Spahn will alle Parteien auf kritische Einschätzung des radikalen Islam verpflichten

Recht hat Jens Spahn mit seiner Forderung, sich zum radikalen Islam klar abzugrenzen. Das ist längst überfällig – auch im Interesse der vielen liberalen, modernen und aufgeklärten Muslime in Deutschland. Die Frage ist, ob es für seine Warnung vor einem „bösen Erwachen“ nicht zu spät ist.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler
Na sowas: Unionsfraktionsvize Jens Spahn (CDU) verlangt von allen Parteien eine klare Abgrenzung zum radikalen Islam. Am Donnerstag, 18. April, sagte er der Rheinischen Post: „Die Ablehnung eines reaktionären und fundamentalistischen Islams sollte eigentlich ein Grundsatz aller demokratischen Parteien sein.“ Und weiter: „Wenn wir nicht klarer als bisher Grenzen ziehen, die Finanzierung von Moscheen aus dem Ausland beenden und die Jugendarbeit reaktionärer Islam-Verbände unterbinden, dann wird es noch ein sehr böses Erwachen geben.“ Denn: Eine freiheitliche Gesellschaft dürfe diesbezüglich nicht „blind, verstockt oder ängstlich sein, sondern muss sich wehren“. Nicht zuletzt dadurch könnten liberale Muslime in Deutschland frei von Drangsalierung leben, sagte Spahn.

Wir schrieben einleitend erstaunt „na sowas“. Warum? Weil nicht einmal Spahns Partei, die CDU, bereit und fähig ist, sich vom reaktionären und fundamentalistischen Islam abzugrenzen. Im Entwurf des neuen CDU-Grundsatzprogramms hieß es bis vor kurzem: „Muslime, die unsere Werte teilen, gehören zu Deutschland.“ Dagegen polterten der SPD-Co-Vorsitzende Klingbeil und – wie nicht anders zu erwarten – muslimische Lobbyisten, und schon knickte die CDU ein. Jetzt steht im neuen Programmentwurf: „Ein Islam, der unsere Werte nicht teilt und unsere freiheitliche Gesellschaft ablehnt, gehört nicht zu Deutschland.“ Das ist ein negatives Bekenntnis. Und es schließt die Formel ein, dass der Islam prinzipiell schon zu Deutschland gehöre – eben unter gewissen Auflagen.

Die Naivität vieler CDU-Vorderer in Sachen Islam

Da zeigt sich einmal mehr, wie sich die CDU von den Schäubles, Wulffs, Merkels und Laschets hat in eine unkritische Betrachtung des Islam hineinjagen lassen:

  • Der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte anlässlich einer „Deutschen Islam Konferenz“ am 28. September 2006 gesagt: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Europas.“
  • Der im Februar 2012 vorzeitig zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff hat ausgerechnet zu den Feiern zum 3. Oktober 2010 in Bremen kundgetan, dass der Islam zu Deutschland gehöre.
  • Am 4. September 2015 ließ Kanzlerin Merkel die Grenzen für Hunderttausende von muslimischen Flüchtlingen öffnen.
  • Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziére schlug im Spätsommer 2017 für Deutschland einen muslimischen Feiertag vor.
  • Merkel wies am 16. März 2018 eine Interview-Äußerung des CSU-Vorsitzenden Seehofer entschieden zurück. Dieser hatte der Bild-Zeitung gesagt: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Merkel belehrte ihren Innenminister: Deutschland sei zwar vor allem durch Christentum und Judentum geprägt. Aber inzwischen lebten vier Millionen Muslime in Deutschland, die auch ihre Religion ausübten. „Diese Muslime gehören auch zu Deutschland, und genauso gehört ihre Religion damit zu Deutschland, also auch der Islam“, sagte Merkel.
  • Der Kurzzeit-CDU-Chef und gescheiterte CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist seit Jahren für seine völlig unkritische Haltung gegenüber dem Islam bekannt. So richtig konnte (und wollte?) sich die von 2012 bis 2021 von Laschet geführte NRW-CDU nicht eindeutig von den „Grauen Wölfen“ distanzieren. TE hat berichtet. In der Folge hat ein CDU-Oberbürgermeister wie der Mülheimer Marc Buchholz nach wie vor kein Problem, beim Mülheimer ATiB-Verein zu Gast zu sein. Dessen Dachverband mit Sitz in Köln wird vom Bundesverfassungsschutz den radikalen „Grauen Wölfen“ zugerechnet.

Vermutlich für all diese „Verdienste“ hat Laschet im Februar 2024 die Ehrendoktorwürde der TED Universität Ankara erhalten.

