Republikaner Matt Gaetz stürzt Republikaner Kevin McCarthy

Das amerikanische Repräsentantenhauses hat am Dienstag nachmittag dafür gestimmt, seinen Speaker Kevin McCarthy abzuwählen. Ein Novum in der Geschichte Amerikas, noch nie zuvor hat die Kammer ihren Vorsitzenden entlassen.

IMAGO / ZUMA Wire

Acht Republikaner stimmten gemeinsam mit allen anwesenden Demokraten am späten Dienstag Nachmittag dafür, den Sprecher zu stürzen. Das Ergebnis der endgültigen Abstimmung war 216 zu 210 für McCarthys Absetzung. Ein historisches Novum, noch nie zuvor hat die Kammer ihren Vorsitzenden entlassen. Der republikanische Abgeordnete Kevin McCarthy war nur 269 Tage lang Sprecher des Repräsentantenhauses, die zweitkürzeste Amtszeit in der Geschichte des Landes, die erst am 7. Januar 2023 nach spektakulären 15 Wahlgängen begann. Den Rekord für die kürzeste Amtszeit hält Michael C. Kerr aus Indiana, der 257 Tage lang als Speaker diente. Kerr starb am 19. August 1876 im Amt.

Initiator des Putsches, war der republikanische Abgeordnete Matt Gaetz aus Florida. Er stellte am Montagabend einen Antrag auf Entlassung von McCarthy und beschuldigte ihn darin, die Versprechen gebrochen zu haben, die er im Januar gemacht hatte, um den Posten des Sprechers zu erlangen.

Die Demokraten hätten den Putsch ganz einfach zu einem Sturm im Wasserglas machen können, indem einige nicht mitgestimmt hätten. Gerüchten zufolge, wollte McCarthy darüber sogar verhandeln. Der Minderheitsführer des Repräsentantenhauses, Hakeem Jeffries aus New York, signalisierte aber schon am frühen Dienstag vormittag, dass er nicht gewillt wäre, McCarthy zu helfen. „Die Demokraten sind generell bereit, eine überparteiliche gemeinsame Basis zu finden. Unsere extremen republikanischen Kollegen haben jedoch keine Bereitschaft gezeigt, dasselbe zu tun. Sie müssen nun selbst einen Weg finden, den republikanischen Bürgerkrieg im Repräsentantenhaus zu beenden.“

Donald Trump, der schon häufig andere Republikaner angegriffen hat, monierte, dass die Republikaner keine Geschlossenheit zeigen. „Warum kämpfen die Republikaner immer untereinander, warum kämpfen sie nicht gegen die radikalen Linken Demokraten, die unser Land zerstören?“ postete Trump auf Truth Social.

Bereits vor dem eigentlichen Antrag auf Amtsenthebung wurde es im Repräsentantenhaus turbulent. 11 Republikaner hatten gemeinsam mit den Demokraten abgestimmt, um die Maßnahme voranzutreiben. McCarthys Verbündete hatten daraufhin alle Mikrofone auf der GOP-Seite der Kammer in Beschlag genommen und Gaetz somit gezwungen, seinen Fall von der Seite aus vorzubringen, auf der traditionell die Demokraten sitzen.

Der Abgeordnete Garret Graves, ein Freund McCarthys, beschuldigte Gaetz dann, Spendenaufrufe mit seinem Antrag zu verbinden. Während er auf sein Telefon zeigte polterte er „Das läuft gerade mit offiziellen Aufrufen, um Geld zu sammeln. Das ist ekelhaft“. Matt Gaetz konterte: „Ich nehme kein Lobbyisten-Geld, ich finanziere mich nur von kleinen Spendern. Ich habe kein Problem damit, patriotische Amerikaner zu bitten, sich einzumischen und mich bei diesem Kampf zu unterstützen. Auf jeden Fall krieche ich nicht vor Lobbyisten, die mit dem Big money wedeln, wie andere hier im Raum“.

Worum ging es aber überhaupt bei der Abwahl? McCarthy verärgerte die Hardliner der Republikaner am Wochenende, als er eine fortlaufende Resolution verabschiedete, um einen Regierungsstillstand abzuwenden. Neunzig Republikaner stimmten am Samstag gegen diese Resolution. Matt Gaetz meinte, McCarthys Art zu verhandeln sei grundfalsch. Für eine kleine Änderung der Grenzpolitik hätte McCarthy alle anderen republikanischen Forderungen fallen gelassen.

Wie geht es jetzt weiter? Die Republikaner müssen sich nun auf einen oder mehrere neue Kandidaten einigen und diese zur Wahl stellen. Eines ist sicher: Solange es keinen neuen Speaker gibt, wird nicht regiert. Kein Gesetz kann verabschiedet werden, keine Abstimmungen stattfinden.

