problem kommt mit oder ohne Thierse massiv auf Europa und besonders Deutschland zu. Politiker sind dazu da, Probleme frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu deren Lösung zu treffen. Vielleicht ist Thierse ja gar kein Politiker und nur hauptamtlich Bartträger mit politisch begründeter… Mehr

Eine Fernbahnanbindung kommt gar nicht in Frage. Das wär erstens eine ökologische Katastrophen und zweitens kämen damit auch Pegidarechtspopulisten nach Chemnitz.
Zuzustimmen ist aber Petra Köpping, sie ist eine Hoffnung für die Sozialdemokratie. Drei Dönerläden anstelle einer deutschen Eckkneipe sind natürlich Ausweis multikultureller Weltoffenheit, haben nichts mit Überfremdung zu tun und dort nicht zu speisen ist ein Zeichen von Fremdenhass, denn bei Geldwäsche nicht zu helfen ist auch eine Form von Ausgrenzung. Dönerläden hat zudem den Vorteil. daß sich dort meist niemand um das Rauchverbot kümmert.

die Rede vom gut integrierten Dönermann ist nur insofern richtig, als das die Leute sind, die man als Zuwanderer gerade noch verkraften kann. Generell ist Integration eine unbillige Forderung an Zuwanderer. Es kann nur darum gehen, ihre Zahl sehr klein zu halten, damit sich keine Perspektive jenseits der Assimilation auftut.
Nicht die Lebensweise, die in den Parallelgesellschaften gepflegt wird, muß unser Thema sein. Es ist die, die zu den Menschen passt, die ihnen angehören. Unser Interesse muß es sein, daß diese Gesellschaften nicht Platz in unserem Land einnehmen können, den wir für uns selbst beanspruchen. Wir sollten das nicht zulassen.

Rezept 1: man kann den Menschen nicht vorschreiben worüber sie zu reden haben.
Rezept 2: Das Rauchverbot hat die Kneipen ums Eck kaputt gemacht, hat Stammtische auseinander fallen lassen, hat eine funktionierende, bestehende Gesellschaftsstruktur zerstört. Da wird weder der Dönerstand noch die Shishabar einen Ersatz für bieten können.
Eher noch ein Wiener-Wald 🙂

Seit 25 Jahren reise ich beruflich weltweit. Nord- und Südamerika, Asien und Naher Osten. Deswegen habe ich Angst vor der Veränderung in Deutschland und es tut mir Leid für meine Kinder, dass sie nicht die einzigartige Sicherheit erleben dürfen, die eine Rückkehr nach Deutschland immer mit sich brachte.
P.S. Es war immer dort am gefährlichsten, wo aktuell die meisten Versorgungssuchenden herkommen. Besonderes Mitleid verdienen die Frauen – auf sie wartet ein Käfigleben.