Freiheit wird strafbar

Wie lange muss sich Sachsen noch Freistaat nennen?

Screenprint: Sächsische Zeitung

Den Abbau von Demokratie, die Aufhebung der Freiheit und die Rückkehr zu geordneten Zuständen erkennt man zuverlässig daran, dass das, was gestern noch satirischer Leichtsinn war, heute bereits bitterer Staatsernst ist. Daher stammt wahrscheinlich auch die Redewendung, dass einem das Lachen vergeht, so wie die Freiheit vergeht, denn Lachen und Freiheit gehören zusammen, ganz abgesehen vom befreienden Lachen. Möglich, dass das befreiende Lachen eines Tages sogar als schwere Straftat gilt, weil es diskriminierend, spalterisch, rechts, extrem klimaschädlich, da mit vermehrten Ausstoßen von CO-2 verbunden, egoistisch, und vielleicht sogar rassistisch ist. Aber das ist noch Zukunftsmusik, bleiben wir in der Gegenwart und halten wir uns an die Fakten. Vorgestern ereignete sich nämlich folgendes, was keine Provinzposse ist, sondern vorbildhaft, zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Im Artikel der Sächsischen Zeitung vom 13. August 2021 – passend zum 60. Jahrestag des Mauerbaus – heißt es unter der Überschrift „Wer hat Hinweise zu „Freiheit“-Sprühern?“:

„In Zittau, Großschönau, Oderwitz und Seifhennersdorf ist am 18. April und den folgenden Tagen auf Parkplätzen und vor Einkaufszentren das Wort „Freiheit“ aufgetaucht. Die Graffiti haben eine Größe von circa 70 mal 35 Zentimeter, die ein bislang Unbekannter mithilfe einer Schablone aufbrachte.
Das Polizeirevier Zittau sucht nun nach Zeugen und fragt, wer die Täter dabei gesehen hat. Hinweise nimmt es unter 03583 620 entgegen.“ (SZ)

Man stelle sich den brutalen Anschlag auf die Demokratie vor: das Wort „Freiheit“ ist aufgetaucht, jemand hat gewagt, das Wort Freiheit in der Öffentlichkeit zu verwenden, dass doch rechts ist, wie auch Immanuel Kants Forderung nach dem mündigen Bürger, wie der Steinmeier-Biograph Thorben Lütjen bereits vor einigen Jahren in der FAZ feststellte und stattdessen den Menschen empfahl, sich der weisen Führung der „Interpretationseliten“ anzuvertrauen, die der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer liebevoll „unsere Wahrheitssysteme“ nannte.
Der freche Verbrecher wählte für seine ruchlose Tat auch noch den 18. April aus, den Tag, an dem vor 500 Jahren auf dem Reichstag von Worms, Martin Luther nicht widerrufen und seine Freiheit verteidigt hatte – unter Berufung auf sein Gewissen. Bleibt abzuwarten, ob bei der Jagd auf die Freiheit, wachsame Menschen der Polizei zu Hilfe kommen, damit die Täter endlich bestraft werden können, am besten exemplarisch, damit niemand mehr auf die rechte Idee verfällt, das Wort Freiheit zu benutzen.

Ich kann zwar nicht die Täter benennen, aber um der Polizei im Freistaat zu Hilfe zu eilen, möchte ich darauf hinweisen, dass sich Rudimente des Wortes Freiheit im Namen des Bundeslandes Sachsen hinterlistig versteckt haben, nämlich im Wort Freistaat. Eine Hausdurchsuchung in diesem Begriff wäre durchaus sinnvoll. Vielleicht weitet die Polizei ihre Fahndung soweit aus und versucht festzustellen, wie das Frei in den Namen des Bundeslandes kam, bevor sie aufklärt, wie es auf den Parkplatz gekommen ist.


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Kommentare ( 44 )

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44 Comments
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Stefan Z
1 Monat her

Ein ungeheuerlicher Vorfall! Diese Staatsfeinde, haben ja vor gar nichts mehr Respekt. Hierfür müssen jetzt schnellstens entsprechende „Erziehungseinrichtungen“ eingeführt werden. „Freiheit“, dass ist doch nur wieder so ein Querdenker-Ding. Das gefährdet doch hochgradig unsere ganze schöne linke Demokratie.

Joerg Gerhard
1 Monat her

https://theconservativetreehouse.com/blog/2021/08/14/dept-of-homeland-security-makes-official-u-s-government-announcement-if-you-question-govt-covid-response-you-are-considered-a-domestic-violent-extremist/
In Amerika ist man jetzt offiziell ein Terrorist, wenn man das Regierungsnarrativ bezweifelt, welches man sich aber eh nur einbildet, die Einschraenkungen kritisiert oder vor zukuenftigen Einschraenkungen warnt.
Orwell laesst gruessen.

Mausi
1 Monat her

Lachen verboten: Meiner Erfahrung nach ist in manchen Unternehmen Lachen bereits verboten. Diesen Unternehmen ist es gelungen, die Mitarbeiter so an die Umsatz Kandare zu nehmen, dass Lachen als Störung empfunden wird. Zunächst war es in der Küche hinter verschlossenen Tür noch möglich, aber unerwünscht. Daher kamen dann offene Küchen. Mag sein, dass es andere Unternehmenskulturen gibt… Jetzt ist halt das Privatleben dran. Viele hoffen auf einen 90 – 95% Erfolg. Nachimpfen, äh nein, Nachziehen der Stellschrauben, um das Ziel zu erreichen, ist möglich. Daran wird mit Hochdruck geforscht. Schliesslich ist D Vorreiter.

