Kontrollverlust in Rheinland-Pfalz: Knapp 1000 Asylbewerber verschwunden

Rheinland-Pfalz verliert fast 1.000 Asylbewerber aus seinen Einrichtungen – keiner weiß, wo sie sind. Die Behörde ist „erleichtert“, weil angeblich keine Leistungen mehr fließen, ein Whistleblower wird entlassen und NGO-Stimmen beschwichtigen – bezahlt vom Land.

picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Dem rot-grün regierten Rheinland-Pfalz gehen die Asylbewerber abhanden. Das könnte man positiv sehen. Aber zugleich weiß niemand, wo fast tausend von ihnen geblieben sind. Von Mitte 2024 bis zum Ende des vergangenen Jahrs verschwanden 923 Antragsteller aus Aufnahmeeinrichtungen des Landes spurlos. Das waren 9,1 Prozent der in diesem Zeitraum aufgenommenen Asylbewerber, also jeder zehnte der 10.120 im Land Rheinland-Pfalz Aufgenommenen. Sieben der verschwundenen Asylbewerber waren zudem bereits polizeibekannt wegen Körperverletzung, Diebstahl oder Delikten mit Betäubungsmitteln.

Die Getürmten waren zuvor meist in den Einrichtungen in Trier (245), Speyer (180) und Hermeskeil (173) untergebracht, aber auch in Kusel (150), Bitburg (94) und vom Flughafen Hahn (81), wie die Welt berichtet.

Aufnahmeeinrichtungen seien ja keine Gefängnisse, so wird nun wieder hervorgehoben. Aber eigentlich müssen sich Asylbewerber beim Verlassen des Geländes ab- und bei Rückkehr wieder anmelden. Diese Regel sollte einfach und verständlich genug sein. Aber anscheinend ist die Geduld da manchmal nur gering ausgeprägt. Erst wenn ein Asylbewerber drei Tage nicht wieder kommt, gilt er übrigens als „abgängig“, also verschwunden, nach einer Woche organisiere die Ausländerbehörde eine „Ausschreibung zur Aufenthaltsermittlung“, die an die Polizei übermittelt wird, so die grüne Integrationsministerin Katharina Binz gegenüber der Bild.

Sicherheitsmann und Whistleblower inzwischen entlassen

Die Geschichten von Asylbewerbern, die in einem Bundesland verschwinden und im anderen auftauchen, sind hinlänglich bekannt. Es muss in diesen Fällen auch keine große Pause beim Leistungsbezug geben. Das neue Land springt ja ein, ohne lästige Fragen zu stellen. Tragisch wurden solche Zustände, als es etwa beim Regionalzug-Attentäter von Brokstedt darum ging, welche Bundes- und Landesbehörden eigentlich für ihn und seine verpasste Abschiebung zuständig waren.

Heraus kam all das nur durch eine Indiskretion: Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die in der AfA Bitburg tätig ist, hatte in einer E-Mail von 31 verschwundenen Asylbewerbern allein seit August berichtet. Die Mail ging an die Aufsichtsbehörde ADD und alle Landtagsabgeordneten, wie Integrationsstaatssekretär Janosch Littig (Grüne) erklärte. Der Mitarbeiter sei inzwischen entlassen worden. So hart kann der Fall bei wahrheitsgemäßen Auskünften sein.

Inzwischen ist das Thema im Integrationsausschuss des Landtages angekommen, wo der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz, erklärte, alle 923 „abgängigen“ Personen bekämen keine staatlichen Leistungen mehr – jedenfalls wohl nicht mehr in Rheinland-Pfalz. Die CDU-Opposition schäumt pflichtgemäß bei solchen Enthüllungen. „Der Staat muss jederzeit wissen, wer sich in seinen Einrichtungen aufhält und wer sie verlässt“, meint Oppositionsführer Gordon Schnieder zur Bild. Die Ampelregierung müsse immerhin einen Überblick darüber haben, sonst sei das „ein Asyl-Skandal“. Der Abgeordnete Damian Lohr (AfD) kritisiert via X den mangelnden Aufklärungswillen der Landesregierung: Der „massenhafte Kontrollverlust“ werde zum normalen Vorgang erklärt. Laut einem weiteren AfD-Post befinden sich auch ausreisepflichtige Migranten unter den Getürmten.

