Mehrheit der Ukrainer für Abstimmung über Friedenslösung

Die Menschen in der Ukraine wollen Frieden: Eine klare Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung befürwortet die Idee eines Referendums über ein Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges. Das Ergebnis der Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology (KIIS) setzt auch Präsident Wolodymyr Selenskyj unter Druck.

picture alliance / dts-Agentur | -

Laut den ukrainischen Meinungsforschern sprechen sich 55 Prozent der Befragten dafür aus, die Bevölkerung über einen potenziellen Friedensdeal abstimmen zu lassen. Etwa 32 Prozent lehnen ein solches Referendum ab, während weitere 14 Prozent noch unentschlossen sind, berichtet die Zeitung Kyiv Independent.

Die Debatte erhielt neuen Auftrieb, nachdem Präsident Wolodymyr Selenskyj Mitte Dezember erklärte, dass mögliche territoriale Zugeständnisse im Rahmen eines international unterstützten Friedensplans nicht allein politisch entschieden werden dürften. Eine derart weitreichende Frage müsse – so Selenskyj – vom ukrainischen Volk selbst beantwortet werden, gegebenenfalls durch eine Volksabstimmung.

Allerdings steht diesem Vorhaben derzeit die Realität des Kriegsrechts entgegen. Sowohl Wahlen als auch Referenden sind unter den geltenden gesetzlichen Bestimmungen während des Kriegszustands untersagt. Zwar hat Selenskyj das Parlament beauftragt, rechtliche Änderungen zu prüfen, doch bleiben die Hürden hoch. Neben organisatorischen und sicherheitspolitischen Problemen müsste dann auch Russland für ein Friedensabkommen bereit sein.

Ein überarbeiteter, 20 Punkte umfassender Friedensplan, der von der Ukraine und den USA unterstützt wird, sieht vor, dass ein Abkommen entweder vom Parlament ratifiziert oder durch ein Referendum legitimiert werden müsste – möglicherweise innerhalb von 60 Tagen nach einem Waffenstillstand. Doch wie realistisch dieses Szenario ist, bleibt offen.

Der Fraktionschef der Präsidentenpartei „Diener des Volkes“, David Arachamija, brachte unterdessen ins Spiel, Wahlen und ein Referendum am selben Tag abzuhalten. Dies könne – so seine Einschätzung – innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten einer Waffenruhe geschehen.

Noch mehr Korruption und innenpolitische Spannungen in Kiew

Parallel zur sicherheitspolitischen Debatte wächst der innenpolitische Druck auf die Regierung: Ein mutmaßlich neuer Korruptionsskandal erschüttert die politische Landschaft und betrifft nun auch die frühere Ministerpräsidentin und heutige Parlamentsabgeordnete Julia Timoschenko. Gegen die Parteichefin wurden schwerwiegende Bestechungsvorwürfe erhoben, ein Gericht verhängte eine Kaution von umgerechnet mehr als 660.000 Euro. Zudem darf Timoschenko das Umland von Kiew nicht verlassen und musste ihren Reisepass abgeben.

Die bekannte Politikerin reagierte scharf und griff die amtierende Führung direkt an. Sie kündigte an, im Land zu bleiben, bis die Ukraine – so ihre Worte – von dem „im Kern faschistischen Regime“ befreit sei. Die Vorwürfe und die aufgeheizte Rhetorik verdeutlichen, wie angespannt die politische Lage im Land ist.

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Kommentare ( 6 )

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Peter Pascht
1 Stunde her

Mehrheit der Ukrainer für Abstimmung über Friedenslösung? – wie naiv, das interessiert doch Putin nicht im mindesten Friedenslösung – soll was heißen? Was Trump und Putin wollen ist ein neuer „Hitler Stalin Pakt“ – allerdings weltweit. Das schaffen die bestimmt. Putin möchte für den russichen Imperialismus die Ukraine und den uralten zaristischen Traum der Kontrolle über das Schwarze Meer und Bosporus Meerengen, sowie die Neutralität der Arktis Region. Trump möchte für den amerikanischen Imperialismus venezolanisches Erdöl, ukrainisches Lithium(hat er schon) und Grönlands Bodenschätze, Da wird es bestimmt einen „imperialistischen Frieden“ geben 😉 zwischen den beiden. Hilter und Stalin hatten es… Mehr

Kuno.2
1 Stunde her

Vor einer Volksabstimmung fürchtet sich Selenskyi wie der Teufel vor dem Weihwasser.

humerd
1 Stunde her

tja, Pech für die Bevölkerung, nicht nur der Ukraine, Selenskyi, Ursula von der Leyen, Macron, Merz und Starmer wollen keinen Frieden.

Haba Orwell
1 Stunde her

> Ein überarbeiteter, 20 Punkte umfassender Friedensplan, der von der Ukraine und den USA unterstützt wird

Hat Trump den Schnorrlensky-Plan voll unterstützt? Ich habe das anders gelesen. Kürzlich noch verstand er die russische Position, dass nicht ein Waffenstillstand, sondern Frieden das Ziel sein sollte. Die Banderas erzählen hingegen Märchen, die brauchen 90 Tage Waffenstillstand für das Referendum.

jwe
1 Stunde her

oh, oh, oh. Die UKrainer sollen über das Friedensabkommen abstimmen. Der Schuss könnte für Merz, Macron und Stamer nach hinten los gehen. Was, wenn das Volk für Gebietsabtretungen stimmt, um Frieden zu bekommen? Die europäischen Werte wären in Gefahr. Und genau deshalb muss die Abstimmung der Ukrainer über den Frieden unterbunden werden. Der Krieg könnte zu Ende gehen!

Nibelung
1 Stunde her

Die Ukraine war und ist von anfang an ein wirtschaftliches und strategisches Unterfangen gewesen und das in provokativer Form vor der Haustür Rußlands und jetzt wo sie merken, daß sie den kürzeren ziehen, kommt so langsam die Einsicht durch und gerade die Deutschen als Ausleger von US-Interessen sind besonders stark involviert und vergeuden eigenes Geld im Überfluß und das ist doch völlig abnormal, wenn man fremde Interessen über eigene setzt. Gerade Rußland hätte es doch verdient, daß man sie nach ihrem Abzug als Besatzungsmacht in Ruhe läßt und sie auf Geheiß nicht noch mit der Nadel sticht und das alles… Mehr