„Investoren töten!“ – Unmissverständliche Klassenkampf-Ansage in Berlin

„Investoren töten!“ steht haushoch in Kreuzberg. In Berlin treffen Enteignungsforderungen, Investorenfeindlichkeit und ein wachsendes gewaltorientiertes und zunehmend enthemmtes linksextremes Milieu aufeinander. Wer in dieser Stadt noch Kapital riskiert, sollte Botschaften wie diese unbedingt ernst nehmen.

Screenshot via X/Filip Dames

Es steht dort seit Monaten, haushoch und für Tausende Fahrgäste der Berliner Hochbahn täglich bestens sichtbar: „INVESTOREN TÖTEN!“ Eine schwarze Linie darunter stürzt wie ein Börsenkurs nach unten. Kottbusser Tor, Kreuzberg, Berlin 2026. Man muss über den innerlich völlig verwahrlosten Zustand der Menschen dieser Stadt inzwischen kaum noch Leitartikel schreiben. Das erledigen Häuserwände und Straßenzüge.

Filip Dames hat das Foto nun öffentlich gemacht. Dames ist Mitgründer von Zalando und Gründungspartner des Berliner Wagniskapitalgebers Cherry Ventures. Seit 2008 habe man von Amboss bis Zalando Unternehmen in Berlin gegründet oder finanziert. Konservativ gerechnet seien dadurch mehr als 11.000 Berliner Arbeitsplätze entstanden und weit über eine Milliarde Euro allein an Einkommensteuer. Seine Frage klingt beinahe fassungslos: „Woher kommt dieser Hass? Wer sind diese Menschen? Es macht mich sprachlos.“ Filip Dames gehört dabei ausgerechnet zu denen, die in Berlin bleiben wollen. Wenige Tage zuvor hatte er dem Tagesspiegel erklärt, Cherry Ventures treffe seine Investitionsentscheidungen nach der Qualität von Unternehmen und Gründern und nicht nach einer einzelnen Abgeordnetenhauswahl. Berlin sei weiterhin einer der interessantesten europäischen Gründungsstandorte. Na denn man tau.

Woher „dieser Hass“ auf Kapital und Investoren kommt

Die Antwort darauf, woher dieser Hass kommt, wer diese Menschen sind, die einen mit solchen Mordaufrufen sprachlos machen, führt ziemlich tief hinein in das Berlin der vergangenen Jahre. Denn Berlin hat sich einen politischen Luxus angewöhnt, den sich eine verschwenderische wie dysfunktionale Hauptstadt am kompletten Tropf des Länderfinanzausgleichs erst einmal leisten können muss: Ein beträchtlicher Teil ihres tiefroten politischen und aktivistischen Milieus behandelt jene, die Unternehmen aufbauen, Wohnungen finanzieren, Arbeitsplätze schaffen und dafür eigenes Kapital riskieren, wie unerwünschte Eindringlinge, gar wie Parasiten. Investoren erscheinen dort als Leute, die sich gefälligst enteignen, vertreiben oder – nach Lesart der Hauswand am Kottbusser Tor – gleich töten lassen sollen.

Das gleiche Sprachspiel betreibt seit Jahren auch die linksextremistische Szene gegen ihren politischen Gegner. Auf einer Demonstration in Aachen wurde 2024 ein Transparent mit der Aufschrift „AfDler töten“ durch die Straßen getragen. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz spricht ausdrücklich von einem „bewussten Spiel mit Mehrdeutigkeiten“, das das radikale Freund-Feind-Denken der Szene zeige. Der Trick funktioniert sogar juristisch: Die Staatsanwaltschaft Aachen stellte hier das Verfahren selbstverständlich ein. Hinter „AfDler töten“ stand ein Punkt, kein Ausrufezeichen; der Satz könne deshalb auch als Behauptung gelesen werden, AfD-Anhänger töteten Menschen. Bei mehreren möglichen Deutungen sei die für den Äußernden günstigste zugrunde zu legen. Die Behörde betonte allerdings ausdrücklich, dass dies eine Einzelfallentscheidung sei. Na klar, man stelle sich ein Plakat am Brandenburger Tor mit „CDUler töten“ vor, von der Identitären Bewegung hinsichtlich der von der CDU forcierten Masseneinwanderung mit mittlerweile in die Tausende gehenden Mordfälle an deutschen Bürgern. Da käme die Einzelfallentscheidung wohl etwas weniger wohlwollend in Richtung Mehrdeutigkeit.

