Jan-Josef Liefers bei Illner: „Wir brauchen jetzt irgendeine Exit-Strategie“

Die Idee eines Freedom Days sei "verrückt", erfährt der Zuschauer bei Maybrit Illner. Lauterbach will damit mindestens bis zu einer Impfquote von 95 Prozent bei den über 65-Jährigen warten.

Screenshot ARD: Hart aber Fair

Mehr Freiheit wagen? Das ist am Donnerstagabend die Frage bei Maybrit Illner. Ob es nicht längst auch Zeit sei für einen deutschen „Freedom Day“, fragt die Moderatorin ihre Gäste. Die liefern sich einen vielsagenden Schlagabtausch, an dessen Ende klar ist: Manche wollen gar keinen fixen Endpunkt der Maßnahmen.

Der Schauspieler Jan-Josef Liefers sitzt an diesem Abend mit dem SPD-Politiker Karl Lauterbach, dem Virologen Klaus Stöhr und der Ärztevertreterin Ute Teichert zusammen. Zu Beginn direkt die Diskussion eines Eklats: Die Impfquote ist um einiges höher als bisher gemeldet – bis zu 5 Prozentpunkte. Klaus Stöhr attestiert Deutschland daraufhin den Status als „Datenwüste“. Jan-Josef Liefers freut sich einfach: „Das ist doch eine tolle Nachricht“, meint er. Doch eine Impfquote von 80 Prozent ist nicht für alle ein Grund zur Freude. Natürlich ist es Lauterbach, der auf die Bremse tritt: „Wir sind noch immer nicht da, wo es möglich wäre zu sagen, wir nehmen die Masken jetzt runter.“ Selbst Christian Drosten sei für Lockerungen, wirft Illner ein, doch Lauterbach lässt sich davon überhaupt nicht beeindrucken. Die über 65-Jährigen seien „nur“ zu 85 Prozent geimpft – das sei zu wenig, meint der Bundestagsabgeordnete. Wann es denn genug sei – ab 90, ab 95, ab 100 Prozent – , vermag Lauterbach aber nicht zu sagen.

Sendung 14.10.2021
Tichys Ausblick Talk: „Partei ohne Programm: Ist die Union noch zu retten?“
Medizinerin Ute Teichert schwingt sich zu Lauterbach aufs Tandem. Sie findet die ganze Diskussion über die Rückkehr zur Freiheit ohnehin „sehr schwierig“ und möchte jetzt mal „einen ganz anderen Aspekt auf den Tisch legen“. „Ich bin Ärztin, für mich ist es wichtig zu verhindern, dass jemand erkrankt.“ „Es kann nicht darum gehen, dass wir uns hier an Zahlen langhangeln.“ „Die Diskussion über einen Freedom Day stellt sich für mich nicht“ – die sei „verrückt“, meint Teichert. Liefers entgegnet: „Man kann ja jetzt nicht so tun, als hätte man keine Nachbarn.“ Der Schauspieler verweist darauf, dass in den Ländern um uns herum geöffnet wird. „Wir brauchen jetzt irgendeine Exit-Strategie“, meint er – Lauterbach murrt.

Der Virologe Klaus Stöhr kritisiert das deutsche Krisenmanagement und die Krisenkommunikation. „Dieses Vakuum sehen wir ja jetzt. 55 Prozent der Menschen glauben immer noch, dass sie sich niemals infizieren. 40 Prozent der Menschen glauben, dass die Erkrankung bei Kindern schwer ist.“ Mythen wie Herdenimmunität hätte man nicht proaktiv ausgeräumt, und einen multidisziplinären Ansatz hätte die Politik ohnehin nie verfolgt. Illner fragt den Virologen, was für ihn die Zahl der Impfquote sei, bei der man öffnen könne. Er stellt fest: „10 Prozent der Ungeimpften werden sich nicht impfen lassen.“ Nur 5 Prozent der Menschen seien für die Impfung maximal noch zugänglich. „Wie weit wollen wir das noch treiben?“

Dann äußert sich Lauterbach erneut. Er ist böse mit Liefers – was er gesagt hat, meint er jetzt ins „rechte Licht“ rücken zu müssen. Zunächst lobt er, wie gut Deutschland durch die Pandemie gekommen sei. „Ich mag es gar nicht, wenn das, was wir gemacht haben, schlechtgeredet wird.“ Doch Lauterbach muss, mit 85-prozentiger Impfquote konfrontiert, auch einräumen: „Herdenimmunität kann es nicht geben.“ Donnerwetter – das seit 16 Monaten von ihm immer erklärte Ziel mal eben so abgeräumt. Selbst Lauterbach meint, man müsse einen Endpunkt der Maßnahmen nennen – 95 Prozent Impfquote bei den über 65-Jährigen stellt Lauterbach als neue Zielmarke auf. Dass diese wahrscheinlich nicht erreichbar ist, weiß wohl sogar er.

