Anne Will: Schaumschlagen mit Anton Hofreiter

Die Energiewende sei eine „naturwissenschaftliche Notwendigkeit“, der menschengemachte und steuerbare Klimawandel ein „Konsens der Naturwissenschaft“, man dürfe „keine Naturgesetze anzweifeln“, predigte er wie ein feister Mönch im Mittelalter bettelarmen Bauern.

Screenprint: ARD/Anne Will

Eigentlich war gegen Mittag bereits folgendes Schreiben an unsere Kollegin bei Tichys Einblick vorbereitet. „Liebe Sofia, nicht schon wieder:
‘Klimaschutz und Kohleausstieg – werden die Milliarden richtig investiert?‘
Also mir reicht es langsam mit dem Quatsch-Thema. Immer dasselbe, nur andere Idioten.“ Aber wir haben die Mail nicht abgeschickt, das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert.

Außerdem war Anton Hofreiter dabei, das macht es erträglich, denn Anton Hofreiter ist längst eine Karikatur des Enthaltsamkeit predigenden Genießers. Ein Ewig-Gestriger mit beachtlichem Rentenanspruch. Zwar kommt der Hofreiter Anton nur richtig in Stimmung, wenn er gegen Rechts poltern kann, aber der Unsinn, den der studierte Biologe im Klimatischen so von sich gibt, verspricht durchaus gute Unterhaltung.

„Was in Australien los war, oder bei uns im Jahr 2018 (schöner Sommer?)“ lamentierte der Bayer, der in seiner Freizeit gern Marzipan-Pralinen herstellt und isst, das sei … sozusagen … also irgendwie. „Wer 10 oder 20 Jahre alt ist, hat zu Recht Angst, in einer Welt zu leben, die so schrecklich sein wird …“ Gut, dass die Kleinen im Bett waren und die Großen netflixen, auch wenn Anton nachschob: „Man muss jetzt nicht in Panik geraten.“ So isser halt, der Hofreiter, sozusagen. Der sagt nix, der redet bloß. Und dann wieder das Gegenteil.

Wohlstand für Alle?
Rettung des Weltklimas: Wohlstand für Wenige
Übrigens ist der Hofreiter Anton 2018 eigens nach Grönland geflogen, um dort wegen der Erderwärmung schmelzende Eisberge zu bestaunen. Schon während des Studiums war er in „Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Venezuela unterwegs“ und hat „Fotos gemacht und Ökosysteme dokumentiert“. Er kennt sich aus. Und für das Süddeutsche Zeitung Magazin hat er vor kurzem „fünf gefährdete Alpenblumen gemalt.“ Damit die besser geschützt sind?

Einen wirklichen Gegenpart hatte der Anton nicht. Anne Will versuchte den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt ein wenig zu provozieren, indem sie von Kungelrunden im Kanzleramt (Kohlekompromiss) sprach, aber der CDU-Mann Reiner Haseloff ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Das seien keine Kungelrunden, sondern Arbeitszeit. Er müsse außerdem ans Klima und Arbeitsplätze denken und an die Stromsicherheit für Deutschland und an „die Preiswürdigkeit des Stroms“. Und an die AfD, bei ihm sei schon die ganze Landkarte blau wegen der gewonnenen Direktmandate der Strompreisablehner. Außerdem: Seine Grünen würden ihn jedenfalls unterstützen.

Die seien zufrieden … sozusagen … sagte der Anton. Und auch nicht. Sozusagen.

Vernunft oder Klimahysterie
Klimahysterie: Aktivisten contra Wissenschaft
Marie-Luise Wolff ist Präsidentin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft und zeigte schön deutlich, dass die Industrie alles mitmacht, solange bezahlt wird. Und dann umso lieber. Sie nehmen Geld für alte Kohlenmeiler und für neue Gaskraftwerke. Und zwar gerne! Außerdem denken die Konzerne supranational. Betreibt man halt die Atomkraftwerke anderswo, nimmt hier die Subventionen und Entschädigungen mit, und sagt notfalls Arrividerci. Andere Länder haben auch schöne Töchter. Sie maulte daher nicht über die Energiewende, sondern wünschte sich nur mehr Planungssicherheit. Klar, ihre Kohle soll gepflegt fließen. Der Rest: siehe oben. Bevor jetzt jemand über den Kapitalismus meckert: 50% der unverschämten Strompreise gehen an den Staat. Frau Wolff ist mit den Grünen auch dafür, die 1.000-Meter-Grenze für Windanlagen zu ändern. Windräder sind das neue Atom, hier fließt wohl die meiste Kohle. Die Bürger zählen nicht, für keinen, nicht nur in der Runde bei Will. Sie kommen nur als Protestierer vor, die Windräder verhindern.