Unternehmen und Leistungsgedanke als klares Feindbild

Der Berliner Widerstand gegen Unternehmen und Kapital hat lange Tradition. Als Google in Kreuzberg einen Campus für junge Unternehmen eröffnen wollte, wurde demonstriert und das Gebäude besetzt. Gegner verlangten ausdrücklich die entschädigungslose Enteignung von Unternehmern. Nach jahrelangem Protest gab Google das Projekt 2018 entnervt auf. Eine beteiligte Initiative kündigte anschließend an, weitere Unternehmensprojekte in Kreuzberg bekämpfen zu wollen.

Später dann wurde Amazon zum Feindbild. Gegen den neuen Berliner Standort des Konzerns an der Warschauer Brücke wurde über Jahre mobilisiert. Aktivisten erklärten Amazon für unerwünscht und protestierten gegen ein Gebäude, in dem Tausende Menschen Arbeit finden sollten. Tesla traf es ebenfalls: Demonstrationen vor dem Berliner Verkaufsraum, Farbe gegen die Fassade, ein Tortenwurf gegen einen ausgestellten Roboter. Der politische Anlass war jeweils unterschiedlich. Wo ein großer privater Unternehmer auftaucht, findet Berlin schnell eine Szene, die ihn zum Feind erklärt.

Der Klassenkampf gewinnt Wahlen

Der größte Erfolg dieses leistungsfeindlichen Denkens und Handelns kam allerdings an der Wahlurne: schon 2021 stimmte eine Mehrheit beim Volksentscheid für die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Im September 2026 nun wurde die Linke dann mit 25,7 Prozent stärkste Kraft bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Sie gewann gegenüber der vorherigen Wahl fette 13,4 Prozentpunkte hinzu. Berlin war wirklich schon immer sehr speziell. Sozialistische Eigentumsübertragungspolitik hat in der Hauptstadt inzwischen eine erhebliche demokratische Machtbasis.

Die Partei verschweigt ihre Vorstellungen dabei keineswegs. In ihrem Wahlprogramm fordert sie einen Privatisierungsstopp und will Bereiche des täglichen Lebens „Stück für Stück in die öffentliche Hand zurückholen, durch Rekommunalisierung und Vergesellschaftung“. Nach den Wohnungskonzernen steht auch die Gasag als möglicher nächster Kandidat im Raum. Über die gewünschte Wirtschaftsstruktur schreibt die Partei, Berlin solle keine Stadt werden, in der Finanzunternehmer und Gründer Milliarden verdienten und sich damit die Stadt „kaufen“.

Enteignung wird zum politischen Programm

Bei der Wahlparty durfte der passende Schal nicht fehlen: „ENTEIGNEN“ stand darauf. Wenige Tage später verlor die Vonovia-Aktie deutlich; Anleger reagierten auf die zurückgekehrte Vergesellschaftungsdebatte. Die Deutsche Kreditwirtschaft warnte nach der Wahl, bereits die Diskussion schrecke Investoren ab und könne das Vertrauen in den deutschen Investitions- und Finanzierungsstandort beschädigen. Berliner Sparkasse, Berliner Volksbank, DKB und die landeseigene Investitionsbank Berlin hatten bereits im Juni erklärt, die Vergesellschaftungspläne könnten private Investitionen bremsen und weit über die Wohnungswirtschaft hinaus Signalwirkung entfalten.

Berlin braucht dieses private Kapital gleichzeitig dringender denn je. Wohnungen bauen sich nicht durch Plakate. Offenbar stellt sich die Linke vor, dass neuer Wohnraum durch Enteignung entsteht. Sei’s drum. Man muss offenbar alles nochmal ausprobieren. Für die Lernkurve der meisten Berliner heißt das offenbar: alle zehn Jahre spätestens wieder Kommunismus. Viel Glück auf dieser Reise. Nur sollten hierbei dann auch tatsächlich keine weiteren Milliarden aus dem Länderfinanzausgleich nach Berlin gehen.

