Maas – Der Minister und die Frauen

Mit dem Wunsch, den bürgerlichen Massen ein Schuld- und Schambewusstsein gegenüber öffentlichen Darstellungen körperlicher Schönheit und Freizügigkeit einzuimpfen, ist Maas bei weitem nicht der erste.

© Adam Berry / Getty Images

Heiko Maas will „geschlechterdiskriminierende“ Werbung in Deutschland unterbinden und damit als Reaktion auf die Sex-Attacken in Köln ein „moderneres Geschlechterbild“ in Deutschland propagieren etablieren. Frauen (und Männer!) sollen auf Plakaten nicht mehr auf Sexualobjekte reduziert werden. FDP-Chef Lindner warf Maas daraufhin „Spießigkeit“ vor, während andere sofort wieder die Klage über den „Verbotsminister“ anstimmten. Beides hat eine gewisse Rechtfertigung, geht aber am Kern der Causa Maas vs. Sexismus vorbei. Denn dem Spießer kauft man es immerhin ab, dass er in den eigenen vier Wänden genauso verklemmt und freudlos lebt, wie er sich gegenüber der Außenwelt gibt. Der zwangsgestörte Kontrollfreak wiederum erfährt im Kontrast zum Spießer zumindest eine Art von Befriedigung, eben nämlich durch die Ausübung von Kontrolle über seine Umwelt.

Heiko Maas als Spießer zu bezeichnen würde ihm daher eine gewisse Stringenz in seinem Handeln unterstellen – eine Stringenz, die man ihm nicht wirklich zutraut. Ausreichend Belege für diese Zweifel finden sich in Stephan Paetows Beitrag vom Februar: Minister Mittelmaas. Die gute Nachricht für den Bundesjustizminister ist die, dass er andererseits auch nicht als Neurotiker durchgehen muss, damit man ihm etwas Befriedigung zutraut. Denn letztere findet er momentan laut Klatschpresse in den Armen der Schauspielerin Natalia Wörner. Frau Wörner kann eine durchaus interessante Biographie vorweisen. So arbeitete sie bereits während ihrer Schulzeit und auch danach erfolgreich als Model. Im Zuge einer aufstrebenden Schauspielkarriere über Filme wie „Irren ist männlich“, „Frauen lügen besser“, „Suck My Dick“ und „Mein Mann, seine Geliebte und ich“ zog sie sich im gleichen Jahr der Ausstrahlung von „Cinderella – Ein Liebesmärchen in Rom“ für den Playboy aus.

Ein Justizminister, dem Recht und Justiz fremd sind
Minister Mittelmaas
Mit diesen Informationen im Hinterkopf möchte man dem Bundesjustizminister eigentlich, wäre man nicht so gendersensibilisiert, anerkennend auf die Schulter klopfen und ihm zu seinem Fang recht weit außerhalb seiner eigenen Liga gratulieren. Aber andererseits fragt man sich, was den Herrn Minister dann zu der angedachten Gesetzesinitiative bewogen haben mag. Als guter Deutscher möchte man gerne glauben, dass er als Politiker von einer noblen Gesinnung zu seinem Handeln geleitet wurde, wie zum Beispiel dem langgehegten Wunsch, den diskriminierten und auf Sexobjekte reduzierten Frauen endlich zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Allerdings passt es da einfach nicht ins Bild, dass er sein Privatleben mit einer Frau teilt, die einen beachtlichen Teil ihres Prominenstatus ihrer klischeehaften Darstellung von Frauen in sexuell konnotierten Filmchen und der Selbstreduzierung auf ein Sexobjekt verdankt. Genau das, was Heiko Maas dem Rest des Landes per Gesetz madigmachen und verbieten möchte, genießt er also in den eigenen vier Wänden. Und steigert es den Genuss nicht ungemein, wenn man weiß, dass dieser gleichzeitig den übrigen Menschen vorenthalten wird? Im Empfinden mancher Charaktere gewiss.

Mit seinem Wunsch, den bürgerlichen Massen ein Schuld- und Schambewusstsein gegenüber öffentlichen Darstellungen körperlicher Schönheit und Freizügigkeit einzuimpfen, ist der Minister bei weitem nicht der erste. Auch die Nationalsozialisten und Sowjetkommunisten verordneten dem Volk die kalte, prüde und primitive „Ästhetik“ des Neoklassizismus, während sie selbst großartige Werke der Renaissancekunst in ihren Privatsammlungen anhäuften. Hat man die Menschen erst soweit, dass sie Hässlichkeit ehrlich als Schönheit anerkennen, weiß man, dass man ihren Geist gebrochen hat. Nebenbei boten beide Systeme ebenfalls ein neues, oder „modernes“, Geschlechterbild an. In diesem Zusammenhang wäre es interessant, ob Heiko Maas es als Teil seines modernen Geschlechterbilds sieht, wenn der Mann die Ehefrau gegen eine neue Gefährtin austauscht, sobald es mit der Karriere aufwärtsgeht, oder ob er damit einfach nur noch ein Klischee über Männer, die durch etwas zu geringe Verdienste in etwas zu hohe Positionen aufgerückt sind, bedienen wollte.

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Heucheln ist Kernkompetenz der heutigen Politikerkaste. Oder, um es römisch zu sagen: Quod licet Iovi non licet bovi.