Der „europäische Weg“ in der Impfstoffbeschaffung ist am Ende

Söder, Spahn und Schwesig bestellen „Sputnik V“ im Alleingang. Ohne Europa. Und dies, nachdem uns monatelang erklärt wurde, dass ein Abweichen von der „europäischen Lösung“ schlimmer „Impfstoffnationalismus“ sei.

IMAGO / ITAR-TASS

Nachdem Jens Spahn zunächst zusammen mit seinen Kollegen aus Italien, Frankreich und den Niederlanden Impfstoff bestellen wollte, pfiff Angela Merkel ihn barsch zurück: Er musste sich unterwürfig bei von der Leyen entschuldigen, dass er vom „europäischen Weg“ abgewichen sei. Bundeskanzlerin Merkel, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und praktisch die gesamte politische Klasse in Deutschland wetterte monatelang gegen „Impfstoffnationalismus“. Wer in einer Talkshow etwas Kritisches sagte, leitete sein Statement erst einmal mit der Beteuerung ein, nur die „europäische Lösung“ sei richtig.

Zur Erinnerung: Als Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble von Maischberger gefragt wurde, ob der Staat mit diesem Vorgehen nicht seine Fürsorgepflicht verletzt habe und dies viele Tote zur Folge gehabt hätte, antwortete Schäuble: „Es nützt ja nichts, wenn wir in Deutschland das Virus besiegen oder wie man das nennt. Deswegen war der Ansatz richtig, es in Europa weit zu beschaffen, obwohl der ein bisschen komplizierter ist. Den Preis muss man zahlen, wenn man Europa stärker will. Europa ist ein bisschen komplizierter, muss man auch sagen.“ Sterben für Europa?

Ursula von der Leyen schrieb in der FAZ zu diesem Thema: „Auch ich stelle mir diese Fragen jeden Tag: Hätten wir schneller sein können? Und wäre ein einzelner Mitgliedstaat schneller gewesen?… Ja, es dauert vielleicht länger, Entscheidungen zu 27 zu treffen als allein. Aber stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn am Anfang nur ein oder zwei Mitgliedstaaten Impfstoffe erhalten hätten. Das wäre für einige große Staaten wie Deutschland denkbar gewesen. Aber was hätte das für unsere Einheit in Europa bedeutet? Diese Abkehr von unseren europäischen Werten hätte nicht wenige gestärkt, sondern alle geschwächt. Das wäre an die Grundfesten Europas gegangen.“

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte bei Markus Lanz:
„Man muss bei der Wahrheit bleiben. Es war immer klar, Deutschland drängelt sich nicht vor, so wie das ein Land wie Israel, wie Großbritannien kann, sondern wir gehen gemeinsam in Europa vor, weil wir es nicht ertragen können, dass die Deutschen mit ihrer Kraft und ihrem Geld den Impfstoff haben und die Polen und die Tschechen und die Slowaken alle reihenweise nacheinander sterben…, deswegen kriegen alle europäischen Länder gleichmäßig nach ihrer Bevölkerung den Impfstoff, deswegen wird es dauern…“

Angela Merkel erklärte in vielen Reden und Interviews, der europäische Weg in der Impfstoffbeschaffung sei alternativlos und ein deutscher Alleingang sei geeignet, Europa zu zerstören. Ich fand das von Anfang an absurd und schrieb in zahlreichen Artikeln, dass der „europäische Weg“ in der Impfstoffbeschaffung der größte Fehler war: Dass der in Deutschland entwickelte und mit 375 Millionen Euro deutschen Steuergeldern geförderter Impfstoff Biontech zunächst einmal „gleichmäßig“ über Europa verteilt werden musste – nur aus der Furcht heraus, irgendjemand könne uns vielleicht des „Impfstoffnationalismus“ bezichtigen – war von Anfang an eine Riesendummheit. Jetzt wird dies teilweise und halbherzig korrigiert durch die Sputnik-Bestellung im Alleingang. Ich meine: Besser spät, als gar nicht. Aber:

– Warum entschuldigt sich Merkel zwar über Irritationen, ob man am Gründonnerstag einkaufen darf oder nicht, aber NICHT für den falschen Ansatz der europäischen Impfstoffbeschaffung, der viele Menschenleben gekostet und viele wirtschaftliche Existenzen vernichtet hat?

– Warum beerdigt man nicht ganz offiziell den „europäischen Weg“ und bemüht sich, im deutschen Alleingang auch andere Impfstoffe (nicht nur Sputnik) zu bestellen?

