Gesundheitsminister Lauterbach ändert die Regeln

Karl Lauterbach will die Mitglieder der Ständigen Impfkommission (STIKO) weitestgehend ersetzen. Hierfür möchte er die alten Besetzungsregeln ändern. Das darf er. Hier zeigt sich die Macht des Bundesgesundheitsministers. Von Friedrich Pürner

IMAGO / Political-Moments

Die meisten von uns, die Erfahrung mit Kindern haben, kennen diese Situation. Natürlich nur von anderen Eltern. Das ist klar. Plötzlich kippt die Stimmung, dann das Spiel. Der kleine Rüdiger hat die Nase voll. Schon wieder sieht er sich bedroht, das Brettspiel am Wohnzimmertisch zu verlieren. Da helfen selbst die pädagogisch wertvollen Kniffs seiner Eltern nichts. Voller Wut räumt der kleine Spielverderber mit dem Gesichtsausdruck der Comicfigur Hulk das Brettspiel ab, wirft die Figuren so energisch über das liebevoll selbstverlegte Parkett aus Biofichte, dass Ilma, die schon altersschwache Hündin aus dem Tierheim, jaulend davonkriecht und die Mutter ihre Bio-Hafermilch-Latte über den kargen Rest ihrer Dinkelbratlinge kippt, während sein Vater mit schon wässrig-roten Augen den Rest seiner Kippe inhaliert. „Ich mag dieses Spiel nicht. Die Regeln auch nicht. Und die Spielfiguren ärgern mich. Ihr seid alle doof“, plärrt der kleine Windel-Tyrann noch, bevor er die Figuren auf den Boden schleudert. „Ab jetzt spielen wir nach meinen Regeln.“

Neue Spielfiguren müssen her

Ob Lauterbach dies so oder so ähnlich zu den Mitgliedern der STIKO sagte, ist (noch) nicht bekannt. Vorstellbar ist es. Schon zu oft verhielt sich Karl Lauterbach nicht gerade erwachsen und professionell.

Zeit zum Lesen
„Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Wie nun bekannt wurde, möchte der Bundesgesundheitsminister die Mitglieder der Ständigen Impfkommission (STIKO) weitestgehend ersetzen. Hierfür möchte er die alten Besetzungsregeln ändern. Rechtsgrundlage und Regelungen über die STIKO, die beim Robert Koch-Institut (RKI) eingerichtet ist, finden sich im Infektionsschutzgesetz. Die nähere Ausgestaltung zur Besetzung ist in der Geschäftsordnung der STIKO zu finden. Die Mitglieder der Kommission werden vom Gesundheitsministerium im Benehmen mit den obersten Landesgesundheitsbehörden alle drei Jahre neu berufen. Die STIKO kann derzeit 12 bis 18 Mitglieder haben. Aktuell gehören 18 Personen dem Gremium an. Eine Höchstzahl an Amtsperioden gibt es bisher nicht. Nun soll die Anzahl der Amtsperioden auf drei Perioden – also neun Jahre – begrenzt werden. Kommt diese Änderung, kann dies für zwölf langjährige Mitglieder im Februar 2024 das Ende der Amtszeit bedeuten.

Die Frage, ob die Änderung so leicht und schnell möglich ist, lässt sich einfach beantworten: Ja. Wenn das Gesundheitsministerium eine Änderung will, kann es die erteilte Zustimmung zur Geschäftsordnung der STIKO gegenüber dem Vorsitzenden widerrufen. Schon am Tag darauf ist die Geschäftsordnung außer Kraft gesetzt. Hier zeigt sich die Macht des Bundesgesundheitsministeriums, die Lauterbach ausüben kann (vgl. § 12 Abs. 3 der Geschäftsordnung der STIKO).

Müssen die Mitglieder nun bedauert werden? Nein. Weshalb auch. Die Mitglieder haben sich zu oft in der Pandemie zu Gunsten der Politik verbogen und medizinischen sowie menschlichen Sachverstand vermissen lassen. Die Mitglieder sollten jedoch nur ihrem Gewissen unterworfen und unparteiisch sein. Eigentlich: So zumindest statuiert es die Geschäftsordnung.

Nach Anfrage durch EU-Parlamentarier:
Zugeständnisse der EMA belegen betrügerische Absicht der Covid-Impfkampagnen
Dankbarkeit ist in diesem Geschäft nicht zu erwarten. Selbst den STIKO-Mitgliedern wurden Lauterbachs Anpreisungen der COVID-Impfung irgendwann zu blöd und so trugen sie Lauterbachs religiösen Impfwahn nicht mehr mit. Für ein Abschwören war es zu spät. Nun stören sie Lauterbach und er holt sich neue und frische Figuren auf das Spielbrett des Impfplan-Spiels.

