15 Soldaten, ein Admiral und noch größere Worte – und dann der nächtliche Abflug. Der hektische Rückzug der Bundeswehr aus Grönland ist kein Missverständnis, sondern ein Offenbarungseid deutscher Außen- und Sicherheitspolitik.
picture alliance/dpa | Julia Wäschenbach
Man stelle sich vor, die deutsche Bundeswehr wäre eine Armee die abschrecken und Präsenz zeigen wollte. Abschreckung und Bündnisfähigkeit wollen wir gar nicht erwähnen. Dann hätte man eventuell erklärt, warum 15 Soldaten, unter Führung eines Flottillenadmirals, binnen Stunden nachdem sie unter großem Presserummel angereist waren, Grönland wieder verlassen haben.
Was sich, wie die Bildzeitung berichtet, in Nuuk abspielte, ist ein Lehrstück deutscher Außen- und Sicherheitspolitik. Ohne Ziel, ohne Plan. Gestern Hüh, Heute Hott. Es sieht so aus, als wollte die deutsche Politik die Beurteilung des italienischen Außenministers, dass die ganze Angelegenheit ein Witz sei, nachträglich bestätigen. Zunächst war die offizielle Linie: Man bleibe länger, prüfteOptionen, berät sich mit den Dänen. Jetzt: Abflug bei Tagesanbruch. Keine Erklärung, keine Kommunikation. Der Abmarschbefehl kam kommentarlos frühmorgens aus Berlin.
Die Armee als Fluchtreflex
Eine Erkundungsmission der NATO, auf Einladung Dänemarks, mitten in einer geopolitisch sensiblen Region, reist übereilt an und verlässt dann fluchtartig das Feld. Weder das Verteidigungsministerium noch das Auswärtige Amt glauben dazu Erklärungen abgeben zu müssen. Schweigen ist offensichtlich die neue, dem Gegner überlegene strategische Doktrin.
Der Kontext ist allerdings einigermaßen klar. Grönland steht seit Monaten im Fokus amerikanischer geopolitischer Interessen. Donald Trump macht keinen Hehl daraus, dass er das riesige Territorium als strategischen Schlüsselraum betrachtet. Militärisch, rohstoffpolitisch und geopolitisch. Wer sich dort bewegt, bewegt sich im Spannungsfeld der Großmächte. Und genau hier zeigt Deutschland, seine besonderen Fähigkeiten. Nämlich die zum schnellen Verschwinden.
Ob der Rückzug mit Trumps Zollankündigungen zusammenhängt oder mit diplomatischem Druck aus Washington, ist schwer zu sagen. Und genau das ist der eigentliche Skandal. In einem Rechtsstaat mit parlamentarischer Kontrolle wäre Transparenz selbstverständlich. Die deutsche Regierung handelt aber offenbar noch der Vogelstraußß Maxime. Kopf in den Sand, und dann wird schon niemand ihr offensichtliche planlose Handel bemerken. Je peinlicher der Vorgang, desto tiefer das Schweigen.
Das Signal ist verheerend. Dem Bündnispartner wird bedeutet, dass Deutschland unzuverlässig ist. Dem Gegner gibt man zu verstehen, dass Deutschland ausweicht. Der eigenen Truppe zeigt man, dass man sie als Statisten in einem politischen Improvisationstheater sieht. Große Worte gefolgt von kleinlichen Taten.
Seit Jahren wird von „Zeitenwende“ gesprochen, von Verantwortung, von Führungsrolle. In der Realität erleben wir eine sicherheitspolitische Kultur des Kleinmachens. Angst vor Konflikten, Angst vor Entscheidungen, Angst vor eigentlich allem.
Dass ausgerechnet ein Flottillenadmiral der Bundeswehr zum Statisten eines nächtlichen Rückzugs wird, ist sinnbildlich. Rang, Uniform und Auftrag zählen nichts mehr, wenn politische Führung fehlt.
Der heimliche Abflug aus Nuuk ist kein Einzelfall, sondern Symptom. Deutschland will mitreden, moralisch auftrumpfen und Bedenken anmelden. Aber um Gottes Willen nicht handeln. Zeichen setzen, aber bitte folgenlos. Sicherheitspolitik betreiben, aber ohne Risiko. Wer so agiert, braucht keine Gegner. Eer erledigt sich selbst.
Grönland war eine Bühne. Das Stück heißt nach wie vor: strategische Selbstverzwergung. Und der Abgang erfolgte, wie immer, ohne Applaus.

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„Dem Bündnispartner wird bedeutet, dass Deutschland unzuverlässig ist. Dem Gegner gibt man zu verstehen, dass Deutschland ausweicht.“ Also eigentlich zeigt doch (der US-Bundesstaat?) Deutschland damit doch seine unbedingte Vasallentreue zum Bündnispartner USA und zeigt damit auch dem Gegner (Rußland?, China?, oder was hatte der Autor im Hinterkopf?), daß Deutschland ein zuverlässiger Vasall der USA ist und alles tun wird, was der große Bruder verlangen wird (und sei es ein Angriff auf Rußand).
