Die schöne Mediengeschichte: kleine Räume für kleine Leute

Gesellschaftslenker in und außerhalb von Redaktionen wollen unbedingt die Frage diskutieren, wie viele Quadratmeter dem Einzelnen in „Wirhabenplatzland“ zustehen. Denn hier gibt es sehr wohl Obergrenzen. Demnächst auch in anderen Privatangelegenheiten. Das neue Ideal heißt: Schrumpfbürger.

picture alliance/dpa | Daniel Karmann
Figuren aus der Tiny Haus Spielwelt von Playmobil

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit zwei Phänomenen in Medien und Gesellschaft, die eine größere Aufmerksamkeit verdienen. Zum einen mit dem Gleichtakt, in dem Sender, Magazine und Zeitungen etwas zum gesellschaftlichen Gesprächsthema erklären, über das angeblich ganz Deutschland redet oder jetzt bitteschön reden muss. Die Endverbraucher erfahren grundsätzlich erst durch diese Veröffentlichung, dass es sich überhaupt um ein Anliegen von höchster Dringlichkeit handelt. Aber gerade deshalb, weil außerhalb von Denkfabriken und Redaktionsräumen wirklich niemand die Notwendigkeit der Entkolonialisierung von Straßennahmen, einer Frauenquote in Aufsichtsräten und die Krise der Männlichkeit diskutiert, müssen Medienpersonen ihr Publikum nachdrücklich darauf stoßen.

Neben der generellen ‚wir müssen reden‘-Behauptung geht es zweitens um ein brandaktuelles Thema, über das wir nach Ansicht von Gesellschaftsingenieuren ab sofort und so lange reden müssen, bis sich eine Wirkung einstellt: die Rationierung von Wohnraum und anderen Dingen des üblichen Bedarfs. Dass es sich bei der Vorstellung, jeder könnte selbst nach Lust und finanziellen Möglichkeiten entscheiden, auf wie viel Quadratmeter er lebt, um die verachtenswerte Suppenkasperfreiheit handelt, wissen Sie bereits aus dem Gesinnungsaufsatz von Professorin Hedwig Richter in der FAZ.

Screenprint FAZ

Faktisch verhält sich die Sache sehr einfach. Zum einen machen Vorschriften von der Heizung über das Dämmen bis zur Aushubentsorgung zusammen mit den Zinsen das Errichten neuer Wohnungen zu einer Sache, die professionelle Entwickler und potenzielle Eigenheimbauer nur noch in sehr seltenen Fällen riskieren. Selbst in München, der Stadt, wo sonst a bissel was immer ging, verwandeln sich manche ausgehobenen Bestlagenbaugruben in Grünland. Mittlerweile spielt es keine Rolle mehr, ob die Bundesregierung 400.000 neue Wohnungen im Jahr oder irgendeine andere Zahl ankündigt: In diesem Jahr entsteht voraussichtlich noch nicht einmal die Hälfte davon.

Andererseits wandern Jahr für Jahr so viele Menschen nach Deutschland ein, dass man für ihre Aufnahme rechnerisch zwei mittlere Großstädte bräuchte, wobei es längst nicht nur politisch Verfolgte und Kriegsflüchtlinge ins Kalifaterwartungsland mit seinen mittlerweile 84 Millionen Einwohnern zieht. Staatliche Stellen bringen die Neuankömmlinge in Containersiedlungen unter, wie jetzt beispielsweise eine im oberbayrischen Warngau für 500 Personen entstehen soll. Das Land Berlin mietet zum gleichen Zweck Hotels an, beispielsweise das Dormero in Ku’damm-Nähe, einen schönen Gründerzeitbau in Charlottenburg.

Aber auch diese Notmaßnahmen kommen absehbar an ihre Grenzen. Da die Bundesregierung einerseits die Bedingungen für das Bauen genauso wenig ändern möchte wie ihre Migrationspolitik und auf der anderen Seite immer noch zu wenige Deutsche auswandern, spricht in „Wirhabenplatzland“ alles für die Alternative, den vorhandenen Wohnraum umzuverteilen. Diese Idee lässt sich wiederum sehr gut mit dem grundsätzlichen Gedanken des Degrowth verbinden, nach dem alle – jedenfalls fast alle – mit weniger auskommen sollen, weil sich die Erde nur dadurch retten lässt, dass westliche Normalverdiener ihren Lebensstandard herunterschrauben.