Womit verschwendet D seine Zeit…

Deutscher
1 Monat her

Bald wird man wohl vom „F-Wort“ sprechen und die Nationalhymne – oder analog zur „die Mannschaft“ politisch korrekt „die Hymne“ – umschreiben müssen.

„Freiheit“, das hat so was von Konterrevolution, das darf nicht geduldet werden im wieder mal besten Deutschland aller Zeiten.

Wer „Freiheit“ fordert, macht sich verdächtig.

Last edited 1 Monat her by Deutscher
Stephan Lindemann
1 Monat her

Es würde mich nicht wundern, wenn diese Tat der Statistik rechtsextremistischer Straftaten hinzugeschlagen würde.

Physis
1 Monat her

Freiheit entsteht und LEBT immer dort, wo man die Freiheit seines Mitmenschen nicht einschränkt! Und es ist ein L U M P, welcher etwas anderes denkt!!! Nun, wie kommt es dennoch dazu, dass Menschen glauben, anderer Leute Freiheit einschränken zu „dürfen“? Ist es Dummheit, ist es Ignoranz? Meine Maxime war und ist übrigens, dass ich mir als FREIER Bürger eines Landes eigentlich noch niemals einen Kopf darüber machen musste, denn ich schränke KEINERLEI Freiheiten ein! Nein, ich bin GAR NICHT IN DER LAGE, Freiheiten meiner Mitmenschen an entsprechende Grenzen zu bringen, noch habe und hatte ich das JEMALS vor! Es… Mehr

Lajos
1 Monat her

Auch wenn es manche bagatellisieren, wehret den Anfängen. Werden solche schweren Straftaten nicht im Keim erstickt muss damit gerechnet werden das morgen jemand das Grundgesetz zitiert oder öffentlich zeigt.

Andreas aus E.
1 Monat her
Antworten an  Lajos

Beschreien Sie bitte nicht das Unaussprechliche.
Dieses trotz zahlreicher Änderungen noch immer abscheuliche Machwerk, dessen Namen ich nicht wiederholen werde, sollte so tabu sein wie Schweinskopfsülze im jüngst von den Rechtgläubigen befreitem Kabul.
Die Lektüre der Schrift sollte nur geschulten Experten gestattet sein, aber auch das nur unter Aufsicht, und richtigerweise wurde deren Propagierung polizeilich mehrfach unterbunden, wofür wir alle dankbar zu sein haben.

Max Anders
1 Monat her

Ich werte das als zivilen Ungehorsam der Polizei, daß sie eine „Tat“ vom 18. April erst nach zigfachen Nachfragen der empörten Blockwarte im August formell „verfolgen“ will. In dieser Hysterie schaffts diese „Straftat“ sicher bis in XY ungelöst…
Auch Sachbeschädigung will geahndet werden. Ich bin ja dafür, daß man das künftig mit Straßenkreide macht, da fällt der Vandalismus Tatbestand weg. Fühlt sich zwar dann an, wie die vorher gelöste Fahrkarte zur Revolution, aber erfüllt auch seinen Zweck.
Wenn der ganze Schei** vorbei ist, können wir hoffentlich mit unseren Enkeln mal drüber lachen, momentan bleibts im Halse stecken…

Andreas aus E.
1 Monat her
Antworten an  Max Anders

Man sollte diese Art von Verbrechen nicht ins Lächerliche ziehen. Das allgegenwärtige „FCK AFD“ (bei uns kein Laternenmast, keine Bushaltestelle ohne) ist gängige Street-Art, künstlerisch-demokratische Freiheit, auch die ganzen Aufkleber ähnlichen Inhalts sind völlig in Ordnung (die Partikel davon sind gutes Mikroplastik), da braucht keine Staatsmacht mit Lineal und Photoapparat anrücken. „Freiheit“ hingegen ist bedenklich. Schon wegen der im anderen Kommentar erwähnten Kreuzsymbolproblematik, die sowohl antisemitischen als auch antiislamischen Hintergrund des Verbrechens befürchten läßt. Ich nehme an, daß die Sicherheitsbehörden erst das Nahfeld überprüften, kurz nach dem 18. April, nun aber, Vierteljahr später, auch den kriminellen Hintergrund des Verbrechens und… Mehr

Andreas aus E.
1 Monat her

Leider kann ich keine sachdienlichen und gerichtsfesten Hinweise zu dem Verbrechen geben, aber als freiwilliger Bürgerpolizist einige Indizien zu wahrscheinlicher Täterschaft kommentieren. – Die „e“ sind betont offen gestaltet, sie sind nicht als verkappte „6“ interpretierbar, damit scheidet Urheberschaft okkult-satanistischer Kreise („666“) aus. – Das „t“ gemahnt an christliche Symbolik. Es sollte also besonders im Umfeld radikaler Jesusanhänger (=Gottesdienstbesucher) ermittelt werden. – Besorgniserregend ist das „F“. Es erinnert entfernt an Thorshammer, gepaart mit Kreuzsymbolik der „Deutschen Christen“, mithin ist an einen gefährlichen neopaganistisch-christlichen Synkretismus zu denken. – Das „r“ ist im Oberstrich nach rechts gebeugt, was auf rechtsradikale Gesinnung des… Mehr

Ema
1 Monat her
Antworten an  Andreas aus E.

Ich hoffe Sie erlauben mir, das ich mir das kopiere 🙂
Ich werde Sie auch immer als Quelle nennen.

Riffelblech
1 Monat her
Antworten an  Andreas aus E.

Genial !

Ronja
1 Monat her

Die Dorfbullen sollten den Staatsschutz einschalten.