Am „Internationalen Frauentag“ lebt die DDR bei uns fort

Da hat die DDR gesiegt. Dort gehörte zur Staatsräson, was bei uns später auch Bestandteil des politisch korrekten Denkens wurde: Erst der Ganztagsjob macht die Frau zum Menschen.

Plakat zum Internationalen Frauentag in der DDR

Gregor Gysi hat stets beklagt, von all den Errungenschaften der DDR im wiedervereinten Deutschland sei nichts, aber auch gar nichts übrig geblieben. Was so nicht stimmt. Denn heute begehen wir in ganz Deutschland den Internationalen Frauentag, von Sozialist*innen und Emanzen* auch gerne als Frauenkampftag bezeichnet. Den hatten in der alten Bundesrepublik nur ein paar versprengte „Linke“ und Gewerkschafter*innen begangen und dabei lila Tücher geschwenkt, was stark an eine Schokoladenmarke erinnerte. Doch seit der Wende wird der Frauentag im ganzen Land gefeiert – nicht mehr in Lila, sondern in Rot, in Dunkelrot. So hat – wenigstens für einen Tag – der Sozialismus doch gesiegt.

Zum Kämpfen und Feiern eingeladen sind keineswegs alle Frauen. Studiert man all die Aufrufe und Verlautbarungen von Frauenministern, Frauenbeauftragten und frauenpolitische Sprecher*innen aller Parteien, Religionen und Konfessionen, dann steht nur eine weibliche Spezies im Mittelpunkt: die werktätige, die berufstätige Frau. Frauen, die nichts zur Steigerung des Sozialprodukts beitragen, weil sie “nur” Kinder erziehen oder “nur” Alte in der Familie pflegen, sind den meisten „feministischen, sozialistischen und gutmenschlichen Frauenversteher*innen“ keiner Erwähnung wert. Auch da hat die DDR gesiegt. Denn dort gehörte zur Staatsräson, was bei uns erst später Bestandteil des politisch korrekten Denkens wurde: Erst der Ganztagsjob macht die Frau zum Menschen.

Das Schöne an so einem Kampftag ist, dass frau/man da alles hineinpacken kann, wonach einem politisch gerade der Sinn steht. Der SPD-Parteivorstand hat zum Frauentag eine Resolution beschlossen: „Wir sind die Demokratie“. Ob damit impliziert werden soll, dass alle anderen Parteien undemokratisch sind, bleibt offen. Auch der Bezug, zwischen dem angeblichen demokratischen Alleinstellungsmerkmal der SPD und den Frauenrechten, wird nicht ersichtlich. Passend zum Frauentag verdammt die Schulz-Partei in ihrer Resolution „ein äußerst konservatives Familienbild“, wonach die Familie „besteht aus Vater, Mutter und idealerweise drei Kindern.“ Man stelle sich nur vor, wie schlimm es in diesem Land aussähe, wenn es mehr Familien mit drei Kindern gäbe. Da wäre nach Ansicht der SPD wohl unsere Zukunft gefährdet.

Maas vs. Sexismus
Maas - Der Minister und die Frauen
Zum Frauentag gehört der Ruf nach „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ wie die „We are the Champions“-Chöre zum Fußball. Doch mit dem gleichen Lohn ist das so eine Sache. Frauenministerin Manuela Schwesig ließ gestern per Twitter Folgendes verbreiten: „Frauen leisten im Durchschnitt täglich 87 Minuten mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. #GenderCareGap #Gleichstellungsbericht“. Was zweifellos zutrifft: Bei der Aufteilung der häuslichen Arbeit lassen Männer ihren Frauen gerne den Vortritt. Nur passt zu solchen Klagen nicht, dass dieselbe Ministerin alles getan hat, um das Betreuungsgeld als „Herdprämie“ zu diffamieren und Mütter, die ihre Kinder nicht in die Obhut von staatlich zertifizierten Erzieherinnen geben, gleich mit. Apropos „Equal Pay“: Dass Erzieherinnen möglichst gut bezahlt werden, „Nur“-Hausfrauen für die Familienarbeit dagegen keinen Cent bekommen, ist aus der Sicht der Vorkämpfer*innen für berufstätige Frauen offenbar in Ordnung. Es lebe der kleine Unterschied.

Eines sollte am diesjährigen Frauenkampftag jedoch nicht untergehen: Frauen sind heute in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stärker denn je. Wer ein Musterbeispiel für erfolgreiche Frauenförderung sucht, der wird schnell fündig: Christine Hohmann-Dennhardt. Die Ex-Ministerin und Ex-Verfassungsrichterin hat auch in der Wirtschaft eine beispiellose Karriere gemacht, als das Geschlecht bei der Besetzung von Vorstandspositionen vor ein paar Jahren zu einem ganz wichtigen Kriterium wurde. So zog die verdiente SPD-Genossin erst in den Vorstand der Daimler AG ein und wechselte dann in den Vorstand der Volkswagen AG. Dort schied die Dame nach einer nur dreizehnmonatigen, offenbar nicht allzu segensreichen Tätigkeit wieder aus und kassierte rund 13 Millionen Euro als Abfindung. Womit bewiesen wäre: Frauenförderung lohnt sich – jedenfalls für Vorzeigefrauen.

Wie wär’s eigentlich, wir fänden für den Internationalen Frauentag einen neuen Namen? Zum Beispiel Hohmann-Dennhardt-Tag! Damit die Mädchen und jungen Frauen ein Vorbild zum Nacheifern haben: Auch Du kannst es schaffen – am sichersten mit Hilfe der IG Metall und der SPD.