Seit auch die Zuständigen in der Bundesregierung wissen, dass die versprochenen Wohnungen nicht einmal annähernd in der eigentlich benötigten Menge entstehen, nimmt ungefähr umgekehrt proportional die Zahl der Medienbeiträge zu, die uns erklären, wie stark die Bautätigkeit das Klima belastet. Und gleichzeitig die Menge und Länge der Qualitätsbeiträge, in denen es um die moralische Notwendigkeit kleiner genormter Wohnzellen geht.

Genau hier beginnt unsere schöne Mediengeschichte. Irgendwann in der jüngeren Vergangenheit müssen Funktionäre des politischen Apparats, zu denen auch der Chef des Bundesumweltamtes (UBA) Dirk Messner gehört, beschlossen haben, das Thema unter die Leute zu bringen. „Wir werden aber auch über die Quadratmeterzahl, auf der Menschen leben, sprechen müssen“, erklärte Messner der Neuen Osnabrücker Zeitung im April 2024. Denn es gehe „ja letztlich um Flächenverbrauch“.

Wenn sich der Präsident des UBA im Frühjahr 2024 dazu interviewen lässt, darf man davon ausgehen, dass die Bastelarbeiten an dem Narrativ mindestens seit einem halben Jahr laufen, und zwar, wie der Qualitätsjournalist schreibt, auf Hochtouren. Bemerkenswert wirkt die leichtfüßige Art, in der Messner von einem nicht näher definierten Wir spricht, das jetzt einmal ernsthaft mit den Menschen sprechen muss.

Screenprint NOZ

Er setzt es auch als völlig selbstverständlich voraus, dass dieses opake Wir ein Anrecht darauf besitzt, zu erfahren, auf welcher Fläche jemand lebt. Diesen Punkt betrachtet er offenbar schon als abgehakt. Für ihn geht es offensichtlich nur noch darum, als nächstes diese Quadratmeter-pro-Bürger-Quote festzulegen.

Bevor es hier mit der Auffächerung der Flächenverbrauchsfrage in den Medien weitergeht, noch ein kleiner Einschub: Auf wie viel Quadratmetern jemand lebt und mit wem er diese Fläche teilt, geht das Funktionärs-Wir respektive den Staat genauso viel an wie die Zahl der Unterhosen in privaten Kleiderschränken oder die Frage, ob jemand in seiner Freizeit das Kanzleramt aus Streichhölzern nachbaut: nämlich einen feuchten Holunder. Als Besonderheit kommt in diesem Fall hinzu, dass es sich bei Messner um keinen Inhaber eines Wahlamts handelt, sondern um den Vorsteher einer nachgeordneten Bundesbehörde. In dieser Funktion sollte er sich ganz und gar im Hintergrund und aus dem Privatleben seiner Arbeitgeber, also der Bürger, heraushalten, anderenfalls rüttelt er ganz gewaltig am Watschenbaum, dessen Früchte allerdings zuerst die zuständige Bundesumweltministerin und ihre Parteikollegen zu kosten bekämen.

Überhaupt fällt auf, dass sich in letzter Zeit Behördenleiter nach vorn drängen, um sich Seite an Seite mit Professoren wie Richtern als Gouvernanten ohne Auftrag zu betätigen. Figuren wie Geheimdienstchef Haldenwang, der sich um die Bewachung von Mentalitätsgrenzen kümmern will, ein Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller, der ankündigt, zusammen mit ebenfalls nicht gewählten EU-Kollegen demnächst „schädliche Inhalte“ aus dem Netz zu entfernen, ermutigen offenbar den nächsten Kollegen, seine Nase in das zu stecken, was in der bundesdeutschen Frühgeschichte einmal ‚Privatleben‘ hieß.