Bruderkuß fehlt noch
Deutsche Außenpolitik besteht doch seit Jahren in innenpolitischer Symbolpolitik und außenpolitischem Scheckbuchzücken.
Hätte Grönland eine eigene Armee der man ein paar Milliarden in die Hand drücken könnte, oder ein paar noch funktionstüchtige Teile aus Bundeswehrbeständen, dann wäre das ja alles kein Problem. Es wäre dann auch egal, wie viel davon in Korruption draufgeht, siehe Ukraine.
Aber das könnte man dann wohl der deutschen Bevölkerung nicht vermitteln, Milliarden an ca. 60 in Grönland stationierte Soldaten der dänischen Armee zu vergeben um damit Grönland irgendwie verteidigungsfähiger zu machen. Womöglich würde da sogar Lanz wieder dumme Fragen stellen!
Vei früheren Übungslagen der BW kämpft Grünland gegen Rotland, heute steht Grönland gegen Rotland… ein kleiner Buchstabe geändert und schon haben wir eine Bärböcksche 360°- Wende… Bestimmt sehr kalt da in Grönland… ich hör schon unsere Zylonen: „Nein, also sooo kalt, da kann ich nicht kämpfen.“ – „Man versprach mir bei Einstellung eine klimazonenfreundliche Verwendung!“ – „Ist das ein echter Eisbär?“ – „Sind die Essenmarken auf Dänisch?“ – „Das ist eine lange Unterhose, Soldat, kein Schal!“ – „Wenn die Amis kommen, können wir dann im PX einkaufen?“ Ich hoffe, es gibt einen Orden für die heldenhafte Miniaturverteidigung! Die muss ins… Mehr
Der Erkundende betritt den Iglu, aka Unterstand. Flotillenadmiral: „Stehen Sie bequem, Erkundender! Wie ist die Lage draußen im Eis?“ Der Erkundende: „Melde gehorsamst, es ist draußen kalt und nachts dunkel!“. Flotillenadmiral: „Erkundender, begeben Sie sich in den Duty Free, Zollfreies fassen“. So oder ähnlich verlief die Mission.
Die Deutschen sind nun einmal seit einigen Jahren die großen Komiker in der Weltpolitik. Wenn man schon nichts zu melden hat, dann kann man ja wenigstens für das allgemeine Amüsement sorgen. Jeder macht halt das, was er am besten kann.
„Die Deutschen sind nun einmal seit einigen Jahren die großen Komiker in der Weltpolitik“ – Das sind sie schon seit dem „segensreichen Wirken“ Bismarcks gegen Österreich und Frankreich.
Sofortiger Rücktritt des deutschen Verteidigungsministers Pistorius. Er versagt genauso wie sein Antskollege Wadephul. Einfach erschreckend, diese Dilettanten ertragen zu müssen.
Was zum Teufel veranlasst, uns ein Kolonialsystem aus dem 19. Jahrhundert zu stützen. An Grönland ist absolut nix dänisches.
Grönland ist neben den Färöer-Inseln der letzte Teil des einstigen dänischen Kolonialreichs. Beide hatten bis 1953 bzw. 1948 tatsächlich sogar noch offiziell Koloniestatus. Warum den Dänen der Trennungsschmerz so schwerfällt, ist rational kaum zu erklären. Einfach mit Zustimmung der Bewohner an den Meistbietenden verticken und gut ist.
„Warum den Dänen der Trennungsschmerz so schwerfällt, ist rational kaum zu erklären.“ Vielleicht aus dem gleichen Grund, warum es Frankreich, UK und den USA so schwer fällt auf ihre Besitzungen außerhalb des eigentliche Festlands zu verzichten und warum schon nach dem WK I unbedingt solche strategischen Besitzungen Deutschlands den Besitzer wechseln mußten?
Wer hatte denn etwas anderes erwartet? Alleine die Zahl 13 (15?) Leutchen sollte doch jedem von vorneherein signalisieren, dass das keine ernsthafte Aktion war.
Folgerichtig sind die nach einem halben Tag wieder abgehauen.
Man hat so getan, als würde man mal richtig auf die Kacke hauen, um gewisse USA-Hasser zu befriedigen (SPD, Grüne et al). Sich wirklich mit den USA anzulegen, dafür sind sogar diese Deppen zu schlau.
Mit den US-LNG kann es natürlich zolltechn. in die „grüne Hose“ gehen, wenn die US-EU-Zanke eskaliert…aber wir frieren ja gerne solidarisch!
Die Stände der Gasspeicher sind etwas aus dem Fokus geraten – und draußen ist es richtig kalt.