Kevin McCarthy sagte am Abend auf einer Pressekonferenz „Mir ging es immer um das Land, nicht um meine Person. Wenn so wenig Leute etwas umstürzen können, wenn weit über 90 Prozent für dich sind und du trotzdem abgewählt wirst, dann ist es Chaos. Gaetz geht es nicht um die Sache. Ihm geht es um sich. Aber wenn ich meinen Job verliere für etwas, von dem ich denke, es ist richtig, dann kann ich damit leben“.

Matt Gaetz, ein Trump-Vertrauter, antwortete nur lapidar: „Wir müssen Schockwellen nach Washington schicken, wenn wir etwas verändern wollen“. Das hat er heute getan.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 23 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

23 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Cart
9 Monate her

Ist das wirklich von Interesse für uns? Die allermeisten interessieren die USA nicht.

Andreas A.
9 Monate her
Antworten an  Cart

Stimmt, die Welt schaut nämlich auf Berlin und nicht auf Washington. Im Kanzleramt und bei Annalena spielt die Musik. So sieht’s aus!

November Man
9 Monate her

Kevin McCarthy wurde von den Republikanern abgewählt, weil sie ihm Zusammenarbeit mit den Demokraten vorgeworfen haben und er ein Fan von Joe Biden sei. Man muss sich alllerdings fragen, wie und warum Kevin McCarthy in dieses Amt kam. Die Republikaner sollten aber tatsächlich geschlossen zusammenarbeiten um die radikalen Linken Demokraten, die ihr Land zerstören, mit all ihrer Macht zu bekämpfen. So sollten in Deutschland die Union, FDP zusammen mit der AfD die vereinigten Linksextremisten aus Linke, SPD und Grüne genauso mit aller Kraft bekämpfen wo immer sie sind. Die Bürger sollten ihnen dabei mit ihrer Wählerstimme helfen. Leider ist die… Mehr

Ralf Poehling
9 Monate her

Die harte Rechte der Amerikaner hat das Problem verstanden. Die US Politik ist käuflich. Da schwingt die Fahne immer im Wind derer, die das meiste Geld auf den Tisch legen. Und das hat mit Demokratie und Freiheit nichts mehr zu tun. Wir haben in Deutschland und ganz besonders auch im EU Parlament das selbe Problem. Wenn ein Spender sehr viel Geld an eine Partei spendet, hat dessen Stimme mehr Gewicht, als wenn sehr viele Spender jeweils wenig Geld an einen Politiker spenden und die gespendete Summe kleiner ist, als die Großspende des reichen Spenders. Das hebelt die Demokratie aus, wenn… Mehr

OplongFizzOplong
9 Monate her
Antworten an  Ralf Poehling

Herr Zuckerberg hat 2020 390 Mio. ausgeschüttet. 90% flossen in Organisationen, der den Demokraten nahestehenden oder direkt zugehörigen Organisationen/NGO´s. Die selbe Demokratische Partei der Konföderierten im Sezessionskrieg und des Ku Klux Klans! Oswald Spengler sprach vom „Milliardärssozialismus“. Zuckerberg & Co., die Vorreiter der Technokratie in die uns WEF und WHO überführen wollen, siehe die misanthropischen Tendenzen im Transhumanismus, finanzieren die Republicans In Name Only und die Dems über die geheime Schattenregierung der Lobbyisten. Am Ende zerstört die Uniparty die Verfassung und Washington DC steht für den Ausverkauf nationaler Interessen, weltweit. Die 5 großen Wahington DC Bezirke zählen zu den reichsten… Mehr

Max Anders
9 Monate her

Die Demokraten sind so süß, stürzen also ihr eigenes U-Boot bei den Republikanern.Gibts dort überhaupt jemanden, der das mal von der Seite betrachtet hat?

OplongFizzOplong
9 Monate her
Antworten an  Max Anders

Die Demokraten lassen einen Vertreter der Uniparty „über die Klinge“ springen, in der Hoffnung – eher in der Gewissheit -, dass dieser durch einen Gleichgesinnten ersetzt wird. Fallen Sie nicht auf die Scharade der sich bekämpfenden Parteien im Parlament herein. Durch dieses Bauernopfer der Uniparty, schützen die Dems das System der Uniparty. Sie haben doch von McCarthy auf dem Silbertablett erhalten was sie verlangten. Grenzenlose Verschuldung für weitere 2 Jahre, Verschleppung der Aufklärungsarbeit in den Untersuchungsausschüssen und Finanzierung der Geldmittel für DoJ und FBI, die ihren Lawfare gegen Herrn Trump fortführen können. GOP und Dems sind die 2 Seiten der… Mehr

OplongFizzOplong
9 Monate her
Antworten an  Max Anders
Luke
9 Monate her

„Warum kämpfen die Republikaner immer untereinander, warum kämpfen sie nicht gegen die radikalen Linken Demokraten, die unser Land zerstören?“

Weil Herr McCarthy zu den radikalen Linken gehört, die Ihr Land zerstören, Mr. Trump. Sollten Sie eigentlich wissen.

alter weisser Mann
9 Monate her
Antworten an  Luke

„Weil Herr McCarthy zu den radikalen Linken gehört“
Oha, „radikale Linke“ das ist mal eine Einordnung.
Für Deutschland hieße das, bei den einen fängt rechts mitten in der SPD an, für andere links beim Arbeitnehmerflügel der CDU, radikal links dann bei der Parlamentarischen Linken in der SPD.

