ÖRR und Talkshows: Milliarden Gebühren, Millionen Gagen, null Debatte

289 Talkshows im Jahr, bezahlt aus 9 Milliarden Zwangsgebühren: Miosga, Lanz & Co. kassieren Millionen, während sich Journalisten, Politiker und NGO-Funktionäre gegenseitig bestätigen. Ergebnis ist keine Debatte, sondern ein gebührenfinanziertes Tribunal – in dem der Bürger stets Zahlmeister und Statist bleibt.

picture alliance / HMB Media | Uwe Koch

Wöchentlich sieben- bis neunmal – exklusive Sommer- und Winterpausen – versuchen die ARD- und ZDF-Talkshow-„Größen“ Markus Lanz, Sandra Maischberger, Maybrit Illner (jeweils ZDF) sowie Caren Miosga und Louis Klamroth (jeweils ARD) den deutschen Michel abendlich oder spätabendlich vor die Glotze zu holen. Die wenigsten deutschen Michels tun sich das an, per anno werden sie aber selbst in der Summe, unter anderem dafür, um rund 9 Milliarden Zwangsgebühren abgezockt. Davon wiederum streichen die Pseudodompteure dieser „Debattenformate“ per anno rund 2 Millionen Euro (Lanz, ZDF) oder auch „nur“ fast 600.000 Euro (Miosga, ARD) ein. Kosten für deren Produktionsfirmen und für den ARD-/ZDF-Stab nicht mitgerechnet.

Präsentiert bekommt der deutsche Michel dafür (hier das Jahr 2025) 139mal Lanz, 66mal Maischberger, 33mal Illner, 30mal Miosga und 20mal Klamroth. In der Summe sind das 289 Quasselrunden, die niemand braucht, fast niemand will und durch die mehr und mehr echte parlamentarische Debatten abgelöst wurden. TV-Quasselrunden als Parlamentsersatz, wo doch in den “hohen“ Häusern schon genug gequasselt wird! Dort allerdings zumeist vor leeren Rängen.

Braucht man das im ÖRR? Braucht man die immer gleichen Leute, die dort auftreten? Zum Beispiel im Jahr 2025 und 2024 30- bzw. 17mal jeweils als Spitzenreiter den via Satellit eingespielten USA-„Experten“ Elmar Theveßen (ZDF). Oder aus der Journalistenclique (jeweils 2025) 16mal den (Ex-)WELT-Mann Robin Alexander oder 15mal die SPIEGEL-(Ex-)Frau Melanie Amann. Oder aus der Politikerkaste Norbert Röttgen (CDU; 2025: 14 Auftritte) und Kevin Kühnert (SPD; 2024: 15, 2023: 18 Auftritte).

Man ist unter sich: 37 Prozent der „Gäste“ kommen aus der Journalistik, 36 Prozent aus der Politik. Der Begriff „politmedialer Komplex“ findet hier seine Realisierung. Die restlichen 27 Prozent sind „Wissenschaftler“, NGOler, Lobbyisten als echte oder vermeintliche „Experten“. Der Zwangsgebührenzahler, also der Arbeitgeber der Talker, auch der Bürger Normalo kommt de facto nicht vor. Sein Part ist der des „educandus“, des Unmündigen, der zu erziehen ist.

Man fühlt sich spontan an „Westerland“ der Ärzte erinnert: „Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich, und ich weiß, jeder Zweite hier ist…“, aber lassen wir das…

Der ultimative Dekalog für eine perfid-perfekt inszenierte Talkshow

Der Erfolg und die Wirkung der Manipulation einer Talkrunde hängen von einigen Faktoren ab, die du mit einfachen Mitteln und Tricks „händeln“ kannst, verehrter Moderator, verehrte Moderatorin!