Aber nun wie versprochen zu den Aufklärungsartikeln über Menschen, die zu viel Platz verbrauchen. Am 23. Februar 2024 erschien in der Süddeutschen ein Beitrag mit dem Titel „Oma soll umziehen“, dessen Wortwahl – „soll“ – zusammen mit der Illustration keinen Zweifel aufkommen ließ, dass der Text nicht freiwillige Lebensentscheidungen verhandelt, für die sowieso niemand eine simulierte gesellschaftliche Debatte bräuchte.

Screenprint: SZ

Der Autor unterbreitete in der Folge einen praktischen Vorschlag, nämlich eine Strafsteuer ganz allgemein für Bürger, also keinesfalls nur Senioren, die seiner Ansicht nach zu groß wohnen. Eine konkrete Quadratmeterzahl nannte er dabei nicht. So etwas sorgt in einer laufenden Kampagne für Flexibilität. Außerdem empfiehlt sich ein Vorgehen Schritt für Schritt. Zuerst muss in die Köpfe, dass nichts an der Steuerung von Wohnfläche vorbeiführt. Der süddeutsche Journalist schlägt vor, der Staat könne von dem eingetriebenen Geld Sozialwohnungen errichten. Natürlich verfügt dieser Staat theoretisch schon jetzt genügend Mittel zum Bauen, wenn auch nicht unbedingt über wirtschaftliche Kompetenz, weswegen er ja auch die Radwege in Peru nur bezahlt, aber nicht selbst anlegt. Aber eine sozialistische Rationalisierungsidee verkauft sich nun einmal besser, wenn irgendwo das Etikett sozial pappt.

In der schon erwähnten bundesrepublikanischen Antike gaben damals noch auflagenstarke Medien ihren Lesern Steuerspartipps und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen. Heute übermitteln sie dem Staat sachdienliche Hinweise, wie er den Bürger noch ein bisschen gründlicher schröpfen könnte. So ändern sich Zeitungen und Zeiten.

Nur wenige Tage nach dem SZ-Strafsteuervorschlag zieht der Focus mit einem Beitrag nach, der feststellt, dass Senioren Wohnungen blockieren.

Screenprint: Focus

Auch hier umgeht der Autor unelegant die Frage, ob es tatsächlich auf eine brauchbare Politik hinausläuft, zum einen jedes Jahr eine sechsstellige Zahl von Menschen einwandern zu lassen, von denen sich ein großer Teil im Leben als Versorgungsfall einrichtet, und gleichzeitig den Wohnungsbau nach Kräften zu erschweren. Stattdessen heißt es bei ihm: „Deutschland hat ein Problem mit der Wohnraumverteilung.“ Und natürlich mit gemeinschädlichen Suppenkaspern, die auch in Zukunft gern selbst über ihren Lebensmodus entscheiden würden.

Wie gesagt, nicht nur trotzköpfige Senioren verschwenden Flächen. Weiter geht es „wie an der Schnur“ (Ochs auf Lerchenau) mit Beiträgen, die anderen ein Leben nahelegen, das Hedwig Richter und Dirk Messner gefallen würde. In der Zeit vom 31. März erklärt die Redakteurin, dass und wie ein eigener Garten vor allem Kinder gefährdet.

Screenprint: ZEIT

Als Illustration dient das Foto von einer Harke. Dort tritt der Nachwuchs hinein – Notaufnahme. Im Zeit-Angebot findet sich außerdem die dringende Warnung vor zu großen Küchen, die nach Ansicht der Meinenden unweigerlich den Verlust des Rechts nach sich zieht, beispielsweise über zu hohe Steuern zu klagen.

Im gleichen Fachblatt für das bescheidene Leben anderer Leute erscheint am 28. April ein Lob des Plattenbaus, inklusive Hinweis, worum es neben der genormten Quadratmeterzahl außerdem geht: „Nichts erzieht wie die Platte.“

Screenprint: ZEIT

Im Modellstaat DDR gab es offen gestanden noch ein paar wirksamere Erziehungsmethoden, von denen es vermutlich erst übermorgen in der Hamburger Redaktion heißt, sie würden unnötig schlecht geredet.

