Genderkampf: Alice Schwarzer versus Judith Butler

Plötzlich gibt es Frontalkritik gegen die amerikanische Genderqueen Judith Butler und andere Genderforscherinnen. Und: Alice Schwarzer und Emma geben dieser Kritik ein Forum.

Bild (L): Alice Schwarzer, © Johannes Eisele/AFP/Getty Images || Bild (R) Judith Butler, By University of California, Berkeley [CC0], via Wikimedia Commons

Plötzlich gibt es Frontalkritik gegen die amerikanische Genderqueen Judith Butler und andere Genderforscherinnen, das aus der gleichen Szene. Und: Alice Schwarzer und Emma geben dieser Kritik ein Forum. Es geht um die Relativierung der Genderforscher von brutaler Genitalverstümmelung bei jungen Frauen, um die Huldigung der Burka und den Hass Butlers auf den Westen. Butler reagiert in der ZEIT wie angestochen und nennt Schwarzer „rassistisch“. Schwarzer wirft Judith Butler „Rufmord“ vor und deklassiert diese.

Bewegung in der Genderkiste: Judith Butler jault auf! Die Erfinderin der Gender-Ideologie (es sei eine optische Täuschung, dass Männer und Frauen existierten, das ist es im Prinzip) hat die Welt erfolgreich in wenigen Jahren auf den Kopf gestellt. Überall wird gegendert. Wie in Deutschland wird das „Gender-Unrecht“ in allen westlichen Staaten in die gesamte Rechtsordnung in alle Gesetze implementiert.

Und nun kommt Kritik von Deutschlands oberster Feministin Alice Schwarzer:

Gender
Heterophobie: Gender ist Psychoterror gegen den weißen Mann - Teil 1
Nein, Schwarzer schafft es nicht, Butler und Co. genderradikal im eigentlichen Wortsinn zu kritisieren. Dazu müssten sie auch ihren eigenen „Kleinen Unterschied“ von 1975 am entscheidenden Punkt revidieren. Sie bejubelte damals die Kastration eines kleinen Babys, David Reimer, und die anschließende Geschlechtsumwandlung von Dr. Money als einen gelungenen Beweis ihrer kruden eigenen Genderthesen, die damals noch nicht so hießen. Und sie nahm ihre krassen Irrtümer auch 2004, nachdem ich in Cicero in einem Artikel auf den Fall David Reimer und Schwarzers Versagen als Erste hingewiesen hatte, nicht zurück.

Der Reihe nach:  Zuerst gab Schwarzer Genderkritikern aus dem Zentrum der Queerszene und der Genderei Raum in ihrer Zeitschrift Emma ein Forum, und diese Kritik hatte es in sich. Der Ex-Gender-Student Vojin Saša Vukadinović greift in Emma frontal an:

„ (…) im Gender-Clan herrscht kein Dialog zwischen widerstreitenden Standpunkten, sondern einzig ein Judith-Butler-Monolog. Und der verhält sich – wie die Vordenkerin – bemerkenswert still, wenn es um die Entwürdigung, Misshandlung und Entrechtung von Frauen weltweit geht.“

Um die eigentlichen Themen der Unterdrückung, um frauenfeindlicher Texte der Rapper, um Frauen und Männer, die zum Dschihad gingen, kümmerten sich die Genderforscherinnen nicht, auch nicht um die teils katastrophale Frauenunterdrückung auf der Welt. Stattdessen relativierten sie Genitalverstümmelung oder Selbstmordattentate oder huldigten wie Butler selber der Burka:

»Daniela Hrzán, Gender-Expertin für das Reden über Genitalverstümmelung, hat in einer Reihe von Texten gemahnt, statt von „Female Genital Mutilation“ lieber von „Female Genital Cutting“ zu sprechen: Nicht etwa der barbarische Akt sei menschenverachtend, sondern der Begriff „Verstümmelung“, da dieser nahelege, dass die Betroffenen unter dem gewaltsam Erlebten leiden. Die Kulturwissenschaftlerin weiß es besser: „Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass erfüllte Sexualität nicht zwingend mit Orgasmusfähigkeit in Zusammenhang gebracht wird“, schreibt sie in beiläufiger, doppelter Niedertracht gegenüber den Opfern von Rasierklingen und Messern und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Claudia Brunner schließlich, Gender-Expertin für das Reden über Selbstmordattentate, leitet einen Artikel mit der rhetorischen Frage ein, ob es nicht besser wäre, statt von „Female Suicide Terrorism“ von „Female Suicide Bombing“ zu sprechen, da erstere Bezeichnung Massenmord „als illegitim generalisieren“ würde. In einem Interview hatte die Genderforscherin nachgelegt und sich beklagt:  „Terroristen werden durch ihre mediale Darstellung ausschließlich als brutal und irrational gezeigt, um dadurch ihre politischen Ziele unsichtbar zu machen […]