Dietmar Simons
9 Monate her
Antworten an  alter weisser Mann

Die SPD hatte sich im Bad Godesberger Programm klar vom Marxismus distanziert und zur sozialen Marktwirschaft bekannt und stieg nicht zu unrecht zur Volkspartei auf. Als jemand der zu Schmidt und Schröder Zeiten noch SPD gewählt hat, kann ich ihnen versichern, dass die heutige CDU in weiten teilen links von der damaligen SPD steht.
Die heutige SPD ist antideutsch, globalistisch, transatlantisch, kriegstreiber und in der Breite woke und linksradikal. Das Meme von Elon Musk bringt es auf den Punkt: https://nypost.com/wp-content/uploads/sites/2/2022/04/elon-musk-36.jpg

Wer heute nicht in der Mitte oder rechts davon steht, steht auf der fanlschen Seite der Geschichte.

alter weisser Mann
9 Monate her
Antworten an  Dietmar Simons

„Wer heute nicht in der Mitte oder rechts davon steht, steht auf der fanlschen Seite der Geschichte.“
Darum ging es nicht und es ist auch längst nicht jeder auf der falschen Seite der Geschichte ein Radikaler Linker.

Ali Mente
9 Monate her

Mc Carthy sieht 90% auf seiner Seite und beklagt, dass nur 10% ihn stürzen würden. Die Abstimmung war aber 216 zu 210. Irgendwo hat er doch einen Wahrnehmungsfehler. Und wenn er mit den Demokraten gemauschelt hat und diese ihn dann zum Dank fallen gelassen , ist er als Speaker wohl extrem ungeeignet, denn dort muss er diplomatisch Mehrheiten beschaffen und darf sich nicht so vorführen lassen.

Thomas
9 Monate her

Hannity is reporting that “some House Republicans have been in contact” with President Trump and that they have started an effort to push for DJT as the next Speaker.
And there are reports that Trump might be interested.
Sean Hannity: “Sources are telling me at this hour, some House Republicans have been in contact with and have started an effort to draft former President Donald Trump to be the next Speaker. And, I have been told that President Trump might be open to helping the Republican Party, at least in the short term, if necessary.”

Harry Charles
9 Monate her

LINKS KANN EINES NICHT: keine Wertschöpfung erzielen, keine funktionierende Wirtschaft aufbauen. Aber EINES kann Links: betrügen, täuschen, sich mit allen erdenklichen „linken“ Tricks an der (nicht selten ergaunerten) Macht halten. Das ist hierzulande so, das ist aber (wie sich vor allem im Umgang mit Donald Trump seit 2016 manifestiert hat) in den USA umso mehr so. Daher ist jede Art von Gentleman-Allüre im Umgang mit linken Banditen verlorene Zeit. Hinter Biden (als altem Vertreter der cold war-Dems, die nicht linksradikal sein konnten, weil die USA damals gegen den Kommunismus standen) scharen sich mehr und mehr Altmarxisten der radikalsten Sorte. Wer… Mehr

tobilinooo
9 Monate her

Und die Lügenpresse in Deutschland dreht schon wieder rund. Die Bild titelt beispielsweise, dass Trump damit die Partei ins Chaos gestürzt hätte.
Ich würde eher sagen, dass die Reihen nun deutlich geschlossener sind, denn McCarthy war letztlich in mehr als der im Artikel beschriebenen Situation eindeutig auf Seiten der Demokraten.

Ein echter ‚RINO‘, wie man solche Typen bei den Republikanern nennt, ein ‚Republican in Name Only‘!

OplongFizzOplong
9 Monate her

Bitte versuchen Sie Fakten und nicht „Hear Say“ anzubieten. Wer die US Politik verfolgt und weiß, wie verrottet das aktuelle System der Eilten in DC ist, erkennt eine erste Morgendämmerung einer machbaren Politik, die sich an der amerikanischen Verfassung orientiert und für“ We the People“ steht. Tichys Einblick ist eine lesenswerte Zeitung, der USA Teil, den Frau Heger verantwortet, ist kontrollierter Opposition Bias. Frau Heger, ich nehme an, dass Barack Hussein Obama ein toller Präsident für Sie ist. Danke, wie Sie mir immer vor Augen führen, wie viel Aufklärungsbedarf auch in unserer „Blase“ notwendig ist. Gehen Sie doch zu MSNBC… Mehr

Aufgemerkt
9 Monate her
Antworten an  OplongFizzOplong

Daumen hoch, hier gibts Aufklärungsbedarf. Man muss sich die Reden von Gaetz oder seine Statements vor Journalisten nur im Original anhören und es ist sofort 100% klar wer hier richtig liegt.