CDU- und SPD-Leute haben kein Problem mit „Grauen Wölfen“

Alle, auch die vereinte Linke aus SPD, Ex-SED und Grünen hatten und haben mit all dem kein Problem, die Kirchen ohnehin nicht. Wer Kritisches über den Islam, vor allem über die Scharia, sagt, fängt sich sofort soziale Ächtung ein, weil er „islamophob“, also psychiatrisch krank sei und – welch widersinniger Begriff – er einen „antimuslimischen Rassismus“ betreibe.

Die SPD scheint mittlerweile auch aktiv in der Verbrüderung/Verschwisterung mit radikalen Muslimen zu sein. In Filderstadt (Baden-Württemberg) kandidieren drei Personen aus dem Umfeld eines Vereins der Grauen Wölfe für die SPD bei den Gemeinderats- und Kreistagswahlen. Selbstredend mit dem Wölfe-Gruß für das Fotoshooting. Siehe hier und hier.

1001 Demutsgesten

Zurück zu Spahn. Recht hat er, auch wenn er seine Kritik in Merkel-Zeiten schön versteckt hat oder damals noch an das Islam-Diktum der Schäubles, Wulffs und Merkels glaubte. Es ist jedenfalls längst überfällig, dass sich Deutschland vom radikalen, politischen Islam distanziert – auch im Interesse der vielen liberalen, modernen und aufgeklärten Muslime in Deutschland. Und sich gegen die mittlerweile 1001 Duldungen, die schon vollzogen wurden, stemmt: Kinderehen, Genitalbeschneidungen, Ehrenmorde, Messerkriminalität, Ramadan-Fasten von Kindern, Verwandtenehen, Vielehen, Pascha-Gehabe in den Schulen, Missachtung von Lehrerinnen, Muezzin-Rufe … Und endlich aufhört, eigene Gebräuche über Bord zu schmeißen: Weihnachtsmärkte in Lichtermärkte, das Osterfest in ein Hasenfest, den Martinsumzug in einen Lichterumzug umzubenennen, den Ramadan zum Lichterfest in Frankfurt, Köln und weiteren Städten zu machen. Schweinefleisch aus Kantinen zu verbannen.

Der Moscheeverein DITIB kann machen, was er will. Erdogan kann 2010 vor Tausenden Zuhörern in Köln behaupten, Assimilation sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wo das endet, kann man in Michel Houellebecqs gleichermaßen düsterem und vermutlich auch hellsichtigem Roman „Unterwerfung“ („Soumission“) nachlesen. Die Lektüre sei einigen CDU-Vorderen empfohlen. Ob es aber zur Vermeidung eines – siehe Spahns Begriff – „bösen Erwachens“ nicht schon zu spät ist?


Unterstützung
oder

Kommentare ( 82 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

82 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
3 Finnen
28 Tage her

“ auch im Interesse der vielen liberalen, modernen und aufgeklärten Muslime in Deutschland. „ Wo begeben sich diese Muslime denn in die Öffenlichkeit? Wo finde ich ihre Verbände und Gruppen, die sich gegen ihre „radikalen“ Mitmuslime positionieren? Es gibt aber ganz einfache Fakten: 66% der Türken – zum überwältigendem Teil Muslime – in Deutschland haben den sogenannten „Islamisten“ Erdogan gewählt, wobei dieser selbst gar nicht weiss das er einer ist. Er sieht sich einfach als gläubiger Muslim. Muslimische Lebensmittelgeschäfte und Restaurants werben damit nur Halal-Lebensmittel anzubieten, also welche die unter Tierquälerei erzeugt werden. Wo sind die aufgeklärten Muslime, die dagegen vorgehen und… Mehr

Querdenker73
28 Tage her

Der Herr sollte sich lieber mal öffentlich kritisch mit seinem Totalversagen anlässlich der COVID-Pandemie äußern und nicht mit Nebelkerzenmanier ablenken! Ansonsten sei ihm gesagt, dass er mit seinen Platitüden die Entscheidung, AfD zu wählen, immens erleichtert! Danke, Herr Spahn!

woderm
28 Tage her

Vor den kommenden Wahlen muss man sich eben mal kurz an die kritischen oder Wechsel-Wähler ranwanzen.