Schon im Dezember 2023 veröffentlichte die Organisation Campact ihr „Hoch auf den Plattenbau“; der Text vermittelt etwas konkreter, worum es bei der gewünschten Raumbewirtschaftung eigentlich geht. Aber zunächst einmal: Was verbirgt sich hinter Campact? Zum finanziellen Grundstock trug vor Jahren die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes bei; zu den regelmäßigen Geldgebern gehört die „European Climate Foundation“ – die gleiche Organisation, die auch die „Agora Energiewende“ mitfinanziert –, außerdem die „Open Society Foundation“ von George Soros.

Im Plattenlob-Text vom Campact heißt es: „Die alten Bauherr*innen zu DDR-Zeiten haben uns etwas Gutes hinterlassen – die Einheitlichkeit. Festgehalten in sogenannten Wohnungsbauserien. Das sind Typisierungen für unterschiedliche ‚Platten‘. Wenn es also viele Häuser einer bestimmten Wohnungsbauserie gibt, dann ist für die Wärmewende natürlich ein großer Vorteil. Was gleich aussieht, gleich aufgebaut ist und gleich funktioniert, kann auch mit geringerem Aufwand im großen Stil energetisch und klimafreundlich saniert werden.“

Ganz ähnlich sieht es auch der Tagesspiegel.

Screenprint: Tagesspiegel

Nebenbei dienten die Wohnwaben zu DDR-Zeiten laut Campact auch der schon oben positiv erwähnten Erziehung: „In Gemeinschaftsräumen wurde gefeiert, gemeinsam diskutiert oder Arbeitseinsätze der Hausgemeinschaft geplant.“ So wünschten es sich die damals noch ungegenderten Bauherren, von denen die neuen unbedingt lernen wollen.

Auf dem Gebiet der Bewusstseinstransformation lässt sich neben wirmüssenreden noch eine zweite Methode erkennen, die aus der gleichen Zeit stammt wie die erzieherischen Wohnwelten, nämlich das öffentliche Lob vorbildlicher Bürger. In den nicht wirklich untergegangenen Zeiten gab es in jedem Land mindestens einen dieser Modellbürger; in der DDR Adolf Hennecke, in der Sowjetunion den fiktiven Pawel Kortschagin, in Rotchina den guten Soldaten Lei Feng.

Der vorbildliche Militärangehörige spendete der späteren Überlieferung zufolge seinen Sold an ärmere Bürger, stopfte Kameraden nachts heimlich die Socken, säuberte Parks, half Senioren über die Straße, studierte in seiner restlichen Zeit die Werke Maos und entlastete die Rentenkasse, als er sich am 5. März 1962 im Alter von 22 Jahren von einem umkippenden Telefonmast erschlagen ließ. Mao rief diesen 5. März zum nationalen Gedenktag aus, an dem der Rest des Landes vom Leben des Genossen Lei Feng lernen sollte. Neben seinen anderen Aktivitäten führte der gute Soldat auch noch Tagebuch, das Genossen postum entdeckten und Parteizeitungen zum Abdruck weiterreichten.

Bestbürger der Gegenwart unterscheiden sich selbstverständlich in vielen Details von Lei Feng. Bestimmte Züge ihrer Sonderexistenz bleiben trotzdem gleich. Zeit-Online stellt eine entfernte Nachfolgerin des Soldaten vor, nämlich „Maren Kauer, Minimalismus-Coachin“, die zusammen mit ihrem Mann auf 30 Quadratmetern lebt, wo sie in ETFs investiert. Und das Beste: „Beide machen ihre Sojamilch selbst“.

Screenprint: ZEIT Online via X

So ungefähr sieht in der neuen Richter-Zeit-Messner-Welt in naher Zukunft der Standard für eine Bevölkerungsmehrheit aus. Wahrscheinlich nur ohne ETFs. Wer jetzt meint, dass demnächst bestimmt auch Medienprodukte über glückliche Senioren erscheinen, die aus Einsicht in die Notwendigkeit die Last der großen Fläche abschütteln, liegt nur beinahe richtig. Sie sind schon da. Auch auf diesem Gebiet gibt es das, was, wie sich ältere Ostdeutsche erinnern, früher Straße der Besten hieß.