Flüchtlingsrat entschuldigt Behörden – auf Landeskosten

Annika Kristeit vom Flüchtlingsrat RLP sieht das Problem weniger im Verhalten der Migranten als in der allgemeinen Reaktion darauf. Zum SWR meint Kristeit, das Verschwinden habe „in den meisten Fällen nichts mit bösen Absichten zu tun, sondern lediglich mit einem fehlenden Bewusstsein für die deutschen bürokratischen Strukturen“. Also nach dem Motto: Eine kleine Regelverletzung? Kann doch nicht so schlimm sein.

Und auch sonst ist Kristeit voll des Verständnisses: Eine neue Adresse könne ja „nur angeben, wer eine Adresse hat“. In der „Unbeständigkeit und Unsicherheit einer Flucht“ sei das nicht „unbedingt gegeben“, so die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Flüchtlingsrat RLP. Kristeit tut gerade so, als würde sich diese „Flucht“ der meist ganz gewöhnlichen Migranten bis ins Unendliche fortsetzen. Diese „Flucht“ soll selbst dann nicht enden, wenn der deutsche Staat bereits drauf und dran ist, dem „Geflüchteten“ einen im internationalen Vergleich besonders bequemen Schutztitel zu gewähren. Die „Flucht“ geht weiter, auch wenn dem Flüchter schlicht die AfA nicht gefällt.

Laut dem Lobbyregister der Bundesregierung erhielt der private Verein Flüchtlingsrat RLP allein im Jahr 2024 zwischen 290.000 und 320.000 Euro aus der Landeskasse, nämlich vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, um Torheiten dieser Art zu verbreiten. Verantwortliche Ministerin ist seit 2021 die Grüne Katharina Binz, daneben auch stellvertretende Ministerpräsidentin. Und die lässt so auch die Kritik an ihrer offenbar laschen Amtsführung bei Bedarf von palmenschwingenden Jubel-NGOs wegwedeln. Klar sollte sein: Das ist keine Nicht-Regierungs-Organisation, das ist eine korrupte Beeinflussung der Meinungsvielfalt.

Alles, was man von Katharina Binz bislang hörte, war die wohlfeile Aussetzung von Abschiebungen in den Iran kurz nach Ausbruch der dortigen Aufstände. Dabei ging es Binz offenbar nicht um den Freiheitskampf der Iraner, sondern nur um die Stabilisierung ihres Asyl-Zwickels in einem deutschen Bundesland. Und obwohl im März schon Landtagswahlen sein werden, liegt die letzte Wahlumfrage für Rheinland-Pfalz schon drei Monate zurück.

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Kommentare ( 64 )

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BKF
1 Monat her

Wenn man Asylbewerber (aber auch Migranten und Flüchtlinge ohne politischen Fluchtgrund) in Lagern zusammenfassen würde bis zur endgültigen Entscheidung, wie das Ungarn eine Zeit lang getan hatte, würde sowas nicht passieren.

Innere Unruhe
1 Monat her
Antworten an  BKF

… was passiert, wenn Menschen verschwinden? – Es werden Suchaktionen gestartet…
Vielleicht sind diese Migranten nicht mehr am Leben… Wieso interessiert das niemanden?

Kaiser
1 Monat her

Was für gebürtige Deutsche mit Ausstellung des 1. Personalausweises gilt, sollte auch für alle Anderen gelten.
Jeder Asylbewerber ist zwingend biometrisch zu identifizieren.
Ich kann hier keinen Rassismus u.dgl. erkennen.
Um Missbrauch zu erkennen, muss die Identität bei Antragstellung überprüft werden.
So einfach ist das.

Innere Unruhe
1 Monat her
Antworten an  Kaiser

Es muss generell unterbunden werden, dass ohne Erlaubnis Eingereiste hier Bewegungsfreiheit haben. Wir wissen nicht, warum sie hier sind.
Schutz – ja. Bewegungsfreiheit – warum?

