BND-Oberspion fällt auf simplen Trick herein

Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven, ehemaliger Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes, wurde „Opfer“ einer der ältesten Internetmaschen überhaupt. Damit es nicht ganz so hochnotpeinlich aussieht, soll "der Russe" schuld sein.

IMAGO/NurPhoto

Wer jemals Geldsorgen hat, muss einfach nur einen Mitarbeiter des BNDs besuchen und sich als der langvergessene Enkel ausgeben, denn offenbar können diese Fachleute Betrug nicht erkennen, selbst wenn er bei ihnen an die Tür klopft.

Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven, ehemaliger Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes, wurde „Opfer“ einer der ältesten Internetmaschen überhaupt: Ein angeblicher Support-Mitarbeiter der Messagingplattform Signal bittet um die Eingabe seines PINs. Und was macht der Oberspion? Er gibt den Betrügern seine PIN und verliert damit den Zugriff auf sein Konto. Sämtliche Kontakte und Nachrichten liegen nun für die Betrüger offen.

Man sollte meinen, dass ausgerechnet jemand, der jahrelang für nachrichtendienstliche Zusammenarbeit bei der Nato zuständig war, solche Tricks erkennt.

Seit 2022 ist Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven kein aktiver Regierungsbeamter mehr. Mittlerweile tritt er als Autor, Redner und Interviewpartner zu Themen wie unter anderem russischer hybrider Kriegsführung oder Cyberangriffen auf.

Laut von Loringhoven stecken die russischen Geheimdienste hinter diesem Angriff auf seine Person. Dabei ist die Masche, sich als Support-Mitarbeiter auszugeben und nach PINs und Login-Daten zu fragen, altbekannt. Wer im Internet unterwegs ist, erhält fast täglich E-Mails und SMS-Nachrichten von Betrügern bis hin zu behaupteten Prinzen aus Afrika, die ihre Millionen an Unbekannte vererben möchten. Nicht ohne Grund warnen Banken, E-Mail-Provider und die Polizei davor niemals persönliche Daten, und besonders keine PINs, an vorgebliche Support-Mitarbeiter auszuhändigen.

Doch für von Loringshoven ist klar: Es müssen die Russen sein.

Vielleicht waren es sogar die Russen. Oder es war ein ganz normaler Betrüger, der nach Nacktbildern sucht. Oder ein Prinz aus Nigeria. Für die normalste und älteste Betrugsmasche der Onlinewelt braucht es nicht den FSB.

Doch nicht nur dieses Beispiel demonstriert die Unfähigkeit deutscher „Sicherheitsbehörden“. Am 19. Februar 2024 gelang es, diesmal wirklich den Russen, ein geheimes Gespräch zwischen hochrangigen Offizieren der deutschen Luftwaffe abzuhören. Im Gespräch wurde der Einsatz von Taurus-Marschflugkörpern gegen Russland besprochen. Beteiligt waren der Chef der Luftwaffe und der Abteilungsleiter des Luftwaffenkommandos; Brigadegeneral Frank Gräfe war von der Singapore Air Show aus per Webex zugeschaltet.

Webex ist eine Konferenzplattform, die allerdings für derart sensible Gespräche nicht einmal Bundeswehrintern zugelassen ist. Und nicht nur wurde das Gespräch digital abgehört; wie Verteidigungsminister Pistorius später bekanntgab war vermutlich sogar das ganze Hotel verwanzt. Damit hätte ja niemand rechnen können; dass ein Hotel, indem internationale Generale sich für eine Waffenmesse einmieten, verwanzt wird. Wer macht denn sowas?

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