Focus Online jedenfalls berichtet über „Alois, 63“, der aus seinem Haus in eine 28-Quadratmeter-Hütte wechselte, eine Unterkunft der Sorte, die schon durch den Namen tiny home modern und hochwertig wirkt.

Screenprint: Focus online

Selbstverständlich steht es jedem frei, auf sehr wenigen Quadratmetern zu existieren, auf alle nur denkbaren Dinge bei Ernährung, Fortbewegung und Energieverbrauch zu verzichten und sich klimafreundlich an dem Glauben zu wärmen, damit zur Degrowth-Avantgarde zu gehören. Der Punkt liegt in dieser schon längst bestehenden Freiheit, für die niemand redaktionelle und behördliche Minimalismus- und Plattenbauästhetikcoaches braucht. Die Freiheit endet dann, wenn bestimmte Leute darüber nachdenken, durch ein Register der Quadratmeterzahlen, Strafsteuern und medial hergestellten Druck das Privatleben von Bürgern zu lenken.

Wobei sich der Lenkungsfuror auf die Normbürger konzentriert, nicht auf die Lenker selbst, die ihre Tugend schon so sehr durch ihre Appelle zeigen, dass sich Verzicht als Ausweis der Wohlgesinntheit für sie einfach nicht mehr lohnt. Maja Göpel beispielsweise zählt zu den wichtigsten Schrumpfpredigerinnen Deutschlands, die in ihren Büchern und einer Fülle von Interviews liebend gern die Niedrigenergiewelt für tiny people zurechtschneidet.

In einem Gespräch auf der Plattform „Good Impact“ erklärt Göpel unter anderem, dass die Minimalismuscoachin aus der Zeit immer noch auf doppelt zu großem Fuß lebt: „Natürlich gäbe es auch in so einer Niedrigenergiewelt beheizte Wohnungen, fließendes Wasser, Handys, Kühlschränke, Internet, Krankenhäuser, Schulen. Es ist eher die Art und Weise, wie diese Bedürfnisse befriedigt werden, die diese Welt so sehr von unserer unterscheidet. So stehen in diesem Szenario jeder Person nur fünfzehn Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Heute sind es in Deutschland im Schnitt dreimal so viel. Jede:r kann täglich fünfzig Liter Wasser verbrauchen, deutlich weniger als die Hälfte unseres aktuellen Verbrauchs. Der individuelle Fleischkonsum ist auf fünfzehn Kilo pro Jahr beschränkt und damit auf ein Viertel dessen, was wir im Schnitt pro Jahr verzehren.“

Als eine Reporterin des Spiegel Göpel vor einiger Zeit daheim besuchte, rückte als Wohnort ganz kurz ein großzügiges freistehendes Haus mit großem kindergefährdendem Garten ins Bild. Dafür, erklärte die Hausherrin in einem anderen Interview, vermeide sie aber Inlandsflüge.

Professorin Hedwig Richter, die Normbürgern die Suppenkasperei austreiben möchte, beispielsweise ein Auto zu besitzen, Fleisch zu verzehren und überhaupt nennenswert CO2 zu emittieren, hielt kürzlich einen Vortrag auf einem Kreuzfahrtschiff – möglicherweise genau zu diesen Themen, vielleicht aber auch zielgruppengerecht.

Wie sich Limitierungsforderungen für andere und ordentlicher Lebensstandard ohne Verrenkungen unter einen Hut bringen lassen, führt wiederum die Zeit mit Hilfe der niederländischen „Philosophin Ingrid Robeyns“ vor, die fordert, dass „niemand in Westeuropa“ mehr als eine Million Euro besitzen sollte. In Deutschland schützt das Finanzamt schon ziemlich effizient vor dieser Gefahr, auch, was nur die Hälfte davon nach einem Arbeitsleben betrifft. Der Zeit-Beitrag über die Denkerin hebt so an: „Dielenboden, Kücheninsel, Blick in den grünen Garten – die Philosophin Ingrid Robeyns empfängt uns in ihrem Haus in Utrecht.“

Es ist nicht leicht, ein Haus mit dieser Beschreibung in Utrecht und Umgebung zu finden, das nicht schon allein eine Million Euro und mehr kostet. Um genau zu sein, Immobilien mit großem Garten in der unteren Preisklasse gibt es dort noch seltener als Verteidiger des Liberalismus in der Zeit-Redaktion (oh doch, es gibt diese weißen Raben).

