Draghi spielt mit falschen Zahlen bei Covid-Toten

Nicht nur in Deutschland, wo in Bayern, Hamburg und Sachsen falsche Corona-Zahlen großzügig interpretiert oder nicht faktengemäß wiedergegeben wurden, sondern auch in Italien nutzt die Politik den Trick, um Maßnahmen zu begründen. Jetzt flog Ministerpräsident Mario Draghi auf.

IMAGO / ZUMA Wire
Italiens Ministerpräsident Mario Draghi bei der Pressekonferenz am Ende des Jahres, 22. Dezember 2021.

Kurz vor Weihnachten drehte Rom noch einmal auf. Die Dauer des „Green Pass“ – das Zertifikat, das als früherer 3G-Ausweis die Türen im öffentlichen Leben öffnete – beschränkt die Regierung ab 1. Februar nur noch auf sechs Monate. Bereits davor hatte das Kabinett von Premier Mario Draghi den Grünen Pass von 12 Monaten auf 9 Monate heruntergesetzt. Die als „Booster“ bekannten „Auffrischungsimpfungen” sind nun schon nach vier und nicht mehr fünf Monaten erhältlich.

Hartes Maßnahmenpaket vor Weihnachten

Weitere Maßnahmen: Masken in der Öffentlichkeit kehren in den großen Städten zurück. Trotz der offensichtlichen Widersprüchlichkeit zu wissenschaftlichen Studien sollen diese selbst in den wenig betroffenen „weißen Zonen“ bis zum 31. Januar verpflichtend sein. Diskotheken oder ähnliche Tanzlokale bzw. Veranstaltungsorte bleiben bis 31. Januar komplett geschlossen. Bis zum 31. März schreibt das Dekret FFP2-Masken in Kinos, Theatern, Clubs, Diskotheken, Stadien und Sportzentren vor. Die FFP2-Pflicht gilt für den ÖPNV, aber auch in Flugzeugen und Zügen.

Auf nach Italien
Raus aus dem Land, wo die Eiferer glühn
Vielerorts wird nun die 2G-Regel eingeführt, ab dem 1. Februar soll sogar die 2G-plus-Regel gelten oder Zugang nur für „Geboosterte“ bestehen. Nunmehr gilt in den Gaststätten durchweg die 2G-Regel, auch in Bars, wo man vorher ohne 2G an der Theke essen oder trinken durfte. Wie in Deutschland fallen Silvester und Neujahr als öffentliches Ereignis aus. Die Einreise soll über Stichproben und COVID-Tests kontrolliert werden.

Bei so vielen neuen Beschränkungen im Alltagsleben der Italiener ähnelten die Mahnungen und Warnungen auf frappierende Weise denen, die in Deutschland schon im November die Runde machten. Noch Anfang Dezember nahmen sich viele Beschränkungen harmloser aus als nördlich der Alpen. Mit dem Ansteigen der Neuinfektionen änderte sich das aber maßgeblich. Selbst von einer allgemeinen Impfpflicht war in den Medien kurze Zeit die Rede.

Da war es kein Zufall, dass Draghi nur einen Tag vor der Verabschiedung des knallharten Katalogs noch einmal vor die Presse trat, und die Situation dramatisierte. Dabei fielen auch die beiden denkwürdigen Sätze: „Impfungen bleiben die beste Abwehr gegen das Virus. Der Impfstoff wirkt auch gegen die Varianten, von vier Toten sind drei ungeimpft.“

Draghi widerspricht Erkenntnissen des nationalen Gesundheitsinstituts

Drei von vier Toten ungeimpft? Das erinnert frappierend an die Inzidenzen, die man in Hamburg oder Sachsen hervorholte, um später 2G-Regeln durchzusetzen. 90 Prozent der Neuinfektionen – so sagte der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) – träten bei Ungeimpften auf. Die Zahl war falsch. Und ebenso falsch war die Behauptung des italienischen Premiers.

Corona-Daten in Sachsen
Falsche Zahlen bei Ungeimpften-Inzidenzen auch in Sachsen
Einige Medien begaben sich bereits in eine demütige Beteuerungshaltung. Draghis Datenlage sei falsch, aber das, was daraus resultiere, sei richtig. Das änderte nichts daran, dass bald eine Tabelle des nationalen Instituts der Gesundheit (Istituto Superiore di Sanità – ISS) im Internet und auf Internetportalen kursierte. Sie datiert vom 15. Dezember 2021. Die Statistik zeigt auf Seite 19 die Corona-Toten im Zeitraum vom 22. Oktober bis zum 21. November. Ergebnis: 722 Tote unter den Ungeimpften, 745 Tote unter den zweifach Geimpften, deren zweite Dosis mehr als 150 Tage zurücklag. Die zweifach Geimpften, deren zweite Dosis weniger als 150 Tage zurücklag (217), die einfach Geimpften (42) und die „Geboosterten“ (29) sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

Folgt der Wissenschaft? Bisher ist nicht bekannt, auf welchen Daten Draghis Aussage fußte. Die dargelegten Zahlen zeigen jedoch das Gegenteil dessen, was der Premier vor der Verabschiedung des Maßnahmenpakets behauptet hat. Die Methode ist demnach kein deutsches Phänomen.

