Nach den RKI-Files fällt Lauterbach die RKI-Studie auf die Füße

Karl Lauterbach behauptet, Transparenz bei der Aufarbeitung der Corona-Jahre walten zu lassen. Dabei musste das Kanzleramt den Gesundheitsminister dazu zwingen, eine umstrittene RKI-Studie zu veröffentlichen, wie jetzt herauskam.

IMAGO / Jürgen Heinrich
Für Bundesgesundheitsminister geht eine unangenehme Karwoche zu Ende. Die RKI-Files haben für zweifachen, wenn nicht dreifachen Unmut gesorgt. Zuerst, weil sie offenlegten, dass nicht die Wissenschaft, sondern die Politik den Takt in der Corona-Krise angab. Dann, weil entscheidende Passagen geschwärzt wurden. Und zuletzt, als Lauterbach umfassende Transparenz und „weitestgehende Entschwärzung“ ankündigte – in Wirklichkeit aber nur seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen gedachte, indem er jede Verantwortung abstritt und auch die Namen der Verantwortlichen mit Hinweis auf den Informationsschutz decken will.

Doch nicht nur die RKI-Files sitzen Lauterbach im Nacken. Der aktuelle Gesundheitsminister hat nicht Unrecht, wenn er betont, zu Beginn der Corona-Maßnahmen nicht im Amt gewesen zu sein. Dass er dabei „beratend“ gewirkt hatte und auch medial Einfluss ausübte, steht auf einem anderen Blatt. Und eine Hypothek aus der Vergangenheit geht sehr wohl auf Lauterbachs Konto – nämlich eine RKI-Studie aus der Endphase der Corona-Zeit, die das Handeln der Bundesregierung legitimieren sollte.

Darin stellte das Institut der Regierung und dem Minister ein gutes Zeugnis aus. Die Hygienekonzepte und Beschränkungen des öffentlichen Lebens hätten Wirkung gezeigt. Sie hätten zur Reduktion der Covid19-Ausbreitung geführt. Im Juli 2023 nahm Lauterbach diese Studie zum Anlass, um sich und seine Kollegen selbst zu loben: Die Maßnahmen hätten „vielen Menschen das Leben gerettet“.

Geliefert wie bestellt – die Kritik hört man aus Medien wie Wissenschaft. Denn die eigentliche Studie, auf die sich Lauterbach stützte, blieb unter Verschluss. Wissenschaftler konnten also gar nicht nachprüfen, auf welche Daten sich Lauterbach bezog. Wichtig war nur das endgültige Gutachten, das letztendlich betonte: alles richtig gemacht. Die Details der „StopptCovid“-Studie harrten ihrer Veröffentlichung unter dem selbsternannten Transparenzminister Lauterbach.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) hatte beim Ministerium mehrfach nachgehakt, wann dieses die Studie freigebe. Zuletzt am 6. März. Von Lauterbach: Keine Antwort. Laut Welt am Sonntag schrieb Kubicki darauf ans Kanzleramt und verwies auf die Missachtung seiner Abgeordnetenrechte vonseiten des BMG. Danach meldete sich Lauterbachs Ministerium: die Studie läge bis Ende 2024 vor. Wieder Ärger aus dem Kanzleramt. Lauterbach korrigierte sich. Er hätte natürlich „bis Ende März 2024“ gemeint.

Kurzgefasst: Salamitaktik, wohin man schaut. Von einem reinen Tisch ist nichts zu sehen. Wie schon gegenüber dem DLF durchzieht Lauterbachs Handeln eine Hinhaltetaktik und der Versuch, sich selbst als unschuldig und unbeteiligt zu inszenieren, indes der Vorgang Lauterbach-Kubicki eine ganz andere, dafür umso deutlichere Sprache spricht. Eine ähnliche Verzögerungstaktik hat das RKI auch im Prozess mit Multipolar an den Tag gelegt. So hintertreibt das Institut den Gerichtstermin im Mai, mit der Begründung, die beiden „alleinverantwortlichen“ Juristen seien an dem Tag verhindert. Das alte Spiel: Zeit gewinnen, um die Kurve für die Risikogruppe namens Corona-Verantwortliche zu senken.

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Kommentare ( 29 )

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Riffelblech
13 Tage her

Lauterbach ist als Arzt,als Professor ,als Politiker eine Zumutung für die Öffentlichkeit.
Keine seiner stets das „ Allerschlimmste „ Voraussagen sind irgendwann eingetroffen.
Seine professuralen Erfolge doch sehr überschaubar bis nicht aufzufinden.
Seine politische Karriere ist von Schluderei,Trickserei und Schwindelei nicht zu überbieten .
Wo bitte ist der Mehrwert bei diesem Mann als Minister ?