1. Du sollst bei der Zusammenstellung der Gästeliste Pluralität mimen. Alle gegen eine(n) reicht zu diesem Zwecke. Hol dir also einen Prügelknaben (m/w, nicht d) ins Studio, möglichst einen Schwachmatikus aus dessen Lager. Lasse auf ihn eine eingespielte Phalanx von Aktivisten, zweibeinigen Talk-Wanderpokalen und möglichst professoralen Sozial-„Wissenschaftlern“ aus dem woken polit-medialen Milieu los und spring diesen im stets gegebenen Bedarfsfall als Moderator bei. Schließlich ist auch deine Haltung gefragt. Inszeniere ein Tribunal, einen Schauprozess. Hol dir bloß keinen Zweiten aus dem bürgerlichen, rechten Lager. Dieses Lager gehört im Interesse „unserer“ Demokratie, wie du vom Big Brother weißt, vaporisiert. Auch im ÖRR.

2. Bestimmte Themen und Skandale sollst du umschiffen. Mit den hysterisierten Ersatzreligionen „Klima“ und „Corona“ ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Lass bloß die Finger davon zu skandalisieren, was hier ab- und schiefgelaufen ist, denn sonst würde noch offenkundig, wie kriecherisch du dich hier über Jahre hinweg abgemüht hast. Lass auch die Finger vom Thema importierter Gewalt, das könnte Mitleid erregen mit deren Opfern. Lass die Finger vom Islam und seinem Frauenbild, vom NGOs-Schattenregime, dem Cum-Ex-Skandal mit rund 40 Milliarden Schaden für den Steuerzahler usw.

3. Verteile die Redeanteile pseudoparitätisch. In einer 60-Minuten-5-Leute-Runde hat der Böse abzgl. Einspieler und Moderatorenanteile immerhin dreimal für zwei Minuten das Wort. Reicht doch. Zerschreddere diese dreimal zwei Minuten permanent, indem du dem bösen Wicht ins Wort fällst. Dass das auch die anderen anwesenden Guten tun, hast du ihnen längst „im Interesse einer lebhaften“ Debatte beigebracht.

4. Besonders gut macht es sich, wenn du den „Demokratiegefährder“ zusammenhanglos mit Uralt-Zitaten möglichst aus seiner Schulzeit konfrontierst, irgendeine aufgehübschte Statistik einschiebst oder das grimmige Konterfei eines Igittigitt-Gesinnungsgenossen (ideal: Trump, Netanjahu, Höcke usw.) einblendest. Oder Bilder mit großen Kinderaugen aus Gaza, vielleicht auch Flüchtlingsboote voller Frauen und Kinder … Du weiß ja: „Framing“ ist alles. Vergiss nicht, was die „Kommunikationswissenschaftlerin“ Elisabeth Wehling der ARD 2017 für schlappe 120.000 Euro unter dem Titel »Framing Manual – Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD« ins Stammbuch geschrieben hat: »Fakten … werden in einer öffentlichen Auseinandersetzung erst zu guter Munition, wo ihre moralische Dringlichkeit kommuniziert wird.«

5. Hol dir für deine Quasselrunden das passende Publikum („Klatschvieh“) ins Studio. Am besten rekrutierst du „Studierende“ einer sozialwissenschaftlichen Fakultät einer Universität vor Ort – also in Berlin, Köln oder Hamburg. Wenn bei dir kein „Klatschvieh“ üblich ist, spiele den Mann von der Straße (gibt es gendersensibel auch die Frau und die Transperson von der Straße?) mit einem Statement ein. Wenn diese Person zufällig auch Jobs bei den Grünen oder bei den Linken oder irgendeiner linken Stiftung bzw. Gewerkschaft hat: Das weiß doch keiner. Du jedenfalls weißt: Sowas hat sich Anfang 2024 wegen des „Potsdam-/Wannsee-2.0“-Treffens bestens bewährt. Und: Postiere eine authentische, empörte „Stimme des Volkes“ im Publikum. Ruf ihn per Zufall auf, um den Bösen in der Runde mit ganz persönlichen Sorgen vorzuführen. Falls du es nicht weißt: Astroturfing nennt man dergleichen. „AstroTurf“ war ursprünglich eine Marke für Kunstrasen, heute ist es ein Begriff für eine künstliche „Graswurzelbewegung“. Also das vermeintliche Volk.

