Allein im Haus mit einer Corona-Erkrankten

Wie ist das, wenn die eigene Ehefrau an Corona erkrankt? Im Gegensatz zu Strafgefangenen haben Partner, die einen Corona-Kranken pflegen (und damit die Krankenhäuser entlasten), offenbar keinen Anspruch auf einen Spaziergang.

Am Mittwoch, dem 16. Dezember, kündigte sich die Krankheit an: Mattigkeit, Husten und Fieber (38 ͦ). Erkältung oder Corona? Am Donnerstag – das Fieber steigt auf 39 ͦ  – vormittags Corona PCR-Test bei der Hausärztin. Freitag abends liegt das Ergebnis vor: Meine Frau war corona-positiv und infektiös. 

Gesundheitsamt

Am Samstag meldete sich ein „containement scout“ des Gesundheitsamtes wg. Kontaktverfolgung. Ergebnis: Null. Die kurzen und mit Maske (FFP2) stattgefundenen Kontakte der Vortage ließen sich an zwei Händen abzählen; keine der Kontaktpersonen war oder wurde infiziert. Blieb der Samstagsmarkt vom 12. Dezember, auf dem meine Frau einkaufte und beim Metzger Fleischwaren für Weihnachten vorbestellte. Aber der Markt findet im Freien statt, und es gab kein Gedränge. 

Unmittelbar nach dem Telefonat übersandte das Gesundheitsamt per E-Mail eine „Vorläufige schriftliche Anordnung einer häuslichen Quarantäne für positiv getestete und enge Kontaktpersonen“; Kernsatz:

„Sie wurden als positiv auf SARS-CoV-2 getestete Indexperson ermittelt, weswegen für Sie und ihren Mann als enge Kontaktpersonen (KP1) Quarantäne angeordnet wird.“

Unter Quarantäne

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Inzwischen stellte ich den Haushalt auf Corona um: Die Wohnung meiner Frau ist sehr geräumig, mit zwei Bädern, das Zusammenleben ließ sich also leicht trennen. Auch war genügend Essen im Kühlschrank, und zudem hatte meine Frau wenig Appetit und wollte nur leichte Kost. Ihr Zustand blieb stabil schlecht, am 23. Dezember erreichte das Fieber seinen Höhepunkt: 40,1 ͦ. Ich versuchte, mich auf der Internetseite des RKI über den typischen Fieberverlauf zu informieren. Ohne Erfolg: Der „Epidemiologische Steckbrief“ (Stand: 11. 12. 2020) zu Corona vermerkt als „häufige Symptome“ nur allgemein „Husten, Fieber, Schnupfen, Störung des Geruchs- und/oder Geschmacksinns, Pneumonie“, macht aber keine näheren Angaben. Gibt es bei über anderthalb Millionen bestätigten Infektionen in Deutschland tatsächlich keine genaueren Daten zum Fieberverlauf?

Weihnachten

Am Heiligen Abend begann das Fieber zu sinken: 39 ͦ ; an den Weihnachtsfeiertagen pendelte es zwischen 37,0 und 37,9 ͦ . Meine Frau bekam wieder Appetit, und wir verspeisten am 25. Dezember räumlich getrennt, aber gemeinsam die von ihr am 12.12. auf dem Markt bestellte, dann von einer Freundin abgeholte und vor die Haustür gebrachte „Entenbrust“. Mittags hatte das Gesundheitsamt mitgeteilt, dass die Quarantäne für meine Frau ab dem 26. Dezember aufgehoben sei.

Trotz alledem

Für mich selbst als „KP1“ galt die Quarantäne noch bis 29. Dezember. Gesundheitsamtlich. Ich frage mich allerdings, mit welchem Recht der Staat gesunde Personen für 14 Tage total wegsperrt. Strafgefangenen wird immerhin täglich ein 1-2-stündiger „Hofgang“ im Freien gewährt. Haben normale Bürger, die zuhause einen Corona-Kranken pflegen (und damit die Krankenhäuser entlasten), keinen Anspruch auf einen Spaziergang?

An Silvester erhielt ich schließlich vom Gesundheitsamt ein auf den 30. Dezember datiertes fünfseitiges Schreiben mit folgender „Anordnung“:

„Für Herrn Dr. Helmut Berschin […] wird ab 16.12.2020 bis 29.12.2020 häusliche Absonderung für 14 Tage angeordnet.“

Zu spät, aber was soll’s? Für Ursula und mich beginnt das Neue Jahr coronabefreit – trotz alledem und alledem.

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