Pressekonferenz Donald Trump

Klemens Volkmann hat als gelernter Journalist mit jahrzehntelanger Berufserfahrung die Pressekonferenz in der Originalsprache anders empfunden als die Berichte vieler deutscher Medien.

© Spencer Platt/Getty Images
President-elect Donald Trump speaks at a news cenference at Trump Tower on January 11, 2017 in New York City

Die  Pressekonferenz des künftigen US-Präsidenten Donald Trump soll „eine Katastrophe“ gewesen sein, ätzt die Zeit am Tag danach: „Ein Schauspiel zum Schaudern“.

Ich bin gelernter Journalist mit jahrzehntelanger Berufserfahrung und habe die Pressekonferenz anders empfunden. Für mich war Trump ehrlich, brutal-geradeaus – authentisch: Seht her, hier steht einer, der sich nicht einschüchtern und die Butter vom Brot nehmen lässt bei aggressiven Fragen von Journalisten, die ihn ans Kreuz nageln wollen. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. So einfach ist das. Trump hat sich authentisch verhalten, wie jemand, der noch Ehre im Leib hat, wenn man gerade einen Kübel unbewiesenen Schmutzes über ihn ausgeschüttet hat.

Für die Zeit war die Pressekonferenz „eine Farce“, für mich dagegen ein starker Trump-Auftritt vor einer sich überschlagenden Medien-Meute. Darunter einige besonders Lautstarke, vermutlich von jenen Medien, die kurz vorher noch die FakeNews-Kampagne gegen Trump losgetreten hatten. Diese Journalisten schrien noch Fragen hinterher, als Trump schon längst das Podium verlassen hatte – fleißig übersetzt vom deutschen NTV-Reporter. Das klang so, als wenn hier ein adrenalin-gepimpter Reporter seine Wut über Trump bis in deutsche Wohnzimmer schreien wollte: Der Lümmel antwortet nicht auf Fragen. Und so einer will Präsident werden? Es zeigt aber auch: Die Journalisten haben sich von Trump nicht einschüchtern lassen. Sie setzen nach. So soll es auch sein.

Interessant ist, dass sich der kurzfristig angezettelten FakeNews-Kampagne am Mittwoch viele deutsche Medien angeschlossen haben, gerade auch jene, die sonst überkorrekt selbst dann noch von „mutmaßlichen Tatverdächtigen“ im Konjunktiv sprechen, wenn der Täter schon durch DNA-Analyse zweifelsfrei überführt ist. Wenn Trump sich dann auf der Pressekonferenz die Reporter aussucht und andere wegen fakenews-Journalismus links liegen lässt, geht das für mich vollkommen in Ordnung. Es ist sein gutes Recht und zeigt, wo es mit ihm lang geht: Mit mir nicht, Freunde!

Übrigens: Nicht nur Trump ist direkt – auch die US-Kollegen. Sie fragen direkt, hart und schonungslos. Jede Pressekonferenz ist ein Show-Down. Sie schenken dem Befragten nichts – und Trump schenkt den Journalisten nichts. White-House-Korrespondenten sind die härtesten der Zunft. Bei Besuchen in Deutschland wundern sie sich immer, wie wenig in Berlin gefragt wird, wenn überhaupt – und wie zahm. An vielen Tagen sondern der Regierungssprecher und die Schönredner der Ministerien ihre Statements in der Bundespressekonferenz ab – ohne auch nur auf eine Nachfrage antworten zu müssen.

Wo es mit etlichen deutschen Qualitätsmedien langgeht, zeigt die Berichterstattung am Tag danach. Verkürzte und damit verfälschte Aussagen Trumps, wesentliche Passagen unterschlagen.

Zum Beispiel: Die Hannoversche Allgemeine (Madsack) schreibt, dass Trump zu den Hacker-Angriffen gesagt haben soll „Es war Russland“. Tatsächlich sagte er „Es war Russland, China oder sonst wer“. Mit anderen Worten: Es kann jeder gewesen sein. Das gibt den Worten einen komplett anderen Sinn.

Zu Mexiko bestätigte Trump erneut seine ständig bezweifelte Aussage: Wir werden eine Mauer bauen, und Mexiko wird sie bezahlen. In der deutschen Berichterstattung oftmals unterschlagen.

Ich wünsche mir solche Pressekonferenzen auch in Deutschland. Hier scheinen die Journalisten in Hab-acht-Stellung zu erstarren, wenn ihnen Angela Merkel oder ihre Entourage gegenübertritt. Mit Bückling im Kreuz sondern sie dann vielfach harmlose Fragen ab. Amerikanische Pressekonferenzen sind zwar anstrengender, die Reporter frecher, aber mit Sicherheit authentischer und in ihrer Art ehrlicher.

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