Judith Butler schwärmte vor einigen Jahren von den Terrororganisationen Hamas und Hisbollah als „progressiv“ und nannte sie einen „Teil der globalen Linken“. Auch ihre Faszination für die Burka hält die Philosophin nicht zurück. Das mobile Stoffgefängnis sei eine „Übung in Bescheidenheit und Stolz“, das nicht etwa Frauen zum Verschwinden bringt, sondern einen „Schutz vor Scham symbolisiert“ und deshalb zu konservieren sei (…)«

Ja, klar, Butler fällt auf ihre persönliche optische Täuschung in Ansehung der Burka herein. Sie bejubelt das Kleidungsstück. Das liegt bei einer oder einem Butler oder Butler X ja auch sehr nahe, denn die Burka lässt das Geschlecht verschwinden, optisch.

Der Genderismus marschiert
Heterophobie: Der im Grundgesetz festgeschriebene Rassismus gegen den Mann ist verfassungswidrig - Teil 2
Die ZEIT räumte Butler letzte Woche die Gelegenheit ein, aus dem fernen Amerika auf Schwarzers Kritik in Emma zu reagieren. Sie wirft Schwarzer Verleumdung und Rassismus vor. Schwarzer antwortet jetzt eine Woche später mit ihrem Artikel „Rufmord“. Hintergrund ist das Buch „Beißreflexe“, von queeren Kritikern an Butler und Co. und an der queeren Realität. Der Weisheit letzter Schluss ist von Butler und Schwarzer nicht zu erwarten. Dazu ist Butler zu tief in ihrer Verblendung verstrickt und Schwarzer durch ihre Vergangenheit nicht frei.

Dass Butler zum Vorwurf des Rassismus gegen Schwarzer greift, zeigt wie tief Butler gesunken ist, falls es noch Spielraum zum Sinken gab; darauf antwortet Schwarzer zu Recht und sie weist den Vorwurf zu Recht zurück. Schwarzers Unschärfen in ihrem Verhalten in Sachen Islam und Islamismus werden deutlich, auch wenn sie sich gerade um besondere Schärfe bemüht.

Die sich in den Vordergrund schiebende Losung vom erfüllten Sex ohne Orgasmus aus dem Genderbereich, legt nahe, dass man dort weder weiß, was ein Orgasmus, noch was Sex ist. Wer derart intensiv in die Menschen reinkrabbelt, wie Butler und Schwarzer, und jahrzehntelang über Sex und Orgasmus daherredet, muss vor allem erst einmal erklären, aus welcher Warte er respektive sie spricht. Haben Butler und die Genderforscherinnen einen Orgasmus (erlebt) oder nicht?

Die positive Gleichgültigkeit, mit der die Genderideologen die brutale Genitalverstümmelung von jungen Frauen, denen die Orgasmusfähigkeit bei lebendigem Leibe abgeschnitten und das an vielen Orten der Welt praktiziert wird, akzeptieren, relativieren und dabei den westlichen Mann und die westliche Kultur als das Maß aller Dinge des Teufels behandeln, betrachtet Schwarzer als inakzeptabel, auch wenn sie es in Sachen weißer Mann nicht so recht sagt.

Natürlich ist der Mann für Schwarzer das große unbekannte Wesen, aber ihre Antwort auf Butler endet mit dem schönen Satz, „Frauen gibt es noch“ – und die kann es schließlich nur geben, wenn die anderen Menschen, die es auch noch gibt, nicht Frauen, also nolens volens Männer sind.

DER PRESSEKODEX, KRIMINALITÄT UND DIE MINDERHEITEN - TEIL 2
Die Minderheitenpolitik der Grünen und das selektive Vertuschen von Straftaten
Jaja, es gibt auch noch eine verschwindend kleine Minderheit, die sagen, sie seien weder Mann noch Frau. Aber die große Zahl der Menschen sieht sich als Mann oder Frau, ist Mann und Frau und will das auch so beibehalten. Die Nummer mit dem sozialen Geschlecht und dem biologischen Geschlecht, das es eigentlich gar nicht gibt, und jedenfalls nicht geben darf, das aber nützlich ist wegen der Fortpflanzung, die lassen wir mal außen vor, da verheddern sich Butler und Schwarzer in gekünstelten Intellektualismen und großem Wortgeschwalle, ohne dass irgendetwas Konkretes dahintersteckt.