Hinrich Mock
28 Tage her

Spahn war ein gewissenloser Totalversager als Minister und ist jetzt ein opportunistischer Populist, der genausowenig glaubwürdig ist wie seine Partei. Schon der völlige Mangel an Anstand mit dem die CDU ihre alten Weggefährten in der AfD und Werteunion behandelt, ist eine charakterliche Bankrotterklärung. Die unerhörten Rechtsbrüche von DDR-Merkel haben sie mit Applaus belohnt, die Folgen können sie schon intellektuell überhaupt nicht erfassen. Werft Euch in die dünnen Ärmchen der dreisten Grünen, schwafelt von „Klimaschutz“, halalem Islam, wokem Gendergedöns, und geht endlich mit ihnen unter! Nicht nur in Hamburg sagt man dann Tschüss und nicht Auf Wiedersehen.

ahgee
28 Tage her

Es ist eigentlich ganz einfach. Spahn ist schwul. Das Online-Magazin „Romeo“ will herausgefunden haben, dass die AfD unter Schwulen bereits eine relative Mehrheit hat. Spahn möchte aus eigenem Verständnis heraus dieses Wähler-Klientel für die CDU erhalten und das Abdriften weiterer Anteile der Schwulen-Community nach rechts verhindern. Das ist ein legitimes politisches Ziel. Ob die Spahn‘sche Einschätzung des Islams neueren Datums ist oder er im Hintergrund immer schon warnte, wissen wir nicht. Es muss ihm auch niemand vertrauen. Aber es wird ebenfalls legitimerweise Wähler geben, die ihm zutrauen, in einer Bundesregierung 2025 ff. insbesondere bei einer solchen der CDU mit „linken“… Mehr

Philoktet
28 Tage her

Liebe CDU, der Herr Spahn ist einfach verbrannt. Hat bei Merkel eifrig mitgemacht, war während Corona mit Freude einer der Unnachgiebigsten, dann noch der dubiose Kauf der selbst für sein Ministergehalt überdimensionierten Villa. Und der ist noch relativ jung. Den wollte ihr doch wohl nicht etwa die nächsten zwanzig Jahre auf die Liste setzen? Ich kann den nicht mehr sehen.

Last edited 28 Tage her by Philoktet
Juergen Schmidt
28 Tage her
Antworten an  Philoktet

»Liebe CDU, der Herr Spahn ist einfach verbrannt.«
Mit Verlaub, für mich ist die ganze CDU verbrannt. Und an dieser Bande ist auch nichts »lieb«. Gar nichts.

verblichene Rose
28 Tage her

Bitte mal vergleichen: „Muslime, die unsere Werte teilen, gehören zu Deutschland.“ und: „Ein Islam, der unsere Werte nicht teilt und unsere freiheitliche Gesellschaft ablehnt, gehört nicht zu Deutschland.“  Wenn ich noch alle Tassen im Schrank habe, dann ist der erste Satz nach meinem Empfinden der „Seichtere“! Muslime sind nämlich mit ihrem auffallenden Verhalten m.M.n. noch längst nicht das von mir verinnerlichte Straßenbild! Nun aber zum Umkehrschluss der CDSU.  Seit wann gibt es mehrere Religionen, die sich Islam nennen? Und wer zum Teufel gehört zu einer freiheitlich, demokratischen Grundordnung, wenn er dort seine „neue Heimat“ gesucht hat? Etwa Menschen, die hier… Mehr

Haedenkamp
28 Tage her

Vollkommen egal, was auf geduldigem Papier steht. Fakten wurden längst geschaffen – in den meisten großstädtischen Grund- und Sekundarschulen sind deutsche Schüler in der Minderheit und müssen sich die Schikanen ihrer Mitschüler gefallen lassen. Abhilfe nicht in Sicht.

epigone
28 Tage her

Lieber Herr Kraus, ich bin grundsätzlich ein Fan Ihres feinsinnigen semantischen Spürsinns. Ob Sie aber hier richtig liegen? „Ein Islam, der unsere Werte nicht teilt und unsere freiheitliche Gesellschaft ablehnt, gehört nicht zu Deutschland.“ Im Kern besagt dieser Satz, dass der Islam grundsätzlich mit unserem Land und der westlichen Kultur unvereinbar ist, denn einen Islam, der unsere Werte teilt gibt es auf diesem Planeten nicht. Oder bestenfalls in Ländern, die „hunderttausende von Kilometern“ entfernt sind (Zitat i.S.d. deutschen Außenmassakers). Tatsächlich existiert nämlich nur der „real existierende Islam“ und nirgendwo auch nur eine Spur eines tatsächlich alternativen oder reformierten oder gar… Mehr

RiverHH
28 Tage her

Für mich ist der Islam eine mittelalterliche Ideologie. Brandgefährlich. So etwas darf nie zu Deutschland gehören. Die Islamisierung muß umgehend gestoppt werden. Stichwort: Remigration