Neubau der Carolabrücke: Sieben Jahre Bauzeit?

Fast ein Jahr nach dem Einsturz der Carolabrücke stimmte der Stadtrat im Juni 2025 für einen Neubau. Im Mai 2026 sollen erste Entwürfe vorgestellt werden. Die endgültige Entscheidung über das Projekt will der Stadtrat frühestens im Herbst treffen. Baubeginn? Vielleicht Ende 2027. Fertigstellung? Irgendwann um das Jahr 2031.

Foto Holger Douglas

Hier stand sie einmal: die Dresdner Carolabrücke. Am 11. September 2024 stürzte sie ein, um 3:01 Uhr, kurz nachdem die letzte Straßenbahn über die Brücke gerollt war. Der sogenannte Brückenzug C, der westliche Teil, auf dem die Straßenbahnen sowie Rad- und Fußwege verliefen, brach auf einer Länge von rund 100 Metern zusammen und fiel in die Elbe.

Laut Experten-Gutachten vom Dezember 2024 war wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion der Hauptgrund des Einsturzes. Der verwendete „Hennigsdorfer Spannstahl“ aus DDR-Zeiten wies bereits seit dem Bau 1971 mikroskopische Risse auf, die über Jahrzehnte durch Witterung und Tausalze rosteten, bis die Tragfähigkeit schlagartig versagte.

Nur ein Bauzaun und ein Brückenaufleger sind noch von der Dresdener Brücken-Blamage zu sehen. Eineinhalb Jahre nach dem Einsturz steht die Stadt noch immer ohne Plan da, wann eine neue Brücke entstehen soll, geschweige denn, dass überhaupt etwas von einer neuen Brücke zu sehen ist.

Der Einsturz der Dresdner Carolabrücke im September 2024 war ein Schock für die Stadt. Eine zentrale Verkehrsverbindung der Innenstadt brach über Nacht zusammen. Umleitungen, Staus und lange Wege waren die unmittelbaren Folgen. Der vollständige Abriss aller drei Brückenzüge wurde im September 2025 abgeschlossen. In der vergangenen Woche musste die Dresdner Innenstadt für die Entschärfung einer 250-kg-Weltkriegsbombe evakuiert werden – rund 18.000 Menschen waren betroffen.

Immerhin: Fast ein Jahr nach dem Einsturz stimmte der Stadtrat am 19. Juni 2025 dafür, dass ein Neubau her soll. Das ist ja schon einmal ein erstaunliches Zeugnis kommunaler Handlungsfähigkeit.

Im Mai sollen erste Entwürfe für eine neue Brücke vorgestellt werden. Die endgültige Entscheidung über das Projekt will der Stadtrat frühestens im Herbst treffen. Baubeginn? Vielleicht Ende 2027. Fertigstellung? Irgendwann um das Jahr 2031. Wer daran glaubt…

Vom Einsturz bis zur neuen Brücke könnte es sieben Jahre dauern

Für eine Stadt, deren Innenstadt auf funktionierende Elbquerungen angewiesen ist, ist das ein bemerkenswert langer Zeitraum. Die Carolabrücke war eine der wichtigsten Verkehrsachsen zwischen Altstadt und Neustadt. Tausende Pendler, Lieferfahrzeuge und Straßenbahnen nutzten sie täglich. Nun sind längere Umwege nötig. Der Ausfall der Verbindung über die Carolabrücke belastet den Verkehr im Zentrum erheblich, doch im Rathaus stört das nicht weiter.

Dort werden Grundsatzdebatten über die Frage geführt, wie viele Autospuren eine neue Brücke haben soll. Der Stadtrat hatte sich bereits 2025 auf vier Fahrspuren festgelegt. Der Dresdner Brückenexperte Steffen Marx hält dagegen zwei Spuren für ausreichend. Andere fordern eine völlig neue städtebauliche Lösung. Wieder andere träumen von einer historischen Rekonstruktion.

All diese Diskussionen mögen interessant sein – sie ändern aber nichts daran, dass Dresden derzeit schlicht keine Brücke hat. Deutschland 2026: Eine wichtige Brücke im Herzen einer Großstadt stürzt ein und die Stadt weiß mehr als anderthalb Jahre später noch immer nicht, wie und wann sie ersetzt wird?

Aber dafür will grüne Politik Bürgern vorschreiben, was sie in die Heizungskeller einbauen sollen, wie sie sich zu ernähren haben und der grüne „Baubürgermeister“ stellt teure Zählmaschinen auf, wie viele Radfahrer über Radwege rollen. Auch ein Erfolg.

Unqualifizierter gehts nicht.

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Kommentare ( 6 )

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Dieter Rose
45 Minuten her

Scheint eine sich länger hinziehende ABM werden zu sollen, oder es müssen erst die richtigen Fachkräfte einsickern!

Sohn
52 Minuten her

Eine neue Brücke wäre reine Geldverschwendung. Das brauchen wir viel nötiger, um das Klima zu retten. Wir sind schließlich die Einzigen, die das wirklich wollen und natürlich auch können. Der Rest ist nicht so wichtig. Man muß schon Prioritäten setzen.

Danton
1 Stunde her

„Wieder andere träumen von einer historischen Rekonstruktion.“ Mit Hennigsdorfer Spannstahl! Die Bauordnung schreibt vor, das historische Gebäude, soweit sie unter Denkmalschutz stehen, auch mit original Material rekonstruiert werden. Und das einzig Historische an der Brücke war ja wohl der Materialmangel des VEB Henningsdorf.

littlepaullittle
1 Stunde her

„Peinliches Debakel“.
Und geplante Obsolenz*.
Genauer gesagt, ein kleiner Bestandteil zur geplanten Obsolenz der Bundesrepublik.
(*vorzeitige Veralten eines Produktes vom Hersteller geplant und konzeptionell vorgesehen)

Ralph Martin
1 Stunde her

Macht man nix, fällt die Unfähigkeit nicht auf.
Sie fällt erst auf, wenn sie mal was machen sollen.

twsan
1 Stunde her

Also wenn ich lesen muss, dass eine Fertigstellung der Carolabrücke erst in 2031 zu erwarten ist – gibt es offensichtlich überhaupt keinerlei verkehrtechnische Notwendigkeit für diese Brücke.

Zumindest sehen es offensichtlich die Verantwortlichen so…
ansonsten man den Bremsern (=defacto Saboteuren) das M… äh den Mund stopfen würde.

Persönlich schlage ich einen Steg für Fußgänger und Lastenfahrräder vor.

Last edited 1 Stunde her by twsan