Höchst anerkennenswert sind die queeren Autoren, die das Buch Beißreflexe geschrieben haben, und höchst anerkennenswert ist, dass Schwarzer diesen Autoren Raum in ihrer Emma frei gemacht hat. Und anerkennenswert ist auch, dass sie zu der Kritik, die sie in Emma veröffentlicht hat, steht, und dass sie einige Extremismen Butlers aus Klein-Germany angreift, in einer Weise, die Butler offenkundig weh tut.

Schön wäre, wenn der Gender-Spuk sich selbst auflösen würde und alle Menschen fröhlich miteinander leben würden und genau den Sex haben und leben, den sie haben und leben möchten.

Dazu allerdings braucht es keine Ideologien und erst recht keine Judith Butler.

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Kommentare

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  • Ferdinand

    Lieber GerdA.Beckmann, mag sein dass Sie persoenlich Linkssein nicht mit Genderismus, Feminismus, Identitaetspolitik und was da sonst noch alles heute zum Gutsein gehoert, verbinden koennen/wollen. Aber das aendert nichts an der Tatsache dass in ALLEN westlichen Laendern ALLE Parteien die sich selbst links verorten mit Genderismus, Feminismus usw usf hausieren gehen. Bei uns gilt das auf jeden Fall fuer Sozen, LINKE und Gruene; wahrscheinlich auch fuer die meisten linken Splitterparteien und -organistionen. Ausserdem ist der ganze -ismen-Salat auch schon tief in die Union und FDP vorgedrungen. Von den Parteien die eine Chance auf den Bundestagseinzug haben stellt sich eigentlich nur die AfD gegen diese extrem destruktiven Spinnereien; vielleicht noch mit Abstrichen die CSU. Das entspricht zumindes meiner Wahrnehmung der Dinge. Wie ich die Dinge auch betrachte vermag ich es nicht grosse Massen an Linken zu erkennen die sich gegen den Wahnsinn der ganzen Flausen-ismen stellen. Aber Sie koennen mich gern eines Besseren belehren.

  • Cornelius Angermann

    Es ist doch aberwitzig, wie sich hier tote Äste der Evolution aufspielen, als Maßstab für alle!

    Der Sinn und Zweck der Geschlechter ist bei höheren Organismen nun einmal die Fortpflanzung und damit auch die Ermöglichung einer Fortentwicklung. Der Spaß am Sex wurde von der Natur lediglich dazuerfunden, um sicherzustellen, dass das beschwerliche Geschäft der Schwangerschaft und der Geburt nicht dazu führt, es zu vermeiden, und damit zum Aussterben der Art führen.

    Unsere Gesellschaftsentwicklung und auch die hormonelle Verhütung haben die Gewichte zwischen diesen Polen Sex und Fortpflanzung verschoben und dem Sex das wesentlich größere Gewicht verliehen. Dass dabei die Fortpflanzung nach wie vor Gewicht hat, sieht man an der Bevölkerungsexplosion in Afrika (pro Woche 1 Mio Menschen mehr!).

    Auf dieser Ebene wird nun auch die Sexualität bei Gleichgeschlechtlichen als adäquat angesehen, obwohl sie ausschließlich Selbstzweck ist und keinem anderen Zweck dienen kann. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden.

    Es kann aber über den Verzicht von Benachteiligung dieser Gruppe hinaus nicht als gültiges und imperatives Gesellschaftsmodell verlangt werden, dem sich alle, vor allem aber die heterosexuelle Mehrheit, unterzuordnen hätten.

    Genderismus ist antiaufklärerisch, antiwissenschaftlich, antiintellektuell und in seinen Grundzügen rassistisch, wenn man denn weiße Männer als „Rasse“ bezeichnen will. Und er ist antifreiheitlich und menschenrechtsverachtend, wenn man die durch Genderisierung gerechtfertigten Unterdrückungen und brutalen Verstümmelungen von Frauen betrachtet, die das angeblich „freiwillig“ wollen oder als „Befreiung“ betrachten.

    Um noch einmal auf den Anfang meines Artikels zurückzuführen: es ist ein Zeichen einer freiheitlichen Gesellschaft, dass selbst solche Spinner wie Butler und Money (schöner Nachname übrigens, GELD!) ihre abstrusen Theorien in die Welt blasen und andere Menschen damit belästigen dürfen. Die Liberalität hört m.E. aber da auf, wo sie anfängt, Schaden anzurichten.