Schade ist der Verlust der STIKO-Mitglieder nicht. Sie haben sich Lauterbach oder der Politik in der Zeit der Pandemie kaum nennenswert entgegengestellt. Bedauerlich und folgenschwer ist, dass die STIKO als Institution Schaden genommen hat. Mit der Folge, dass womöglich sinnvolle Impfempfehlungen nun ebenfalls in Frage gestellt werden. Andererseits kann es gerade in der Medizin gut sein, Empfehlungen von Institutionen und Fachgesellschaften in Frage zu stellen oder zumindest mal kritisch auszuleuchten. Zu viel Vertrauen wurde zerstört.

Man darf durchaus annehmen, dass die neuen Mitglieder der STIKO eher Personen sind, die zumindest ein Poster von Lauterbach im Schlafzimmer hängen haben. Denn der Gesundheitsminister möchte angehimmelt werden. Widerspruch verträgt er nicht und kann durchaus mal den Rüdiger spielen. Er, also nicht Rüdiger, sondern Lauterbach, braucht Marionetten, die er nach Belieben an Fäden durch die Manege dirigieren kann.

Der STIKO-Vorsitzende Mertens tat noch einen letzten guten Dienst. Er folgte Lauterbachs Impfexzess nicht und widersprach bei Lauterbachs Empfehlung einer vierten Impfung (!!) für junge Menschen. Die Empfehlung „Viel helfe viel“ hielt Mertens für schlecht. Auch ein schon quengelnder Bundesgesundheitsminister half dieses Mal nicht. Mertens blieb unnachgiebig. Immerhin.

Volle Lager – wenige Impfwillige

Doch weshalb ist der Impfminister so spritzenaffin? Weshalb preist er den Stoff so an? Lauterbach wird es wie einem Einzelhändler ergehen, der zu viel Ware geordert hat und diese nicht mehr kostenfrei zurückgeben kann. Der Bundesgesundheitsminister hat sich übernommen. Vor allem fachlich. Die Bestellung von zu vielen Impfdosen tätigte schon sein Vorgänger. Lauterbach übernahm das Nachordern. Hier ist die Rede von einer zweistelligen Millionenhöhe an Impfdosen, die noch auf Abnehmer warten. Doch die Menschen sind müde. Impfmüde. Lauterbachmüde. Die Steuergelder in der Haushaltskasse werden im Sekundentakt weniger.

Der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach hätte eine weitere Blamage zu verkraften, bliebe er auf diesen Impfdosen sitzen. Ökonomie darf nicht das entscheidende Kriterium sein, wenn es um Gesundheit geht. Allerdings möchte Lauterbach von Impfnebenwirkungen und Langzeitfolgen der COVID-Impfung noch immer wenig hören. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Mit diesem selbst geschaffenen Bild der Harmlosigkeit und Impfdosen im Überfluss mahnt er weiter die Impfunwilligen, warnt die Unentschlossenen und ängstigt die Unsicheren. Für dieses Unterfangen braucht er Unterstützer.

Lauterbach hat noch viel vor und wird sich entsprechende Marionetten in die STIKO holen. Diese werden wissen, wem sie ihre Position zu verdanken haben und die Empfehlungen ihres Herrn und Meisters entsprechend ausarbeiten und verbreiten. Niemand soll mehr ohne COVID-Impfung sein. Und wenn dies alles nicht klappt? Dann räumt Lauterbach das Spielfeld erneut ab, fordert neue Regeln und schaut dabei wie der schreckliche Hulk.


Dr. med. Friedrich Pürner, MPH
Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Epidemiologe

Unterstützung
oder

Kommentare ( 52 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

52 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Helfen.heilen.80
2 Monate her

Wenn es nur das wäre. Lauterbach und Drosten haben beim Berliner „World Health Summit“ jene Stimmen, die während der Pandemie vom BMG-Narrativ abwichen, explizit kritisiert, und sich in Zukunft für ein verschärftes Vorgehen ausgesprochen! Lauterbach: „Wir haben jetzt auch die Info-Pandemie gegen uns. Alles, was wir tun, wird grundsätzlich von einem Social-Media-Krieg infrage gestellt, der es viel schwieriger macht, die Verantwortung für eine künftige Pandemie zu organisieren.“ (Nachdem während der Pandemie die Regeln von These, Gegenthese, Sythese kurzerhand durch ein „Dogma“ ersetzt wurden, könnte es untreffend erscheinen jetzt polemisch von „Info-Pandemie“ oder von „Krieg“ zu sprechen. Zumal die US-Gerichtsurteile, die… Mehr

Last edited 2 Monate her by Helfen.heilen.80
Irdifu
2 Monate her

Mertens, der Stikochef , der damals unter Druck einknickte als er sagte , dass er seine Kinder oder Enkel nicht impfen lassen würde sollnauch unter denn“ Gefeuerten “ , hoffentlich findet er seinen Mut wieder und würgt dem Ungesundheitsminister eine ordentliche rein , er dürfte einiges im Speicher haben , hoffe ich zumindest .