Klaus D
1 Monat her

Da muss man sich entscheiden und da passiert es eben das man eine gemeinde (zahlungen) aufgeben muss 😉

Klaus D
1 Monat her

1000 Asylbewerber verschwunden….vieleicht sind die ja direkt wieder abgehauen nachdem sie gesehen haben wie schlecht es deutschalnd heute geht. Mal ausgehend davon das 50% wirklich zum arbeiten herkommen. Das sind meistens ungelernte arbeiter und es wird sich unter diesen rumgesprochen haben das man in deutschland als „arbeiter“ selbst mit harter arbeit kaum noch was verdienen kann zumal die kosten ja explodiert sind zb mieten. Bleiben tun dann nur noch die via staat abkassieren (nicht arbeiten gehen) und die nur wegen krimineller handlungen herkommen sind. Ähnliches hatten wir doch mit den polnischen landarbeitern. Die sind auch nicht mehr gekommen weil sich… Mehr

Klaus D
1 Monat her
Antworten an  Klaus D

dann ist eh alles vorbei….folgend dem menschlichen verhalten würde das aber auch wiederrum bedeuten das die menschen (migranten usw) wieder aus deutschland flüchten – in ein land wo es ihnen besser geht. Die hauen ja aus ihren ländern ab weil es deisen wirtschaftlich so schlecht geht ego geht es deutschland richtig schlecht – was ja passieren wird – dann hauen die wieder ab. Die karawane zieht weiter!

Verzeihtnix
1 Monat her

Die sind nicht anderswo in Deutschland, denn das wäre ja verboten. Die sind wieder zurück in ihrer Heimat, auch wenn es da Krieg und Verfolgung gibt. Immer noch besser als Bitbug, Trier oder Hahn.
In 50 Jahren ist die Eifel dann im Kalifat Germanistan das Reservat für die reslichen Deutschen. Dort dürfen wir unbehelligt die Solarpanels auf unseren Tiny Houses putzen und der Klimaapokalypse entgegensehen.

cernunnos
1 Monat her

Wenn ich mir da den Fall einer Bekannten anschaue (23 Jahre alt), bei der etwas „schief lief“. Bezog Arbeitslosengeld, nahm eine neue Tätigkeit auf, bekam aber für den ersten des Monats fälschlicherweise noch Arbeitslosengeld (irgendwas um 26 Euro). Natürlich zurückgezahlt. Monate später dann Post, Anzeige wegen Betruges und Erschleichung von Sozialleistungen…oder irgendwie so, hab den Wortlaut nicht mehr drauf. Komisch was da alles möglich ist. Ist ja aber bloß eine Deutsche. Obendrein noch eine die arbeiten will. Aber für die Flüchtilanten wird Kohle rausgebuttert als gäbe es kein Morgen, völlig egal wie die sich verhalten. Der Whistleblower wird auch nicht… Mehr

Last edited 1 Monat her by cernunnos
Jens Frisch
1 Monat her

Zum SWR meint Kristeit, das Verschwinden habe „in den meisten Fällen nichts mit bösen Absichten zu tun, sondern lediglich mit einem fehlenden Bewusstsein für die deutschen bürokratischen Strukturen“.
Dieses Zitat zeigt, dass die Moralbesoffenen an Naivität nicht zu überbieten sind.

Innere Unruhe
1 Monat her
Antworten an  Jens Frisch

Komisch, aber das BG abholen wollen sie schon regelmäßig… oder neue Zähne haben…. da wollen sie auch die Versichertenkarte…

Waehler 21
1 Monat her

Bei 100.000 jährlichen Zugängen von zumeist ausweislosen Personen sind das keine besonderen Zahlen. Diese Leute sind nicht hierher gekommen um sich an Regeln zu halten, sie wollen was sie wollen.

Gordon Schnieder sieht hier ein Problem? Soll er doch mal bei der Staatsanwaltschaft nachfragen wieviel Anzeigen gegen Asylbewerber vorliegen und wieviele wegen geringfügig eingestellt werden, wobei die Geschädigten das anders sehen. Allein sexuelle Belästigung wird lediglich durch aufhäufen von Papier „bestraft“! Zumindest bei Migranten, und dann wieder freigelassen.

Das ist ein Skandal!

Privat
1 Monat her

Asylanten und die Gutmenschen – Ich wünsche den dummen Deutschen täglich die völlige Pleite.
Dummheit gehört eben bestraft.

Privat
1 Monat her

Der Kontrollverlust ist seit der alten Merkel zu sehen und zu spüren.
Deutschland ist ein verlorenes Land, weshalb wir die BRD so oft als möglich verlassen. Wir verreisen mehrmals im Jahr in ein anderes schönes Land, wo die Welt normal geblieben ist.
Sollen die dämlichen Deutschen mit der alten Merkel- dem kurzen Scholz- und dem dünnen Merz glücklich werden.
Denn Dummheit wird immer bestraft.