Der Staat, der das Bauen verteuert, die Wohnraumnachfrage anheizt und einen Spitzenbeamten öffentlich über Platzrationierung nachsinnen lässt, verhält sich ziemlich genau so wie Göpel, Richter und die Philosophin Robeyns, also Vertreter der meinungsbeherrschenden Klasse, zu der sich auch Berufspolitiker zählen. Neben dem Kanzleramt entsteht gerade ein Anbau, der einmal doppelt so viel Nutzfläche bieten soll wie das Weiße Haus. Hier wirken unübersehbar Maximalismus-Coache.

Erst beides zusammen, die Messner-Mahnung ‚wir müssen über Quadratmeter reden‘ einerseits und die Errichtung des Scholzoleums im Spreebogen andererseits macht den Bürgern klar, wo sie hingehören. Ganz früher gehörte die Wendung ‚der kleine Mann‘ zum gängigen Politikerwortschatz, dann verschwand sie, weil zu offensichtlich paternalistisch, außerdem patriarchalisch. Jetzt kehrt sie korrekt gebürstet als kleiner Mann, kleine Frau (und kleiner Diverser) zurück, kurz, als Schrumpfbürger, der erst einmal den Grundsatz kapieren soll, dass andere Lebensraumgrenzen speziell für ihn festlegen.

Wo diese Linien dann konkret verlaufen, darüber reden wir später.

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Kommentare ( 60 )

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maru
15 Tage her

Ich fühlte nich besonders durch das chinesische Heinzelmännchen angesprochen, das seinen Kameraden nachts heimlich die Socken stopft.
Hat der noch Termine frei?
Ich wäre interessiert.

Last edited 15 Tage her by maru
Rob Roy
17 Tage her

Die DDR war eine Mangelgesellschaft, die zur Wohnungsnot geführt hat. Doch am liebsten hätte die SED jedem eine Villa geschenkt, vor allem um die Überlegenheit des Sozialismus zu beweisen.
Unsere Regierung dagegen will den Bürgern ihr sauer verdientes Eigenheim madig machen. Nicht nur im Sinne des Klimaschwindels, sondern auch um ihre Fehler bei der Masseneinwanderung zu verschleiern und letztlich auch, um einfach zu beweisen, dass nicht der Wähler, sondern nur die Regierung das Sagen hier hat.

Homer J. Simpson
17 Tage her

Nun, die Kontrolle und Regulierung von allem und jedem ist das Grundprinzip des Sozialismus und seinen Derivaten sowie darauf fußenden Ideologien. Aber wäre es, wenn es denn der Mehrheit wirklich missfällt (wie mir), nicht an der Zeit und diese parasitären Schälinge in Amt und Würden aus dem Amt zu jagen und die Posten neu zu besetzen? Die Justiz fällt da in Deutschland ja aus, ist sie doch politisch kompromitiert, involviert und in keiner Weise neutral. Ich habe den Weg gewählt und engagiere mich jetzt mit allen zivilen Mitteln (Parteimitgliedschaft, etc.) und verzweifele täglich mehr, wenn ich in die Nachrichten blicke.… Mehr

alter weisser Mann
17 Tage her

Die berühmten „kleine Leute“ leben ohnehin eher in kleinen Räumen, im Wortsinn und im übertragenen Sinn.
Im Übrigen ist bei diesen Themen immer viel Placebo dabei, am Ende grätscht man dann deutlich weit unter den jetzt ventilierten Beträgen oder Größen rein, um Masse zu generieren und die Gelegenheit zu nutzen. Da steht dann eins-fix-drei ein Linker auf und findet eine Million € pro Person doch immer noch viel zu viel oder 20 m² pro Kopf echt geräumig.