H.D.
2 Monate her

Soll er mal machen. Da werden einige, die von den Pfründen der Stiko isoliert werden, sicherlich mal Tacheles reden, was in der Coronazeit so wirklich passiert ist mit und um Lauterbach.

Muppetworld
2 Monate her

2020 bis 2022 wurde mir aus allen Kanälen ( incl. dem nächsten Familienkreis) erzählt, ich spiele mit meinem Leben und dem Leben der anderen. In Wahrheit haben SIE zu diesem Zeitpunkt angefangen, mit dem Rest IHRES Lebens zu spielen …

Wellesz
3 Monate her

Immer dann, wenn Lauterbach aktiv wird, ist höchste Alarmbereitschaft angesagt, dann geht es um Leib und Leben. Der sog. Pandemievertrag kommt, wenn nicht die Afrikaner dieses unsägliche Machwerk noch stoppen und sich nicht bestechen lassen. Und dann Gnade uns Gott – dann sind vor allem die Eltern gefragt, beide, die klar ‚Nein‘ sagen müssen zu den mRNA-Spritzen der globalen sog. Elte – es sind Kriminelle – (Schwab, Gates & co.) und deren nationale Schergen.

Wolfram_von_Wolkenkuckucksheim
3 Monate her

Die STIKO werde ich nicht mehr konsultieren. Lauterbach ist eine Katastrophe für unser Land. Mir war ja schon immer schleierhaft, wie so eine krank aussehende Figur, die nur dummes Zeug redet, die sich ständig widerspricht, überhaupt Fans haben konnte. Wo ist denn heute Doc Caro? Die saß doch bei Lanz und sagte, Lauterbach sei der beste und er müsse es machen.

Michael M.
3 Monate her

Warum muss ich eigentlich immer an Stan Laurel (und dessen „Kurznamen“ 😉) denken wenn ich ein Foto wie am Artikelanfang sehe?! Aber irgendwie passen die beiden doch wirklich gut zusammen 🥳.

Albert Pflueger
3 Monate her

Heute war nicht das erste Mal, daß ich im Supermarkt wieder Leute sah, die sich mit Masken ausstaffiert hatten. Nur zwei, glücklicherweise. Aber diese kranken, lebensfeindlichen Figuren könnte man ignorieren, wenn sie nicht diejenigen wären, die darauf bestehen, daß alle Anderen ihren Wahn mitmachen. Das ist das beängstigende daran.

Riffelblech
3 Monate her

Was soll man eigentlich zu Lauterbachs Kurs noch sagen ? Irre? Neben der Kappe ? Hat der noch alle Latten am Zaun ? Wahrscheinlich von Allem etwas ! Aber interessant bleibt es doch allemale welche Reichweite diese dringend notwendigen Artikel in TE und anderen kritischen Medien haben . Beschwert sich doch Frau Byxs allen Ernstes über kritische Artikel in TE zur Coronazeit. Also wissen die Handelnden doch genau das sich sich ihr Tun und Handeln nicht im Dunklen abspielt. Und genau so soll und muß es sein . Noch viel mehr aufarbeiten ,in die Presse bringen und den Menschen die… Mehr

Ron
3 Monate her

Warum wurde und wird nicht Lauterbachs Rolle bei u.a. Lipobay und Pandemrix Skandal hinterfragt? Dieser Typ hatte damals schon tausende Menschenleben auf dem Gewissen. Verjährt das? Ich sehe als juristischer Laie mindestens fahrlässige Körperverletzung u.a. mit Todesfolge. Im Falle der Covid 19 Genmanipulation genauer hingesehen, würde ich sogar wissentlich, gar vorsätzlich vermuten. Allein der „post authorisation“ Pfizer Bericht v. Februar 2021, die frühen Warnungen echter Experten, der PEI Sicherheitsbricht v. 20.9.2021 usw. belegen, dass Lauterbach und die Regierung Bescheid wussten. Kurzum müsste in einem Rechtsstaat schon längst U-Haft verhängt werden.

Last edited 3 Monate her by Ron