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Kommentare ( 35 )

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Dazu fällt mir ein: die Versorgung mit Ärzten in Deutschland ist stark gefährdet (FAZ-Artikel von vor ein paar Tagen), weil die zu Ärztinnen ausgebildeten Frauen absolut nicht so viel arbeiten wollen, wie die zu Ärzten ausgebildeten Männer einer Generation früher. Die Frauen-Beauftragtinnen reißen immer die große Klappe auf, was Frauen alles können und tun und deshalb verlangen können („Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit!!!“ usw.), aber liefern tun die Frauen dann doch nicht. Der Grund für die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln dürfte sein, dass die meisten Frauen eben doch nicht dem Bild entsprechen und auch nicht entsprechen wollen, das die… Mehr

Damals wurde gefeiert … und ausgezeichnet.

Hier das Bild dazu (von Wolfgang Mattheuer, entstanden 1973/74):

http://www.lex-art.eu/Mattheuer_-_Die_Ausgezeichnete.JPG

Tja, so verschieden sind die Wahrnehmungen. Ich fand es zum großen Teil immer recht lustig (die Feierei, versteht sich).

Tja, ich fand es – die Verlogenheit der „Feierei“ und die Entgleisungen dabei – immer peinvoll.

Das hängt sehr von der Gesellschaft ab, in der man feiert. Wir haben bei dem offiziösen Getöne einfach auf Durchzug geschaltet und uns hinterher einen schönen Abend gemacht.

Aber „gekämpft“ wurde an dem Tag nicht!

Ja leider, leider obwohl ich Müller-Vogg an sich gerne lese, ist mir dieser Aufsatz nicht so eigen. Sie haben eigentlich Recht…..

Hier wird zu diesem Thema bei Tichy, sorry, viel „Blödsinn“ geschrieben, was ich sehr bedauere. Den Frauentag gibt es im Westen seint über 30 Jahren….. und lieber Herr Müller-Vogg noch weit vor Fall der Mauer…..

Der Frauentag von 1914 hat mit neueren nichts mehr gemeinsam.

Der größte Fehler ist das gegeneinander Ausspielen d. Frauen. Das Privileg im Westen war bisher, daß jede Frau selbst entscheiden konnte, was sie macht. Das ganze sollte auch wertefrei sein. Im Moment wird aber auf allen Ebenen von den Mächtigen das Spiel „Gegeneinander ausspielen“ perfomed, ein sehr gefährliches Spiel, vermutlich mit Absicht..Also: alt gegen jung, arm gegen reich, Stadt gegen Land, Single gegen Verheiratetete u. auch Arbeitende Frau gegen nicht arbeitende Frau. Dies alles hat nur 1 Ziel: Spaltung und dadurch Schwächung d. gesammten Gesellschaft um dadurch gewollte Ziele einfacher u. schneller durchsetzen zu können. Aufpassen……

Arbeitende Frauen mit fairem Lohn sind etwas Gutes u. waren für mich etwas Selbstverständliches, nicht nur im Osten, ich will nicht in den Mief zurück um es klar zu äußern sondern zurück in rechtstaatliche, klare u. effiziente Strukturen d. demokratischen, pluralistischen u. freien Art, so wie sie im Westen etwa in den 70er u. 80er waren. Weder in Anarchie noch in Adenauer Zeiten oder verklemmte DDR Zeiten zurück !

Ich aus dem Westen stammend gebe Ihnen Recht, mir werden hier 2 Dinge eh vermischt. Sozialismus stand nicht für Grenzen öffnen u. Beliebigkeit. Das hier bei uns geht eher in Richtung Landaufgabe, Nationaufgabe, Anarchie u. laissez-faire im extrem schlechten Sinne, auch möchte ich nicht zurück wie in anderen Leserbriefen be- und geschrieben u. in Herrn Müller-Voggs Aufsatz angedeutet, zurück ins Heim u. in die 60er Jahre diesbezüglich wohlgemerkt.. Das alles sind 2 Paar Schuhe…!!!
Man sollte dies nicht ungedingt vermischen, wer gegen a ist, ist damit noch nicht für b.

Klasse beobachtet, geschrieben und pointiert! Auch das Photo der ihre Hosen gut ausfüllenden Suffragetten …

Right, right . Und man könnte die Hosenanzüge auch noch bezeichnen , von re. nach li. , und los gehts :
Vegetarischer Hosenanzug (Hendricks)
Arbeits-Hosenanzug (Nahles)
Antifa-Hosenanzug (Maas)
Subalterner Generationen-Hosenanzug (Ferner)

Man könnte auch noch erweitern , ohne Foto , z.B. :

Empörungs-Hosenanzug (C.Roth)
Küstenpuppen-Hosenanzug (Schwesig)
Dem Maddin sein -Hosenanzug (Chulz)

…usw, usf……:-))))))

Einigen würde die Burka jedenfalls besser stehen.

Also ich sehe auf dem Foto nur drei Mannsbilder und ein Männlein.

Ich hab‘ durchgezählt: Sie haben recht!

Da geb ich Ihnen als ehemalige DDR- Bürgerin recht.
Leider hat das auch der zu drei Vierteln aus Westdeutschen bestehende Bevölkerungsanteil zugelassen; nirgends ist der Anteil von Merkel- und Gauckbefürwortern höher.
Sie sehen, wir leiden gemeinsam;-)

Es wird doch schon lange staatlich bestimmt was Eltern zu wollen haben! So zumindest mein Eindruck.