Lediglich Haseloff stöhnte kurz, seine Landsleute kämen kaum noch in den Schlaf: links ein Windrad, rechts ein Windrad, überall blinkten die roten Lämpchen. Aber gleichzeitig ist er stolz, dass es so ist. Nur soll jetzt das Elend in den Westen wandern.

"Klimaschutz und Kohleausstieg"
Anne Will: Schaumschlagen mit Anton Hofreiter
Antje Grothus, ein in die Jahre gekommenes Klimamädchen schimpfte dafür umso mehr über all die Kompromisse, sie kommt aus der Gegend des Hambacher Forstes, wo die Terrorcamps wachsen und gedeihen. Sie spricht für 600 Bewohner von Dörfern, die weggebaggert werden sollen. Grausam. Sie interessiert sich nicht für Millionen, denen zukünftig das Windrad im Garten das Leben kaputt macht, ohne Entschädigung übrigens, die für Grothus ein schönes, neues Häuschen bringt. Das nennt sie dann „soziale Frage“.  Sie steht für Lobbyismus und war Mitglied in der Kohlekommission. Noch Fragen?

Sebastian Lachmann ist als Einkäufer für Kraftwerkstechnik bei der LEAG in Cottbus tätig und noch aus DDR-Zeiten Kohle-Kummer gewohnt. Damals haben CDU/SPD/Grünbewegte unter Führung der Kommunisten in der SED Umsiedlungen in der Lausitz kurz und demokratisch erledigt. Heute ist er froh, dass es überhaupt Arbeit in der Lausitz gibt.

Vielleicht war Lachmann unserem Hofreiter nicht klimabegeistert genug, vielleicht drehte es sich demselben auch zu sehr um die Kosten der Energiewende (höchste Strompreise in Europa, Rentner sitzen ohne Heizung bei Kerzenlicht zuhause, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlen können), er fühlte sich jedenfalls bemüssigt, noch einmal allen Zusehern in Erinnerung zu rufen: Die Energiewende sei eine „naturwissenschaftliche Notwendigkeit“, der menschengemachte und steuerbare Klimawandel ein „Konsens der Naturwissenschaft“, man dürfe „keine Naturgesetze anzweifeln“. Mein Gott! Konsens der Naturwissenschaft? Was versteht der Biologe vom Klima? Der Chemiker? Selbst den meisten Physikern dürfte das Thema fremd sein. Wir haben extra noch mal nachgeschaut, aber der Hofreiter Anton hat tatsächlich an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert! Und die nennt sich Exzellenzuni.

Nur negative Prognosen sind attraktiv
Apocalypse Now! bei Anne Will. Oder Wenn die Hitze zu Kopfe steigt!
Aber Haseloff wollte dann doch die frierenden Rentner etwas beruhigen, indem er versprach „private Haushalte können unter Umständen das Signal bekommen, dass der Strompreis gedeckelt wird.“ Da wird’s aber wohl doch eher noch blauer in Sachsen-Anhalt. Gedeckelt werden soll er aus der künftigen Steuer für CO2. Schön. Nur wer zahlt die Steuer? Die Windräder nicht. Die Rentner, die später einen (kleinen) Teil zurück kriegen?

50 Milliarden lässt sich die Bundesregierung den Klimaspaß mit unseren Steuergeldern kosten. 40 Milliarden für Strukturhilfen (deshalb ist wohl Tesla schnell nach Brandenburg gekommen), 5 Milliarden für laufende Kosten und 5 Milliarden für Kraftwerksentschädigungen.

Dann haben wir gehört (von Hofreiter) dass die Welt auf unsere Kosten gelernt hat, wie man Photovoltaik- und Windkraftanlagen total billig herstellen kann, und macht das auch schon fleißig – dafür zahlen wir heute immer noch. Sozusagen.