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 47 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

47 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Roland Mueller
8 Tage her

Der in Deutschland entwickelte Impfstoff hat ebenfalls heftige unliebsame Nebenwirkungen. Zum Beispiel Lähmungen, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Rückenmarksentzündungen. Von Arbeitsausfällen durch Fieber und andere grippeähnliche Symptome mal ganz zu schweigen. Eine gute Alternative ist es, einen weiten Bogen um die Corona-Impfung zu machen. Zumindest dann, wenn man gesund bleiben will.

MeHere
8 Tage her

Ist denn der bestellte Impfstoff Sputnik V schon in der BRD zugelassen ? Hat man etwa etwas bestellt, was nicht zugelassen ist, in der Hoffnung, dass es zugelassen wird … ?
Wurde ein Vergabeverfahren eröffnet ?
Wer zahlt das alles und auf welcher Grundlage ?

RMPetersen
8 Tage her

Merkel und die Minister sind auf Das Deutsche Volk vereindigt, nicht auf die EU, nicht auf Nachbarländer und nicht auf die rd. 200 UN-Mitgliedsstaaten.
Wer trotz dieses Amtseides nicht „Deutsche Bürger first“ setzt, hat seinen Eid gebrochen. Natürlich kann man über die Argumentation diskutieren, dass man dachte, mit der EU-Einheitlichkeit in der Summe dem Deutschen Volk mehr zu nützen, aber das hat sich als Irrtum erwiesen.
Normalerweise müssen Minister bzw Kanzler zurücktreten, die dem Deutschen Volk, seinem Souverän und Arbeitgeber, derart massiv geschadet haben. Aber weder die Wähler noch die sog. serösen Medien schauen da so genau hin.

Hanno Spiegel
8 Tage her

Ich weise ja gerne ein weiteres mal darauf hin:
die EU ist die EU und nur ein Teil von Europa.
Es gibt immer wieder Politiker die das wohlwissend verwechseln.

HGV
8 Tage her

Der europäische Weg war immer die Nebelkerze zur Verschleierung der Merkelschen Verzögerungstaktik. Sie hat immer gewusst, dass die EU das nie zustande bringen kann auch wegen Flinten Uschi und ihren Beratern. Mal sehen, was im September zur Bundestagswahl herauskommt. Vielleicht haben wir noch weitere vier Jahre Merkel vor uns!

Albert Pflueger
8 Tage her

Wann hätte der „europäische Weg“ jemals zu einem guten Ergebnis geführt? Solide Staatsfinanzen? Grenzsicherung? Rüstungsgüter? Impfstoffbeschaffung? Satellitennavigation?

alex01130
8 Tage her

Tja, wenn Schildbürger eine Pandemie bekämpfen….

SemirM88
8 Tage her

Merkel und Konsorten sind für mehr tote, wenn durch Obduktion die Diagnose „an Corona“ verstorben lauten würde, verantwortlich, als jeder „unvernünftige Bürger der friedlich für seine Grundrechte demonstrieren geht.

Ali
8 Tage her

Zitat: „Der „europäische Weg“ in der ist am Ende.“
 
Das ist nur logisch. Wie sollte die EUropäische Impfstoffbeschaffung auch in einem anderen Zustand sein, wie die gesamte EU selbst -AM ENDE!
 
Machen wir uns nichts vor, selbst die Präsidentin dieses lächerlichen zweiten Aufgusses der sozialistischen UDSSR darf nicht einmal mehr neben dem türkischen Sultan sitzen 🙂
 
Das kann alles weg, auf den Müllhaufen der Geschichte…

Ernst-Fr. Siebert
8 Tage her

Lieber Herr Dr. Zitelmann, bitte belegen Sie Ihre Aussage: der „falsche(n) Ansatz der europäischen Impfstoffbeschaffung, der viele Menschenleben gekostet hat“
Wie viele Menschenleben? Wo? Wann? Quelle?
Ich würde dann gern die „Impftoten“ gegenrechnen, um schließlich für mich eine Entscheidung zu treffen.

Johann Thiel
7 Tage her
Antworten an  Ernst-Fr. Siebert

Darauf werden Sie wohl keine Antwort kriegen. Macht aber auch nichts, weil für jeden der nur ein bisschen kritisch und logisch denken kann, die Impferei offensichtlicher und äußerst gefährlicher Unfug ist.