Kapital ist ein scheues Reh. Wie abhängig Berlin von privatem Kapital bleibt, zeigen schon die eigenen Bauzahlen. Von den zwischen 2020 und 2024 fertiggestellten Wohnungen ging nach Angaben der vier Berliner Banken ein erheblicher Teil auf private Investoren zurück. Gleichzeitig registrieren die Institute bereits wachsende Zurückhaltung bei neuen Engagements – ausgerechnet in einer Stadt, die chronisch zu wenig baut, aber politisch natürlich immer noch mehr Platz hat. Vielleicht werden dann endlich Träume wahr, wonach man Alte aus ihren für zu groß befundenen Wohnungen werfen kann.

Wenn aus Feindbildern Gewalt wird

Die Schwelle von der Feinderklärung zur körperlichen Gewalt ist in diesem Milieu längst überschritten. In den Verfahren um den sogenannten Antifa-Ost- und Budapest-Komplex geht es um Angriffe auf Menschen, die als politischer Feind deklariert werden, mit Hämmern, Teleskopschlagstöcken und anderen Waffen. Den Angeklagten wird vorgeworfen, bei einzelnen Attacken selbst den Tod ihrer Opfer in Kauf genommen zu haben. Der Bayerische Rundfunk dokumentierte im Frühjahr zudem das breite Unterstützerumfeld solcher Beschuldigter; die Rote Hilfe zahlte nach eigenen Angaben allein 2025 knapp 1,2 Millionen Euro direkte Unterstützungsleistungen aus. Mehrere Bundestagsabgeordnete der Linken sind Mitglied dieses Vereins, Sören Hellmann ist gerade frisch eingetreten, Elif Eralp zumindest auf dem Papier bis 2025 aktiv aber im Herzen mindestens verbunden.

Die zunehmende Enthemmung der linke Szene

Eine ganze gesellschaftliche Gruppe wird sprachlich von einer zunehmend entgrenzten Linken zum Feind erklärt, Gewalt wird als denkbare Kategorie in den politischen Raum hineingetragen, rechtfertigt und teilweise sogar offen gefeiert. Wie weit diese komplette moralische Enthemmung inzwischen reicht, zeigte sich nach der Ermordung Charlie Kirks im September 2025. In sozialen Medien wurde der Tod des konservativen Aktivisten auch von Stimmen aus dem deutschen linken Milieu verhöhnt oder politisch gerechtfertigt und eben: gefeiert. Die Linksjugend Hannover veröffentlichte nach dem Attentat den Satz „Blutige und rechte Politik führt zu blutigen Patronen“; selbst die linke Tagesschau sprach davon, dass Kirks Tod in Teilen der politischen Linken „regelrecht gefeiert“ worden sei. Das muss der Tagesschau wie Sand im Mund geschmeckt haben. Nichts desto trotz: auch die Öffentlich Rechtlichen und der linke Medienbetrieb hat hier eher viel Verständnis und moralischen Unterbau an den Tag gelegt. Das ist eine Melange aus der die immer nächste Enthemmung erwächst.

„Investoren töten!“ ist in diesem Klima keine Provokation, es ist die deutlich formulierte nächste Eskalationsstufe einer linken Szene, die ihre Hemmungen immer weiter verliert – in einem Umfeld, dessen gewaltbereiter Teil längst gezeigt hat, dass er Gewalt nicht mehr nur denkt.

Investoren sollten das unbedingt ernst nehmen und keine Zweideutigkeiten in Eindeutigkeiten in Berlin mehr suchen.

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Kommentare ( 62 )

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62 Comments
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Karl Renschu
2 Tage her

Investoren sollten an die Selensky Real Estate verkaufen.

Jens Frisch
4 Tage her

Bei meinem letzten Besuch im Kalkutta ann der Spree waren da beide innerlich und äußerlich „verwahrlost“ – sowohl die Menschen als auch der Staat.

Jens Frisch
4 Tage her

„Eine beteiligte Initiative kündigte anschließend an, weitere Unternehmensprojekte in Kreuzberg bekämpfen zu wollen.“
„Wer nicht arbeitet, braucht auch nicht zu essen“ stellte einer der Mitbegründer der SPD einst fest. Heute wäre Ferdinand Lasalle wahrscheinlich AfD Mitglied.