  • Hans Amstein

    Ich empfehle allen, die sich für „Gender-Wissenschaften“ interessieren, die Anschaffung von ein oder zwei einschlägigen „Lehrbüchern“ – wer nach deren Lektüre auch nur ansatzweise noch denkt, dieser naive und idelogiegetränkte „(De-)Konstruktivismus“ qualifiziere sich als eine „Wissenschaft“, ist im Leben über das Niveau eines mittelmäßigen Stadtstaatenabiturs nie hinausgekommen.

    Eine nette Illustration des Wirkens dieser Protagonistinnen und ihrer Helfer boten in jüngster Zeit u.a.:
    * der Pranger unter Ägide der (den Grünen nahstehenden und mit unserem Steuergeld gepäppelten) H.-Böll-Stiftung gegen „Ultrakatholische“ und „Familisten“;
    * der Rauswurf dieses unglücklichen Google-Mitarbeiters, der die Meinungsdiktatur der „politisch Korrekten“ so tragisch unterschätzte;
    * die Verhunzung der deutschen Sprache in öffentlichen Institutionen, einschließlich der „Leitfäden“ für gendergerechte Sprache an Hochschulen (nicht etwa nur in Leipzig);
    * u.v.a.m.

    Die auffallende Blindheit gegen den um sich greifenden Islamismus mit all seinen unschönen Erscheinungen, gegen Vollverschleierung und Genitalverstümmelung (bei Mädchen, aber auch in milderer Form bei Jungen) und der Selbsthass auf die eigene Kultur und speziell die Figur des „angstgetriebenen, sich auf dem absteigenden Ast wiederfindenden, zornigen, alten, weißen Mannes“ sprechen eine deutliche Sprache.

  • AngelinaClooney

    Frauen wie Judith Butler betrachte ich als Verräterinnen am Frausein und an Frauenrechte. Bei Burka und Beschneidung gibt es nichts schönzureden.

  • Jürgen Jagonda

    Ich finde, Butler hätte auf einen Artikel wie den von Sasha… (wer war das gleich) gar nicht antworten dürfen. Außer dass der junge Mann eine formal recht beeindruckende, jedoch inhaltlich völlig sinnentleerte Polemik abgeliefert hat, gäbe es dazu im Grund nichts zu sagen.

  • NoName

    Gender ist ja Religion, genau wie Political Correctness.

    Und Religion und Wissenschaft, Glaube und Wissen waren doch schon immer Gegensätze.

  • Medley63

    Sie liegen schon richtig. Ich empfehle Ihnen das Buch „Kreide für den Wolf – Die tödliche Illusion vom besiegten Sozialismus“ von Rolf Baader, in dem ua. das Thema des „konstruktivistischen Rationalismus“ auf populärwissenschaftlicher Basis sehr verständlich beschrieben wird.

    Die können das Werk auf der folgenden Homepage legal(!) und kostenlos downloaden.

    LINK: http://www.roland-baader.de/neuauflage-kreide-fur-den-wolf/

    • Leitwolf

      Danke für den Tipp, ich habs mir gleich mal besorgt!

  • Medley63

    Jepp!!! Weitere Fachbegriffe können sein: Alchemie, Astrologie, Hömopathie, Ufologie, Parapsychologie, „wissenschaftlicher“ Marxismus oder auch die Psychoanalyse nach S. Freud. Dazu kommt auch noch die Rassenlehre, die während der Naziszeit in Deutschland en vouge war und der Unfug, den ein gewisser „Bagwan“ vor etwas längerer Zeit seinen vernebelten Jüngern als spirituelle Philosophie verkauft hatte. Alles Scharlatanerie!

  • Michael M.

    Transsexuelle sind der lebende beweis, dass das gender-gedöns unsinn ist.

    Gemäß dem gender-gedöns kann es soetwas wie transsexuelle NICHT geben, da das geschlecht nur ein konstrukt ist.

  • Medley63

    Jaein. Religionswissenschaftler behandeln das Thema(!) Religion wissenschaftlich, sowie Archäologen Altertümer wissenschaftlich behandeln. Mitnichten sind aber die Objekte der wissenschaftlichen Untersuchung, also in dem Fall die Religion(Christentum, Buddismus, Islam, usw). und die Altertümer selbst(!) etwas wissenschaftliches.