PaulKehl
17 Tage her

Das Bundesamt für Statistik bläst in das gleiche Horn. Jedes Jahr bei Erscheinen des neuen statistischen Jahrbuchs wird aus 10.000 Positionen immer die Position „übergroße Wohnungen von Senioren“ genannt. – Im übrigen werden in einigen Jahren die bösen weißen Mieter zumindest in den Gründerzeitvierteln, in Berlin im S-Bahn-Ring, zwangsweise „exmittiert“, am besten wegen falscher Gesinnung. In Schöneberg tauchten schon Plakate auf, daß man freien Wohnraum bei einem dubiosen Verein melden soll. Und damit sind wir bei dem alten Herrn mit der D.Flagge am ersten Mai in Neukölln. Ihm als „naasi“ steht doch die Wohnung in Bullerbü – Neukölln nicht zu,… Mehr

ichhabefertig
17 Tage her

Es scheint mir so eine Art Autoimmunerkrankung der westlichen Gesellschaften zu sein.
Mir aber egal, dank einer Auslandsimmobilie plus großem Grundstück plus Aufenthaltsgenehmigung.
Allen anderen viel Glück.

chez Fonfon
17 Tage her

Wie oft bei Herrn Wendt, hat er sich einen gut belegbaren Punkt – Immobilien -herausgesucht, um den Gesamtzustand einer kranken, ins verblödete Nirwana abdriftenden Gesellschaft zu zeigen. Wenn in diesem Land das letzte Geld verfrühstückt sein wird, wird man sich auf den Besitz als letzte verbliebene Geldquelle stürzen. Die linksgrünen Politiker werden jeden Cent brauchen, um die heruntergekommene Migranten-Gesellschaft am Laufen zu halten und sie werden gnadenlos alles einkassieren, was in 70 Jahren an dürftigem Wohlstand aufgebaut wurde, sie werden sich das komplette Erbe samt Häusern der letzten verbliebenen Deutschen einverleiben und die Jugend arm machen, nur, um ihren linken… Mehr

Ron
17 Tage her

Nein, ich distanziere mich davon! Es gibt keinen Grund, uns einzuschränken. Dennoch eine kleine Rechnung, welche zufällig mit den schon vor einiger Zeit einer SPD oder grünen Politikerin – weiß nicht mehr – geforderten qm² Begrenzung / Person relativ übereinstimmt. hier eine kleine Rechnung: Deutschland hat eine Fläche von 357588 km². Würde man die Weltbevölkerung von 8 Mrd. auf dieser Fläche ansiedeln, blieben pro Person etwa 44 qm². Circa alle 13 m befände sich jemand. Klar, unbesiedelbare Gebirge und Gewässer müsste man herausrechnen, doch es geht nur um die Vorstellung, die Visualisierung. Doch seien wir großzügig und nehmen Holland und… Mehr

Werner Geiselhart
17 Tage her

Wieder mal ein brillianter Artikel von Herrn Wendt, der mit subtiler Ironie diese sich im Wohlstand suhlenden Verzichtsprediger entlarvt.
Wobei ich wirklich für deren Ideen aufgeschlossen bin, allerdings anzuwenden auf genau diese Leute und deren grünsozialistische Anhängerschaft.
Ich helfe beim Umzug mit 😎

Querdenker73
17 Tage her

Na, wenn Rentner Alois Bredel seine 116 m² einer kleinen Familie überließ, dann hat er sicher ein gutes Werk getan! Wohlan! Ich schlage eine offizielle Liste der bewohnten Flächen aller, die öffentlich in dieser Sache lamentieren vor! In zweiter Reihe von allen Umwelt- und Klimapredigern und grünen Minister (in diesem Falle auch: *-innen).! Auch den Villenbesitzern (Span &Co.), Herrn Bundeskanzler mit seinen zwei neuen Riesenwohnungen im Kanzleramt (je um die 240m²), Oder will der hier 50 Flüchtlinge unterbringen, sozusagen als Präzedenzfall? Ich lach mit kaputt über diesen Blödsinn!