Corona-Update 4. Oktober 2021
US-Untersuchung: kein Zusammenhang zwischen Impfquote und Covid-19-Fallzahlen
Die Moderatorin kommt zu „Jan-Josef“, wie sie ihn nennt, zurück. Sie bittet Liefers, von seiner Zeit auf der Intensivstation zu berichten. Liefers schildert seine Eindrücke, drückt Respekt für das Pflegepersonal aus – hält aber an seiner Position fest. „Ich glaube nicht an diese Art von Druck und aggressivem Pressing, was wir auf umgeimpfte ausüben.“ Der Schauspieler trendet noch während der Sendung auf Twitter – dort wird gefragt, warum man ihn überhaupt eingeladen habe. Sogar Illners Absetzung wird gefordert, weil sie mit bösen „Querdenkern“ wie Liefers rede. Der Lauterbach-Fanclub schäumt.

Über 70 Minuten Diskussion über einen „Freedom Day“ zeigen am Ende eines: Manche wollen ihn aus Prinzip nicht. Liefers prägt in der Sendung das Bild einer Wurst, die man den Leuten vor die Nase hängt – Lauterbach will mit dieser Wurst immer weiter vorweg laufen, während Ute Teichert Würste generell für verrückt und falsch hält. Wann der Tag der Freiheit kommt, bleibt offen. Irgendwann zwischen bald und gar nicht wird es sein. Wahrscheinlich müssen wir einfach noch das bisschen Zeit vor uns überbrücken – wie seit 16 Monaten.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 187 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

187 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
caesar4441
1 Monat her

Wenn Frau Illner statt Volksverblödung zu betreiben sachgerechte Information betreiben würde -wie Herr Buhrow uns weismachen will ,daß er es fordere(!)- müßte sie feststellen ,daß die Impfung im besten Fall keine Wirkung hat.Damit wäre die gesamte Impfdiskussion am Ende.Eine parlamentarische Anfrage von Frau Wagenknecht ergab daß Ende Sept21 ca 30% aller Krankenhauseinweisungen mit Covid doppelt geimpft waren.Wir haben einen Fall im örtlichen Pflegeheim:Von 29 Insassen, alle doppelt geimpft, waren 14 postiv getestet.Alle sollen jetzt die 3.Spritze erhalten.Gesundheitsamt ratlos.Pressemitteilung des Landratsamtes,nix Verschwörungstheorie.Statt Lauterbach hätte Frau Illner besser Frau Wagenknecht eingeladen.Das hätte vermutlich Herr Buhrow nicht gut gefunden.

Kappes
1 Monat her

Der Mann ist kein studierter Virologe oder Epidemiologe. Er träumt einfach davon, der Wissenschaftler zu sein, der er nicht ist. Er sollte sich mit einem Psychiater über seine Profilneurose unterhalten.

dill
1 Monat her

Bei Lauterbach habe ich den Eindruck, dass er das, was er predigt, tatsächlich selber glaubt, manchmal zumindest. Bei den anderen Akteuren (Spahn, Merkel, Söder, Drosten, Wieler …..) geht es weder um Glauben noch Wissen sondern um Wollen. Die WOLLEN den Pandemiemodus nicht enden lassen. Wären 97% der Menschen auf der Erde geimpft gegen Corona würden sie 120% verlangen, mindestens …

Bahl Renate
1 Monat her

Sorry, dass ich nur auf Kommentare kommentiert habe. Aber da im Prinzip schon so viel gesagt (geschrieben) wurde, habe ich mir das erlaubt.

Landdrost
1 Monat her

Auch interessant, in 2017 wurden großflächig durchgeführte Impfungen von Kindern auf den Philippinen gegen das Dengue-Fieber abgebrochen, nachdem bei Kindern die vor der Impfung nicht dem Dengue-VIrus ausgesetzt waren, aber sich nach der Impfung infiziert haben, infektionsverstärkende Antikörper (ADE) aufgetreten sind und so 600 Kinder quasi getötet wurden.
https://www.npr.org/sections/goatsandsoda/2019/05/03/719037789/botched-vaccine-launch-has-deadly-repercussions
Involviert Sanofi-Pasteur und natürlich unsere selbstlosen Freunde von der WHO. Wahrscheinlich hat Billyboy Gates das ganze finanziert. Das sind unsere Philantrophen.