6. Am besten legst du eine Talkrunde im Sommer ins Freie. Etwa auf die Terrasse eines ÖRR-Studios an der Spree. Irgendein staatlich finanziertes, „engagiertes“ Grölpublikum wird sich dort dann gewiss einfinden. Achte aber darauf, dass die Tontechnik deren Gekreische nicht wegfiltert. Dürfte technisch kein Problem sein.

7. Denk dir fiese Suggestivfragen für den Bösewicht aus. Konfrontiere ihn mit falschen Dilemmata, also mit zwei extremen Positionen, zwischen denen er zu wählen hat. Heuchle Einvernehmen, um sodann die Position des anderen zu entkräften. Vor allem: Unterbrich den angeblichen Demokratie-, Konsens- und Gemeinwohlverächter immer und immer wieder, bring ihn so d‘raus. Lass ihn nicht ausreden. Befleißige dich der Tricks der Neulinguistischen Programmierung (NLP). Denk immer an das richtige „Wording“: Die Begriffe „bürgerlich, christlich, konservativ, rechts, rechtsradikal, rechtsextrem“ sind Synonyme. Deine redaktionellen Ghostwriter haben dir diese Litanei bestimmt auf einen deiner Spickzettel aufgeschrieben. Kannst’e immer einstreuen. Wenn du nicht weißt, was ein Synonym ist: Es ist alles eins – nämlich pfui rechts: von den Lebensschützern über die „Leugner“ von Klima, Corona und migrantischer „Bereicherung“, einschließlich CDU/CSU (Genosse Daniel Günther und Antifa-Lautsprecher*in Karin Prien ausgenommen) bis hin zur AfD.

8. Gib als Moderator/_:I*in gelegentlich den „good cop“ für den populistischen Außenseiter. Mime Verständnis für ihn, das verleitet ihn zu unbedachten Sätzen, über die dann die anderen und du herfallen können. Habe stets ein „Ja, aber ….!“ parat.

9. Auch wenn es längst „out“ ist: Gib den selbsternannten avantgardistischen Kämpfer für den Gender-New-Speek: Bei dir sitzen Gäst*innen und Mitglieder*innen von Demokratierettungs-NGOs. Du weißt doch: Mit der Sprache besetzt man das Bewusstsein.

10. Vergiss nie, nie, nie, worum es geht: Nie wieder! Für „unsere“ Demokratie“! Für das beste Deutschland, das es jemals gegeben hat! Für ein AfD-Verbot! Und: Hätten wir doch wieder eine Merkel!

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Kommentare ( 12 )

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Klaus Decker
39 Minuten her

Grossartig, Herr Kraus! Aber die Verdummung der Wähler ist immer noch erfolgfeich!

alter weisser Mann
42 Minuten her

Feiner Artikel, Herr Kraus, wirklich fein!
Vornweg wird der Leser ordentlich mit Zahlen versorgt und nachfolgend die Mainstreammedienblase sauber vorgeführt.

flo
44 Minuten her

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist u.a. zur „Objektivität und Unparteilichkeit“ wie auch „Ausgewogenheit sowie Themen- und Meinungsvielfalt“ verpflichtet, sagt der Medienstaatsvertrag (hier § 26 Auftrag). Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass er in einzelnen Beiträgen und Sendungen neutral, ohne Meinung und politische Ausrichtung, sein muss. Es heißt aber, das Gesamtangebot muss verschiedene Positionen fair berücksichtigen, Gäste aller Art zu Wort kommen lassen. Die Frage wäre also, wo das Gegengewicht zu den etablierten Talkern Lanz, Maischberger, Illner, Miosga, Klamroth, auch dem Angebot an Kabarettisten (Böhmermann usw.) ist? Gibt es eine rigorose Gegen-Miosga? Der SWR hat die Ausgewogenheit in seinem Podcast So geht Medien/… Mehr

