Jemen als Muster für Flucht-Staaten

1978 hatte Jemen 7 Millionen Einwohner. Bis heute sind 22 Millionen hinzugekommen, weitere 22 Millionen als interne und externe Flüchtlinge oder nur noch prekär Versorgte. Seit 1948 durchsteht das Land den 18. Krieg.

© ABDO HYDER/AFP/Getty Images
Yemenis receive blankets and upholstery distributed by the UN High Commissioner for Refugees (UNHCR) to those affected by the conflict in the country, in the coastal town of Hodeida, on April 11, 2018.

Jemen hatte 1978 sieben Millionen Einwohner. Bis heute sind 22 Millionen hinzugekommen.[1] Ebenfalls 22 Millionen leben momentan als interne und externe Flüchtlinge oder nur noch prekär Versorgte.[2] Seit 1948 durchsteht das Land den 18. Krieg.[3] Mindestens 250.000 Menschen kamen dabei zu Tode. Das sind fast zwanzigmal mehr als im selben Zeitraum in den Scharmützeln zwischen Israelis und Palästinensern.[4] Gleichwohl stehen nach jedem Waffengang mehr zornige junge Männer bereit als je zuvor. 1978 gab es nicht einmal eine halbe Million junger Männer im Kampfalter von 20 bis 29 Jahren. 2018 sind es 2,7 Millionen.

Es sieht nicht so aus, als ob das Töten bald vorüber wäre. Die von Iran bewaffneten Houthis, die als Ärmste der Armen im arabischen Raum bedauert werden, schießen ballistische Raketen auf Riad, die Hauptstadt des saudi-arabischen Nachbarn. Alsbald wollen sie auch bei der Vernichtung der Juden Israels mitmachen.[5] Spendet für Jemen, rufen Rotes Kreuz und Roter Halbmond[6] in die Welt. Aktuell sammelt die UNO drei Milliarden Dollar als Minimum für das Allernötigste.[7]

Demografisch ist Jemen – neben Gaza – König unter den Arabern. Alle zusammen vermehren sich zwischen 1950 und heute von 70 auf 400 Millionen, bleiben also unter dem Faktor 6. Jemen dagegen erreicht fast Faktor 7, während Gaza sogar mit dem Faktor 10 prunken kann. Schon 2035 will Jemen die 40-Millionen-Marke passieren. Für 2050 hat man 50 Millionen im Visier. Die Hochzeit für Massaker und Almosenforderungen ist noch nicht erreicht. Deutschland muss sich fragen lassen, warum es 600.000 Syrer auf Hartz IV rundum versorgt, aber nicht zusätzlich auch noch eine Million Jemeniten nimmt, was für ein 39-Millionen-Volk gegenüber einem 22-Millionen-Volk der gerechte Anteil am hiesigen Sozialkuchen wäre.

Die „Jugend Allahs“, wie Osama bin Laden (1958-2011) – einer von 24 Brüdern – seine hitzigen Landsleute liebevoll nannte, wird noch viele das Fürchten lehren. Kriegsmüdigkeit kommt bekanntlich nicht von zu vielen Kriegen, sondern von fehlendem Personal für weitere Siege oder Heldentode. Mit einem Kriegsindex von 5.4 heute (Syrien 4.0) und immer noch üppigen 4.4 (Syrien 2.7) im Jahre 2030 bleibt das malerische Land hochbrisant. Um 1.000 Posten von Rentennahen zwischen 55 und 59 Jahren kämpfen aktuell 5.400 Jünglinge zwischen 15 und 19 Jahren, und immer noch 4.400 im Jahre 2030. In Deutschland sind es lediglich 650 bzw. 750, weil 2030 der Rentnerberg ein Stück weit geschwunden sein wird.

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) meldet Anfang April 2018: „Der Jemen befindet sich in einer gravierenden Schutzkrise mit enormen Risiken für Sicherheit, Wohlergehen und Menschenrechte aller Bevölkerungsgruppen. […] Die aufgrund fehlender Mittel geschlossenen Schulen bringen eine Generation von Flüchtlingskindern um die Entwicklung ihrer Potenziale.“[8]

Bei Jemens Cognitive Ability von nur noch 69 auf der 2018er Rindermann-Tabelle – Syrien erreicht immerhin 82, Weltmeister Singapur 105[9] – wird das Land noch auf Jahrzehnte die bittere Medizin extremer Kampfbereitschaft und fehlender Konkurrenzfähigkeit schlucken müssen. Es steht damit bespielhaft für 65 weitere Nationen, die – mit dann 2,2 Milliarden Einwohnern – auch 2030 noch unter einem Kriegsindex zwischen 2.5 und 6 keuchen, wobei 25 noch über Jemen rangieren. Da Ostasien sich hermetisch abschottet, erwarten sie Hilfe oder Unterbringung vom Westen. Der wiederum ringt heftiger denn je mit Vergreisung und Kompetenzverlust. Schon heute haben Zuwanderer nach Deutschland und Österreich nur noch eine Cognitive Ability von 92 gegen 99 bei den Einheimischen, während die Schweiz mit 95:102 länger in der globalen Spitze bleibt.[10] Alle müssen für die absehbare Zukunft zwischen offener Grenze und Erhalt der Leistungskraft wählen.