Herr Lachmann brachte das ganze Elend von Merkels Apokalypse und Staatsfunks Beitrag auf den Punkt. Ob er auch „Angst vor Klima“ habe? „Nein.“ Aber der Strompreis werde wohl weiter steigen. Was willst du machen, wenn die Parteiführung was beschlossen hat, hören wir da mitschwingen. Und am Ende traut er sich doch zu fragen: „Welches Land ist so irrsinnig und schaltet seine Atom- und Kohlekraftwerke ab, ohne den Ausfall kompensieren zu können?“ In der Nacht von Anne Will kommen vermutlich 80 bis 90 Prozent des Strom aus Kohle und Atom, denn die Sonne scheint und Wind weht nicht. Aber das interessiert ja nicht so. Haseloff guckte mitfühlend, aber eine Antwort ging im Geschrei unter, bei dem sich die Aktivistin Grothus und Aktivist Hofreiter am lautesten hervortaten. Aber die Antwort weiß eh längst jedes Schulkind. Gute Nacht.

Lesen Sie Stephan Paetow auch auf
https://www.spaet-nachrichten.de/


Unterstützung
oder

Kommentare ( 82 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

82 Kommentare auf "Anne Will: Schaumschlagen mit Anton Hofreiter"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Wunderwelten

In Brandenburg soll ja nun ein Giga-Elektroauto-Werk entstehen. Jede Wette, das endet so wie die Solarfirma und eine Lausitz-Rennstrecke. Und wieder werden die Millionen futsch sein.

Da war auch mal was mit „Zeppelin“, wofür auch Millionen aus der Landeskasse flossen.Ist heute ein Freizeitpark, ob auch so schön wie der in Kalkar (NRW) , wo ein hoch modernes AKW aus Sozen-Partei-Ideologie direkt nach erfolgreichen Probeläufen abgewrackt wurde, Milliarden in den Sand gesetzt, vom Bürgerlein klaglos bezahlt, von Ideologen frenetisch beklatscht, darunter vielen mit Steuerphobie.

Der Beispiele gibt es noch viele: Flugplatz Kassel-Calden, da kommt oder geht ab und zu mal ein Sportflugzeug..
Oder der Tiefwasserhafen Wilhelmshavem, der auch nicht so recht in die Gänge kommt…

Vor einigen Jahren ging die Kanaren Insel El Hierro durch Funk und Fernsehen, nicht wegen der einzigartigen Natur mit drei Vegetationszonen auf kleinstem Raum sondern weil auf diesem kleinen Mikrokosmos bewiesen werden sollte, daß unter idealen Bedingungen Energieautarkie möglich ist: Sonne, Passatwinde, Topografie mit Bergen für Speicherseen, alles vorhanden, daß Ölkraftwerk sollte nur noch als back up fungieren. Man hat also zwei große Speicherbecken gebaut mit mit Rohrleitung und Turbinen dazwischen, ließ sich wunderbar in die Landschaft integrieren. Auf PV hatte man verzichtet. Bilanz: gestern mittag: 50% Ölkraftwerkstrom, 45% Wind, 5% Speicher, heute 12.00 100% Strom aus fossiler Quelle, 0%… Mehr

Und reichlich Fördergelder aus EU- und sonstigen Kassen für diesen ideologischen Blödsinn abgegriffen.

Man muß sich bewußt sein, daß Deutschland von der Substanz zehrt, von dem, was frührere Generationen aufgebaut haben.
Windräder, Solardächer, Elektroautos, Ladesäulen… allesamt subventioniert und schon deswegen keine Investitionen in die Zukunft. Genaugenommen konsumtive Ausgaben zugunsten bestimmter Profiteure.

Neben totaler TV-Abstinenz trägt noch etwas zur seelischen und geistigen Hygiene bei: keine Artikel lesen, in denen „Forscher“ oder „Experten“ vorkommen

Gegen den ungeheuren Lärm (den Rummel) um die „Klimarettung“ hilft – wie immer in Zeiten des allgemeinen Obskurantismus – ein Blick auf die Fakten und auf das, was wir wirklich wissen – und das ist stets weniger, als viele meinen oder propagieren. 1. Es scheint z.Zt. einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zu geben. Wie weit dieses Phänomen einen Langzeittrend darstellt, ist noch nicht sicher. 2. Unter Klima versteht man bekanntlich die über 30 Jahre gemittelten Wetter-Meßdaten. „Das Klima“ gibt es übrigens nicht, sondern, wie wir schon in der Schule gelernt haben, mindestens fünf Klimazonen. 3. Da Klima grundsätzlich „das Wetter… Mehr
Zu den maximal 2 %, die Dld. zum Menschen verursachten CO2 beiträgt ist anders herum festzustellen, daß der Anteil an der Gesamtluft 0,038 % beträgt, davon 97 % aus der Natur kommen, max. 3 % auf menschliches Wirken zurückzuführen sind, davon besagte 2 % auf Dld. entfallen. Und diesen Minimaleinfluß sollen „Wir“ nach Merkel u. vd Laie mit Billionenaufwand finanzieller Mittel zum Wohle des Weltklimas durch Transformation von Gesellschaft u. Industrie absenken. Das Ergebnis liegt im nicht meßbaren Bereich. Und während „wir“ max. 84 Kohlekraftwerke abschalten können, haben allein die Chinesen ca. 300 NEUE in Bau und Planung. Da könnten… Mehr