Ho.mann
44 Minuten her

„Und: Hätten wir doch wieder eine Merkel!“ Ja, sie lebt noch! Überraschend wird die größte Abrissbirne Deutschlands namens Merkel am 20. Februar erstmals seit ihrem Ausscheiden aus dem Amt wieder an einem CDU-Duckmäuser-Parteitag teilnehmen. „Standing Ovations“ für ihre Lebensleistung wird sie dort wohl auch wieder bekommen. Friedrich der Große wird sie dann wieder huldvoll und zugleich heuchlerisch anbeten. Das macht Fritze aber dann mit aller Verlogenheit immer wieder gerne. Ergänzend zum Rahmenprogramm würde auch der Ordensverleiher von Bellevue passen.

Haba Orwell
48 Minuten her

> ideal: Trump, Netanjahu, Höcke

Während Höcke an die Interessen hiesiger Bevölkerung denkt, woher kommt die Illusion, die beiden anderen Herren würden es genauso tun? Im Zweifel bei Röper nachlesen, wie vorgeschoben bei den Amis jegliche „Werte“ sind, im Unterschied zu den knallharten Interessen.

Nicht jeder, den ÖRR aus irgendwelchen Gründen nicht mag, muss hier gleich gedankenlos angebetet werden.

Haba Orwell
58 Minuten her

> Wöchentlich sieben- bis neunmal – exklusive Sommer- und Winterpausen – versuchen die ARD- und ZDF-Talkshow-„Größen“ Markus Lanz, Sandra Maischberger, Maybrit Illner (jeweils ZDF) sowie Caren Miosga und Louis Klamroth (jeweils ARD) den deutschen Michel abendlich oder spätabendlich vor die Glotze zu holen.

In den Redaktionen mancher liberal-konservativer Blogs klappt es offenbar – jede solche Sendung wird akribisch verfolgt. Nicht mal einer Predigt in der Kirche wird so aufmerksam zugehört.

> Braucht man das im ÖRR? Braucht man die immer gleichen Leute, die dort auftreten?

Offenbar brauchen Manche „man“ es schon, sonst wäre die Zeit sinnvoller verwendet.

Mausi
59 Minuten her

Mit Ihren 10 Punkten kämen Sie vor Gericht niemals durch, wollten Sie damit die Voreingenommenheit des ÖRR belegen.
Der ÖRR bleibt unantastbar. Wir können nur hoffen auf Keine Zuschauer, kein Gebühren. „Blöderweise“ – für den ÖRR – ist der ÖRR etwas, was der Kunde nicht zum Leben braucht. Nicht so wie Lebensmittel oder Strom. Daher kann sich der Kunde dem ÖRR verweigern. Das einzige, was also helfen könnte, ist der Knopf „Aus“.

Last edited 58 Minuten her by Mausi
Weltenwandler
1 Stunde her

Von den in diesem Artikel genannten Moderatoren ist mir keine/r sympathisch. Ein bißchen besser ist nur Markus Lanz, wenn es sich nicht um Politik handelt. Wahrscheinlich geht es vielen Leuten so, aber das interessiert die Sender nicht. Sie sollten sich mal ein Beispiel am früheren Sonntagsfrühschoppen nehmen. Dort ging diskussionsmäßig wirklich die Post ab, obwohl der Moderator Werner Höfer zumindest bei meinen Eltern auch nur mäßig sympathisch ankam. Sollen die Moderatoren unsympathisch sein ?

Last edited 54 Minuten her by Weltenwandler
Urbanus
1 Stunde her

Nur am Rande, aber doch irgendwie wichtig, Miosga ist römisch-katholisch und ihr Vater war Diakon.

Peter Gramm
1 Stunde her

Sehr geehrter Herr Kraus, völlige Zustimmung.