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Kommentare ( 22 )

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Nibelung
7 Monate her

Mit seiner Zinspolitik in der EZB hat er doch schon die Spargutgaben wesentlich gemindert um den südlichen Ländern unter die Arme zu greifen und nun sind sie am unteren Punkt angelangt, wo das auch nicht mehr wirkt und nun will man sich über die Gunst des Silikon Valleys neue Vorteile erschleichen, auch wieder zu Lasten der Bürger, auch wenn es nur die eigenen sind, aber solange noch Geld und Ehre von der falschen Seite winkt sind die zu allem fähig und man kann sich nur wundern, daß sich die Leute das alles gefallen lassen. Vielleicht haben sie noch genug und… Mehr

A.G.
7 Monate her

Ich nenne es sogenannte Testballons: Immer weder prescht ein EU Land bei Massnahmen vor…um dann nach einigen Wochen /Monaten auch in den anderen Ländern umgesetzt zu werden…..auch Schweden reit sich inzw. in das Szenario ein. Vor Wochen,als die Booster-Kampagne anlief, zeigte man uns Spanien als „Impfweltmeister“…inzw. steigen dort die Zahlen ebenfalls….und plötzlich wirds ganz Still um die positive Beichterstattung um Spanien. Berichte aus den USA hört man gar nicht mehr….weder positive noch negative…das dort schon ein Großteil der Bundesstaaten kaum bis gar keine Massnahmen mehr hat (und das schon seit Monaten) kommt hier in den Medien ebenfalls nicht. Das in… Mehr

Hanno Spiegel
7 Monate her

International erfolgreich erprobte Erpressungsvarianten lassen sich doch sehr einfach vervielfältigen.
Die bekannte Denkblockade bei den :“Warum sollten die das denn machen“ Ungläubigen geht immer wieder auf wie Saatgut im Frühjahr.

AnSi
7 Monate her

Gehört Draghi auch zum illustren Kreis des WEF? Ist er auch ein „global leader“? Dann sollte doch klar sein, woher er seine Zahlen hat. Schwab, Gates, Soros… folgen sie der Spur des Geldes…

Karl Schmidt
7 Monate her

Die politisch interessante Frage ist doch, ob dieselbe Lüge einen gemeinsamen Ursprung hat.

andreas donath
7 Monate her

Draghi, Söder, Kretschmer, Tschentscher – was verbindet diese Personen abgesehen davon, welchen Schwindel sie mit Fake-Corona-Zahlen wider besseres Wissen treiben? Ganz einfach, die Verbindung besteht in meiner ganz persönlichen Meinung zu den gemeinsamen Charaktereigenschaften dieses illustren Quartetts, was ich aber hier und heute nicht detaillierter ausführen möchte, schließlich haben wir Weihnachten.

Iso
7 Monate her

Aus eigener Erfahrung können wir berichten, dass eine nahe Verwandet eine Krebsdiagnose hatte, die ihr noch ein Jahr Lebenserwartung attestierte. Sie lebte dann noch 15 Monate, und auf dem Totenschein stand Corona als Todesursache. Der Mann dieser Frau war bis zum letzten Tag an ihrem Sterbebett, aber das hochansteckende Corona bekam er bius heute nicht. Lästern Sie jetzt also bloß nicht über Italien, denn auch hier wird sehr viel gelogen, und ich trage auch keinen Aluhut.

Kraichgau
7 Monate her

der ganze „Pandemiewahn“ ist eine gesamt-westeuropaeische EU-Geschichte und so stimmen auch überall in den Regierungsbereichen dieser alten Draghi/Schonklod/Merkel/v.d.l Regio weder die Zahle noch die Massnahmen.
Nordeuropa hat sich ausgeklinkt,osteuropa ebenso,nur die EUDSSR-treuen halten bei der WEF-Veranstaltung noch tapfer mit

Amerikaner
7 Monate her

Ach, ich bitte Sie… gefälschte Zahlen und Italien… Das ist doch Folklore wie der schiefe Turm von Pisa, das Kolosseum und Pizza Margherita. Und in Deutschland sind wir ja auch nicht mehr besser, weil wir auch hier von solchen Spitzbuben regiert werden, und wir auch hier mittlerweile ein Volk haben, das diese erst wählt.

Reinhard Peda
7 Monate her

Sie brauchen den „Gewählten“ nur eine Frage zu stellen.
Kennen Sie eine Corona-Schutzimpfung, welche mich vor Corona schützt, genauso wie eine Masern-Schutzimpfung mich vor Masern schützt?
Kann in anderen Sprechen übersetzt und auch dort den Parlamentariern gestellt werden.