Sie könnten es – bis auf die ganz Dummen – schon verstehen. Aber sie wollen es nicht. Credo quia absurdum…

Man fragt sich, was schlimmer ist: der Niedergang der Energieversorgung (den wir alle spüren und bezahlen werden – so oder so). Oder das Bild, das wir Deutschen in der Welt abgeben. Einem Volk anzugehören, dessen politisch Verantwortliche spinnen, ist auch nicht sehr schmeichelhaft.

Ganz oben glaubt man natürlich keine Sekunde an die „Klimarettung“. Es ist einfach ein plump getarntes Enteignungsprogramm und in der Folge eine Verschiebung der Machtverhältnisse.

@“der menschengemachte und steuerbare Klimawandel ein „Konsens der Naturwissenschaft““

Klimafragen zitieren als Motto die Aussage, wo es einen Konsens gebe, gebe es keine Wissenschaft:

https://www.klimafragen.org/

Sonst hätten wir immer noch „Konsens“ zur flachen Erde, um die sich die Sonne dreht und beim Brennen Phlogiston entsteht.

@“… Was willst du machen, wenn die Parteiführung was beschlossen hat …“

Das hörte ich oft in meiner Jugend – damals hiessen die Parteien SED und PVAP (poln. PZPR). Vielleicht führen noch die Genossen von der CDU ein wenig interner Demokratie ein?

Die Erde als Scheibe ist insofern nachwievor Konsens, als dies Bais ist für die Klima-Modell-Rechnungen, da für das Kugel-Modell nicht genügend Rechenkapazität zur Verfügung stand (steht?). Allein dies zeigt, wie wenig realitätsnah die Berechnungen sein können.

Wusste gar nicht, dass Naturwissenschaft eine Konsenswissenschaft ist. Dachte immer das gilt eher für Politologie und Gender. Aber dank Dr Tony lernt man ja nie aus.

Immer, wenn man den „menschengemachten Anteil am Klimawandel“ überprüfen will, greift man in „Matsch“. Grundlegende Untersuchungen und deren eindeutige eRgebnisse müssten angesichts der „Virulenz“ des Themas doch nur so aus den forschungsinstituten und Universitäten herauspurzeln … ? Statt dessen „Sprüche“, wie der vom Anton Hofreiter … : „Die Energiewende sei eine „naturwissenschaftliche Notwendigkeit“, der menschengemachte und steuerbare Klimawandel ein „Konsens der Naturwissenschaft“, man dürfe „keine Naturgesetze anzweifeln“ (so zitiert oben in der Einleitung). Ja, dann mal „Butter bei de Fische“, der Mann ist ja schliesslich Diplom Biologe und hat über eine südamerikanische Pflanzengattung promoviert. Erleuchte er uns also, wissenschaftlich denken… Mehr

Warum nur muß dieser Hofreiter so oft in Talkshows und Interviews erscheinen? Am Sachverstand kann es nicht liegen. Denn wenn einer ideologisch begründete Energiepolitik mit „naturwissenschaftlichen Notwendigkeiten“ gleichsetzt (was soll das überhaupt sein?), dann muß ihm argumentativ schon das Wasser bis zum Hals stehen. Denn gerade Physik und Chemie lassen ja die Energiewende scheitern. Und vom „Konsens der (Natur-)Wissenschaft“ haben wir nun schon bis zum Überruß gelesen. Wahrheit per Mehrheitsbeschluß?

Warum kommt mir beim Thema „Energiewende“ in Deutschland eigentlich immer mein alter Physiklehrer in den Sinn, der falsche Antworten von Schülern, gerne mit dem Spruch „der Quatsch wird immer quätscher, bis er quietscht“ kommentierte?