Waehler 21
4 Tage her

Ich gehe davon aus, das Herr Haldenwang das genau im Blick hatte. Deshalb sollte man ihn mal fragen!

Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er eine Marionette von Frau Faeser war und uns über alle rudimentären Gefährder und ihre Strömungen informiert hat.

Pustekuchen! Selbst die aktuell herrschenden Tollitäten schweigen sich aus. Schweigen ist aber nur der stille Mittelfinger den man dem Wähler vor die Nase hält!

Last edited 4 Tage her by Waehler 21
Juergen Waldmann
4 Tage her

Linke erreicht in Berlin 51 Prozent bei Muslimen !Am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Partei in Berlin. Dahinter folgten CDU mit 18,8 Prozent und AfD mit 16,3 Prozent.
Die Grünen kamen auf 14,3 Prozent, die SPD auf 12,1 Prozent.
Das BSW verfehlte mit 4,7 Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus.
Besonders groß fällt der Unterschied bei muslimischen Wählerinnen und Wählern aus . Nach der exklusiven Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen,, stimmten 51 Prozent dieser Gruppe für die Linke .
Armes Deutschland , wenn das bei den nächsten Wahlen so weiter geht !

Jatoh
4 Tage her

Nun, es die deutsche Hauptstadt und Regierungssitz. Mehr muss man dazu nicht sagen.

verblichene Rose
5 Tage her

Dass ein Investor wie Christian Dames „fassungslos“ über den Unmut ist, zeigt im Grunde nur, wie isoliert diese junge Tech-Elite (nicht nur) in ihrer Berliner Blase lebt. Sie bewegen sich in klimatisierten Co-Working-Spaces, rechnen in Excel-Tabellen und merken gar nicht mehr, wie die reale Welt draußen auf ihre rücksichtslose Dynamik reagiert. Man muss kein Linker sein, um zu sehen, dass diese Form des Wirtschaftens die Seele jeder Stadt und das menschliche Miteinander beschädigt. Selbstverständlich muss ich mich an dieser Stelle wohl nicht von Mord und Totschlag distanzieren! Bestenfalls aber von all den ignoranten Vollidioten, die im Internet einkaufen und sich dann in… Mehr

Britsch
2 Tage her
Antworten an  verblichene Rose

Wo leben Sie eigentlich? Geht heutzutage nicht alles nach Statistikzahlen usw-? Der erinzelne Mensch wird nicht mehr al Individium behandelt sondern alle Menschen werden generalisiert behandellt als wären alle gleich. Selbst die vion der Natur geschaffenen Geschlechter Mann und frau versucht man gleich zu schalten: alles rennt rum und meint ees müsse ständig erreichbar sein und sämtliche sämtliche Informationen verrfügbnar haben. Wissen und Können ist nicht mehr im Kopf und ventstammt diesem, Braucht man nicht mehr, bei Bedarf alles im Gerät das man dabei hat abrufbar. Automatische kassen usw. Das ehemals übliche und vielfach bewährte Zusammenleben wurde „verteufelt“ und wurde… Mehr

Waldschrat
5 Tage her

Hier wird ganz öffentlich zu Mord aufgerufen. Wo ist, bitte schön, der Verfassungsschutz, oder Frank-Walter der Spalter, der sich doch in seinen Reden immer gegen die sogenannten Feinde der FDGO wendet. Hier sind die Feinde, sie geben es zu. Herr Steinmeier, steigen Sie mal aus ihrem Luxusauto mit getönten Scheiben aus und fahren Sie mal Bahn auf dieser Strecke, damit Sie sehen, wo die Feinde der Freiheit und Demokratie stecken und wie sie agieren.

Michael M.
5 Tage her

Lasst die Grünlinken in Berlin nur machen, denn je schneller diese Stadt endgültig an die Wand fährt umso besser.

ceterum censeo
5 Tage her

Wird Zeit, daß Berlin wieder eine Mauer bekommt. Diesmal aber nicht nur Mittendurch…

Michael M.
5 Tage her
Antworten an  ceterum censeo

Und bitte dieses Mal das Dach nicht vergessen 🥳

Waldschrat
5 Tage her
Antworten an  ceterum censeo

Nicht nur die Mauer, auch ein Deckel obendrauf.