Werner Brunner
13 Tage her

Herr Lauterbach ist in Wirklichkeit kein Politiker ,
denn dieses Metier kann bzw. konnte er einfach noch nie .
In den Augen vieler Menschen scheint er eher ein
krimineller August zu sein ……
Man / frau sollte ihn entsorgen , und zwar da hin ,
wo dieser Tropf keinen Schaden mehr anrichten kann .
Wie wäre es mit Sibirien ????

Reiner Kleister ORiGiNAL
14 Tage her

Lauterbach ist ein durch und durch verlogenes Lügen- und Schandmaul.
 
Sobald der den Mund aufmacht, sieht man nicht nur seine mangelhafte Hygiene, sondern es kommt außer höchst toxischem verbal-Sondermüll nichts raus.

maien40
14 Tage her

Ich finde die Haltung von Lauterbach unmöglich. Er will jetzt innerhalb des nächsten Monats entscheiden, welche Schwärzungen weggenommen werden können. Das ist gar nicht seine Aufgabe! Er hat das nicht zu entscheiden. Nach dem Informations-Freiheitsgesetz müssen solche Protokolle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Schwärzungen sind nur in seltenen Ausnahmefällen erlaubt, z.B wenn es diplomatische Verwicklungen mit dem Ausland betrifft. Vielleicht ist die Schwärzung von Namen legitim, da aber ganze Seiten geschwäzt sind, kann es darum nicht gehen, denn es werden ja keine Telefonbuchseiten geführt. Will Lauterbach die Protokolle verändern? Braucht er dazu Zeit?

Falke53
14 Tage her

Ich weise daraufhin, dass die Verzögerungstaktiken des RKI in der Frage des Gerichtstermins weitreichende Konsequenzen für Impfgeschädigte haben könnte, denn der Rechtsanwalt Carlos Gebauer machte bei Kontrafunk aktuell vom 28.03. darauf aufmerksam, dass Ende 2024 Fristen für diejenigen auslaufen, die gegebenenfalls zivilrechtliche Verfahren gegen Politiker anstrengen wollen. (Verjährung)

Nibelung
14 Tage her

Es gibt Gauner auf der Welt die man bei solchen zerstörerischen Taten nicht davon kommen lassen darf, denn geht das durch ist unser Recht nichts mehr wert und animiert zu noch schlimmeren Dingen, wo sie ja schon lange mitten drin sind um die Bürger zu disziplinieren wie es in den schlimmsten Diktaturen vorkommt und nur noch Massenverhaftungen mit hohen Lagerstrafen fehlen um das Bild der Zeit in diesem Staat abzurunden.

WGreuer
14 Tage her

Diese Leute – und damit meine ich ALLE Verantwortlichen in Politik, Medien, Gesundheitsorganisationen und Pharmaindustrie – müssen alle vor Gericht. Wie bereits die freigeklagten Pfizer-Zulassungsdokumente in den USA zeigten, war daraus klar ersichtlich, dass das mRNA-Zeugs extrem schädlich und gefährlich ist und in nicht wenigen Fällen zum Tode führt. Wenn ich mich richtig erinnere, waren von den ca. 22.000 Probanden am Ende 1200 tot. Um das Desaster etwas zu verstecken, wurde der Kontrollgruppe dann später ebenfalls das Zeugs gespritzt, was die Zahlen im Vergleich zur „Kontrollgruppe“ „verbesserte“. Trotzdem wurde es zugelassen. Auch viele weitere Fachleute wie Prof. Bakhdi oder der… Mehr

Stephan K.
14 Tage her

Die Maßnahmen hätten „vielen Menschen das Leben gerettet“. Diese Argumentation hat der Psychotherapeut Paul Watzlawick mal beschrieben: Ein Mann klatscht alle 10 Sekunden in die Hände, ein Anderer fragt ihn nach dem Sinn. „Ich muss doch die Elefanten vertreiben!“ ,“ Hier sind doch gar keine Elefanten“ , „Sehen sie, es wirkt.“

Last edited 14 Tage her by Stephan K.
Margarete Rausch
14 Tage her

Und es wird keine echte Aufarbeitung geben: Schon sind da die „ Verantwortlichen“ „vorgeprescht“ (… einschließlich des Labbergesichtes ,… musste sein,.. manchmal erleichtert öffentlicher Hass und Hetze..)und übernehmen die Argumentation und die „Aufarbeitung“ in ihrem Sinne. Das dumme Volk wird ruhig gestellt. Diskursfreie Herrschaft.

elly
14 Tage her

Geliefert wie bestellt – die Kritik hört man aus Medien wie Wissenschaft. „
Sowohl Medien als auch Wissenschaft lieferten was und wie bestellt wurde. Wieso bleiben die Wissenschaftler verschont?