[1] Demografische Daten aus http://www.populstat.info/ und http://www.worldometers.info/world-population/yemen-population/

[2] https://reliefweb.int/report/yemen/yemen-unhcr-update-yemen-critical-requirements-1-april-2018

[3] https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_wars_involving_Yemen

[4] http://www.jewishvirtuallibrary.org/total-casualties-arab-israeli-conflict; https://www.vox.com/2014/7/14/5898581/chart-israel-palestine-conflict-deaths

[5] http://www.middleeasteye.net/news/houthis-leader-say-they-will-ally-hezbollah-against-israel-future-war-1044362159

[6] https://www.drk.de/hilfe-weltweit/aktuelles-weltweit/meldung/humanitaere-katastrophe-im-jemen-bedroht-leben-der-bevoelkerung/

[7] http://www.dw.com/en/un-seeks-3-billion-in-aid-for-yemen/av-43230957

[8] https://reliefweb.int/report/yemen/yemen-unhcr-update-yemen-critical-requirements-1-april-2018

[9] https://www.tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/entwpsy/team/rindermann/pdfs/RindermannCogCapAppendix.pdf

[10] https://www.tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/entwpsy/team/rindermann/pdfs/RindermannCogCapAppendix.pdf

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Kommentare ( 29 )

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Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Bedrohung des freien Westens durch den Sowjet-Kommunismus stehen wir 21. Jahdrt. vor der nächsten Ära der Bedrohung: Die Überbevölkerung der Armutskontinente bzw. Länder und infolge die globale Völkerwanderung. Was geht? Was ginge? Zunächst die offenen Außengrenzen der EU zu einer Festung umzubauen. Mr. Trump hat mit seiner „Wall of Defense“ sicher nicht ganz Unrecht!
Die Festung Europa gegen Illegale wird zunehmend überlebenswichtig für uns alle.

Solche Fakten müssten Merkel, Maas und Co. jeden Tag zehnmal vorgebetet werden. Wenn hier von diesen Staaten berichtet wird, wird so etwas niemals genannt. Wie sollen solche Länder sich bei solchen Bevölkerungsexplosionen entwickeln? Alles was da sinnlos in die Welt setzt hat keine, aber wirklich keine lebenswerte Perspektive. Die Moslems vermehren sich wie die Karnickel, während wir den Bevölkerungsüberschuss aufnehmen sollen, dabei ist völlig klar, dass erst der Verzicht auf die Kinder 4-12 die Möglichkeit zur Entwicklung bringen würde. Es ist zum Haare raufen.

Neulich habe ich einen erhellendes Zitat von Churchill auf „Der Achse des Guten“ gelesen:

„Der Fakt, dass nach Mohammedanischem Recht jede Frau das absolute Eigentum eines Mannes ist, ob als Kind, als Ehefrau oder als Konkubine, verhindert die endgültige Abschaffung der Sklaverei, so lange, bis der islamische Glaube aufgehört hat, eine große Macht über Menschen zu haben.“

Das allein erklärt schon das ungehemmte Bevölkerungswachstum in allen islamischen Ländern – da hilft nur Abschottung, Abschottung, Abschottung!

http://www.achgut.com/artikel/winston_churchill_ueber_den_islam

Muster ja – aber ohne Wert.

Na wunderbar. Saudi-Arabien ist schon sehr schlau. Die USA (als Anker dient Israel) vorgeschicken, um den Iran zu erlegen. Die „Ungläubigen“ sind dann für die Saudis ein Klacks. Glaubt denn wirklich jemand an Koexistenz, wenn der Islam ein Teil davon ist? Die werden genauso fallen gelassen, wie die Kurden von der NATO im Norden Syriens und dem Irak.
Wird ja auch Zeit, dass die Eroberung losgetreten wird, sonst ist das Öl (aufgrund der Entwicklung in der Automobilindustrie) nichts mehr wert und die Saudis verlieren an Einfluss.
Der Islam begreift den Westen – der Westen begreift den Islam nicht.

Das ist alles so erschreckend richtig, lieber Herr Heinsohn. Und was, wenn die Rohölpreise so niedrig bleiben auf längere Sicht, sodass die dort nicht mehr genug Geld haben – von uns letztendlich – um diese riesigen Bev.-massen ruhig zu stellen durch Bestechung? Denn aus eigener Kraft sind die alle nicht lebensfähig.
Gut, dass Sie das Augenmerk auf Jemen gelenkt haben – Ruanda 2.0 wie mir scheint. Aber es gibt ausreichend andere Beispiele auch. Die nächsten Mordorgien sind schon vorprogrammiert. Wichtig: Nicht bei uns. Dafür müssen wir sorgen, mit allen Mitteln, gnadenlos. Wenn uns unser Leben lieb ist.

Wie kommen Sie dazu, Herrn Gunnar Heinsohn als „Schmierfink“ zu bezeichnen.

Al-Jazeera und die anderen arabischen Fernsehsende müßten halt weniger Propaganda und mehr Seifenopern bringen. Wenn die durchschnittliche arabische Hausfrau erfährt, daß es noch andere Familienbilder gibt, außer sich Vollzeit um 10 oder mehr Kinder zu kümmern und sich vom Ehemann widerstandslos schlagen zu lassen, dann sinken auch die Geburtenraten. In Brasilien und in den besser elektrifizierten Teilen Indiens hat das schon funktioniert.

Das Grundproblem in dieser Region ist die Intoleranz ihrer Bewohner.

Das Wort „Schmierfink“ ist eines Kommentators bei Tichys Einblick nicht würdig.