Sidon
1 Monat her

Die ganze Coronahysterie ist politisch gewollt, Es gab und gibt keine Corona-Epedemie. Diese durch Viren verursachte Krankheit befällt fast ausschließlich immungeschwächte Menschen ähnlich wie bei der Influenza Kranke und Alte. Zahlen des RKI sind manipuliert. Ich selbst wie auch erkannte kennen keinen einzigen Menschen, der an Corona gestorben ist, nur 2 Erkrankte, die wieder gesund wurden und wieder putzmunter sind. Mit dem Klimagedöns verfolgt die Politik die gleiche Nummer: den Menschen weltweit Angst einjagen vorm Sterben. Wozu? So läßt es sich wunderbar regieren, die Bevölkerung kujonieren und ganz locker eine sozialistische Ökodiktatur implantieren. Es ist berauschend über das dumme Volk… Mehr

Kassandra
1 Monat her

Macht ihnen Angst – hier ein Hinweis, wie diese „Angstkommunikation“ entwickelt wurde und eingesetzt wird. Der Bildungsphilosoph Dr. Matthias Burchardt nennt es „gezielte und nachgewiesene Angststrategie der Bundesregierung…“ : https://twitter.com/teilchenjet/status/1396938064451211264

Hannibal Murkle
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

NZZ schrieb ja bereits vor Jahren, dass Merkel gerne mit der Angstmacherei durchregiert – damals ging es konkret um den Atomausstieg.

BTW: Gerade im Bahnhof gesehen – Werbung für Kippen ohne Folie, was vermutlich die Umwelt retten sollte. Kommen die vom Reemtsma-Konzern?

Peer Munk
1 Monat her

Am 13.10. hiess es laut Spahnsprecher auf der BPK, es seien 65% doppelt geimpft. Was für ne Impfquote haben wir denn nun?
Kürzlich kam eine Studie heraus, derzufolge die Impfquote keinen Einfluss auf das Infenktionsgeschehen hat. Macht aber nix. Es wird weiter geimpft und Ungeimpfte werden weiter drangsaliert.
Bin ich zufällig in einer Folge von Monty Pythons flying circus? Singt Lauterbach demnächst „ich wär so gern ein Mädel, ganz wie mein Papa“?
Würde mich nicht wundern.

Last edited 1 Monat her by Peer Munk
Mayor Quimby
1 Monat her

Für die Anglophonen unter den Lesern: https://videopress.com/v/TEOTI3PD (Ich hoffe der Verweis funktioniert) Mehr oder weniger: „Wir injizieren nicht nur fremde RNA in Ihren Körper, damit Ihre Zellen Viruspartikel produzieren, die das Immunsystem erkennt und abtötet (zusammen mit den infizierten Zellen, übrigens), was schon wahnsinnig genug ist, sondern um das Immunsystem daran zu hindern die fremde RNA sofort zu erkennen und zu zerstören, bevor diese überhaupt die Chance hatte, Ihre Zellen zu infizieren, werden wir auch dieses System lange genug herunterfahren, es auf diesem Wege neu programmieren und so alle möglichen ruhende Viren und Krebsarten reaktivieren. Viel Glück!“ Und diese Frankensteinerei… Mehr

Last edited 1 Monat her by Mayor Quimby
Stephan M. Schulz
1 Monat her

Die jetzt geäußerten 95 % als Impfquote zu erreichen, ist unmöglich. Bei den Ü65ern wie auch in allen anderen Altersgruppen. Diejenigen, die sich bis jetzt nicht haben impfen lassen, haben dies aus voller Überzeugung und unterschiedlichsten Gründen nicht getan. Es wird sich also nicht mehr viel ändern. Es kann bedeuten, daß der bestehende Zustand noch lange andauern wird. Die Schuld daran wird den Umgeimpften zugewiesen werden. Für viele Zeitgenossen gelten sie schon heute als Abschaum und asoziales Pack. Der Hass auf diese Menschen wird weiter zunehmen, da sie es sind, die die Rückkehr zur Normalität verhindern. Hetzer wie Lauterbach &… Mehr

Mayor Quimby
1 Monat her
Antworten an  Stephan M. Schulz

Hinzu kommt, daß es immunologisch gesehen völlig gleichgültig ist, wie hoch die Impfquote auf dem Papier ist, wenn – wie offenbar der Fall zu sein scheint – dadurch weder Immunität noch Sterilität erzeugt wird, und der Schutz vor einem schweren Verlauf nur etwa drei Monate anhält. Wenn irgendwann dann 95% der Menschen doppelt geimpft sind, dann sind ~80% davon längst wieder völlig schutzlos und wundern sich, was an COVID Erkrankungen so abgeht in der „vollständig durchgeimpften Bevölkerung“, was natürlich wieder neue Maßnahmen erfordert, usw., usf,. ad infinitum. Es nützt übrigens auch nichts, wenn alle gleichzeitig geimpft werden, weil dann nur der… Mehr